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06.08.2018

Panama arbeitet an weiteren Projekten der Transportinfrastruktur

Kritik am Ausschreibungswesen / Von Ulrich Binkert

Panama-Stadt (GTAI) - Neue Metrolinien, Autobahnen, eine teure Eisenbahn nach Costa Rica - Panama setzt seinen Bau-Boom fort. Auch deutsche Firmen sind beteiligt, sie haben aber ein eigenes Problem.

Panamas größtes Vorhaben in der Transportinfrastruktur ist eine Bahnverbindung nach Costa Rica. Die Partner sitzen in der Volksrepublik China, zu der Panama im Juni 2017 diplomatische Beziehungen aufgenommen hat. Mit über 5 Milliarden US-Dollar (US$) wird die noch nicht geplante Bahn nach heutigem Stand so teuer wie der Ausbau des Panama-Kanals. Zudem ist die milliardenschwere Erweiterung der Metro von Panama-Stadt in Planung oder bereits im Bau.

Mit der Panamericana-Straßenverbindung nach Costa Rica hat die Regierung ebenfalls Großes vor: Die ersten zwei Teilstücke von La Chorrera jenseits des Panama-Kanals bis San Carlos haben die Behörden vergeben. Allein diese 55 Kilometer sollen 0,9 Milliarden US$ kosten.

Projekte der Transportinfrastruktur in Panama *)
Projekt Investitionen (Mio. US$) Anmerkungen Beteiligte
Bahnlinie Panama-Stadt - Chiriquí 5.500 450 km; China soll Projekt finanzieren und hat 16 Mio. US$ für Machbarkeitsstudie bereitgestellt Metro de Panamá, China Railway Design
Metrolinie 3, Panama-Stadt 2.600 26 km; Baugenehmigung erwartet Metro, Nippon Koei-Tonichi-Tostems
4. Brücke über Panama-Kanal 1.420 Am 03.07.18 vergeben an Konsortium um China Communications Construction Ministerio de Obras Públicas (MOP), Interamerikanische Entwicklungsbank (IADB), T.Y. Lin
Hafen Corozal 1.300 Baugenehmigung erwartet Autoridad del Canal de Panamá (ACP), ERM Panama
Straßenausbau Corredor Las Playas (I): La Chorrera - Santa Cruz/La Chorrera 543 33 km; vergeben an CICSA/FCC und Baugenehmigung erwartet MOP
Straßenausbau Corredor Las Playas (I): Santa Cruz/La Chorrera - San Carlos 350 22 km; am 06.06.18 vergeben an CICSA/FCC MOP
Ro-Ro-Terminal, Corozal 200 Baugenehmigung erwartet ACP
Metrolinie 2 - Verlängerung zum Flughafen Tocumen, Panama-Stadt 125 2 km; Ausschreibung Metro, KfW, Corporación Andino de Fomento
Metrolinie 1, Verlängerung bis Villa Zaita, Panama-Stadt k.A. 2,2 km; Ausschreibung, Öffnung der Angebote 26.10.18 Metro
Metrolinien 4 und 5, Panama-Stadt k.A. Vor-Machbarkeitsstudie Metro, IADB, Nippon Koei Lac-Sytra
Metrolinie 2a, Panama-Stadt k.A. - Metro
Erste Brücke über den Río Chucunaque, Darién k.A. Umweltprüfung IADB
Straße La Encantadita - El Limón, Provinz Colón k.A. 13 km; Ausschreibung MOP
Erweiterung Straße Cinta Costera, Panama-Stadt k.A. mehrere Etappen vorgesehen; Machbarkeitsstudie Alcaldía de Panamá, Weltbank

*) noch nicht im Bau, Investitionswert über 100 Millionen US$

Quellen: BNamericas; Recherchen von Germany Trade & Invest

In der Projektdatenbank des Informationsdienstleisters BNamericas sind für Panama wertmäßig mehr Projekte der Transportinfrastruktur im Bau oder "vor der Bauentscheidung" als in den anderen fünf Ländern Zentralamerikas zusammen. Die größten Vorhaben sind allerdings bereits vergeben beziehungsweise scheinen, wie beim chinesischen Bahnprojekt nach Costa Rica, außer Reichweite für deutsche Generalunternehmer.

