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11.02.2019

Omans Gesundheitswesen erwartet zusätzliche Gelder

Krankenversicherung im Privatsektor und neue Hospitäler geplant / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Der Gesundheitssektor in Oman wächst kaum noch. Die Einführung einer Krankenversicherungspflicht dürfte neue Impulse geben. Pläne für Krankenhäuser liegen vor.

Die Ausgaben des Gesundheitsministeriums in Oman wachsen - nach einer Phase mit starken Erhöhungen bis 2014 - kaum noch. Die hohen Haushaltsdefizite zwangen seitdem zu Sparmaßnahmen. Die derzeitige Verbesserung der Budgetsituation dürfte eher nicht zu einer starken Ausweitung der staatlichen Gesundheitsausgaben führen. Aber der Privatsektor soll einspringen und künftig einen Großteil der Gesundheitskosten übernehmen und in die Gesundheitsinfrastruktur investieren.

Oman: Kennzahlen des Gesundheitssektors
Kennzahlen 2005 2010 2015 2017
Bevölkerung (in Millionen) 2,51 3,24 4,16 4,56
.Omaner 1,84 2,08 2,35 2,51
.Ausländer 0,67 1,17 1,81 2,06
Lebenserwartung bei der Geburt (Jahre, nur Omaner) 74,3 73,3 76,4 76,9
Krankenhäuser Anzahl 58 62 70 76
.staatliche 54 55 55 55
.private 4 7 15 21
Krankenhausbetten Anzahl 5.293 5.821 6.468 6.697
.staatliche 5.167 5.542 5.886 5.972
.private 126 279 582 725
Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner 2,10 1,78 1,60 1,47
Mittlere Dauer eines Krankenhausaufenthalts (Tage) 3,8 3,4 3,3 3,4
Ärzte pro 1.000 Einwohner (ohne Zahnärzte) 1,67 1,81 2,14 2,00
Krankenpfleger pro 1.000 Einwohner 3,70 3,97 4,63 4,37
Zahnärzte pro 1.000 Einwohner 0,18 0,20 0,28 0,30
Apotheker pro 1.000 Einwohner 0,30 0,39 0,51 0,54

Quelle: Ministry of Health

Staat drosselt Gesundheitsausgaben und plant Pflichtversicherung

Nach offiziellen Angaben stiegen die laufenden Ausgaben des Gesundheitsministeriums zwischen 2010 und 2015 von 0,85 Milliarden auf 2,06 Milliarden US-Dollar (US$). In den beiden Folgejahren stagnierten sie bei rund 2 Milliarden US$. Auch die Investitionen des Gesundheitsministeriums hatten 2015 mit 257 Millionen US$ ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, 2017 waren es nur noch 54 Millionen US$. Daten für 2018 liegen noch nicht vor, von einem deutlichen Zuwachs ist aber nicht auszugehen. Von den laufenden Gesundheitsausgaben entfielen 2017 ungefähr 78 Prozent auf Personalkosten und etwa 13 Prozent auf Medikamente sowie Verbrauchsmaterialien.

Die Einführung einer arbeitgeberfinanzierten Pflichtkrankenversicherung für die Beschäftigten des Privatsektors soll den Staat entlasten. Die Regierung plant eine Implementierung in fünf Stufen, beginnend 2019. Ursprünglich sollte die Versicherungspflicht bereits Anfang 2018 eingeführt werden. Auch Touristen sollen zum Abschluss einer Krankenversicherung gezwungen werden.

Durch die Pflichtversicherung würde der Staat von den Gesundheitskosten der im Privatsektor beschäftigten Omaner entlastet. Sie können sich bisher in den staatlichen Gesundheitseinrichtungen weitgehend kostenfrei behandeln lassen, zukünftig soll die Krankenversicherung zahlen.

Der Privatsektor beschäftigt über 250.000 Omaner und circa 1,8 Millionen ausländische Arbeitskräfte. Mit Ausnahme der kleinen Gruppe westlicher Expats sind die meisten Ausländer Wanderarbeiter aus Indien, Bangladesch und Pakistan, die bislang nicht krankenversichert sind. Eine Versicherungspflicht würde ihnen eine bessere Gesundheitsversorgung ermöglichen und die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen spürbar erhöhen.

Krankenhaussektor wächst nur langsam

Der Ausbau von Krankenhäusern hielt bisher mit der Bevölkerungsentwicklung nicht mit. Auf 1.000 Einwohner kamen 2005 noch etwa 2,1 Betten, mittlerweile dürften es nur 1,4 Betten sein. Insbesondere das Bettenangebot der öffentlichen Hospitäler expandierte in den letzten Jahren nur minimal. Es stieg 2017 lediglich um 50 auf 5.972 Betten. Der Zuwachs dürfte 2018 noch geringer ausgefallen sein. Das Gesundheitsministerium betreibt 84 Prozent des staatlichen Bettenangebotes. Andere staatliche Träger sind das Militär, die Polizei und die Sultan Qaboos Universität. Private Hospitäler wiesen 2017 insgesamt 725 Betten aus.

