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06.11.2018

Papierproduktion in China schrumpft

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Handelskonflikt und Digitalisierung belasten das Geschäft / Von Roland Rohde (September 2018)

Hongkong (GTAI) - Im 1. Halbjahr 2018 ging die Branchenproduktion in China um ganze 6 Prozent zurück. Die Investitionslaune der Unternehmen ist gedämpft. Banken sollen nun wieder mehr Kredite vergeben.

Allgemeine Markttrends: Weniger Betriebe wollen oder können investieren

China befindet sich im Spätsommer 2018 in einem eskalierenden Handelskonflikt mit den USA. Nur wenig deutet auf eine rasche Lösung hin. Die Exportindustrie muss daher im Herbst mit neuen Zöllen von Seiten der Trump-Administration und sinkenden Umsätzen rechnen. Das wird insbesondere die Hersteller von Verpackungspapier und Pappkartons treffen.

Branchenfirmen, die für den einheimischen Markt produzieren, dürften weniger leiden. Doch auch sie müssen sich auf ein schwierigeres Marktumfeld einstellen. Die Börsenkurse sind eingebrochen, die Bevölkerung ist auf dem Papier ärmer. Das dämpft wiederum den Inlandskonsum. Die Preise und Margen sind unter Druck geraten. Manch einer spricht schon von deflationären Tendenzen.

Darüber hinaus droht Ungemach von Seiten der technischen Entwicklung. Die Digitalisierung von Chinas Wirtschaft und Gesellschaft schreitet rasch voran. Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften befinden sich im freien Fall. Nur der Buchmarkt entwickelt sich noch positiv. Auch die Werbeindustrie schaltet zunehmend auf Online-Anzeigen. Der entsprechende Inlandsbedarf an Papier geht daher kontinuierlich zurück.

Die Branche wuchs in jüngster Vergangenheit nur noch langsam. Laut der China Paper Association stieg die Produktion von Papier und Pappe 2017 um 1,5 Prozent auf 111,2 Millionen Tonnen. Das chinesische Statistikamt kommt auf ein Plus von 3,1 Prozent beziehungsweise einen Output von 125,4 Millionen Tonnen. Dass aus unterschiedlichen Quellen stammende Daten deutlich voneinander abweichen, ist in China nichts Ungewöhnliches.

Im Gegensatz zum Verband liefert das Statistikamt bereits Informationen fürs 1. Halbjahr 2018. Denen zufolge ging die mengenmäßige Branchenproduktion um 6 Prozent (auf Jahresbasis) auf 59,9 Millionen Tonnen zurück. Bei Zeitungspapier betrug das Minus sogar 20,7 Prozent.

Produktion und Verbrauch an Papierwaren und Pulpe (in Mio. t, Veränderung zum Vorjahr in %)
Produktion Verbrauch
2017 Veränderung 2017 Veränderung
Papier und Pappe, davon 111,2 2,5 108,7 4,6
.Zeitungspapier 2,4 -9,6 2,7 0,8
.Druck- und Schreibpapier 25,6 1,2 23,8 3,5
.Haushalts- und Hygienepapier 9,2 8,0 8,5 8,1
.Verpackungspapier 7,0 3,0 7,1 2,6
.Gebleichter Karton 14,3 1,8 13,0 2,7
.Kartonagepappe 23,9 3,5 25,1 6,2
.Wellpappe 23,4 2,9 24,0 5,5
.Spezialpapier 3,1 8,9 2,5 10,7
.Anderes Papier 2,3 7,0 2,0 6,9
Zellstoffe/Pulpe 79,5 0,3 100,5 2,6
Insgesamt 190,7 1,5 209,2 3,5

Quelle: China Paper Association

Angesichts der flauen Branchenkonjunktur steht es mit der Investitionslaune nicht zum Besten. Selbst investitionsbereite Betriebe haben ein zunehmendes Finanzierungsproblem. Die Zentralregierung versuchte bis zur Jahresmitte 2018, die ausufernde Unternehmensverschuldung durch eine straffere Kreditvergabepolitik in den Griff zu bekommen.

Als dann aber der Renminbi Yuan im 1. Halbjahr 2018 deutlich an Wert zum US-Dollar verlor, hatten immer mehr Unternehmen Schwierigkeiten, ihre Auslandsschulden zu begleichen beziehungsweise auf den internationalen Märkten an neue Kredite zu gelangen. Infolge ruderte Beijing zurück und wies die Staatsbanken an, Mittelständlern wieder mehr Geld zu leihen. Ob das die Branche beleben kann, bleibt abzuwarten.

