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18.06.2019

Pakistan baut Kohlekraft massiv aus

Chinesische Investitionen fördern den Klimakiller / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Die Regierung unter Imran Khan sieht den Energieträger Kohle kritisch, ist aber von Investoren und Geldgebern abhängig. Kohle gehört deshalb die Zukunft in Pakistan.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Dringender Ausbau der Kraftwerkskapazitäten. Abhängigkeit von ausländischen, insbesondere chinesischen Finanzierungen.
Chinesische Seidenstraßen-Projekte. Zu wenige private Investoren.
Große Braunkohlevorkommen. Politische Unwägbarkeiten.

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Konventionelle Kraftwerke könnten die Vorherrschaft behalten

Pakistan baut seine Kraftwerkskapazitäten stark aus und will die chronischen Engpässe bei der Stromversorgung beseitigen. Von 2008 bis 2018 wuchsen die Kapazitäten von rund 20 auf 34 Gigawatt. Der Zuwachs entfällt im Wesentlichen auf konventionelle Kraftwerke, die einen Anteil an den Kapazitäten von etwa 70 Prozent erreichen. Wasserkraft liegt bei 25 Prozent, auf erneuerbare Energien (Wind, Sonne, Biomasse) entfallen 5 Prozent.

Obwohl die seit August 2018 amtierende Regierung unter Premierminister Imran Khan eine energiepolitische Wende zu Gunsten erneuerbarer Energien und Wasserkraft anstrebt, könnten wirtschaftliche Zwänge den Ausbau konventioneller Kraftwerke fortsetzen. Pakistan ist beim Bau von Kraftwerken auf Engagements privater in- und ausländischer Investoren sowie auf Unterstützung staatlicher ausländischer Geber angewiesen.

China ist derzeit der wichtigste Akteur. Der Ausbau der Stromversorgung bildet einen Schwerpunkt des China Pakistan Economic Corridor (CPEC), der ein wichtiger Baustein der weltweiten chinesischen Seidenstraßenoffensive ist. Die CPEC-Initiative fördert auch Wasserkraftwerke und erneuerbare Energien, aber Kohlekraft macht den Großteil der Projekte aus. China engagiert sich darüber hinaus beim Bau konventioneller Kraftwerke, die offiziell nicht zum CPEC-Programm gehören.

In Pakistan werden neue Kraftwerke in der Regel in privater Rechtsform als Independent Power Plants (IPP) realisiert, die mit staatlichen Stromabnehmern langfristige Power Purchase Agreements unterzeichnen. Im Juni 2019 befinden sich IPP-Projekte mit einer Gesamtleistung von 16,4 Gigawatt in aktiver Planung oder sind im Bau.

Auf kohle- oder gasbetriebene Kraftwerke entfallen 10,0 Gigawatt, auf Wasserkraft 6,4 Gigawatt. An den geplanten oder im Bau befindlichen konventionellen IPP-Projekten ist China mit 9,1 Gigawatt beteiligt, die sich auf 6,9 Gigawatt Kohle und 2,2 Gigawatt Gas verteilen.

China forciert Nutzung von importierter Kohle und lokaler Braunkohle

Chinesische Akteuren dominieren den konventionellen Kraftwerksbau. Sie sind als Investoren, Financiers und Kraftwerksbauer aktiv. Ihre Projekte bieten auch anderen ausländischen Unternehmen als Unterauftragnehmer interessante Chancen.

Kohlekraft spielte vor Beginn der chinesischen Engagements keine große Rolle. Es gab nur das 1995 ans Netz gegangene 150 Megawatt Lakhra Braunkohlekraftwerk. Im Rahmen des CPEC-Programms gingen dann drei große Kohlekraftwerke in Betrieb: Port Qasim Karachi Power Plant (Importkohle; 2 x 660 Megawatt; Inbetriebnahme 2017/2018), die Sahiwal Coal Power Plant (Importkohle; 2 x 660 Megawatt; 2017) und die Engro Thar Block II Coal Power Plant (lokale Braunkohle; 2 x 330 Megawatt; 2019). Die HUBCO Coal Power Plant (Importkohle; 2 x 660 Megawatt) dürfte noch 2019 fertiggestellt werden.

