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26.10.2018

Oman erhöht Gasförderung

Gas versorgt neue Industrieprojekte / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Die Inbetriebnahme eines großen Gasfeldes verbessert die Versorgung in Oman. Neue Flüssiggasprojekte und petrochemische Anlagen sind geplant.

Oman will seine Wirtschaft diversifizieren. Die Expansion der Petrochemie und anderer Industriezweige ist auf neue Gasförderprojekte angewiesen. Der Staat beabsichtigt auch, seine Exporte von Liquefied Natural Gas (LNG) zu vergrößern.

Khazzan & Makarem Gasfelder in Produktion

Die Gasförderung wuchs von 2013 bis 2017 allerdings kaum. Sie legte um 8 Prozent auf 38,8 Milliarden Kubikmeter/Jahr zu. In den ersten acht Monaten 2018 erhöhte Oman die Gasförderung gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode aber um weitere 12 Prozent, denn im September 2017 starteten die ersten Entnahmen aus neuen Gasblöcken des Feldes Khazzan & Makarem. Damit dürfte die Gasförderung mittelfristig deutlich auf etwa 49 Milliarden Kubikmeter/Jahr zulegen.

Gas in Oman: Förderung, Importe und Verbrauch (in Millionen Kubikmeter)
2014 2015 2016 2017 Jan. bis Aug. 2018
Förderung und Import 37.687 39.806 40.850 40.907 30.651
.Förderung 35.626 37.745 38.788 38.846 29.275
..assoziiertes Gas 6.790 7.001 7.071 6.873 5.337
..nicht-assoziiertes ..Gas 28.836 30.745 31.718 31.973 23.938
.Gas-Import *) 2.061 2.061 2.061 2.061 1.376
Verbrauch 37.687 29.806 40.850 40.907 30.651
.Kraftwerke 7.998 8.324 7.993 8.236 5.699
.Industriesonderzonen 682 673 650 659 169
.Andere industrielle .Verbraucher und .private Haushalte 21.169 22.036 23.042 23.227 18.044
.Ölfelder 7.838 8.773 9.163 8.787 6.738
..Energieversorgung 2.537 2.755 2.928 3.064 2.200
..Re-Injektion 2.882 3.707 3.781 2.888 2.700
..Abgefackeltes Gas 1.593 1.426 1.662 1.727 1.112
..Sonstige Nutzungen 825 886 793 1.108 727

*) über die Dolphin Pipeline aus Katar

Quelle: Ministry of Oil and Gas

Die erste Förderphase der Khazzan & Makarem Vorkommen strebt eine Leistung von 28 Millionen Kubikmeter/Tag an, dies entspricht über 10 Milliarden Kubikmeter/Jahr. BP Global betreibt die Khazzan & Makarem Felder. Der Konzern hält 60 Prozent und die Oman Oil Company (OOC) 40 Prozent der Anteile. Sie haben bislang etwa 3,3 Milliarden US-Dollar (US$) in das Projekt investiert. Im September 2018 einigten sich BP und OOC auf eine zweite Ausbauphase des Khazzan & Makarem Projekts, welche zusätzliche 14 Millionen Kubikmeter/Tag ab 2021 fördern soll. Die OOC will Pressemeldungen zufolge außerdem einen 10 Prozent-Anteil des Blocks 61 des Vorkommens an Petronas aus Malaysia verkaufen.

LNG-Produktion wird ausgeweitet

Oman produziert seit 2000 in Qalhat nördlich der Stadt Sur verflüssigtes Erdgas (LNG) für den Export. Die Jahreskapazität der drei LNG Produktionslinien liegt bei 10,4 Millionen Tonnen. Die Produktion erreichte 2017 rund 8,2 Millionen Tonnen (2016: 8,0 Millionen Tonnen). Mit Hilfe einer Modernisierung der Anlagen (Debottlenecking) soll 2021 eine Kapazitätserhöhung auf 11,6 Millionen Tonnen erreicht werden. Auch der Bau einer weiteren Produktionslinie ist dem Vernehmen nach im Gespräch.

Aufgrund der höheren Gasförderung können die LNG-Anlagen nun wieder ihre gesamten Kapazitäten nutzen. In den letzten vier Jahren lag die Auslastung aufgrund des Gasmangels zwischen 70 und 80 Prozent. Man könne jetzt mit voller Leistung produzieren, erklärte der Chief Executive Officer von Oman LNG (OLNG) Harib al Kitani im Dezember 2017. Die OLNG-Anteilseigner sind die omanische Regierung (51 Prozent), Shell (30 Prozent), Total (6 Prozent), Korea LNG (5 Prozent) und andere.

