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06.03.2019

Österreich hat die Digitalisierung im Regierungsprogramm fest verankert

Inhalt

E-Government und künstliche Intelligenz im Fokus / Von Barbara Kussel (Februar 2019)

Bonn (GTAI) - Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz setzt auf Digitalisierung. Und seine Regierung liefert - Schlag auf Schlag.

Digitalisierungsstrategie

Die Digitalisierung gehört zu den Schwerpunkten der Mitte-Rechts-Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Wir wollen Österreich fit für das digitale Zeitalter machen", heißt es im ersten Regierungsprogramm 2017 bis 2022, das im Dezember 2017 vorgestellt wurde. Im Fokus der Programmpunkte zur Digitalisierung stehen öffentliche Dienstleistungen, das Thema Konnektivität und die Cybersicherheit.

Die Regierung begreift das Thema sehr umfassend: Knapp 200-mal fällt der Begriff "digital" im Regierungsprogramm - in fast allen Bereichen, mit sehr vielen, sehr konkreten Beispielen. Ein Auszug: In der Justiz steht die "Digitalgründung der GmbH mit dem Notar" auf der Agenda, in der Bildung die "Ausstattung der Schulen mit digitaler Infrastruktur" und die "digitale Lernunterstützung". Der "Lehrberuf-Katalog (soll) mit aktuellen Berufsbildern, durch Digitalisierung geprägt" sein, die Hochschulen digitalisiert, eine 5G Strategie rasch verbschiedet sowie die "allfällige" Digitalisierungsagentur gegründet werden.

Und die Regierung liefert. Im Mai 2018 stellte sie der Öffentlichkeit die Digitalisierungsagentur als Impulsgeber für die Wirtschaft vor. Im April 2018 hat das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die 5G-Stratgie präsentiert. Bereits am 8. Januar 2018 hatte Kurz das "Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft" in "Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaft" umbenannt und umfungiert. An die Spitze des Hauses setzte er Margarete Schramböck, die zuvor Chief Executive Officer (CE0) von Österreichs führendem Telekommunikationsanbieter A1 Telekom Austria war.

Eine neue digitale Gesamtstrategie für Österreich gibt es noch nicht. Um die Arbeiten voranzutreiben, hat die Bundesregierung eine Task Force eingerichtet, in der die Chief Digital Officer aller Ministerien vertreten sind. Eine gute Grundlage für die Arbeit sei die "Digital Roadmap" der Vorgängerregierung, schreibt das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaft auf seiner Homepage. Mit der Digital Roadmap Austria war 2017 der Startschuss zu einer Digitalisierungsstrategie gelegt worden. Das Papier hatte erstmals die Aktivitäten aller Ressorts der Bundesregierung gebündelt.

Wo Österreich im europäischen Vergleich in Sachen Digitalisierung steht, zeigt der Digital Economy and Society Index (DESI) der Europäischen Union (EU). Im Jahr 2018 belegte das Land wie schon 2017 den elften Platz, mit einem Gesamtwert von 58,0 (Vorjahr: 54,7). Es liegt über dem EU-Schnitt von 54,0 (Vorjahr: 50,8). Die besten Ergebnisse erzielte die Alpenrepublik in den Kategorien "Humankapital" (Platz 7) und "Digitale Öffentliche Dienste" (Platz 8). Der schwache 17. Rang in punkto Konnektivität dürfte auch dem teuren Breitbandausbau in einem alpinen Land geschuldet sein.

Strategie für künstliche Intelligenz

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie hat 2017 den "Österreichischen Rat für Robotik und Künstliche Intelligenz" ins Leben gerufen. Das neun Mitglieder starke Gremium, in dem vorrangig Wissenschaftler vertreten sind, berät die Regierung bei der "Ausarbeitung ihrer Strategie für Künstliche Intelligenz und Robotik".

Im November 2018 präsentierte der Rat sein Whitepaper "Die Zukunft Österreichs mit Robotik und Künstlicher Intelligenz positiv gestalten" https://www.bmvit.gv.at/innovation/downloads/white_paper_robotikrat.pdf . Das Papier definiert drei strategische Eckpfeiler: Smart Governance, Smart Innovation und Smart Regulation. Es sieht sich als Impulsgeber für die Einleitung eines Strategieprozesses.

Sicher ist, dass Österreich Hochburg der Künstlichen Intelligenz (KI) werden will: Jüngster Meilenstein auf diesem Weg ist die Gründung des Institute of Advanced Research Artificial Intelligence (IARAI), die im Februar 2019 bekannt gegeben wurde. Das neue KI-Institut mit Sitzen in Linz, Wien und Zürich soll mit 30 Wissenschaftlern Grundlagenforschung betreiben. Dabei kommt dem Thema Algorithmen - diese können in großen Datenmengen Zusammenhänge finden und sind Grundlage für selbstlernende Systeme - große Bedeutung zu.

Einer der drei Gründungsväter und Geschäftsführer von IARAI ist die KI-Koryphäe Sepp Hochreiter. Der Spitzenforscher leitet das Institut für Machine Learning sowie das KI-Labor an der Universität Linz. Der Aufbau des Artificial Intelligence Lab wird vom Land Oberösterreich mit 12 Millionen Euro gefördert.