Die von China forcierte Kohlenutzung macht Braunkohle zum "Energieträger der Zukunft". Das Kraftwerk Engro Thar Block II ist das erste Kohlekraftwerk in der Braunkohleregion Thar in der Provinz Sindh. Die Thar Lagerstätten verfügen über gewaltige 175 Milliarden Tonnen Braunkohle. Derzeit gibt es Kraftwerksprojekte in vier von den neun vermuteten Blöcken.

Allein im Block II sollen in fünf Ausbauphasen insgesamt 5,3 Gigawatt errichtet werden, es würden dann jährlich 30,4 Millionen Tonnen Braunkokle abgebaut. Mit der zweiten Phase (2 x 330 Megawatt) wurde schon begonnen. Die Flöze liegen in Tiefen ab 120 Metern. Das Essener Energieunternehmen RWE beteiligt sich seit 2013 am Thar Block II Projekt mit verschiedenen Engineering-Support-Leistungen. Im Thar Block I sollen 2023 zwei 660 Megawatt Kraftwerke fertiggestellt sein. Ähnliche Projekte sind in den Thar Blöcken III und VI in Vorbereitung.

Kraftwerke für Importkohle sollen ebenfalls gebaut werden. Eine Tochter der Lucky Cement Company will in Karachi 2021 ein 660 Megawatt Importkohle-Kraftwerk in Betrieb nehmen. Der Bauauftrag ging an China SEPCOIII, als Technologielieferant wurde das US-Unternehmen General Electric gewählt.

In der im Ausbau befindlichen Hafenstadt Gwadar will die in Shanghai ansässige CIHC Gruppe ein 300 Megawatt Kohlekraftwerk bauen. Die Provinz-Regierung kritisiert das Projekt angesichts der hohen Umweltbelastung.

Im April 2019 wurde zwischen K-Electric und der China Machinery Engineering Corporation ein Importkohle-Kraftwerks (2 x 350 Megawatt) im Port Qasim Karachi vereinbart. Dem Vernehmen nach will die Shanghai Electric Power im Oktober 2019 als Mehrheitsgesellschafter bei K-Electric einsteigen. K-Electric ist der 2005 privatisierte Stromversorger der Region Karachi. Das Unternehmen ist Netzbetreiber und verfügt über eigene Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2,3 Gigawatt.

Setzen sich Erneuerbare Energien doch noch durch?

Ein von China im Distrikt Rahimyar Khan geplantes 1.320 Megawatt Kohlekraftwerk wird offensichtlich vorerst nicht realisiert. Die Planungen für die meisten anderen Kohlekraftprojekte müssten ebenfalls gestoppt werden, wenn die Regierung bis 2030 wie geplant den Anteil erneuerbarer Energien von 5 auf 30 Prozent erhöht und den Anteil der Wasserkraft von 25 auf 30 Prozent steigert.

Pakistan: Konventionelle Kraftwerke in Planung oder im Bau (Auswahl)
Projektbezeichnung Energieträger/Kapazität (MW) Investitions-volumen (Mio. US$) Status *) Projektbetreiber
K-Electric BQPS III Gas/900 1.000 DU K-Electric
Punjab Thermal Power Project Gas/1.263 802 DU Punjab Thermal Power (Pvt.) Limited
Engro Energy Port Qasim RLNG Gas/450 392 PQ Engro Energy/Kolachi Portgen
K-Electric Imported Coal Power Plant Kohle/700 1.000 DU K-Electric
HUBCO Imported Coal Power Project Kohle/1.320 1.912 DU China Power Hub Generation Company
Grange Imported Coal Power Plant Kohle/163 217 P Grange Power Limited
Shanghai Electric Thar Power Plant Kohle/1.320 1.912 P Shanghai Electric Group Company
Thal Nova Thar Coal Project Kohle/330 498 P Thal Nova Power Thar (Pvt) Ltd.
Thar Energy Limited (HUBCO Project) Kohle/330 498 DU Thar Limited Energy
Lucky Electric Thar Coal Power Plant Kohle/660 957 DU Lucky Electric Power Company Ltd.
Siddiqsons Energy Thar Coal Power Plant Kohle/330 479 P Siddiqsons Energy Limited
Gwadar Imported Coal Power Project Kohle/300 435 P Gwadar Port Authority/Gwadar Development Authority
Oracle Thar Coal Power Project Kohle/1.320 k.A. P Oracle Coal Fields PLC England

*) DU = Durchführung, PQ = Präqualifizierung, P = Planung

Quellen: Private Power and Infrastructure Board, K-Electric, Engro Energy

LNG-Importe versorgen neue Gaskraftwerke

Die lokale Gasförderung schrumpft, während der Gasbedarf der Kraftwerke und der Industrie kräftig expandiert. Pakistan importiert daher seit 2015 Flüssiggas, Hauptlieferant ist Katar.

