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05.02.2018

Pariser Verkehrsbetrieb lanciert Großausschreibung für Elektrobusse

Signalwirkung für andere Städte / Chinesische Anbieter bauen lokale Präsenz auf / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Nach zahlreichen Versuchen mit Elektrobussen will das französische Verkehrsunternehmen RATP, das einen Großteil des öffentlichen Verkehrs in Paris und der Region Ile-de-France durchführt, bis zu 1.000 Fahrzeuge kaufen. In dem Markt sehen sich in Frankreich angestammte Akteure wie Bollore, Heuliez und Alstom einer starken chinesischen Konkurrenz gegenüber, die eigene Montagebetriebe in Frankreich aufbaut. (Kontaktadressen)

Das französische Verkehrsunternehmen RATP setzt auf Elektrobusse. Das Unternehmen will mindesten 250 bis maximal 1.000 derartige Busse anschaffen. Eine entsprechende Ausschreibung wurde am 17 Januar 2018 veröffentlicht. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um 12-Meter-Busse bis zu einem Gesamtauftragswert von 400 Millionen Euro.

In der Ausschreibung wird für jedes von drei Losen eine Mindestkaufsumme von 33 Millionen Euro und ein Maximum von 133 Millionen Euro genannt. Ein Bieter kann nur für ein Los den Zuschlag erhalten. Mit den erfolgreichen Bietern werden Rahmenverträge für den Kauf von Fahrzeugen geschlossen. Interessierte Firmen können bis zum 16. Februar 2018 eine Teilnahme an der Ausschreibung anmelden. Ende 2020 sollen die ersten Busse geliefert werden.

Die Finanzierung trägt je zur Hälfte das Verkehrsunternehmen RATP und das Staatsunternehmen Ile-de-France Mobilites, das in der gesamten Region Ile-de-France die Verkehrsbetriebe und deren Netze koordiniert. Die Region hat sich bis 2025 zum Ziel gesetzt, alle Busse auf "saubere" Antriebe umzustellen. Bis zu 80 Prozent sollen dann elektrisch betrieben werden und der Rest mit Biogas. Derzeit umfasst die Flotte von RATP 4.700 Busse - darunter 800 Hybridfahrzeuge, 140 auf Biogasbasis und 74 Elektrobusse. Die anderen Fahrzeuge sind dieselbetrieben. Neben der Anschaffung der Busse sieht die Präsidentin von RATP, Catherine Guillouard, vor allem den Umbau der 25 Buszentren des Unternehmens als Herausforderung an - 16 sollen für Elektro- und 9 für Gasfahrzeuge ausgerüstet werden.

Weitere Großausschreibung geplant

Die Region Ile-de-France, zu der auch Paris gehört, plant außerdem die Anschaffung von 450 weiteren Elektrobussen über den Zeitraum von drei Jahren. Sie sind für die zahlreichen anderen Busunternehmen der Region gedacht, die größtenteils den beiden Unternehmensgruppen Transdev und Keolis gehören, die auch außerhalb Frankreichs aktiv sind.

Für die laufende Ausschreibung dürften sich zumindest die sieben Unternehmen stark machen, deren Fahrzeuge RATP getestet hat. So hatte das Unternehmen in den letzten Jahren Elektrobusse von Heuliez Bus, Bollore, NTL, Dietrich Carebus-Yutong, BYD, Irizar und Solaris in unterschiedlicher Anzahl im Probeeinsatz.

Die Iveco-Tochter Heuliez Bus mit Sitz in Mauleon will im Oktober 2018 die Serienfertigung von Elektrobussen aufnehmen. Das Unternehmen war bisher stärker auf die Herstellung von Hybridbussen fokussiert, deren Markt sich jedoch eher schwach entwickelt.

Bushersteller mit eigener Batterieproduktion

Bollore ist mit seiner Mobilitätssparte Blue Solutions der einzige Hersteller in Frankreich, der auch Batterien fertigt - und zwar Feststoffbatterien nach einem eigenen Verfahren. Die Batterien müssen, um eine Entladung zu vermeiden, ständig eine Betriebstemperatur von mindestens 60 Grad aufweisen. Um dies sicher zu stellen, müssen sie bei Nichtnutzung an Ladestationen angeschlossen sein. Für den Pkw-Massenmarkt ist das eine starke Einschränkung. Daher baut das Unternehmen mit dieser Technologie eher auf den öffentlichen Verkehr und auf Car-Sharing. So bestückt Bollore zum Beispiel den Carsharing-Dienst Autolib in Paris. Elektrofahrzeuge von Bollore sind auch bereits in anderen französischen Städten (Lyon, Bordeaux) und weltweit im Einsatz (unter anderem Rom, Turin und Singapur).

