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27.07.2018

Omans Häfen melden Wachstum

Chancen für Ausweitung des Transithandels vorerst begrenzt / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - Mit dem Ausbau der Häfen Sohar, Salalah und Duqm will Oman seinen Logistiksektor stärken. Handelsströme, die heute durch die politisch sensible Straße von Hormoz fließen, sollen nach Oman umgeleitet werden und von dort die Märkte der Arabischen Halbinsel und auch Iran erreichen - Konkurrenz Insbesondere für den Großhafen Jebel Ali in Dubai. Allerdings fehlt das zur Realisierung der ambitionierten Ziele notwendige nationale und regionale Schienennetz noch.

In den Regierungsplanungen werden der Bau eines über 2.000 Kilometer langen nationalen Schienennetzes und die Anbindung an ein regionales Eisenbahnnetz des Golfkooperationsrats (GCC) als wichtige Schlüssel zur Entwicklung des Hafensektors und der gesamten Logistikbranche bezeichnet. Aber das omanische Schienenprojekt liegt derzeit auf Eis, und die Realisierungschancen für ein regionales Schienennetz sind ebenfalls ungewiss. Trotzdem dürften Omans Häfen weiter wachsen, vor allem angetrieben durch den steigenden Transportbedarf laufender und geplanter Industrieprojekte.

Industriehafen von Sohar wird erweitert

Der Industriehafen von Sohar meldet sowohl beim Massengüter- als auch beim Containerumschlag neue Spitzenwerte. Der Massengüterumschlag erhöhte sich 2017 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 47,4 Millionen Tonnen, im Container-Sektor gab es einen Zuwachs von 36 Prozent auf 0,84 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit).

Der Massengüterumschlag wird stark vom Bedarf der im Hafengebiet angesiedelten Industrieunternehmen bestimmt. Branchenschwerpunkte sind der Downstream-Sektor (GTAI-Bericht zur Entwicklung von Omans Downstream-Sektor: https://bit.ly/2LMiVv3), die Metallindustrie sowie die Nahrungsmittelverarbeitung. Das Aufkommen an flüssigen Massengütern entfällt vor allem auf das Mineralöl- und Chemietanklagergeschäft der Oiltanking Terminals & Co. Das Unternehmen gehört zur Hamburger Oiltanking GmbH beziehungsweise zur Marquard & Bahls AG.

Der Umschlag trockener Massengüter wird wesentlich von der brasilianischen Vale Oman Pelletizing Company, Sohar Aluminium und der Jindal Steel and Power Limited beeinflusst.

Der seit 2015 diskutierte Bau des Container-Terminal D in Sohar scheint derzeit auf Eis zu liegen. Der Projektbetreiber, die Oman International Container Terminal (OITC), hatte angekündigt, mit den Bauarbeiten Ende 2018/Anfang 2019 zu beginnen. Im Herbst 2017 wurde dann aber von einer Verschiebung gesprochen. Ein neuer Zeitplan ist nicht bekannt. Die bisherige Planung sieht die Errichtung des Terminal D in zwei Abschnitten vor, pro Phase ist eine Kapazität von 2,75 Millionen TEU geplant.

OITC ist ein Joint Venture aus Hutchison Ports (Hongkong), der omanischen Regierung, Steinweg (Niederlande) und mehreren privaten omanischen Investoren. Gegenwärtig betreibt OITC in Sohar den 2014 in Betrieb genommenen Container-Terminal C (Kai-Länge: 970 m), der mit drei Liegeplätzen über eine Kapazität von 1 Million TEU verfügt. Hutchison Ports gibt für 2017 den Container-Umschlag am Terminal C mit 0,8 Millionen TEU an. Nach Realisierung des Terminal D würde die OITC-Kapazität auf insgesamt 6,5 Millionen TEU ansteigen.

Das Hafengelände in Sohar soll in südlicher Richtung um 2 auf 22 Quadratkilometer erweitert werden. Im April 2018 wurde als Phase 1 ein 24 Millionen US-Dollar (US$) Auftrag über Erschließungsmaßnahmen für eine Fläche von 0,5 Quadratkilometer vergeben. Mit der Phase 2 soll 2019 begonnen werden. Auf dem Erweiterungsgelände will der Öl- und Chemieprodukthändler Trescorp für 600 Millionen US$ Tankanlagen und einen Terminal mit sechs Liegeplätzen bauen. Weitere zukünftige Projekte sind eine Getreidemühle, Getreidesilos und ein neuer Getreide-Terminal (Betreiber: Sohar Flour Mills) sowie ein LNG-Terminal des französischen Energiekonzerns Total.

Neuer Hafen von Duqm erwartet Wachstumsschub

Der neue Hafen Duqm befindet sich seit 2012 im Teilbetrieb und soll langfristig zum größten Hafen des Landes werden. Allerdings ist der Güterumschlag derzeit noch bescheiden. Aktuell beschränken sich die Hafenaktivitäten vor allem auf die Entladung von Ausrüstungen für die Öl- und Gasindustrie sowie auf die Belieferung von Bauprojekten in Duqm. Nach Angaben des Hafenbetreibers, der Port of Duqm Company, wurden 2017 rund 3 Millionen Tonnen Fracht abgefertigt.

