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29.03.2018

Omans Industrie vor Wachstumsschub

Petrochemie mit Mega-Projekten / Sohar und zukünftig Duqm wichtigste Standorte / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - In Oman hat die angestrebte Ausweitung der Industrieproduktion zuletzt kaum Fortschritte erzielt. Über die Hälfte der industriellen Wertschöpfung entfällt auf die Chemiebranche. Der Sektor soll auch zukünftig ein Investitionsschwerpunkt bleiben und wesentlich zum Wachstum beitragen. Gegenwärtig sind Chemieprojekte für über 21 Milliarden US-Dollar (US$) in Planung oder bereits im Bau. Aber auch andere Industriesparten werden expandieren.

Der Anteil des Raffineriesektors und der Petrochemie an der Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie lag in Oman 2017 zu laufenden Preisen bei geschätzten 55 Prozent. Wegen der starken Stellung des Raffinerie- und Petrochemiesektors hat der niedrige Ölpreis zu einer deutlichen nominalen Verminderung des Beitrags des verarbeitenden Gewerbes geführt. So Schrumpfte die Wertschöpfung der omanischen Industrie zwischen 2013 und 2017 zu laufenden Preisen um insgesamt 25 Prozent. Die seit 2017 wieder anziehenden Preise sowie Produktionssteigerungen dürften 2017 zu einem nominalen Anstieg der industriellen Wertschöpfung um mehr als 10 Prozent auf über 7 Milliarden US$ geführt haben.

Industrie mit geringem Wachstum

Ohne Berücksichtigung der Preiseffekte ergibt sich für die letzten Jahre eine andere, aber ebenfalls nicht zufriedenstellende Entwicklung. Nach Angaben der nationalen Statistikbehörde lag die industrielle Wertschöpfung 2016 real nur um weniger als 3 Prozent über dem 2013 erreichten Wert, im Vergleich zu 2015 wird ein mageres Plus von 0,2 Prozent angegeben. Schätzungen für 2017 gehen ebenfalls von einem schwachen realen Plus aus.

Der Anteil der verarbeitenden Industrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu laufenden Preisen sank zwischen 2013 und 2016 von 10,8 auf 9,5 Prozent, zu konstanten Preisen kam es zu einem Rückgang von 10,2 auf 9,2 Prozent. Für 2017 ist zu laufenden Preisen von einem gestiegen BIP-Anteil auszugehen, hingegen dürfte sich real kaum ein signifikanter Zuwachs ergeben haben.

Oman: Ausgewählte Industrieprojekte in der Planungsphase (Stand: März 2018)
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Millionen US$) Projekt-stand *) Projektträger
Duqm Petrochemical Complex 9.000 ST Duqm Refinery & Petrochemical Industries
Methanol to Olefins (MTO) Plant Duqm 2.800 FEED Mingyuan Holdings Group
Sur Urea Plant Debottlenecking 1.200 ST Oman India Fertiliser Company
Acetic Acid Plant 1.000 FEED Government of Oman/BP Global
Duqm Biofertiliser Plant 700 ST Ghantoot Group
Duqm Cement Plant 582 ST Al Wusta Cement Company
Sohar Iron Ore Pelletising Plant 500 ST Jindal Shadeed Iron & Steel
Oman Food Complex 500 FEED Oman Sugar Refinery
Auto Assembly Factory Duqm 416 ST Karwa Automobiles
Sohar Purified Terephthalic Acid (PTA) 400 AP Oman International Petrochemical Industry Company
Salalah Pharmaceuticals Complex 365 ST Salalah Free Zone / Flex Pharmaceuticals
Poultry Meat Project 260 PQ Al Namaa Poultry Company
Bio Based Nylon Production Facility Duqm 250 DE Sebacic Oman Company
Sugar Mill at Salalah Free Zone 200 ST Projects Development & Management International Oman
Duqm Car Plant 200 ST Orchid International Auto
Dates Factory in Muscat 100 ST Ministry of Agriculture and Fisheries
Red Meat Project 96 PQ Al Bashayer Meat Company
Solar Equipment Manufacturing Plant Duqm 94 DE Ningxia Zhongke Jiaye
SUV Manufacturing Facility Duqm 84 DE Wuhan Xiao Long Auto-Tech Co
Copper Tube Mill 46 AP Middle East Investment Company/Mohsin Haider Darwish Invesco/Hussain Bin Salman Ghulam Al Lawati/Al Habib Holdings Joint Venture

*) ST = Studie, FEED = Front End Engineering Design; AP = Angebotsprüfung, PQ = Präqualifizierung; DE = Design

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen; MEED Projects

Mega-Projekte in Wirtschaftssonderzone Duqm geplant

Auch zukünftig will Oman auf den Raffinerie- und Petrochemiesektor setzen. In den nächsten Jahren wird die Inbetriebnahme im Bau befindlicher und geplanter Projekte die Downstream-Produktion stark erhöhen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die im Aufbau befindlichen Wirtschaftssonderzone Duqm (Provinz Al Wusta), in der die geplante dritte Ölraffinerie des Landes Fortschritte macht (GTAI-Bericht vom 26. März 2018 mit Projektliste: Oman setzt auf Wirtschaftssonderzone Duqm, Link: https://bit.ly/2IWD3JV).

