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17.01.2019

Pakistans Außenhandel mit unverändert hohem Defizit

Devisenknappheit könnte Importboom beenden / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Pakistans chronisch negative Handelsbilanz hat sich weiter verschlechtert. Derzeit übersteigt der Warenimport den Export um 150 Prozent. Neue Finanzspritzen sind dringend erforderlich.

Die pakistanische Regierung hatte in den letzten Monaten mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über ein weiteres Hilfspaket verhandelt. Diesmal sollte der IWF bis zu 12 Milliarden US-Dollar (US$) bereitstellen. Es wäre für Pakistan das dreizehnte und größte IWF Hilfsprogramm seit Staatsgründung 1947 gewesen. Pakistans Finanzminister Asad Umar erklärte aber am 12. Januar, eine Vereinbarung mit dem IWF werde nicht mehr angestrebt.

Grund für diese Entscheidung dürften die vom IWF geforderten einschneidenden Reformmaßnahmen wie Privatisierungen oder Kürzungen der Staatsausgaben und der Subventionen sein, die der neue, seit August 2018 amtierende Premierminister, Imran Khan, hätte umsetzen müssen. Zudem wäre Pakistan gezwungen gewesen, die gegenüber China bestehenden hohen Verbindlichkeiten offenzulegen. China ist derzeit Pakistans wichtigster Geber. Die von China finanzierten Projekte im Rahmen des 2015 gestarteten China Pakistan Economic Corridor (CPEC) sollen 60 Milliarden US$ kosten.

Pakistan: Handelsbilanz 2014/15 bis 2017/18 (in Millionen US$) 1)
2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2)
Importe 41.357 41.255 48.683 55.846
.Rohöl und Ölerzeugnisse 12.844 8.812 11.366 14.507
Exporte 24.090 21.972 22.003 24.772
Handelsbilanzdefizit 17.267 19.283 26.680 31.074

1) Fiskaljahre: Juli bis Juni; 2) vorläufig

Quelle: State Bank of Pakistan

Die Devisenreserven der pakistanischen Zentralbank (State Bank of Pakistan) boten seit September 2018 nur noch eine Einfuhrdeckung für weniger als zwei Monate. Im November waren es sogar nur noch 1,6 Monate. Der IWF prognostizierte in seinem, im November 2018 veröffentlichten "Regional Economic Outlook" für 2019 ein Absinken der Einfuhrdeckung auf 0,4 Monate. Ohne ausländische Finanzspritzen wäre Pakistan möglicherweise in wenigen Monaten nicht mehr in der Lage gewesen, die notwendigen Devisen für Schuldendienstzahlungen und Einfuhren aufzubringen.

Arabische Länder und China geben Milliardenkredite

Nothilfe leisten jetzt Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), China und eventuell Katar. Im Dezember 2018 sollen die VAE der pakistanischen Zentralbank einen Kredit in Höhe von 3 Milliarden US$ überwiesen haben und Saudi-Arabien von 2 Milliarden US$. Aus Riad soll im Februar eine weitere Milliarde folgen.

Zusätzlich wollen Saudi-Arabien und die VAE einen Aufschub der Zahlungen für ihre Öllieferungen nach Pakistan von 3 Milliarden und 3,2 Milliarden US$ gewähren. Dem Vernehmen nach laufen auch mit Katar Gespräche über Zahlungsaufschübe in Höhe von ebenfalls etwa 3 Milliarden US$ sowie über Preisnachlässe für Lieferungen von Liquefied Natural Gas. Von der Islamic Trade Finance Corporation soll Pakistan weitere 1,5 Milliarden US$ bekommen. Auch China hat weitere Hilfen zugesagt, Details sind aber nicht bekannt.

Pakistan: Ausfuhr nach wichtigen Warengruppen 2014/15 bis 2017/18 (in Millionen US$) 1)
HS-Abschnitte 2) 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 3)
Alle Warengruppen 24.090 21.972 22.003 24.772
Spinnstoffe und Waren daraus 13.666 12.860 12.551 13.450
Waren pflanzlichen Ursprungs 3.098 2.684 2.417 3.047
Waren der Lebensmittelindustrie etc. 961 671 806 1.469
Mineralische Stoffe 1.699 1.109 1.081 1.302
Häute, Felle, Leder, Pelzfelle und Waren daraus etc. 1.238 1.035 1.003 1.091
Lebende Tiere und Waren tierischen Ursprungs 757 666 711 784
Chemische Erzeugnisse 487 409 464 575
Verschiedene Waren 572 541 532 541
Unedle Metalle und Waren daraus 426 524
Optische, fotografische etc. Instrumente etc. 388 418 407 448

1) Fiskaljahre: Juli bis Juni; 2) Harmonisiertes System (HS) der Zolltarifnomenklatur; 3) vorläufig

Quelle: State Bank of Pakistan

Handelsbilanzdefizit bleibt auf Rekordniveau

Der Fehlbetrag der pakistanischen Handelsbilanz hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Gemäß Zentralbankdaten wuchs die Lücke im Fiskaljahr 2017/18 (1. Juli 2017 bis 31. Juni 2018) auf über 31 Milliarden US$. Die Ausfuhren zeigten im Fünfjahreszeitraum keinen Wachstumstrend, während aber die Importe kräftig zulegten. Sie wuchsen 2016/17 um 18 Prozent und 2017/18 um weitere 15 Prozent auf 55,8 Milliarden US$. Hauptlieferant ist China.

