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01.05.2019

Peru führt Warnhinweise auf Lebensmitteln ein

Bewerbung und Absatz werden eingeschränkt / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Perus Regierung setzt ab Juni 2019 eine Kennzeichnungspflicht für industriell verarbeitete Nahrungsmittel um. In Chile sinken Angebot und Konsum von gesüßten Getränken.

Für die peruanische Nahrungsmittelindustrie gilt eine neue Regelung bei der Etikettierung: Ab dem 17. Juni 2019 erhalten industrielle Produkte mit einem hohen Anteil an Zucker, Fett, Transfetten und Salz achteckige Hinweise auf ihren Verpackungen.

Die zweite Stufe wird 39 Monate nach der Einführung erfolgen: Nahrungsmittel sind dann bereits ab einem Gehalt an Salz von 400 statt bisher 800 Milligramm je 100 Gramm kennzeichnungspflichtig. Bei Zucker reduziert sich der Anteil von 22,5 auf 10 Gramm, bei Fetten von 6 auf 4 Gramm. Transfette müssen immer ein Siegel bekommen. Bei Getränken bleibt der Anteil des anzugebenen Salzes bei 100 Milligramm pro 100 Milliliter, ebenso der Anteil der Fette bei 3 Gramm. Nur der Anteil von Zucker sinkt von 6 auf 5 Gramm. Manche Firmen wie Coca Cola bringen die Hinweise bereits an.

Bis hierhin war es ein langer Weg: Der ehemalige Präsident Ollanta Humala unterschrieb den Gesetzesentwurf 2013, doch die erste Fassung wurde erst 2017 erlassen. Im Juni 2018 publizierte das aktuelle Staatsoberhaupt Martín Vizcarra die jetzige Fassung. Nach Kritik des peruanischen Gesundheitsministeriums Minsa (Ministerio de Salud) änderte er das zuvor vorgesehene Ampelsystem zu achteckigen, schwarzen Symbolen, die den Peruanern aus dem Nachbarland Chile bekannt sind.

Kein Verkauf von industriell verarbeiteten Produkten in Schulen

Ende Februar 2019 gab Minsa einen Leitfaden zur Förderung und Sicherstellung einer gesunden Ernährung in Schulen und Bildungseinrichtungen bekannt. Den Rahmen dazu bildet das Gesetz Nummer 30021 zur Förderung einer gesunden Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Dem Leitfaden zufolge dürfen Kiosks, Cafeterien und Mensen in Schulen Produkte mit achteckigen Warnhinweisen nicht mehr verkaufen. Hierdurch fallen Süßigkeiten und Getränke mit einem hohen Zucker- oder Süßstoffgehalt automatisch aus dem Sortiment. Der Leitfaden verbietet zudem Lebensmittel mit Konservierungs- oder künstlichen Farbstoffen, Geschmacksverstärkern, Säuerungsmitteln sowie Süßstoffen.

Außerdem enthält der Leitfaden eine Liste mit industriellen Produkten, die im Verkauf in Bildungseinrichtungen erlaubt sind, darunter folgende einfach verarbeitete Produkte: Tiefgefrorenes, Dosenobst und -gemüse, Naturjoghurt sowie bestimmte Getreideprodukte. Ernährungsberater kontrollieren das Angebot.

Verstärkte Kontrolle von Werbekampagnen

Werbekampagnen müssen zukünftig das Gesetz zur Förderung einer gesunden Ernährung von Kindern und Jugendlichen einhalten. Überprüft wird dies durch den Prüfungsausschuss zur Wettbewerbsverzerrung CCD (Comisión de Fiscalización de la Competencia Desleal) des nationalen Institutes zum Schutz des Wettbewerbs und geistigen Eigentums INDECOPI.

