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18.10.2018

Oman investiert in Meerwasserentsalzungsanlagen

Private Projektbetreiber engagieren sich / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Der Trinkwasserbedarf in Oman wird künftig kräftig ansteigen. Mehrere neue Meerwasserentsalzungsanlagen sind daher im Bau oder in der Planung.

In Oman werden im Zeitraum 2018 bis 2024 neue Meerwasserentsalzungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2 Millionen Kubikmetern/Tag die Produktion aufnehmen. Der Bau und die Finanzierung der neuen Anlagen erfolgt in der Regel auf BOT- oder BOO-Basis (Build Operate Transfer, Build Own Operate). Die Betreiber/Investoren schließen mit der Versorgungsgesellschaft Oman Power and Water Procurement Company (OPWP) Wasserabnahmeverträge (Water Purchase Agreement) mit Laufzeiten von 20 Jahren ab.

Im Jahr 2018 werden insgesamt drei neue Anlagen hinzukommen. Bereits seit Juli im kommerziellen Betrieb ist das 300 Millionen US$ Projekt IWP Barka IV (Independent Water Plant) mit einer Kapazität von 281.000 Kubikmetern/Tag. Betreiber ist die Barka Desalination Company, ein Konsortium aus Itochu (Japan), Engie (Großbritannien/Frankreich), Suez/Degrémont (Frankreich) und Towell Engineering (Großbritannien).

Die 210 Millionen US$ Qurayyat Desalination Projekt mit einer Kapazität von 200.000 Kubikmetern/Tag sollte eigentlich 2017 den Betrieb aufnehmen. Der Produktionsstart wird nun Ende 2018 erwartet. Das Vorhaben betreibt ein Konsortium aus Hyflux (Singapur) und der omanischen National Power and Water Company, die zur lokalen Suhail Bahwan Gruppe gehört.

Die Arbeiten an der IWP Sohar III mit einer Leistung von 250.000 Kubikmetern/Tag sind im Wesentlichen abgeschlossen, die Aufnahme des Betriebs ist 2019 vorgesehen. Das 260 Millionen US$ Projekt wird von der Myah Gulf Oman Desalination Company betrieben, einem Konsortium aus der Oman Brunei Investment Company, Sogex Oman und Valoriza Agua (Spanien). Der 2016 vergebene Bauauftrag ging an die Valoriza Agua gemeinsam mit der lokalen Bahwan Engineering Company. Vier lokale Banken (Bank Muscat, Oman Arab Bank, Bank Dhofar, Bank Sohar) finanzieren das Vorhaben.

Oman: Meerwasserentsalzungsanlagen im Bau oder in Planung (Auswahl, Stand: September 2018)
Projekt 1) Kapazität (Kubikmeter/Tag) Projekt-stand 2) Geplante Inbetrieb-nahme Betreiber/Investoren 3)
IWP Qurayyat 200.000 B 2018 Qurayyat Desalination Company
IWP Aseelah Temporary 10.000 B 2018 Muscat Water Company
IWP Sohar III 250.000 B 2019 Myah Gulf Desalination Company
IWP Salalah III 114.000 B 2020 Dhofar Desalination Company
IWP Aseelah 80.000 B 2021 Al Aseelah Desalination Company
IWP Khasab 16.000 P 2022 OPWP
IWP Ghubrah III 300.000 P 2022 OPWP
Extension IWPP Barka or Extension IWP Barka IV 100.000 P 2022 OPWP
IWP Wadi Dayqah 125.000 P 2022 OPWP
IWP North Batinah 150.000 P 2023 OPWP
Dhofar Water 2023 100.000 P 2023 OPWP
IWP Massirah Island 10.000 P 2023 OPWP
Extention IWPP Barka II or New IWP 120.000 P 2024 OPWP

1) IWP = Independent Water Plant, IWPP = Independent Water and Power Plant; 2) B = Bauphase, P = Planungsphase; 3) OPWP = Oman Power and Water Procurement Company

Quelle: Oman Power and Water Procurement Company

Im Bau mit Fertigstellungstermin 2020 befindet sich die IWP Salalah III (Kapazität: 114.000 Kubikmeter/Tag). Das 130 Millionen US$ Projekt wird von der Dhofar Desalination Company betrieben. An dem Unternehmen sind die saudi-arabische Acwa Power, Frankreichs Veolia und die lokale Dhofar International Development and Investment Company beteiligt. Der Bauauftrag ging an Fisia Italimpianti und Abeinsa Infraestructuras Medioambiente.