Pakistan: Wareneinfuhren nach Lieferländern 2014/15 bis 2017/18 (in Millionen US$) 1)
Länder 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2)
Alle Länder 41.357 41.255 48.683 55.846
.China 7.025 8.824 10.077 11.457
.Vereinigte Arabische Emirate 7.404 6.086 6.921 8.872
.Singapur 4.050 3.008 3.906 4.471
.Saudi Arabien 3.313 2.060 2.267 3.081
.USA 1.197 1.480 2.102 2.076
.Japan 1.401 1.398 1.697 1.875
.Indien 1.424 1.809 1.688 1.816
.Kuwait 2.218 1.173 1.221 1.146
.Thailand 634 719 754 1.108
.Deutschland 895 969 1.095 1.097

1) Fiskaljahre: Juli bis Juni; 2) Harmonisiertes System (HS) der Zolltarifnomenklatur; 3) vorläufig

Quelle: State Bank of Pakistan

Beobachter erwarten für das Finanzjahr 2018/19 eine Stagnation oder einen leichten Rückgang der Einfuhren und in den folgenden Jahren wieder Zuwächse. Die Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert bis 2023 einen Anstieg der Importe auf 70 Milliarden US$. Ohne eine deutliche Ausweitung der Exporte dürfte dieser Anstieg kaum zu finanzieren sein. Die EIU erwartet 2023 Exporte von 41 Milliarden US$. Dafür wären hohe Investitionen in exportorientierte Industrien erforderlich, was eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen voraussetzen würde.

Pakistan: Einfuhr nach wichtigen Warengruppen 2014/15 bis 2017/18 (in Millionen US$) 1)
HS-Abschnitte 2) 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 3)
Alle Warengruppen 41.357 41.255 48.683 55.846
Mineralische Stoffe 12.974 8.900 11.467 14.617
Maschinen, Apparate, elektrotechnische Waren etc. 5.444 6.853 7.157 8.336
Chemische Erzeugnisse 4.961 4.962 5.285 6.041
Unedle Metalle und Waren daraus 3.267 3.663 3.674 4.781
Spinnstoffe und Waren daraus 2.451 3.186 3.630 4.098
Beförderungsmittel 1.993 1.885 2.666 3.261
Kunststoffe und Waren daraus 2.151 2.205 2.425 2.865
Waren pflanzlichen Ursprungs 2.261 2.360 3.017 2.852
Tierische und pflanzliche Fette und Öle 1.953 1.840 1.979 2.151
Optische, fotografische etc. Instrumente etc. 530 593 670 935

1) Fiskaljahre: Juli bis Juni; 2) vorläufig

Quelle: State Bank of Pakistan

Deutscher Export mit Zuwächsen

Deutschland ist der führende Lieferant unter den Ländern der Europäischen Union. Es folgten 2018 das Vereinigte Königreich, Italien und die Niederlande. Eurostat zufolge übertrafen die deutschen Exporte 2015 die 1 Milliarde Euro Marke und legen seitdem weiter zu. Auf Basis der Daten für die ersten elf Monate 2018 lässt sich für das Gesamtjahr ein Zuwachs um etwa 10 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro schätzen.

Die positive Entwicklung des deutschen Pakistan-Geschäfts wurde 2018 vor allem vom Maschinenbau getragen. Gemäß der Systematik des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stiegen die deutschen Maschinenlieferungen in den ersten neun Monaten 2018 gegenüber der Vorjahresperiode um 44 Prozent auf 307 Millionen Euro, damit könnte sich 2018 ein neuer Spitzenwert ergeben. Der bisherige Rekord lag 2016 bei 353 Millionen Euro. Schwerpunkte der deutschen Maschinenausfuhren im Jahr 2017 waren Textilmaschinen, Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Druck- und Papiertechnik sowie Baumaschinen und Baustoffanlagen.

Trotz der kräftigen Steigerung dürfte der deutsche Anteil an den gesamten Maschinenlieferungen der wichtigsten Länder weiterhin unter 10 Prozent liegen. Nach VDMA-Berechnungen importierte Pakistan 2017 aus den wichtigsten Lieferländern Maschinen für umgerechnet 4,0 Milliarden Euro. Es dominierte China mit einem Anteil von rund 55 Prozent, Deutschland kam auf 8 Prozent, Italien auf 7 Prozent, Japan auf 6 Prozent, die USA auf 5 Prozent und Südkorea auf 3 Prozent.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/pakistan abrufen.

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Pakistan Außenwirtschaft, allgemein, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein, Auslandsverschuldung

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