Region Sohar ist derzeit größter Industriestandort

In der Provinz Batinah North mit dem Zentrum Sohar (250 Kilometer nördlich von Maskat) ist ein Großteil der wichtigen Industrieprojekte des Sultanats angesiedelt. Neben dem 22 Quadratkilometer großen Hafen verfügt Sohar über Freizone in doppelter Größe und ein weiteres 22 Quadratkilometer großes Industriegebiet. Wichtige Industriesektoren sind in Sohar unter anderem die Petrochemie sowie die Metallherstellung und -verarbeitung.

Nördlich von Sohar haben Anfang 2017 die Bauarbeiten am Liwa Steam Cracker & Polyethylene Project begonnen. Das Budget liegt bei 4,5 Milliarden US$. Der Steam Cracker wird über eine Kapazität von 900.000 Tonnen Ethylen verfügen. Auf dieser Basis sollen in Liwa jährlich bis zu 300.000 Tonnen HDPE (High Density Polyethylene), 500.000 Tonnen LLDPE (Linear Low Density Polyethylene), 215.000 Tonnen PP (Polypropylene), 40.000 Tonnen MTBE und 45.000 Tonnen 1-Butene erzeugt werden. Das Projekt soll 2020 in Betrieb gehen. Ein Joint Venture aus der Oman Oil Company und Koreas LG will in Sohar ein 400 Millionen US$ PTA-Werk (Purified Terephthalic Acid) errichten, Angebote liegen seit Oktober 2017 vor.

Die Kapazität der seit 2006 in Sohar produzierenden Raffinerie wurde für 2,1 Milliarden US$ auf 198.000 Barrel am Tag erhöht. Die erweiterte Raffinerie (Fertigstellung: 2017) versorgt unter anderem die in Sohar bestehende Polypropylen-Fabrik und soll zukünftig auch das Liwa-Projekt mit Vorerzeugnissen beliefern.

Auch Metallindustrie expandiert

In Sohar bekommt der Metallsektor durch den Bau eines 230 Millionen US$ EAF-Stahlwerks (Electrical Arc Furnance) Zuwachs. Investor ist die in Dubai ansässige Moon Iron & Steel Company. Die neue Anlage wird über eine Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen verfügen, davon sollen 0,7 Millionen Tonnen zu Bewehrungsstahl verarbeitet werden, die restlichen 0,5 Millionen Tonnen zu Stahlblöcken. Die deutsche SMS Gruppe ist am Bau des Stahlwerks beteiligt, die Inbetriebnahme wird 2019 erwartet.

Die Jindal Shadeed Iron & Steel Company, eine Tochter des indischen Stahlkonzerns Jindal Steel and Power Limited (JSPL), plant seit über fünf Jahren in Sohar den Bau eines Eisenerz-Pelletierwerks. Ob das Projekt realisiert wird, ist aber unklar. Das Unternehmen besitzt in Sohar ein Stahlwerk mit einer Jahreskapazität von 1,5 Millionen Tonnen. Die brasilianische Vale Oman Pelletizing Company betreibt in Sohar bereits seit 2010 ein Eisenerz-Pelletierwerk (Produktion 2017: 9,2 Millionen Tonnen; 2016: 8,6 Millionen Tonnen).

Eine Investorengruppe bestehend aus der Middle East Investment Company, Mohsin Haider Darwish Invesco, Hussain Bin Salman Ghulam Al Lawati und der Al Habib Holdings beabsichtigt die Errichtung einer 46 Millionen-US$-Kupferrohrfabrik mit einer Kapazität von 30.000 Tonnen in Sohar. Das Rohmaterial (Kathodenkupfer) soll möglicherweise aus Iran bezogen werden. Die Angebote zum Bau der Anlage liegen seit über einem Jahr vor. Ein Bergbauprojekt zur Gewinnung von Kupferkonzentrat und Gold befindet sich in der Provinz Batinah North in Vorbereitung.

Im Aluminiumsektor gibt es derzeit keine größeren Neuprojekte. In Sohar ging 2008 Sohar Aluminium in Produktion (Kapazität: 0,38 Millionen Tonnen). In der Nähe der Aluminiumschmelze wurde 2014 das 0,16 Millionen Tonnen Walzwerk der Oman Aluminium Rolling Company in Betrieb genommen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Gewerbebau, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie

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