Gute Aussichten auf eines der Ausschreibungslose hat Bollore vor allem, weil das Unternehmen in den letzten Jahren eine enge Zusammenarbeit mit RATP aufgebaut hat. Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat ist NTL mit Sitz im elsässischen Duppigheim. Die Firma wurde vom Industriekonzern Alstom unter Beteiligung der staatlichen Entwicklungsbank Bpifrance 2012 geschaffen und umfasst das Alstom-Geschäft mit Straßenbahnen und Elektrobussen. Das Busmodell Aptis wurde Anfang 2018 zum ersten Mal im Straßenbetrieb in Marseille getestet. Hinzu kommen aus dem europäischen Ausland Busse von Irizar aus Spanien und Solaris aus Polen, die ebenfalls von RATP getestet wurden.

Chinesische Firmen bauen lokale Präsenz auf

Große praktische Erfahrung im Einsatz von Elektrobussen haben die chinesischen Anbieter Yutong und BYD. Allein 2017 hat Yutong insgesamt 20.345 und BYD 14.336 elektrische Busse verkauft. Von etwa 300.000 Elektrobussen, die weltweit im Einsatz sind, fahren über 90 Prozent in China. Yutong und BYD sind die größten Hersteller.

Weil auch die lokale Wertschöpfung für den Zuschlag bei der RATP-Ausschreibung eine Rolle spielen dürfte, haben beide Firmen begonnen eine lokale Präsenz aufzubauen. BYD baut nahe Beauvais auf dem Gelände einer früheren Michelin-Fabrik für 10 Millionen Euro eine Montagehalle für Elektrobusse, die noch im 1. Halbjahr 2018 einsatzbereit sein soll.

Yutong hat das französische Familienunternehmen Dietrich Carebus Group (DCG) als Partner für den Vertrieb und für die technische Aufrüstung der chinesischen Busse für den europäischen Markt gewonnen. Im Oktober 2017 haben die beiden Unternehmen eine erste Ausschreibung für 12 Elektrobusse des Busunternehmens Savac in der Region Ile-de-France für sich entscheiden können. Der Standort Ingwiller im Elsass soll zum Ersatzteilzentrum ausgebaut werden. Auch eine Montage ist angedacht mit Batterien vom französischen Hersteller Forsee Power, die auch bei Elektrobussen von Heuliez zum Einsatz kommen.

Paris verbietet Verbrennungsmotoren ab 2030

Die Großausschreibung von RATP dürfte Beispielcharakter für andere Städte des Landes haben. Viele Gemeinden in Frankreich führen bereits einen Testbetrieb durch. Sie schrecken aber angesichts der hohen Anschaffungskosten für Elektrobusse, die derzeit doppelt so hoch sind wie für Dieselbusse, vor größeren Investitionen zurück.

In Paris ist der Druck höher, da hier die Bürgermeisterin Anne Hidalgo ab 2030 alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor von den Straßen verbannen will. Für Dieselfahrzeuge gilt dies schon ab Anfang 2025. Da diese Einschränkung dann auch für Busse der Hauptstadtregion gilt, die in die Stadt einfahren wollen, hatte RATP sich zum Umstieg auf Elektro- und Biogasbusse entschieden. Für ganz Frankreich hatte die Regierung in ihrem Anfang Juli 2017 verkündeten Klimaplan ein Ende des Verkaufs von Diesel- und Benzinfahrzeugen bis 2040 vorgegeben.

Einige Regionen setzten auf Wasserstoff

Während Elektrobusse mit der Ausschreibung in Paris einem massiven kommerziellen Einsatz einen Schritt näher kommen, setzen einige Regionen auf Wasserstoff und Brennstoffzellen. In Pau am Fuße der Pyrenäen werden der Stromkonzern Engie und der belgische Bushersteller Van Hool bis September 2019 für 13,5 Millionen Euro eine Buslinie bestehend aus acht Bussen mit Brennstoffzellen ausrüsten. Die Region Auvergne-Rhone-Alpes geht noch weiter und hat im Oktober 2017 den Aufbau einer Tankinfrastruktur mit 20 Stationen und 15 Elektrolyseuren für die Wasserstoffgewinnung angekündigt. Dies soll den Einsatz von etwa 1.000 Fahrzeugen ermöglichen etwa von Partnern wie der französischen Post. Auch der Bushersteller Iveco, der in der Region ein Werk unterhält, soll für Nutzung von Brennstoffzellen gewonnen werden.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Regie Autonome des Transports Parisiens (RATP) http://www.ratp.fr Verkehrsunternehmen für die Hauptstadtregion
Ile-de-France Mobilites http://www.ildefrance-mobilites.fr Verkehrsbehörde koordiniert Verkehrsunternehmen in der Region

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Frankreich können Sie unter http://www.gtai.de/frankreich abrufen.

(P.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Straßenfahrzeuge, allgemein, Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV), Elektromobilität

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