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07.02.2019

Österreichs Holzwirtschaft verbucht starkes Wachstum

Bauwirtschaft befeuert die Branche / Von Axel Simer

Bonn/Wien (GTAI) - Die Nachfrage nach Holz und Holzprodukten in Österreich wächst. Davon profitieren die Holzverarbeiter und die Exporteure im wichtigsten Lieferland Deutschland.

Die Holzverarbeitung in Österreich profitiert seit über drei Jahren von der lebhaften Baukonjunktur im In- und Ausland. Im Jahr 2017 stieg der Branchenumsatz um 4,4 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Hauptantriebskraft war der florierende Wohnungsneubau. "Im Jahr 2018 hat die Nachfrage nach Schnittholz und Holzwaren einen zusätzlichen Schub vom stark gestiegenen Wirtschaftsbau im Inland erhalten und verbucht zudem noch stärkere Exportzuwächse als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum von nominell 7,2 Prozent in den ersten drei Quartalen sollte bis Jahresende nicht wesentlich abkühlen und im Bereich von 5 Prozent bleiben", erwartet der Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Die Holzverarbeitung hat ihren Wachstumshöhepunkt zur Jahresmitte 2018 zwar überschritten. Dennoch ist ein Umsatzplus über dem Vorjahresergebnis wahrscheinlich. Dafür spricht der weitere Anstieg der Erzeugerpreise und vor allem die im November 2018 wieder optimistischeren Produktions- und Preiserwartungen der holzverarbeitenden Unternehmen für die nächsten Monate. Das geht aus einer Studie über die Fortwirtschaft und die Holzverarbeitung in Österreich hervor, die die Bank Austria im Dezember 2018 veröffentlicht hat.

Kapazitätsauslastung erreicht 2018 eine Rekordhöhe

Mit dem starken Absatzwachstum hat die Kapazitätsauslastung der Holzverarbeitung zugenommen. Im 4. Quartal 2018 verzeichneten die Unternehmen eine Auslastung ihrer Produktionskapazitäten von 92 Prozent, dem höchsten Wert seit Erhebungsbeginn Mitte der 90er Jahre. Mit den Auslastungszahlen ist auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche wieder gestiegen, 2017 um 3 Prozent und bis Oktober 2018 um weitere 2 Prozent. Im Durchschnitt waren 2018 wieder mehr als 30.000 Personen in der Branche beschäftigt. Von den 1.500 neuen Arbeitsplätzen, die seit 2016 im Sektor insgesamt geschaffen wurden, entfallen 700 auf die Herstellung von Holzbauelementen - der größten Einzelsparte mit 13.300 Beschäftigten. Weitere 600 Arbeitsplätze sind in den letzten zwei Jahren in der Sägeindustrie entstanden, die insgesamt 9.600 Mitarbeiter beschäftigt.

2019 verliert die Holzverarbeitung an Schwung

"Die Nachfrage nach Holz und Holzwaren wird 2019 insgesamt schwächer, vor allem weil die Bauwirtschaft in den wichtigsten Absatzmärkten der Branche an Wachstumstempo verliert", erwartet Branchenexperte Wolf. Doch die Exportaufträge der österreichischen Holzverarbeiter, die rund 45 Prozent ihrer Umsätze im Ausland erzielen, werden trotz der Abkühlung der Baukonjunktur in den großen Märkten weiter leicht steigen.

Ein Grund dafür ist die erwartete gute Entwicklung der italienischen Bauwirtschaft,. Hier dürfte sich die Baukonjunktur - im Wesentlichen angetrieben von der Aufstockung der Wohnbauausgaben - 2019 und 2020 beschleunigen. Italien ist für die österreichischen Holzverarbeiter der zweitwichtigste Absatzmarkt, 16 Prozent ihrer Auslandserlöse werden dort erzielt. Zugleich wird die erwartete Stagnation der Bauinvestitionen in Deutschland die österreichischen Holzwarenexporte schwächen.

Wie die Außenhandelsergebnisse zeigen, ist die Wettbewerbsfähigkeit im Segment der höher verarbeiteten Holzprodukte überdurchschnittlich rasch gestiegen. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Exportüberschuss mit Holz und Holzwaren insgesamt mehr als verdoppelt, auf 1,7 Milliarden Euro, mit den höchsten Beiträgen von der Warengruppe "sonstige Holzwaren". Zu diesen zählen vor allem Fenster, Türen und Holzverpackungen. Der Exportüberschuss in dieser Produktgruppe hat sich seit 1997 von 35 Millionen Euro auf 824 Millionen Euro erhöht.

Holzimport Österreichs (in Mio. Euro, Veränderungen in Prozent)
2017 Veränderung 2017/16 Veränderung 2018/17 1)
Holz- und Holzwaren 2.462 3,2 7,9
.Roh- und Brennholz 850 -2,4 10,0
.Schnittholz 575 -0,7 7,7
.Furniere, Holzplatten 498 20,1 10,8
.Sonstige Holzwaren 2) 526 3,4 2,4

1) Januar bis August 2018 im Vergleich zu Januar bis August 2017; 2) vor allem Verpackungsmaterial, Fenster, Türen

Quellen: Statistik Austria, UniCredit Research

Österreich ist einer der weltgrößten Schnittholz- und Holzplattenverbraucher. Die Importe von Roh- und Schnittholz stammen zu knapp 34 Prozent aus Deutschland, bei Holzprodukten beträgt der Lieferanteil sogar knapp 40 Prozent. Der Rest kommt im Wesentlichen aus mittel- und osteuropäischen Staaten.

Hoher Holzverbauch in der Alpenrepublik

Der Holzverbrauch in Österreich hat in den letzten zwei Jahren infolge des starken Anstiegs der Schadholzmenge und der hohen Einschnittleistung der Sägeindustrie deutlich zugenommen. Rechnerisch wurden 2017 pro Einwohner knapp 0,9 Kubikmeter Schnittholz und Holzplatten verkonsumiert. Weltweit ist nur der Verbrauch in den baltischen Staaten höher. Hinter Österreich rangieren Neuseeland, Schweden, Kanada, Norwegen und Finnland, mit einem Holzverbrauch von 0,7 bis 0,9 Kubikmetern pro Kopf.

In vielen europäischen Ländern sind noch leichte Zuwächse des Holzverbrauchs zu erwarten, vor allem weil der Rohstoff Holz grundsätzlich einen wichtigen Beitrag zu einer ökologischen Wirtschaft leisten kann, auch indem er zur Eindämmung des Treibhauseffektes beitragen kann. Vor diesem Hintergrund sind die wirtschaftlichen Aussichten der Holzverarbeitung in Österreich auf jeden Fall positiv. Der Rohstoff Holz ist reichlich vorhanden und kann mit relativ wenig Energieaufwand kohlendioxidneutral gewonnen werden.

Weitere Informationen zu Österreich finden sie unter http://www.gtai.de/österreich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Österreich Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein

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