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26.03.2018

Oman setzt auf Wirtschaftssonderzone Duqm

Logistik und Chemie sind Schwerpunkte / China baut Industriepark / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Oman will seine Wirtschaft stark diversifizieren. Das größte Projekt ist die Entwicklung der Wirtschaftssonderzone Duqm. Fertiggestellt wurden erste Phasen des Hafens und des Flughafens. Großinvestitionen im Chemiesektor sind in Vorbereitung. Mit einem chinesischen Konsortium wurde der Bau eines Industrieparks für 11 Milliarden US$ vereinbart. Duqm hofft auch auf starkes Engagement aus dem Westen und lockt mit Investitionsanreizen. (Projektliste)

Duqm liegt etwa auf halber Strecke der 1000 Kilometer zwischen Maskat und der Hafenstadt Salalah. Schon 1995 stand in einem 25-Jahresplan die Idee, das in der dünn besiedelten südlichen Hälfte des Sultanats gelegene Fischerdorf zu einem Wirtschaftszentrum zu entwickeln. Bis 2020 sollte Duqm eine Bevölkerung von 100.000 zählen. Dieser Wert dürfte erst deutlich später erreicht werden. Für 2017 wird die Bevölkerungszahl in der Region (Wilayat) Duqm mit 11.269 angegeben.

Im Jahr 2011 wurde die Wirtschaftssonderzone (Special Economic Zone Duqm/SEZD) gegründet. Zuständig für die Entwicklung ist die Special Economic Zone Authority Duqm (SEZAD) mit Hauptsitz in Maskat (Internetseite: http://www.duqm.gov.om).

Die SEZD verfügt über eine Fläche von 2.000 Quadratkilometer, davon sollen zunächst 800 Quadratkilometer genutzt werden. Acht Zonen mit unterschiedlichen Nutzungen sind vorgesehen: Hafen und Trockendock, Logistik, Industrie, Business Distrikt, Fischerei, Wohnen, Tourismus sowie Ausbildung. Investoren winken einige Investitionsanreize: keine Körperschafts- und Einkommensteuer, kein Mindestkapital, Zollbefreiungen, 100 Prozent ausländische Beteiligung möglich, Ausnahmen von arbeitsrechtlichen Bestimmungen und einiges mehr.

Logistikinfrastruktur im Aufbau

Der Bau der Hafenanlagen in Duqm ist weit fortgeschritten, Teilbereiche sind bereits seit 2012 in Betrieb. Die 2010 gegründete Port of Duqm Company (PDC) ist ein 50:50 Joint Venture des omanischen Staates mit dem "Consortium Antwerp Port" (CAP), eine Konzession für 28 Jahre wurde gewährt. Etwa 1,1 Milliarden US-Dollar (US$) flossen bislang in den Bau der Hafenanlagen und der notwendigen Infrastruktur. Dafür entstanden unter anderem 9 Kilometer Wellenbrecher und eine Kaianlage mit acht Liegeplätzen. Schiffe mit einer Größe von bis zu 150.000 DWT (Deadweight Tonnage) können einlaufen, die Zufahrtskanäle und das Hafenbecken haben eine Tiefe von 18 Metern. Langfristig soll die Kaimauer um 36 Liegeplätze erweitert werden.

Das Gelände verfügt über eine Fläche von 170 Quadratkilometer. Die Hafeninfrastruktur, wie Transportausrüstungen und Lager, befindet sich im Ausbau. Aktuell beschränken sich die Aktivitäten vor allem auf die Entladung von Ausrüstung für die Öl- und Gasindustrie sowie auf die Belieferung von Bauprojekten in Duqm. Für 800 Millionen US$ hat Daewoo E&C in Duqm zwei 400 Meter lange Trockendocks gebaut. Deren Betreiber ist die Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering Company. Derzeit wird ein separater Regierungskai gebaut, der von der omanischen Marine und Küstenwache sowie indischen und britischen Kriegsschiffen genutzt werden soll. Nach offiziellen Angaben wird die militärische Nutzung die zivilen Aktivitäten nicht beeinträchtigen.

Flughafen noch ohne Terminal

Der Flughafen ging Mitte 2014 in Betrieb. Die Start- und Landebahn ist 4 Kilometer lang und wurde wie die entsprechende Infrastruktur (Rollbahnen, Vorfeld) für 103 Millionen US$ von der südkoreanischen Hanjin Heavy Industries & Construction Company gebaut. Die sonstige Infrastruktur (Zufahrtsstraße, Strom- und Wasserversorgung, Abwasserentsorgung) wurde für 70 Millionen US$ von einer lokalen staatlichen Firma gebaut.

Bislang wird der Flugverkehr ohne Terminal abgewickelt. Der Auftrag zum Bau eines Terminals mit einer Jahreskapazität von 500.000 Passagieren und 20.000 Tonnen Fracht ging 2014 für 94 Millionen US$ an das indische Unternehmen Larsen & Toubro. Die Fertigstellung ist bis Ende 2018 vorgesehen. Aktuell wird Duqm sechsmal pro Woche von Oman Air angeflogen. Der Flughafen fertigte 2017 lediglich 34.347 Passagiere ab.