OLNG baut außerdem für die eigene Stromversorgung für 150 Millionen US-Dollar ein 120 Megawatt Gaskraftwerk. Es wird die in der LNG-Anlage entstehenden Gase als Brennstoff nutzen. MAN Energy Solutions erhielt den Auftrag zur Lieferung von neun Gasmotoren.

Petrochemie benötigt ebenfalls mehr Gas

Neben der LNG-Produktion brauchen neue Petrochemieprojekte zusätzliche Gasmengen. Nach Berechnungen der Datenbank MEED Projects summieren sich die laufenden und geplanten Petrochemieprojekte auf über 22 Milliarden US$. Das größte Vorhaben ist der 9 Milliarden US$ Petrochemiekomplex in der neuen Wirtschaftssonderzone Duqm.

Die Oman India Fertiliser Company (OMIFCO) stellt seit 2005 in Nähe der Stadt Sur Ammoniak und Urea her. Die Kapazitäten werden mit 3.500 Tonnen/Tag Ammoniak und 5.060 Tonnen/Tag Urea angegeben, die Kapazitätsauslastung liegt bei 100 Prozent. OMIFCO will 1 Milliarde US$ in eine neue Fabrik investieren. Im Oktober 2018 erklärte das OMIFCO-Vorstandsmitglied Rakesh Kapur, die Umsetzung hänge wesentlich von der Verfügbarkeit der notwendigen Gasmengen ab. Die Finanzierung sei hingegen kein Problem.

Weitere neue Gasförderprojekte

Oman verhandelt mit Italiens ENI über eine Förderkonzession für ein großes Gasvorkommen, das sich - wie die Khazzan & Makarem Felder - in der Greater Barik Area befindet. Das Production Sharing Agreement (PSA) sollte eigentlich im September/Oktober 2018 unterzeichnet werden, der Abschluss scheint sich zu verzögern.

Noch 2018 soll mit Shell und Total ein PSA für ein weiteres Gasförderprojekt in der Greater Barik Area (Onshore Block 6) zustande kommen. Die Parteien unterzeichneten im Mai 2018 eine Vorvereinbarung. Es ist eine Förderung von zunächst 14 Millionen Kubikmeter/Tag geplant sowie eine spätere Steigerung auf 28 Millionen Kubikmeter/Tag. Shell will sich an dem Vorhaben mit 75 Prozent beteiligen, Total mit 25 Prozent.

Shell und die OOC diskutieren über ein 250 Millionen US$ Gas-to-Liquids Projekt (GTL) in Duqm. Das Gas soll vom geplanten Shell/Total Block 6 bezogen werden. Die Inbetriebnahme der GTL-Anlage ist für 2022 anvisiert, die produzierten Kraftstoffe sollen exportiert werden. Total möchte das Gas aus dem Block 6 zur Belieferung einer geplanten, kleinen LNG-Anlage (Kapazität: 1 Million Tonnen/Jahr) verwenden. Die LNG-Anlage soll als regionaler Hub für die Treibstoffversorgung von Kriegsschiffen dienen.

Die Petroleum Development Oman Company (PDO), an der der omanische Staat mit 60 Prozent sowie Shell mit 34 Prozent, Total mit 4 Prozent und Partex aus Panama mit 2 Prozent beteiligt sind, arbeitet an der Entwicklung des 2014 entdeckten Tayseer Gasfeldes. Um möglichst schnell Gas fördern zu können, wird gegenwärtig für 375 Millionen US$ eine erste Projektphase realisiert, die ab 2020 eine Förderung von 1 Million Kubikmeter/Tag ermöglichen soll.

PDO will weitere Vorkommen mit saurem Gas erschließen. Die wichtigsten sind Yibal Khuff, Harweel/Rabab und Bodour/Bodour. Das 1,8 Milliarden US$ Yibal Khuff Projekt befindet sich in der Umsetzungsphase und soll 2022 in Produktion gehen. Eine Förderung von 6 Millionen Kubikmeter/Tag ist vorgesehen. Das Harweel/Rahab Projekt soll unter anderem Gas zur Injektion in die Harweel Schwerölfelder liefern.

Bau einer Iran-Oman Pipeline derzeit unwahrscheinlich

Seit 2008 bezieht Oman über die Dolphin-Pipeline aus Katar jährlich 2 Milliarden Kubikmeter Gas. Der seit 2005 diskutierte Plan zum Bau einer 400 Kilometer langen Gas-Pipeline von Iran nach Oman ist offiziell noch nicht aufgeben worden. Aber die aktuellen US-Sanktionen dürften eine Realisierung kaum zulassen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Wärme- und Gasversorgung, Öl, Gas, Petrochemie

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