Das IWP Aseelah (Kapazität: 80.000 Kubikmeter/Tag) soll 2021 fertig werden. JGC Corporation (Japan), die lokale United Infrastructure Development Corporation (UIDC) sowie Doosan Heavy Industries and Construction (Südkorea) bilden hier das Betreiberkonsortium. Alte Entsalzungsanlagen der IWPP Ghubrah (Independent Water and Power Plant; Kapazität: 140.200 Kubikmeter/Tag) werden indes in Kürze stillgelegt.

Trinkwasserbedarf nimmt zu

Nach Angaben der für die Planung der Strom- und Trinkwasserversorgung zuständigen OPWP lag 2017 die durchschnittliche Trinkwassernachfrage in Oman bei 1,0 Millionen Kubikmetern/Tag. OPWP-Berechnungen gehen bis 2024 von einem Nachfrageanstieg auf durchschnittlich 1,6 Millionen bis 1,7 Millionen Kubikmeter/Tag aus. Der Spitzenbedarf lag 2017 bei 1,2 Millionen Kubikmeter/Tag, für 2024 werden zwischen 1,9 Millionen und 2,0 Millionen Kubikmeter/Tag prognostiziert.

Oman: Kapazitäten und Produktion der Meerwasserentsalzungsanlagen (Auswahl, Produktion in Millionen Kubikmetern, Kapazitäten in Kubikmetern/Tag)
Anlagen 1) 2015 2016 2017 Kapazität 2017
IWPP Barka I (Phase 1) 31,1 30,9 31,1 91.200
IWPP Barka I (Phase 2) 15,8 14,2 12,8 45.455
IWPP Barka I (Phase 3) 2,8 19,4 18,2 56.818
IWPP Barka II 43,1 38,8 40,5 120.000
IWPP Ghubrah und IWP Ghubrah IWP 2) 60,7 91,8 100,7 354.580
IWPP Sohar 47,7 44,1 46,5 150.000
IWP Sur 27,5 29,1 33,3 130.000
IWPP Salalah k.A. k.A. k.A. 68.000
Kleine Entsalzungsanalgen 3) 11,0 11,1 15,2 64.961

1) IWPP = Independent Water and Power Plant, IWP = Independent Water Plant; 2) einschließlich einer provisorischen Zusatzanlage; 3) Betreiber sind die Public Authority for Electricity and Water und die Rural Areas Electricity Company

Quelle: Public Authority for Electricity and Water, Directorate General of Water in Dhofar, Rural Areas Electricity Company

Abhängig von Meerwasserentsalzung

Der Versorger Public Authority for Electricity and Water (PAEW) speiste 2017 insgesamt rund 348 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ins Netz ein. Sie ist für alle Provinzen mit Ausnahme der südlichen Provinz Dhofar zuständig. Etwa 85 Prozent des Wassers liefern Meerwasserentsalzungsanlagen, die verbleibenden 15 Prozent werden dem Grundwasser entnommen.

An PAEW-Kunden wurden 229 Millionen Kubikmeter verkauft. Weitere 85 Millionen Kubikmeter werden als nicht abgerechnete Wassermenge ausgewiesen. Es handelt es sich hier unter anderem um Leitungsverluste, Abrechnungsfehler und illegal abgezweigtes Wasser. Die restlichen 34 Millionen Kubikmeter entfallen auf den PAEW-Eigenverbrauch sowie auf kostenlos verteiltes Wasser.

Hauptstadtregion benötigt das meiste Trinkwasser

Oman ist in vier Verbrauchsregionen gegliedert, wobei auf die MIS-Region (Main Interconnected System) 2017 mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 793.000 Kubikmetern/Tag etwa 77 Prozent des Gesamtverbrauches des Landes entfielen. Das MIS besteht aus den Teilregionen Maskat, Barka und Sohar.

Oman: Entwicklung des Trinkwasserbedarfs zu Spitzenverbrauchszeiten nach Regionen 2017 bis 2024 (in 1.000 Kubikmetern/Tag)
Regionen 2017 1) 2020 2) 2024 2)
Main Interconnected System (Maskat, Barka und Sohar) 974 1.246 1.583
Sharqiyah Zone 114 134 175
Dhofar Water Network 138 178 253
Musandam Water Network 10 12 13

1) vorläufige Daten; 2) Prognosen (High Case Scenario)

Quelle: Oman Power & Water Procurement Company

Die OPWP kalkuliert zwischen 2018 und 2024 für die Teilregion Maskat mit einer Steigerung von 494.000 Kubikmeter/Tag auf maximal 643.000 Kubikmeter/Tag (durchschnittlicher Anstieg 4 Prozent pro Jahr). Deutlich höhere jährliche Wachstumsraten werden in den Teilregionen Barka (14 Prozent auf 379.000 Kubikmeter/Tag) und Sohar (11 Prozent auf 293.000 Kubikmeter/Tag) erwartet.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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