IARAI ist mit einem Budget von 25 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre gut ausgestattet. Financier ist die Stiftung des niederländischen Kartendienstleisters Here. Dieser gehört zu 74 Prozent den deutschen Automobilkonzernen Audi, BMW und Daimler, jüngst sind die Zulieferer Bosch und Continental mit je 5 Prozent als Eigentümer hinzugekommen. Mit Here will die Autobranche unabhängig von den Google-Navigationsdaten werden, schließlich gelten digitale Karten als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren.

E-Government

E-Government spielt bei der Digitalisierung Österreichs eine entscheidende Rolle. Im Fokus der E-Government-Strategie stehen derzeit Arbeiten an der bereits existierenden Online-Plattform "oesterreich.gv.at". Sie soll zentrale Anlaufstelle für die wichtigsten Verwaltungsdienstleistungen werden.

Bereits im März 2019 sollen die ersten Services online gehen. Gestartet wird unter anderem mit der elektronischen An- und Ummeldung beim Wohnsitzwechsel und dem digitalen Babypoint für Behördengänge rund um die Geburt von der Geburtsurkunde bis zur Familienbeihilfe - alles mit Handy-Signatur.

Oesterreich.gv.at bindet bestehende Plattformen wie help.gv, den "Wegweiser durch Österreichs Behörden", oder das Rechtsinformationssystem RIS.gv ein. Neben erleichterten Zugangsmodalitäten (Single-Sign-On) und einer hohen Benutzerfreundlichkeit soll "oesterreich.gv.at" mit den unterschiedlichsten mobilen Endgeräten kompatibel sein. Am Ende soll es möglich sein, die meisten Behördengänge via App auf einem zentralen Internetportal schnell und einfach zu erledigen.

Stärken/Schwächen

Digitale Kompetenzen sind einer der Wettbewerbsvorteile Österreichs, heißt es im jüngsten Desi Report, der über den hohen Anteil von Informatik- und Kommunikationsfachkräften und Mint-Absolventen an der österreichischen Bevölkerung berichtet. Hinzu kommt, dass das neue Regierungsprogramm die digitale Weiterbildung forciert. So will die Regierung unter anderem die digitalen Kompetenzen der Lehrer durch Pflichtschulungen stärken, von der Volksschule an Programmiersprachen wie Scratch lehren und neue Studienplätze schaffen. An der Johannes Kepler Universität in Linz wird Spitzenforscher Sepp Hochreiter ab dem Wintersemester 2019/2020 österreichweit das erste Bachelor- und Master-Studium für "Künstliche Intelligenz" anbieten.

Bremsend für die Digitalisierung ist die Tatsache, dass die Akzeptanz der neuen Technologien in der Alpenrepublik weiter steigen muss. "Das gelingt nur, wenn auch die Bedürfnisse und Ängste der Menschen ernst genommen werden", heißt es im Whitepaper des Rates für KI und Robotik. "Akuten Handlungsbedarf" schreibt Bundeskanzler Sebastian Kurz in seiner ersten Regierungserklärung, hat das Land beim "Zugang zu moderner Breitbandinfrastruktur". Dieser werde darüber entscheiden, ob Unternehmen international erfolgreich sind, Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können und junge Menschen vom Land wegziehen. Die Gebirgstopographie des Landes macht den Netzausbau teuer.

Ausblick

Ministerin Schramböck will Österreich beim E-Government in Europa wieder auf einem Spitzenplatz sehen - im jüngsten E-Government-Benchmark der Europäischen Kommission belegt das Land einen guten sechsten Platz unter 34 analysierten Ländern. Schramböcks Vision für 2020: Bürgerinnen, Bürger und Wirtschaft können mit der Verwaltung komfortabel und einfach, elektronisch und barrierefrei kommunizieren. Dem Trend zur Mobilität und den Bedürfnissen nach uneingeschränkter Verfügbarkeit von Verwaltungsleistungen wird Rechnung getragen.

Für die großen ländlichen Räume in Österreich bietet die Digitalisierung Entwicklungschancen, denn sie verändert die Bedeutung von Raum und Distanz. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Infrastruktur und Ausbildungsstand stimmen, an beidem arbeitet die Regierung.

Insgesamt habe Österreich gute Chancen zu den Gewinnern der Digitalisierung zu gehören, schreibt das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) in seinem jüngsten Monatsbericht. Das Land sei ein international anerkannter Standort für Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologien. Auch in Anwendungsbranchen, wie dem Maschinen- und Anlagenbau, der Automobil(zuliefer)-Industrie oder der Umweltbranche, sei Österreich schon heute stark, heißt es zur Begründung.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) http://www.bmvit.gv.at In den Förderprogrammen des BMVIT werden die technischen Grundlagen für KI und Robotik entwickelt
Digitalisierungsagentur (DIA) http://www.ffg.at/digitalisierungsagentur Plattform für Umsetzung wichtiger Digitalisierungsmaßnahmen
Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaft (BMDW) http://www.bmdw.gv.at Am 8. Januar 2018 aus dem Bundesministerin für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hervorgegangen.

Weitere Informationen zu Österreich können Sie unter http://www.gtai.de/oesterreich abrufen.

Mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Robotik und Automation, Verwaltung, Administration, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Martin Schulte

‎+49 228 24 993 245

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