Zellstoff- und Papierindustrie: China importiert riesige Mengen an Altpapier

Laut Angaben des Branchenverbandes belief sich der Inlandskonsum an Zellstoffen/Pulpe 2017 auf 100,5 Millionen Tonnen, ein Plus von 2,6 Prozent gegenüber 2016. Diesen Bedarf können einheimische Hersteller nur zu etwa 80 Prozent decken. der Rest muss importiert werden.

Im Jahr 2017 gab es fast 8.000 Hersteller von Zellstoffen für die Papierindustrie. Ihre Produktion belief sich auf 79,5 Millionen Tonnen. Das kam im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von gerade einmal 0,3 Prozent gleich. Selbst im Fünfjahresvergleich ergibt sich lediglich ein Zuwachs von 5,4 Prozent.

Für die Pulpeherstellung setzt China überwiegend auf Altpapier. Doch davon gibt es viel zu wenig. Der Pro-Kopfverbrauch an Zeitungen und Zeitschriften ist vergleichsweise gering. Die meisten Menschen teilen sich eine Ausgabe mit Nachbarn oder Kollegen. Daher führt die Volksrepublik jedes Jahr riesige Mengen an Abfallpapier ein.

Chinas Zellstoffindustrie im Überblick (2017, in Mio. t, Veränderung zum Vorjahr in %)
Produktion Veränderung
Insgesamt, davon aus 79,5 0,3
.Altpapier 63,0 -0,4
.Holz 10,5 4,5
.Stroh 2,5 0,8
.Bambus 1,7 5,1
.Bagasse 0,9 -4,4
.Schilf 0,7 1,5
.Andere 0,3 -3,1

Quelle: China Paper Association

Laut Branchenverband summierten sich die Altpapierimporte 2017 auf 25,7 Millionen Tonnen, ein Minus von 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben von UN Comtrade beliefen sich die Einfuhren von Papierhalbstoffen und -abfällen auf 21,2 Milliarden US-Dollar (US$). Gegenüber 2016 sind sie damit um ganze 23,1 Prozent angewachsen. Das Plus ist vor allem auf deutlich gestiegene Weltmarkpreise zurückzuführen.

Für 2018 zeichnet sich ein Rückgang ab, da seit Jahresbeginn die Abfalleinfuhren nach China beschränkt sind. Unsortiertes Altpapier mit hohen Unreinheiten darf nicht mehr importiert werden. Laut chinesischen Zollamt gingen die Importe von Papierhalbstoffen und Altpapier in den ersten sechs Monaten um 9,6 Prozent (auf US-Dollar Basis) zum Vorjahr zurück.

Wellpappe- und Packmittelindustrie: Steht und fällt mit dem Exportgeschäft

Den Herstellern von Pappe und Verpackungspapier ging es 2017 relativ gut. Einerseits sprang der Exportmotor der Volksrepublik wieder an. Während die Warenausfuhren 2015 und 2016 laut nationalen Statistikamt (in Renminbi Yuan) noch leicht gefallen waren, stiegen sie 2017 um nahezu 11 Prozent. Andererseits setzt sich folgender Trend fort: Die Bevölkerung geht zunehmend in modernen Supermärkten einkaufen, wo ein Großteil der Waren verpackt ist.

Der einheimische Verbrauch an Pappe und Verpackungspapier legte 2017 gemäß Zahlen des Branchenverbandes um zusammengerechnet 5,4 Prozent auf 56,1 Millionen Tonnen zu. Die inländische Produktion stieg entsprechend um 3,1 Prozent auf 54,2 Millionen Tonnen. In Folge wuchs die Importabhängigkeit. Die Einfuhren an Pappe und Verpackungspapier stiegen um 83 Prozent auf 2,3 Millionen Tonnen. Die hohe Wachstumsrate ist vor allem auf den geringen Basiswert zurückzuführen.

Doch für 2018 muss sich die Sparte auf ein schwächelndes Geschäft einstellen. Der Exportmotor gerät angesichts des Handelsstreites mit den USA ins Stottern. In den ersten sechs Monaten 2018 legten die Warenausfuhren der Volksrepublik (auf Basis der Inlandswährung) laut Zollamt um nur noch knapp 5 Prozent zum Vorjahr zu. In der zweiten Jahreshälfte, wenn neue Zölle von US-amerikanischer Seite zum Greifen kommen, ist mit einem noch schwächeren Ergebnis zu rechnen.