Oman: Entwicklung des Krankenhaussektors (Anzahl der Betten)
2010 2014 2015 2016 2017 2018 *)
Insgesamt 5.821 6.322 6.468 6.588 6.697 6.733
.Staatliche Betreiber 5.542 5.805 5.886 5.922 5.972 5.983
..Gesundheitsministerium 4.692 4.891 4.998 5.034 5.039 5.050
..Verteidigungsministerium 260 398 354 354 398 398
..Polizei 50 62 82 82 82 82
..Sultan Qaboos Universität 540 454 452 452 453 453
.Private Betreiber 279 517 582 666 725 750

*) Schätzung von Germany Trade & Invest

Quellen: Ministry of Health, Germany Trade & Invest

Das einzige größere, im Jahr 2018 fertiggestellte Projekt ist das Gesundheitszentrum in Bousher im Großraum Maskat. Betreiber der 32 Millionen US$ Einrichtung ist das britische Unternehmen Starcare. Das Starcare Medical Center ist vor allem eine ambulante Einrichtung, bietet aber auch eine stationäre Versorgung. Starcare betreibt außerdem in Seeb/Maskat ein Krankenhaus, in Mabela/Maskat ein Gesundheitszentrum, in Barka/Süd Batinah ein Krankenhaus und in der neuen Wirtschaftssonderzone Duqm ein Krankenhaus.

Oman: Private Krankenhausprojekte
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Millionen US$) Projekt-stand 1) Projektträger
300 Beds Hospital in Muscat 260 ST Elixir United, Sering International
Hospital and Rehabilitation Centre in Sohar 64 OH Oman Education & Training Investment
European Hospital in Muscat 62 ST Oman & Emirates Investment Holding, Al Khonji Holding
Multi-Specialty Hospital 50 DE Al Madina Real Estate
Aster Hospital at Al Ghubrah, Muscat 31 DU Aster DM Healthcare
New Hospital in Sohar 26 DU Badr Al Samaa Group
Duqm Frontier Town Multi Specialty Hospital 25 DU 2) Duqm Development Company
Idealmed Muscat Hospital 24 DU Al Afia Healthcare Development and Investment Company
Shifa Al Zazeera Hospital, Muscat 20 OH Private Developer
Aster Hospital at Boushar, Muscat 8 DU Aster DM Healthcare

1) ST = Studie, OH = On Hold (vorläufig gestoppt), DE = Design, DU = Durchführung; 2) Bauauftrag vergeben, aber noch kein Baubeginn

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen; MEED Projects

Drei Krankenhausprojekte des Gesundheitsministeriums mit insgesamt über 1.000 Betten befinden sich in frühen Bauphasen. Sie lagen längere Zeit auf Eis und wurden im Herbst 2018 reaktiviert. Die Standorte liegen in Salalah (New Sultan Qaboos Hospital, 620 Betten, 316 Millionen US$), Suwaiq/Nord Batinah (260 Betten, 35 Millionen US$) und Khasab/Musandam (150 Betten, 158 Millionen US$).

Sechs weitere Krankenhausprojekte des Gesundheitsministeriums im Wert von 1,8 Milliarden US$ liegen weiterhin auf Eis. Das Al Mazyona Hospital wurde ganz aufgegeben. Das größte gestoppte Vorhaben ist die geplante Sultan Qaboos Medical City in Barka/Süd Batinah für 1,5 Milliarden US$, die auch von privaten Investoren realisiert werden soll. Ein Teil des Großprojekts, das 10 Millionen US$ Projekt der Sultan Qaboos Universität (Outpatient Department and Molecular Imaging and Radiotherapy Center) könnte aber 2019 reaktiviert werden.

Die Royal Oman Police lässt derzeit das größte staatliche Krankenhausprojekt bauen. Mit dem Bau des 555 Millionen US$ New Hospital at Airport Height (460 Betten) wurde 2015 begonnen, die Fertigstellung verzögert sich bis mindestens Ende 2019. Weitere laufende staatliche Projekte sind das Cancer Care Centre/Sultan Qaboos University (Betreiber: Diwan of the Royal Court, 40 Millionen US$), das Center for Haematology and Spinal Transplant (Sultan Qaboos University, 50 Millionen US$), die Erweiterung des Armed Forces Hospital/Al Khoud (Verteidigungsministerium, 31 Millionen US$) und das Cancer Center Al Khoud (Royal Court Affairs, 127 Millionen US$).

Das einzige staatliche Krankenhausprojekt in aktiver Planungsphase ist das Women and Children Hospital in Sohar. Betreiber des 80 Millionen US$ Vorhabens ist der Staatsfonds Oman Investment Fund. Seit Oktober 2018 liegen Angebote interessierter Baufirmen vor. Eine Vergabe wird in Kürze erwartet.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll, können Sie unter: http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Gesundheitswesen allgemein, Gesundheitspolitik

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Thomas Hundt

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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