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05.04.2017

Ost-West-Achse ist Georgiens Top-Straßenbauprojekt

Regionales Straßennetz wird massiv ausgebaut / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - In den Straßenbau Georgiens wird weiterhin viel investiert. Bis 2020 sollen rund 550 km Autobahnen und 1.000 km regionale Straßen gebaut oder modernisiert werden. Hinzu kommt die Sanierung von mehr als 800 km Straßen. Als Prestigeprojekt gilt der Bau der Ost-West-Autobahn E60. Die vorläufigen Kosten für das gesamte Straßenbauprogramm veranschlagt die Regierung auf 3,5 Mrd. US$. (Kontaktanschrift)

In der Kaukasusrepublik Georgien werden dringend neue leistungsfähige Transportkorridore und regionale Trassen benötigt. Der Schwerpunkt im Straßenbau liegt auf einer zentralen Verkehrsachse, die den Osten des Landes mit der Schwarzmeerküste in Westgeorgien verbinden soll. Zudem ist die Anbindung aller Regionen und entlegenen Gebiete an nationale Verkehrskorridore eines der Hauptziele des von der Regierung im Herbst 2016 vorgestellten mittelfristigen Raumplanungskonzepts.

Das Konzept soll den Niedergang von weniger zentral gelegenen und infrastrukturell schwach entwickelten Dörfern und Siedlungen sowie kleinen Städten stoppen. Für die 3,7 Mio. Georgier soll der Wohnort keine Barriere mehr darstellen. Ziel ist, die Mobilität und die Teilhabe der Einwohner an der Gesellschaft zu erhöhen und das private Unternehmertum zu entwickeln. Die Regierung arbeitet zurzeit an der Erstellung detaillierter lokaler und regionaler Planungsdokumente.

In den Straßenbau Georgiens sind in den Jahren 2000 bis 2015 mit finanzieller Unterstützung internationaler Geber mehr als 1,7 Mrd. US$ geflossen. Im Zeitraum 2016 bis 2020/21 dürfte sich diese Summe mehr als verdoppeln.

Ost-West-Straßenkorridor ist wichtigste Transitstrecke

Die Ost-West-Trasse erstreckt sich über 455 km vom Grenzübergang Tsiteli Khidi (Rote Brücke) an der Grenze zu Aserbaidschan im Südosten Niederkartliens bis zur Hafenstadt Poti beziehungsweise bis zur türkischen Grenze in Westgeorgien. Diese Achse ist eine wichtige Transitstrecke mit einem hohen Lkw-Aufkommen. Gleichzeitig stellt sie ein wesentliches Teilstück der wieder auflebenden internationalen Verkehrsader entlang der Neuen Seidenstraße dar. Zwei Drittel der Einwohner Georgiens leben im direkten oder nahen Einzugsgebiet der Trasse.

Der geplanten Autobahn kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund des bergigen Reliefs werden die Kosten für die Strecke auf bis zu 2,3 Mrd. $ veranschlagt. Internationale Geber beteiligen sich maßgeblich an der Finanzierung, darunter die Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB), die Japan International Cooperation Agency (JICA) und die Asiatische Entwicklungsbank (ADB).

Autobahntrassen mit einer Länge von mehr als 200 km in der Planung

Der offizielle Start für das Projekt, das in mehreren Etappen realisiert wird, erfolgte 2006/07. Bis 1.1.16 wurden etwa zwei Fünftel der geplanten Strecke auf den neuesten technischen Stand gebracht oder neu errichtet. Mehr als 100 km Straßen befinden sich gegenwärtig in der Bauausführung oder einer fortgeschrittenen Planungsphase. Für Straßenzüge mit einer Länge von mehr als 200 km sind die Vorbereitungen angelaufen. Die künftige Autobahn wird bis 2020 um insgesamt 730 km neue oder modernisierte regionale Straßen und Zubringer ergänzt.

Geplante Straßenbauprojekte auf der Ost-West-Achse im Zeitraum 2017 bis 2020
Teilprojekt Länge der Trasse (in km)
1. Autobahn Tiflis (Tbilissi)-Lagodechi 166
.Lagodechi-Tsnori-Bakurtsikhe 56
.Bakurtsikhe-Tiflis 80
.Umgehungsstraße Gurjaani-Telavi 30
2. Autobahn Zemo Osiauri-Chumateleti 14
3. Autobahn Rikoti-Chumateleti-Argveta (inklusive 40 Tunnels und 90 Brücken) 53
4. Umgehungsstraße Kharagauli: Chumateleti-Kharagauli-Dzirula (alternative Trasse zur Autobahn Rikoti) 50
5. Straße Zestaphoni-Kutaisi (im Bau) 15
6. Straße Samtredia-Grigoleti (im Bau) 51
7. Straße Grigoleti-Choloki (zurzeit Erstellung des Projektdesigns) 14
8. Umgehungsstraße Kobuleti (im Bau) 18
9. Umgehungsstraße Batumi 14
10. Batumi (Chorokhi)-Sarpi (Projektentwurf liegt vor) 11i
11. Verbindungsstraßen zwischen dem neuen Seehafen Anaklia und dem Hafen Poti sowie dem regionalen Straßennetz 114
.Straße Grigoleti-Poti 24
.Umgehungsstraße Samtredia-Zugidi/Seehafen Anaklia 90
12. Straßen Tiflis-Rote Brücke und Sadakhlo 130
.Umgehungsstraße Tiflis (Projektdesign liegt vor) 55
.Straße Rustavi-Rote Brücke (Projektdesign liegt vor) 35
.Straße Rustavi-Sadakhlo (Projektdesign liegt vor) 40

