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15.08.2017

Perus Bergbau erholt sich langsam

Geplante Arbeitsmarktreform erleichtert Entlassungen / Deutschland mit größter Länderpräsenz auf Fachmesse Perumin / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Perus Regierung leitet weitere Schritte ein, um bürokratische und soziale Hindernisse zu überwinden. Diese hemmen insbesondere die großen Bergbauprojekte. In einem landesweiten Streik widersetzten sich Gewerkschaften jedoch der jüngsten Gesetzgebung. Die geplanten Arbeitsmarktreformen erleichtern Entlassungen. Auf der Messe Perumin im September 2017 in Arequipa ist Deutschland mit einem Pavillon und vielen Firmen vertreten. (Kontaktanschriften)

Bergbau-, Stahl- und Energieunternehmen in Peru verwenden zurzeit einen großen Teil ihrer Einnahmen für Expansionsprojekte. Das ist laut der Handelskammer von Lima (CCL) der Hauptgrund für den 61%igen Sprung der ausländischen Direktinvestitionen im 1. Quartal 2017 im Vergleich zu 2016, der im Kontrast zu den sonst niedrigen Investitionszahlen steht. So schrumpften die privaten Investitionen in der Wirtschaft insgesamt im 1. Quartal 2017 um 5,6%, die öffentlichen sogar um 16%.

Und es gibt einen weiteren Lichtblick: Die Ausgaben für die Explorationstätigkeit in Peru ziehen wieder an. Der zwischen Januar und Mai 2017 erreichte Betrag von 153 Mio. US$ entspricht einem Wachstum von 22% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2016. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass die Bergbauinvestitionen insgesamt 2017 bei etwa 3,7 Mrd. US$ und 2018 bei 4,1 Mrd. US$ liegen.

Gesetze zur Erleichterung von Investitionen senkten im bisherigen Jahresverlauf die von den Konzernen zu entrichtenden Gebühren und Steuern, nachdem die Preise für (Edel-)Metalle im letzten Jahr gefallen waren. Die Produktionsmenge war 2016 allerdings deutlich gestiegen - im Fall des Kupfers um 38,4% gegenüber dem Vorjahr. Wegen der steigenden Kupfer- und Goldpreise erwartet der Bergbau jetzt auch Produktionsgewinne.

Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski, im August 2017 seit einem Jahr im Amt, hat jetzt mit Lucía Cayetana Aljovín Gazzani eine neue Energie- und Bergbauministerin ernannt. Die Kabinettsumbildung, die weitere Personen betraf, ist eine von mehreren Maßnahmen, um die Genehmigungsprozesse für Großprojekte zu beschleunigen (wir berichteten: Peru strafft Genehmigungsprozesse im Bergbausektor - https://www.gtai.de/mkt201707138008).

Wie die Karriere von Investmentbanker Kuczynski ist auch die von Ministerin Aljovín von Wechseln zwischen Politik und Praxis geprägt: Anwältin, Professorin, stellvertretende Telekommunikationsministerin, Leiterin der Investitionsförderungsagentur ProInversión, Corporate Affairs Managerin bei einem Gasversorger. Sie ersetzt Gonzalo Tamayo, der Kritikern zufolge wenig Fortschritt bei den Investitionen in den Bergbau nachweisen konnte. Tamayo hat es vor allem nicht geschafft, die vielen sozialen Konflikte zu lösen, von denen laut Ombudsmann knapp die Hälfte im Zusammenhang mit dem Bergbau stehen. Ob die neue Ministerin mehr Erfolg haben wird, ist ungewiss, da etwa geplante Arbeitsmarktreformen für großen Unmut unter den Gewerkschaften sorgen.

Proteste gegen die Arbeitsmarktpolitik der Regierung

Mitte Juli hatten Minenarbeiter, die 56 verschiedenen Gewerkschaften im ganzen Land angehören, die Arbeit niedergelegt. Die Streikenden stimmten erst zu, den Stillstand zu beenden, als sich Beamte des Arbeitsministeriums dazu verpflichteten, sich eingehend mit den Problemen zu befassen, die den Protest ausgelöst hatten. Eine Sonderkommission hierzu tagt seit dem 1.8.17.

Die Gewerkschaften empfinden die geplanten Arbeitsmarktreformen als eine Bedrohung ihrer Rechte. Strittig sind die Punkte, die es Unternehmen erleichtern, Arbeitnehmer zu entlassen und - so der Vorwurf der Gewerkschaften - stattdessen jüngere mit niedrigeren Gehaltszulagen zu beschäftigen.

Der Streik, der am 19. Juli begann, brachte mindestens 20 Bergwerke zum Stillstand, so die Gewerkschaftsführer. Die nationale Gesellschaft für Bergbau, Erdöl und Energie (SNMPE) sagte, der Streik habe dennoch nur wenig Einfluss auf den Gesamtbetrieb, da 95% der Kumpels ihrer Arbeit nachgekommen seien. Es war allerdings nicht der erste im Jahr 2017. In den ersten Wochen des Jahres hatten die Bergleute bereits mit Druck für Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen gekämpft.

Gestiegenes Interesse deutscher Unternehmen an Messe zu Umwelt- und Infrastrukturthemen

Mit den anziehenden Investitionen steigt auch das Interesse deutscher Unternehmen am peruanischen Markt für Bergbauausrüstungen und -dienstleistungen. Vom 18.-22.9.17 findet in Arequipa eine der größten Bergbaufachmessen der Welt statt. Auf der Perumin/Extemin geht es unter anderem um die Transportinfrastruktur (Straßen, Eisenbahnlinien, Tunnel und Brücken), Kommunikationstechnologie, Meterologie, Energieversorgung sowie Abwasserbehandlung. Deutschland stellte in den vergangenen Jahren bereits eine der größten internationalen Ausstellergruppen. Im Jahr 2013 noch die drittstärkste nach den USA und der VR China, ist es 2017 mit über 80 Ständen die größte Länderpräsenz auf der Messe.

Die Messe Düsseldorf organisiert die Firmengemeinschaftsausstellung. Das Deutsch-Peruanische Kompetenzzentrum für Bergbau und Rohstoffe der AHK Peru tritt mit einem Infopoint auf und organisiert am 21.9.17 einen Workshop zu Innovationen und Prozessoptimierung. Das deutsch-peruanische Rohstoffforum arbeitet zurzeit an der ersten Ausgabe eines deutschen Zuliefererverzeichnis für den peruanischen Bergbau, das zur Bergbaumesse Perumin veröffentlicht wird.

Kontaktanschriften

Deutsch-peruanisches Kompetenzzentrum für Bergbau und Rohstoffe der AHK Peru

Ann-Yasmin Reimers, Projekt Manager

Tel.: 0051 1/441 86 16

E-Mail: ar@camara-alemana.org.pe, Internet: http://www.bergbau-peru.com

Sociedad Nacional de Minería, Petróleo y Energía (SNMPE)

Nationale Gesellschaft für Bergbau, Erdöl und Energie, leistet unter anderem Lobbyarbeit für den Bergbau- und Energiesektor

Francisco Graña 671, Magdalena del Mar, Lima 17, Peru

Tel.: 0051 1/215 92 50, Fax:-460 16 16

E-Mail: postmaster@snmpe.org.pe, Internet: http://www.snmpe.org.pe

Perumin - Extemin in Arequipa, Fachmesse mit dem Fokus Energie und Bergbau

E-Mail: perumin@iimp.org.pe, Internet: https://www.convencionminera.com/perumin32/en/index.php

(A.LI.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Peru Bergbau / Rohstoffe, allgemein

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‎+49 228 24 993 419

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