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24.04.2018

Oman will Gesundheitswesen umbauen

Versicherungspflicht geplant / Krankenhausprojekte mit Finanzierungsproblemen / Von Robert Espey

Muscat/Dubai (GTAI) - Angesichts der schwierigen Haushaltslage will Oman die Gesundheitsausgaben senken oder zumindest weitere Steigerungen verhindern. Gleichzeitig ist ein Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur geplant. Der Privatsektor soll nun wesentlich zur Finanzierung beitragen. Eine arbeitgeberfinanzierte Krankenversicherung sowie verstärkte private Investitionen in Krankenhäuser sind vorgesehen.

Eine im März 2018 veröffentliche Studie des in Dubai ansässigen Beratungsunternehmens Alpen Capital erwartet in Oman zwischen 2017 und 2022 eine Erhöhung der Gesundheitsausgaben von 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) auf 4,2 Milliarden US$. Dies würde einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 9 Prozent entsprechen, ohne Investitionen zu berücksichtigen. Ob der Kostenanstieg tatsächlich so kräftig ausfällt, erscheint zweifelhaft. Unstrittig ist jedoch, dass es deutliche Steigerungen geben wird.

Bislang werden die Gesundheitskosten zu etwa 80 Prozent vom Gesundheitsministerium und anderen staatlichen Einrichtungen getragen. Wegen des seit 2014 gesunkenen Ölpreisniveaus ist Oman aber zu Sparmaßnahmen gezwungen, auch im Gesundheitssektor. Der wieder höhere Ölpreis führte 2017 zwar zu einem deutlich niedrigeren Haushaltsdefizit, dennoch bleibt das Budget tief in den roten Zahlen. Die Haushaltslücke stieg von lediglich 0,2 Milliarden US$ (2013) auf 13,8 Milliarden US$ (2016). Für 2017 wird das Minus auf etwa 9 Milliarden US$ beziehungsweise 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.

Offiziellen Angaben zufolge wurden die Ausgaben des Gesundheitsministeriums im Zeitraum 2010 bis 2015 mehr als verdoppelt, von umgerechnet rund 1 Milliarde auf 2,3 Milliarden US$. Das Budget wurde jedoch 2016 um etwa 11 Prozent heruntergefahren. Daten für 2017 liegen noch nicht vor. Das Sparpotential ist begrenzt, weil nur durch Reduzierung des Personals größere Einsparungen möglich sind. Mehr als Dreiviertel der Ausgaben des Gesundheitsministeriums entfallen auf Personalkosten.

Gesundheitskosten werden auf Arbeitgeber umgelegt

Oman möchte nun durch die Einführung einer arbeitgeberfinanzierten Pflichtkrankenversicherung für alle Beschäftigte des Privatsektors die Gesundheitskosten für die bei privaten Unternehmen tätigen Omaner einsparen. Derzeit können sich alle Omaner in den staatlichen Gesundheitseinrichtungen weitgehend kostenfrei behandeln lassen. Nach offiziellen Angaben sind im Privatsektor derzeit neben 1,8 Millionen ausländischen Arbeitskräften rund 240.000 Omaner beschäftigt. Im öffentlichen Sektor arbeiten gegenwärtig geschätzte 250.000 Personen, der Anteil der Omaner liegt bei 80 Prozent.

Auch nach Einführung der Krankenversicherungspflicht dürften sich die im Privatsektor beschäftigten Omaner vorwiegend in staatlichen Einrichtungen behandeln lassen, die Kosten hätte aber ganz oder größtenteils die Krankenversicherung zu tragen. Schon heute sind die privaten Arbeitgeber im Krankheitsfall zu sehr beschränkten Leistungen beziehungsweise Kostenübernahmen gemäß Artikel 33 des Arbeitsgesetzes verpflichtet. Dieser Verpflichtung würde zukünftig durch Abschluss einer obligatorischen Krankenversicherung entsprochen.

Da der Leistungsumfang der geplanten Pflichtversicherung größer sein dürfte als die derzeitige Minimalversorgung durch die Arbeitgeber, müsste sich bei den ausländischen Beschäftigten die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen erhöhen. Gegenwärtig verfügen nur 10 Prozent der Ausländer, vor allem westliche Expats, über eine freiwillige Krankenversicherung. Die Mehrheit der Ausländer sind Wanderarbeiter aus Indien, Bangladesch und Pakistan. Ausländer sollen möglichst in privaten Kliniken versorgt werden, um die staatlichen Einrichtungen zu entlasten. Die privaten Krankenhauskapazitäten sind derzeit aber noch zu gering.

Nach ursprünglicher Regierungsplanung sollte die Versicherungspflicht bereits Anfang 2018 eingeführt werden. Allerdings gibt es bislang keine entsprechenden Rechtsvorschriften und auch keinen Starttermin. Seitens der Privatwirtschaft wird eine längere Übergangsphase bis zur vollen Umsetzung der Versicherungspflicht gefordert. Ein Vertreter der Oman Chamber of Commerce and Industry erklärte im April 2018, angesichts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation solle der Privatsektor nicht unter Druck gesetzt werden. Es müsse der richtige Zeitpunkt gefunden werden, die Versicherung komme, aber erst später.