Damit geht die Hochkonjunktur für Panamas Bauwirtschaft weiter. Für einen Boom sorgten in den letzten Jahren die Erweiterung des Kanals, die Mitte 2016 eröffnet wurde, und der Bau der ersten U-Bahn Zentralamerikas. Zum abgeschlossenen Kanalprojekt findet sich eine kritische Reportage bei der New York Times: http://www.nytimes.com/interactive/2016/06/22/world/americas/panama-canal.html

Projekte der Transportinfrastruktur in Lateinamerika (Mrd. US$) *)
Land Im Bau In Ausschreibung "Vor Bauentscheidung"
Panama 5,1 2,2 4,1
Costa Rica 1,4 1,6 1,1
El Salvador 0,2 0,0 0,5
Guatemala 0,7 1,0 0,3
Honduras 1,3 0,0 0,4
Nicaragua 0,6 0,0 0,3
Kolumbien 18,3 3,4 7,1
Mexiko 23,9 0,0 3,8
Peru 11,2 1,9 1,6

*) BNamericas schreibt etlichen aufgeführten Projekten noch keinen Investitionswert zu, so den ausgeschriebenen Straßenbauvorhaben Mexikos

Quelle: BNamericas (Abfrage 13. Juli 2018)

Die Projekte finden sich auf der öffentlichen Plattform PanamaCompra (http://www.panamacompra.gob.pa). Dort müssen alle staatlichen Einheiten sowie Aktiengesellschaften in staatlichem Mehrheitsbesitz ihre Beschaffungsprojekte einstellen. Den Bewerbern bleibt ab der Veröffentlichung allerdings wenig Zeit für das Einreichen ihrer Unterlagen, wie die spanische Exportförderbehörde ICEX anmerkt.

Außerdem ist die Vergabe großer Projekte teilweise umstritten. So protestierte das chinesische Konsortium CSCEC-CREC gegen die Vergabe der vierten Brücke über den Panama-Kanal an ein anderes chinesisches Konsortium. Zum ersten Mal überhaupt war damit ein solch großes Projekt nach China gegangen. Die Behörden hatten rund ein Jahr gebraucht, um sich nach der Öffnung der Angebote überhaupt zu entscheiden. Dabei hatte das zuständige Ministerium die Bewertungskommission ausgetauscht. Dies alles machte Beteiligte und die Öffentlichkeit misstrauisch.

Allgemein, so ein Beobachter des Systems, sind Behördenmitarbeiter in Panama - wie in andern Ländern der Region - relativ schlecht bezahlt oder ausgebildet und haben wenig Entscheidungsspielraum. Der Staat holt sich zur Beurteilung großer Projekte privaten Sachverstand aus der Branche. Das birgt die Gefahr, dass in der Bewertungskommission womöglich Personen mit eigenen Interessen sitzen.

Deutsche Firmen wollen nicht Generalunternehmer sein

Ein ganz anderes Problem ist die geringe Neigung deutscher Firmen, sich überhaupt als Haupt-Auftragnehmer an großen Bauausschreibungen zu beteiligen. "Generell gibt es wenig Interesse seitens der deutschen Bauindustrie an Lateinamerika", sagt Hans Schwarzweller. Der Präsident der Deutsch-Panamaischen Industrie- und Handelskammer ist im Hauptberuf Regional Director der Tiefbau- und Baumaschinenfirma Bauer in Panama und von dort aus zuständig für Lateinamerika. "Für Panama gab es seitens deutscher Generalunternehmer kein Interesse an den Ausschreibungen für die Metrolinien 2 und 3 und dem Bau der vierten Brücke über den Panama-Kanal", allesamt Milliardenprojekte. Bauer hat beim Bau der Metrolinie 2 gut zwei Drittel aller Gründungsarbeiten durchgeführt, mit der Einbringung von Großbohrpfählen. Das Unternehmen will sich auch bei der anstehenden Linie 3 und der vierten Kanalbrücke engagieren.

Weitere Informationen zu Panama finden Sie unter: http://www.gtai.de/panama

Dieser Artikel ist relevant für:

Panama Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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