Papierverarbeitungsindustrie: Haushalts- und Hygienesparte wächst kräftig

Im Jahr 2017 gab es landesweit knapp 3.900 papierverarbeitende Betriebe. Ihre Produktion summierte sich auf 68 Millionen Tonnen, ein Minus von 5,4 Prozent gegenüber 2016. Der Rückgang war vor allem auf den (in Folge der Digitalisierung) nachlassenden einheimischen Bedarf zurückzuführen. Dieser ging um 5,8 Prozent auf 65,1 Millionen Tonnen zurück.

Die Branche suchte ihr Glück im Auslandsgeschäft. Die Ausfuhren der Volksrepublik an fertigen Papierprodukten (der SITC-Zolltarifposition 642) summierten sich 2017 laut UN Comtrade auf 11,4 Milliarden US$. Im Vergleich zum Vorjahr kam dies einem Plus von 6,5 Prozent gleich.

Während das Inlandsgeschäft in der Summe schwächelte, gab es in einigen Sparten der papierverarbeitenden Industrie erfreuliche Aufwärtstrends. Der landesweite Umsatz an Produkten für den Haushalts- und Hygienebedarf entwickelt sich lebhaft. Er stieg 2017 gemäß der China National Household Paper Industry Association um 8,1 Prozent auf 8,5 Millionen Tonnen. Die Produktion legte um 8 Prozent auf 9,2 Millionen Tonnen zu.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der Papiertechnik
Akteur/Projekt Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkungen
Jiangsu Bohui 1.000 Geplant für 2018 bis 2019 Zwei Projekte zur Erhöhung der Fertigungskapazität um 5 Mio. t p.a.
Vinda Paper 473 In Umsetzung Erhöhung der Kapazität um 320.000 t p.a. (Anlagen für hochwertige Haushaltspapierprodukte)
Shandong Yongtai 444 In Planung für 2018 bis 2020 Erhöhung der Kapazität um 1.2 Mio. t p.a.
Anhui Shanying Paper 340 k.A. Erhöhung der Kapazität um 2,2 Mio. t p.a. (Anlagen für hochwertige Verpackungsmaterialien)
Wengang City Joint Project 325 k.A. Erhöhung der Kapazität um 500.000 t p.a. (Anlagen für Recyclingpapier)
Guangdong Weifu 170 k.A. Investition in Anlagen für hochwertige Verpackungsmaterialien
Jihong Group 133 k.A. Investitionen für Anlagen zur Herstellung von umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien

Quelle: Chinapaper Net

Marktstruktur/Wettbewerb: Wachsender Konsolidierungsbedarf

Chinas Papierindustrie ist die größte der Welt. Es gibt einige bedeutende Hersteller, denen eine Menge an Mittelständlern gegenüberstehen. Entsprechend hoch fällt der Konsolidierungsbedarf aus. Nine Dragon Paper ist in Sachen Produktionsvolumen der unangefochtene Marktführer. Im globalen Maßstab liegt er damit auf den vordersten Rängen. Gemessen am Umsatz kommt er allerdings nur auf einen mittleren Platz.

Im Jahr 2017 gab es nach Angaben der China Paper Association gut 14.600 größere Branchenhersteller. In dieser Zahl sind die Produzenten von Zellstoffen mitinbegriffen. Laut offizieller Definition (des Statistikamtes) gelten Betriebe ab umgerechnet gut 700.000 US$ Umsatz als groß.

Gemäß Verbandszahlen erreichten 2017 genau 19 Betriebe einen Ausstoß von mehr als 1 Million Tonnen. Im Vorjahr betrug ihre Anzahl lediglich 17. Die zehn größten Branchenfirmen verzeichneten für 2017 ein Produktionsvolumen in Höhe von zusammengerechnet 44,4 Millionen Tonnen (ohne Pulpe). Das entspricht einem inländischen Marktanteil von 40 Prozent.