Mit Fertigstellung weiterer Bauabschnitte soll 2020 der Frachtumschlag auf 17 Millionen Tonnen und 2022 auf 39 Millionen Tonnen steigen. Ob diese Zuwächse erreicht werden können, wird wesentlich von der Realisierung der in der Sonderwirtschaftszone Duqm geplanten industriellen Großprojekte (Raffinerie, Petrochemie, China-Oman Industriepark) abhängen GTAI-Bericht zur Sonderzone Duqm: https://bit.ly/2IWD3JV).

Der Hafen Duqm soll auch zu einem Exportzentrum für Kalkstein und Gips werden. Zwischen Duqm und drei Lagerstätten in der Provinz Dhofar ist der Bau einer "Mineral Rail" (605 km) beabsichtigt. Das Projekt soll als Private Public Partnership realisiert werden. Duqm hat 2017 mit dem Export von Kalkstein, der 40 Kilometer entfernt von der Desert Enterprises Trading & Contracting Company abgebaut wird, begonnen.

Weitere Entwicklung des Hafens von Salalah ungewiss

Der Hafenumschlag in Salalah konnte 2017 neue Höchstwerte erreichen. Für den Container-Terminal wird ein Umschlag von 3,9 Millionen TEU gemeldet. Der neue Rekord folgt auf eine mehrjährige durchwachsene Entwicklung. Der Container Umsatz hatte sich zwischen 2003 und 2009 von 2,0 Millionen auf 3,5 Millionen TEU erhöht. In der Periode 2010 bis 2016 gab es keine Fortsetzung des Wachstumstrends mehr. Mit Ausnahme von 2010 (3,5 Millionen TEU) und 2012 (3,6 Millionen TEU) wurden in der Siebenjahres-Periode geringere TEU-Werte als 2009 erreicht. Die Werte lagen zwischen 2,6 Millionen TEU (2015) und 3,3 Millionen TEU (2011, 2013, 2016).

Trotz der deutlichen Steigerung des Container-Umschlags 2017 waren die Kapazitäten in Salalah nur zu 73 Prozent ausgelastet. Der Terminal hatte 2007 seine Kapazität durch Inbetriebnahme weitere Container-Kräne um 1 Million auf 3,5 Millionen TEU erweitert, auf 5,0 Millionen TEU wurde 2010 erhöht.

Die aktuell positive Entwicklung des Hafens von Salalah basiert im Container-Sektor unter anderem auf einem wachsenden Transithandel Richtung Doha. Ursache ist der Katar-Boykott durch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Angesichts der reaktivierten US-Sanktionen könnte auch der Container-Transitverkehr nach Iran zukünftig an Bedeutung gewinnen.

Das Massengütergeschäft bekommt in Salalah Impulse durch steigende Kalkstein- und Gipsausfuhren. Der Hafen hat im Juli 2018 bei der nordirischen Telestack für 6,7 Millionen US$ ein mobiles Lade-System für Kalkstein, Gips und Zementklinker bestellt. Zement und Klinker exportiert die in Salalah ansässige Raysut Cement Company.

Mittelfristig dürfte sowohl das Container- als auch das Massengütergeschäft in Salalah unter dem neuen Konkurrenten Duqm leiden. Auch die Entwicklung der dem Hafen angegliederten Freizone von Salalah könnte durch den Wettbewerb mit der Freizone Duqm beeinträchtigt werden. Als mögliche neue Industrieprojekte in Salalah werden LPG Salalah (Liquefied Petroleum Gas) und eine Zuckerfabrik genannt.

Über die seit vielen Jahren diskutierte Erweiterung des Container-Terminals in Salalah um drei Liegeplätze will das zuständige Ministry of Transport & Communication offensichtlich nicht entscheiden, bietet aber das Projekt privaten Investoren auf PPP-Basis an. Die Container-Kapazität würde auf 8 Millionen TEU stiegen.

Der für 200 Millionen US$ geplante weitere Ausbau des Massengut-Terminals (General Cargo Terminal/GCT) in Salalah ist ebenfalls in der Schwebe. Die letzte Expansion wurde 2015 abgeschlossen. Der GCT verfügt aktuell über eine Kapazität zur Abfertigung von 20 Millionen Tonnen trockenen Massengütern und 6 Millionen Tonnen flüssigen Massengütern. Der gesamte Massengutumschlag stieg 2017 um 4 Prozent auf 13,6 Millionen Tonnen.

Derzeit laufen in Salalah Reparaturarbeiten zur Beseitigung der schweren Schäden, die im vergangenen Mai durch den Zyklon Mekunu verursacht worden sind. Der Hafen musste zeitweise geschlossen werden und konnte nur schrittweise den Betrieb wieder aufnehmen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Export, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Wasser-, Hafenbau, Schiffsverkehr / Häfen

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