Der Port Qasim Karachi verfügt über zwei FSRU-Terminals (Floating Storage and Regasification Unit). Engro betreibt dort seit März 2015 die erste FSRU-Anlage (Kapazität: 500 Millionen cfd). Der zweite FSRU-Terminal ging im November 2017 in Produktion (750 Millionen cfd) und gehört der Pakistan Gas Port Corporation (PGPC). Mittelfristig soll der LNG-Anteil am gesamten Gasverbrauch von 10 auf 60 Prozent steigen. Der LNG-Import wuchs 2018 um 45 Prozent auf 6,7 Millionen Tonnen.

Die Engro Gruppe will im Port Qasim Karachi gemeinsam mit Royal Dutch Shell, dem Handelshaus Gunvor und dem lokalen Unternehmen Fatima eine dritte FSRU-Anlage mit einer Leistung von 750 Millionen cfd (cubic feet daily) errichten. Die Planung für einen LNG-Terminal im Hafen Gwadar wurde 2017 jedoch aufgegeben.

Die Planungen für neue Gaskraftwerke sind im Vergleich zum Kohlekraftsektor bescheiden. Das Unternehmen Kolachi Portgen, eine Tochter der pakistanischen Engro Gruppe, will im Port Qasim Karachi ein mit RLNG (Regasified Liquefied Natural Gas) betriebenes 450 Megawatt GuD-Kraftwerk (Gas- und Dampfturbinen) bauen. Es läuft die Präqualifizierung. Der Investor K-Electric baut ein 900 Megawatt Gaskraftwerk (BQPS III) im Port Qasim Karachi.

Die staatliche Punjab Thermal Power Company lässt von der China Machinery Engineering Corporation in Jhang ein 1,3 Gigawatt RLNG-betriebenes GuD-Kraftwerk bauen. Siemens hat für 200 Millionen Euro die Turbinen geliefert und erhielt ein langfristigen Vertrag für die Wartung des Kraftwerks.

Kontaktadressen:

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/pakistan Außenhandels-informationen für die deutsche Export-wirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/GES/Redaktion/DE/Publikationen/Kurzinformationen/2019/fs_pakistan_2019.pdf?__blob=publicationFile&v=2 Allgemeine Energieinformationen zum Land
Ministry of Energy, Power Division http://www.mowp.gov.pk Ministerium
National Electric Power Regulatory Authority (NEPRA) https://www.nepra.org.pk Behörde
Private Power and Infrastructure Board (PPIB) http://www.ppib.gov.pk Zuständig für private Investitionen in konventionelle und Wasserkraftwerke
Pakistan Atomic Energy Commission http://www.paec.gov.pk Steuerung des Atomkraftsektors
Pakistan Water and Power Development Authority (WAPDA) http://www.wapda.gov.pk Entwicklung der Wasserwirtschaft und Wasserkraft
Pakistan Electric Power Company (PEPCO) http://pepco.gov.pk Zuständig für staatliche konventionelle Kraftwerke und das nationale Stromnetz (außer Region Karachi)
Thar Coal and Energy Board (TCEB) http://sindhcoal.gos.pk Förderung der Braunkohleprojekte in Thar
Alternative Energy Development Board (AEDB) http://www.aedb.org Zuständig für erneuerbare Energien
National Transmission & Despatch Company (NTDC) http://ntdc.com.pk Betreiber des nationalen Stromnetzes (außer Region Karachi)
K-Electric http://ke.com.pk Betreiber von Kraftwerken und des Stromnetzes in der Region Karachi

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Dieser Artikel ist relevant für:

Pakistan Kraftwerksbau, Wärme- und Gasversorgung, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft

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