Die größten chinesischen Papierhersteller 2017
Namen Produktion (in Mio. t) Umsatz (in Mrd. US$) Internetadresse
Nine Dragons Paper 13,1 8,2 http://www.ndpaper.com/eng/global/home.htm
Lee & Man 5,5 3,8 http://www.leemanpaper.com/eng/main/inde
Shandong Chenming Paper 5,1 12,9 http://www.chenmingpaper.com/indexen.html
Shandong Sun Group 4,4 6,6 http://www.sunpapergroup.com/en/
Anhui Shanying Paper 3,6 2,6 http://www.shanyingpaper.com/en/home.ph
Shandong Huatai 3,1 10,8 http://www.huatai.com/en/
China Paper 2,8 k.A. http://www.chinapaper.com.cn (nur auf Chinesisch)
Fujian Liansheng Paper 2,4 k.A. http://www.fjlszy.com (nur auf Chinesisch)
Ningbo Zhonghua Paper 2,3 k.A. http://www.zhonghua-paper.com/ww/enpage/eindex.aspx
Jiangsu Longchen Greentech 2,1 k.A. https://www.longchenpaper.com/index_en.html

Quellen: China Paper Association (Produktion); Forbes (Umsatz)

In den Jahren 2018 und 2019 dürfte es zu Übernahmen und Betriebsschließungen kommen, wenn kleinere Anbieter in Folge des Handelskonflikts zwischen den USA und China nicht mehr in der Lage sind, ihre Kredite zu bedienen. Wie auch in anderen Industriezweigen üblich, sind einige Betriebe hoch verschuldet und werden nur noch von den staatlichen Banken am Leben gehalten.

VR China Eckdaten der Papier- und Pappeindustrie (in Mio. t, Veränderung in %) 1)
2016 2017 Veränderung 2017/16 2)
Produktion 187,8 190,7 1,5
Import 52,7 54,3 3,1
Export 10,3 10,2 -1,7
Inländischer Verbrauch 202,2 209,2 3,5

1) einschließlich Zellstoffen; 2) auf Basis der ungerundeten Werte

Quelle: China Paper Association

Chinas Papierindustrie muss auf der einen Seite im erheblichen Umfang Vorprodukte einführen. Auf der anderen Seite exportiert das Land im großen Stil Fertigwaren. Die Brancheneinfuhren in Höhe von 27,4 Milliarden US$ bestanden 2017 gemäß UN Comtrade zu 77 Prozent aus Halbstoffen und Altpapier. Von den Exporten von 19,3 Milliarden US$ entfielen mehr als 99 Prozent auf Fertigprodukte. Die Verbandsangaben (basierend auf Gewicht) ergeben ein ähnliches Bild.

Chinas Papierhandel (2017, in Mio. t)
Einfuhren Ausfuhren
Zellstoffe/Pulpe 23,7 0,1
Altpapier 25,7 0,0
Papier und Pappe 4,7 7,0
Papierprodukte 0,2 3,1
Insgesamt 54,3 10,2

Quelle: China Paper Association

Rahmenbedingungen: Umweltauflagen strenger, Kreditvergabe lockerer

Die Regierung versucht einerseits bestehende Überkapazitäten zu reduzieren. Andererseits erhöht sie kontinuierlich den Druck auf die Branche in Sachen Umweltschutz. Betriebe müsse in ihre Abwasserreinigung investieren oder Teile der Produktion ins Hinterland verlegen, wo mit weniger Beschwerden von Seiten der Anwohner zu rechnen ist.

Im Zuge des Handelsstreits hat Beijing seine restriktive Kreditvergabepolitik gelockert. Eine Pleitewelle und Massenentlassungen sollen unter allen Umständen verhindert werden. Somit erhält die Regierung Betriebe am Leben, die eigentlich nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Die Verschuldung der Unternehmen dürfte weiter steigen.

China beschränkte zum Jahresanfang 2018 die Einfuhr von Abfällen. Die Maßnahmen richteten sich bei Papier vor allem gegen unsortiertes Material mit zu hohen Verunreinigungen. Gegen entsprechende Einfuhren aus den Vereinigten Staaten (dem größten Zulieferer) wurden seitdem temporäre Einfuhrstopps verhängt. Die Volksrepublik dürfte auf andere Lieferanten umschwenken oder vermehrt auf holzbasierte Zellstoffe setzen.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
China Paper Association http://en.chinappi.org (kaum Informationen auf Englisch) Verband vertritt Papier-, Pappe- und Zellstoffhersteller
China National Household Paper Industry Association http://en.cnhpia.org/class/view?id=1 Verband vertritt Hersteller von Haushalts- und Hygienepapier
China Paper Net http://www.chinapaper.net (nur auf Chinesisch) Interessante Informationen zu Investitionsprojekten
International Pulp and Paper Industry Expo China http://zt2en.paperexpo.com.cn Fachmesse; Nächste Veranstaltung Anfang Juni 2019 in Guangzhou (Kanton)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Papier-, Pappe-Erzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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