Werbeaktionen für die Zielgruppe der unter 16-Jährigen dürfen unter anderem keine Produkte bewerben, die reich an Alkohol, Transfetten, Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren sind. Werbung darf ausschließlich Bilder von Lebensmitteln zeigen, deren Basis natürlich ist. Ebenso ist es verboten, extreme und impulsive Essgewohnheiten zu fördern sowie fiktive oder reale Heldenfiguren als Werbeaufhänger zu nutzen. Firmen dürfen Lebensmittelprodukte nicht als Statussymbole bewerben.

Von 539 im Jahr 2018 untersuchten Werbeaktionen bezeichnete die CCD 296 als rechtswidrig. Die Anzahl der Untersuchungen stieg um 27 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017.

Regelung im Nachbarland Chile zeigt Wirkung in Angebot und Nachfrage

Bei der Einführung der Etikettierung der verarbeiteten Lebensmittel folgt Peru dem chilenischen Beispiel. Im Unterschied zum Nachbarland müssen Transfette automatisch einen Hinweis bekommen, in Chile nur bei hoher Kalorienzufuhr. Die ansonsten starke Orientierung am Nachbarland steht in der Kritik. Denn mit einem Pro-Kopf-Konsum von 52 Kilogramm industriell verarbeiteter Produkte pro Jahr liegt Peru weit hinter Chile (201 Kilogramm). Die Rate von Übergewichtigen liegt bei 19 Prozent der Erwachsenen und 6 Prozent der Jugendlichen; in Chile dagegen bei 29 und 14 Prozent.

In Chile zeigen sich bereits Anzeichen eines veränderten Konsums. Eine Studie des Ernährungs- und Lebensmitteltechnologieinstitutes der Universidad de Chile INTA (Instituto de Nutrición y Tecnología de los Alimentos), der Universidad Diego Portales und der University of North Carolina ergab, dass eineinhalb Jahre nach der Einführung der Kennzeichnungshinweise der Verkauf von gesüßten Getränken um 25 Prozent sank. Auch die Verkaufszahlen gezuckerter Müslimischungen fielen um 14 Prozent. Der Konsum von Süßigkeiten, Keksen und Schokolade blieb allerdings konstant.

Die Presse berichtet von einer Verhaltensänderung von Kindern bei der Auswahl der Snacks für die Schule. Sie zitiert Mütter, ihre Kinder griffen bevorzugt zu Lebensmitteln mit weniger Hinweisschildern, da der Kauf gekennzeichneter Produkte in der Schule verboten sei und dies das Ansehen beeinflusse. Laut Analysen des Marktforschungsunternehmens Euromonitor International hat sich vor allem das Angebot verändert: Die Verpackungen und Inhaltsstoffe werden aufgrund der neuen Regelungen angepasst.

Ab dem 27. Juni 2019 tritt das Gesetz in Chile in seine letzte Umsetzungsphase. Die Kennzeichnungspflicht greift dann bereits bei einem noch niedrigeren Anteil von Zucker, Fetten, Kalorien und Salz ein.

Zur Regulierung in Chile berichtet Germany Trade and Invest unter https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=chiles-lebensmittelsektor-setzt-neues-gesetz-zur-kennzeichnung-um,did=1918370.html.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Minsa (Ministerio de Salud, Peru) https://www.gob.pe/minsa/ Peruanisches Gesundheitsministerium
Minsal (Ministerio de Salud, Chile) https://www.minsal.cl Chilenisches Gesundheitsministerium
Indecopi (Instituto Nacional de Defensa de la Competencia y de la Protección de la Propiedad Intelectual) https://www.indecopi.gob.pe/inicio Nationales Institut zur Verteidigung des Wettbewerbs und Schutzes geistigen Eigentums
Revista Industria Alimentaria https://industriaalimentaria.org Fachzeitschrift zur Lebensmittelindustrie
Expoalimentaria http://www.expoalimentariaperu.com Messe der Lebensmittelindustrie in Lima

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Chile sind unter http://www.gtai.de/peru abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Peru Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Werbung, Getränke, Nahrungsmittel

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