Eine Anbindung von Duqm an das geplante Schienennetz des Golfkooperationsrats mit Strecken nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate dürfte, wenn überhaupt, erst langfristig erfolgen. Aktuell wird über den Bau von Schienenstrecken zwischen Duqm und noch zu erschließenden Bergbauregionen in der südlichen Nachbarprovinz Dhofar diskutiert. Von einem Schienenknoten in Amal sollen einspurige Strecken nach Thamrait, Manji und Shuwaymiyah verlegt werden. Ab Amal sollen die Mineralien ebenfalls per Schiene zum 295 Kilometer nördlich gelegenen Duqm transportiert und dort verarbeitet bzw. von dort exportiert werden. Die Kosten für den Bau sollen bei 500 Millionen US$ liegen, das Projekt ist als Public-private-Partnership vorgesehen. Chinesische Investoren sind im Gespräch.

Für diese "Mineral Rail" wurde 2017 mit drei Firmen (Parson, Khatib & Alami, Rete Ferroviara Italiana/Italferr) ein Consultingvertrag geschlossen. Die Beratungskosten werden teilweise aus Mitteln der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) gedeckt. In Kürze sollen Beraterverträge für die Strukturierung des Vorhabens als Public-private-Partnership sowie für die Finanzierung vergeben werden.

Petrochemiekomplex für 11 Milliarden US-Dollar

Die höchsten Investitionen sind für den Bau einer Ölraffinerie sowie eines angeschlossenen petrochemischen Komplexes vorgesehen, insgesamt 16 Milliarden US$. Projektbetreiber ist die Duqm Refinery & Petrochemical Industries Company, ein 50:50 Joint Venture aus der Oman Oil Company und Kuwait Petroleum International.

Die Raffinerie wird die dritte des Landes sein und soll über eine Kapazität von 230.000 barrel per day verfügen. Als Projektmanager ist AMEC Foster Wheeler tätig. Im August 2017 wurden drei EPC-Teilaufträge (Engineering, Procurement and Construction) im Gesamtwert von 5,7 Milliarden US$ vergeben: EPC 1 (Process Units, 2,8 Milliarden US$) ging an Técnidas Reunidas S.A. und Daewoo Engineering & Construction, EPC 2 (Utilities and Offsites, 2 Milliarden US$) an Petrofac und Samsung Engineering und EPC 3 (Offsite Facilities, 0,9 Milliarden US$) an Saipem und CB&I. Die Finanzierung des Projekts ist noch nicht abschließend geklärt. Ausschreibungen für den Komplex (Gesamtbudget: 9 Milliarden US$) dürften frühestens 2019 erfolgen, derzeit wird noch an einer Durchführbarkeitsstudie gearbeitet.

Das indische Unternehmen Sebacic hat in Duqm Anfang 2018 die erste von drei Phasen eines Projekts zur Herstellung von Sebacinsäure abgeschlossen. Für 130 Millionen US$ wurde eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 30.000 Tonnen errichtet. Die Bank Muscat beziehungsweise Meethaq Islamic Banking finanziert das Projekt. Mit dem Bau der 200 Millionen US$ teuren zweiten Phase soll in Kürze begonnen werden, die Fertigstellung ist für 2022 geplant. Phase 3 (360 Millionen US$) soll 2024 in Betrieb gehen.

Sebacic will die Sebacinsäure zur Produktion von Nylon verwenden. Die anderen erforderlichen Vorerzeugnisse (Benzol, Schwefel) soll die Oman Oil Refineries and Petroleum Industry Company (Orpic) liefern. Das Projekt wird mit 250 Millionen US$ kalkuliert, eine Ausschreibung wird frühestens 2019 erwartet.

BP will gemeinsam mit der omanischen Regierung ein 1 Milliarde US$ Werk zur Herstellung von Essigsäure errichten. Die Planungen laufen seit 4 Jahren. Der Auftrag für Front End Engineering Design wurde von WorleyParsons schon 2016 abgeschlossen. Seither gibt es wenig Bewegung.

China-Oman Industriepark geplant

Als Teil der Seidenstraßen-Strategie will sich China auch in Duqm positionieren. Die Oman Wanfang Company plant einen Industriepark. Das Unternehmen ist ein Konsortium chinesischer Firmen vor allem aus der Region Ningxia Hui, die einen hohen muslimischen Bevölkerungsanteil hat. Dem Vernehmen nach ist das Projekt von Beijing initiiert, die beteiligten chinesischen Firmen gelten aber als privat.

In den 12 Quadratkilometer großen Industriepark sollen 10,7 Milliarden US$ fließen, in einer ersten Phase 3,8 Milliarden US$ in zehn Projekte. Die größte angekündigte Investition ist ein 2,8 Milliarden US$ Petrochemie-Projekt (Methanol to Olefine), Investor ist die Mingyuan Holdings Group. Ferner sind unter anderem ein Kohlekraftwerk (406 Millionen US$), ein 5 Sterne Hotel (203 Millionen US$), ein Werk zur Herstellung von Solarmodulen (94 Millionen US$), eine Montageanlage für Geländewagen (84 Millionen US$) sowie eine Meerwasserentsalzungsanlage mit Brom-Gewinnung (81 Millionen US$) geplant.

Eine Übersicht über Investitionsprojekte in der SEZ Duqm können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Petrochemie, Schienenverkehr, Schiffsverkehr / Häfen

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