Bettenkapazitäten sollen erweitert werden

Die Erweiterung der Krankenhauskapazitäten hinkt hinter der Bevölkerungsentwicklung her. Auf 10.000 Einwohner kamen 1990 mehr als 24 Betten, immerhin noch fast 20 Betten waren es 2007. Aktuell (April 2018) sind es bei einer Bevölkerung von 4,7 Millionen nur noch etwa 14 Betten je 10.000 Einwohner. Langfristig will Oman wieder eine Bettendichte von etwa 21 erreichen. In der "Health Vision 2050" wird eine angestrebte Bettenzahl von fast 15.000 bei einer Bevölkerung von 7 Millionen angegeben.

Die jüngste Gesundheitsstatistik bezieht sich auf 2016. In 74 Hospitälern gab es Ende 2016 insgesamt 6.589 Betten, der Anteil des staatlichen Sektors lag bei 90 Prozent. Das Gesundheitsministerium war Betreiber von 49 Krankenhäusern mit 5.034 Betten, ein Drittel der Bettenkapazität befand sich in der Hauptstadtregion. Die Krankenhäuser des Gesundheitsministeriums sind in drei Kategorien unterteilt: 14 regionale Krankenhäuser, fünf sub-regionale Krankenhäuser (Wilayat Hospitals) und 30 lokale Krankenhäuser. Auf die regionalen Krankenhäuser entfielen 4.005 Betten. Vier regionale Krankenhäuser sind nationale Referenzkliniken für die Behandlung komplizierter Fälle: das Royal Hospital (734 Betten), das Khoula Hospital (543), das Al Nahda Hospital (141) und das Al Masarra Hospital (220; alter Name: Ibn Sina Hospital). Alle Referenzkliniken befinden sich Muscat.

Auch die insgesamt sechs Krankenhäuser anderer staatlicher Einrichtungen mit insgesamt 888 Betten konzentrieren sich im Raum Muscat. Das Hospital der Sultan Qaboos University verfügte Ende 2016 über 452 Betten, drei Krankenhäuser des Militärs hatten insgesamt 354 Betten. Die 19 privaten Krankenhäuser boten 667 Betten.

Krankenhausprojekte auf Eis oder mit Finanzierungsproblemen

Die Bettenzahl dürfte sich 2017 nicht wesentlich geändert haben, kein größeres Krankenhausprojekt konnte fertiggestellt werden. Staatliche Krankenhausprojekte im Wert von 1,9 Milliarden US$ liegen derzeit auf Eis. Darunter auch die in der Hauptstadt für 1,5 Milliarden US$ geplante Sultan Qaboos Medical City, die mit privaten Investoren realisiert werden soll.

Oman: Ausgewählte Projekte im Gesundheitswesen
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Millionen US$) Projekt-stand 1) Projektträger
New Hospital at Airport Heights 555 DU Royal Oman Police
New Sultan Qaboos Hospital 316 DU 2) Ministry of Health
300 Beds Hospital in Muscat 260 ST Elixir United, Sering International
New General Hospital at Khasab 158 DU 2) Ministry of Health
Cancer Center 127 DU Oman Royal Court
Hospital and Rehabilitation Centre in Sohar 64 DU 2) Oman Education & Training Investment
European Hospital in Muscat 60 ST Oman & Emirates Investment Holding, Al Khonji Holding
Multi-Specialty Hospital 50 DE Al Madina Real Estate
Haematology and BMT Centre Building 50 DU Sultan Qaboos University
Aster Hospital 39 AP Aster DM Healthcare
New General Hospital at Suwaiq 35 DU 2) Ministry of Health

1) DU = Durchführung, AP = Angebotsprüfung, DE = Design, ST = Studie; 2) Bauauftrag vergeben, aber noch kein Baubeginn

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen, MEED Projects

Das Gesundheitsministerium hat derzeit kein Krankenhaus im Bau. Bei zwei Projekten des Ministeriums gibt es Bewegung, allerdings noch keinen Baubeginn: Mit dem lokalen Bauunternehmen Carillion Alawi wurden Vereinbarungen über den Bau eines 150 Betten-Hauses in Khasab (158 Millionen US$) sowie des New Sultan Qaboos Hospital in Salalah (620 Betten, 316 Millionen US$) geschlossen. Das Al Mazyona Hospital in Salalah (10 Millionen US$, 50 Betten) wartet weiterhin auf eine Finanzierung, der Bauauftrag wurde bereits 2016 unterschrieben. Ein 35 Millionen US$ Projekt in Sohar (260 Betten) ist ebenfalls vergeben, aber die weitere Entwicklung noch unklar.

Das größte im Bau befindliche Krankenhausprojekt ist das 555 Millionen US$ "New Hospital at Airport Height" (460 Betten) der Royal Oman Police. Mit dem Bau wurde 2015 begonnen, die Fertigstellung verzögert sich bis mindestens Herbst 2019.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Gesundheitswesen allgemein, Gesundheitspolitik, Privatisierung, Deregulierung, Arbeits-, Bildungs- und Sozialpolitik, allgemein

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