Quelle: Roads Department of the Ministry of Regional Development and Infrastructure of Georgia

Mehrere Projekte für eine Nord-Süd-Trasse und neue regionale Straßenzüge

Die geplante Errichtung eines leistungsfähigen Nord-Süd-Korridors zwischen Tiflis und Larsi/Grenze zu Russland zielt ebenfalls auf den Ausbau Georgiens als Transitland ab. Bedeutende Einzelprojekte auf dieser Achse betreffen den Bau der Trassen Natakhtari-Zhinvali (28 km) und Zhinvali-Larsi/Kvesheti-Kobi (20 km und über 5 km langer Tunnel). Die Fahrzeit von den westgeorgischen Orten Sarpi (Grenze zur Türkei) und Anaklia (Standort eines künftigen Tiefseehafens) nach Larsi könnte sich um drei beziehungsweise zweieinhalb Stunden verkürzen. Der Bau beider Straßen ist für die Jahre 2018 bis 2020 vorgesehen.

Neue regionale Straßenverbindungen sollen ebenfalls zu einer Ausweitung des Transitverkehrs, vor allem aber auch zu einer Belebung des Tourismus beitragen. So ist in Südgeorgien der Bau einer 57 km langen Straße zwischen Khulo (Autonome Republik Adscharien) und Zarzma (Region Samzche-Dschawachetien) geplant. Auf der Projektliste stehen auch die Errichtung einer Straßenverbindung zwischen dem ostgeorgischen Lagodechi (Grenze zu Aserbaidschan) und der abchasischen Stadt Gagra, einer Nord-Süd-Verbindung am Schwarzen Meer von Sarpi nach Gagra und einer Straße zwischen dem südgeorgischen Akhalsikhe und der Stadt Mestia in nordwestgeorgischen Swanetien.

Eine neue 38 km lange Trasse und ein 5 bis 7 km langer Tunnel sollen künftig die Städte Lentekhi und Mestia im touristisch interessanten Swanetien miteinander verbinden. Vorgesehen ist auch der Bau einer 55 km langen Direktverbindung zwischen den Regionen Oberimeretien (westlicher Zentralteil Georgiens) und Ratscha (Nordgeorgien).

Sanierung von mehr als 800 km lokalen Straßen bis 2020/21 geplant

Die Straßenbauinitiative der georgischen Regierung im Zeitraum 2016/17 bis 2020/21 umfasst auch die Sanierung von 800 km Straßen auf regionaler Ebene. Dies basiert auf einem mittelfristigen Programm der zentralen Straßenbehörde zur Wartung, Reparatur und Erneuerung von regionalen und Nebenstraßen. Die Weltbank stellt für das Vorhaben ein Darlehen über 40 Mio. $ bereit.

Straßennetz Georgiens nach Kategorien 2015 (in km)
Straßenkategorie Georgien, insgesamt *)
Straßen, insgesamt 20.327
.Kompetenzbereich der Straßenbaubehörde Roads Department
..internationale Straßen 1.603
..Straßen von gesamtstaatlicher Bedeutung 5.298
.Kompetenzbereich der kommunalen Selbstverwaltungen
..lokale Straßen 13.426

*) nach Angaben des Nationalen Statistikbüros entfallen rund 900 km Straßen (200 internationale, 400 gesamtstaatliche und 300 lokale Straßen) auf die abtrünnige Republik Abchasien

Quelle: Roads Department, Nationales Statistikbüro

Kontaktanschrift

Roads Department of Ministry of Regional Development and Infrastructure of Georgia

12 Kazbegi ave., 0160 Tbilissi

Ansprechpartner: George Seturidze, Vorsitzender des Roads Department of Georgia, Zaza Simonia, Stellvertretender Vorsitzender des Roads Department of Georgia

Tel.: 00995 32/231 30 76 (Zentrale)

E-Mail: info@georoad.ge, george.seturidze@georoad.ge, zaza.simonia@georiad.ge; Internet: http://www.georoad.ge (Veröffentlichung von Ausschreibungen unter Rubrik: Tenders)

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Straßen-, Brücken- und Tunnelbau

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‎+49 228 24 993 268

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