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30.01.2019

Philippinen wollen Nahrungsmittelverarbeitung entwickeln

Chancen für Ausrüstung und Zusätze / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die Philippinen sind ein fruchtbares Land, und die Nahrungsmittelverarbeitung spielt eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Verarbeitungstiefe und Qualität sollen verbessert werden.

Der Nahrungsmittelsektor ist die größte Branche im verarbeitenden Gewerbe der Philippinen. Mit 51,2 Prozent der Wertschöpfung im Jahr 2017 ist er in kaum einem Land so dominant wie in dem Archipel, rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung werden daraus bezogen. Hauptsächlich handelt es sich um die Herstellung und Verarbeitung von Nahrungsmitteln, nur 4,2 Prozent der Wertschöpfung wurden 2017 durch die Getränkeproduktion erbracht.

Die Wertschöpfung des Sektors erreichte 2016 fast 30 Milliarden US-Dollar (US$), gut 85 Prozent der Erzeugnisse werden lokal konsumiert. Die Exporte beliefen sich 2017 auf 5,3 Milliarden US$ und sollen nach einem Einbruch 2018 im Jahr 2019 wieder zulegen. Allerdings bestehen diese häufig aus wenig verarbeiteten Erzeugnissen, die Erlöse könnten also durch höhere Verarbeitungstiefe und Qualität gesteigert werden. Schlüssel dafür sind Investitionen in Verpackungs- und Haltbarkeitstechnologie, die sich nicht viele Betriebe leisten können. Vor allem die großen Firmen - meist in den Sonderwirtschaftszonen angesiedelt - kommen dafür in Frage.

Mit über 7.100 Inseln ist die Nahrungsmittelerzeugung sehr kleinteilig. Die wichtigsten auf den Philippinen angebauten Nahrungsmittel sind Zuckerrohr, Reis, Kokosnüsse, Mais und tropische Früchte wie Bananen, Mangos und Ananas. Das Meer bietet reiche Fanggründe für Fisch und Meeresfrüchte.

Als Grundnahrungsmittel spielt Reis eine immens wichtige Rolle, und die lokale Wirtschaft wird durch Importkontingente geschützt. Die Versorgung kann aber trotz steigender Erträge in den vergangenen Jahren (2017: 19,3 Millionen Tonnen, Vorhersage der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für 2018: 19,7 Millionen Tonnen) nicht die Nachfrage decken. Auf rund 10 Prozent der Fläche werden Hybrid-Varianten angebaut.

San Miguel größter Spieler im Nahrungsmittelsektor

Geschätzt 12.000 Nahrungsmittelverarbeiter sind bei der Philippine Food and Drug Administration registriert, die meisten davon kleine Betriebe, häufig nur mit einer Person. Doch einige gehören auch zu den größten Firmen des Landes, darunter internationale Firmen wie Nestle, Dole, Coca-Cola, Pepsi und Del Monte Pacific, aber auch große lokale Unternehmen.

Das Konglomerat San Miguel ist nach Umsatz der größte Player im Sektor, im Jahr 2018 wurden die Aktivitäten mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkoholika in der neuen Tochter San Miguel Food and Beverage konsolidiert. Es folgen Universal Robina für Snacks, Century Pacific Foods als Meeresfrüchteverarbeiter, Alaska Milk für Milchprodukte wie Milchpulver und Kondensmilch, Foodsphere für Fleischprodukte, Pimico Foods für Mehl, RFM Corporation für Mehlprodukte, Milch und Saftgetränke sowie Oleo-Fats für Speisefette und -öle. Auch finden sich mit Emperador, Ginebra San Miguel und Tanduay gleich drei Alkoholhersteller unter den Top 15.

Cargill kündigt große Investitionen an

Ein großer Spieler in der Nahrungsmittelproduktion ist Cargill. Das US-Unternehmen hat Ende 2018 Investitionen von 235 Millionen US$ in den kommenden zwei Jahren in den Philippinen angekündigt. Vor allem die steigende Nachfrage nach Hühnchen und Schweinefleisch soll bedient werden. Mit der Fastfoodkette Jollibee Foods Corporation wird ein Joint Venture unterhalten. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und BASF unterstützt Cargill Kokosnussfarmer bei der Erhöhung der Produktivität und der Zertifizierung als nachhaltige Produktion.

Die Nahrungsmittelexporte sollen sich 2019 wieder erholen und um 8 bis 10 Prozent auf rund 5,5 Milliarden US$ ansteigen, so Prognosen des Verbandes der Nahrungsmittelexporteure Philippine Food Processors and Exporters Organization (Philfoodex). Dem Verband zufolge waren sie 2018 aufgrund von höheren Rohmaterialpreisen und Wettereinflüssen gesunken. Im Jahr 2019 sollen Handelserleichterungen mit China die Exporte ins Reich der Mitte beleben.

Nahrungsmittelexporte sollen expandieren

Die Ausfuhren dürften in den kommenden Jahren weiter steigen, vor allem wenn sich die Verarbeitungstiefe erhöht. Neben den USA und der Europäischen Union stehen vor allem die Nachbarländer in Südostasien sowie China und Japan im Fokus. Während mit den Nachbarn die ASEAN Economic Community den Handel erleichtert, hat diese wiederum Freihandelsabkommen mit den wirtschaftlichen Schwergewichten im Norden geschlossen. Darüber hinaus besteht ein ASEAN-Australia-New Zealand Free Trade Agreement.

Kokosnusserzeugnisse sind neben Bananen eines der Top-Exportprodukte, jeweils rund 20 Prozent stellen sie an den Agrarexporten, so Verbandsangaben. So sind die Philippinen der größte Kokosnussöllieferant weltweit. Den größten Anbauertrag liefert in den Philippinen Zuckerrohr, daher gehört Zucker in verschiedenen Verarbeitungsstufen ebenfalls zu den Top-Exporten. Früchte wie Mango, Ananas und Papaya werden ebenfalls ausgeführt, verarbeitet wird dabei vor allem Ananas.

Die Aufwertung der Verpackungstechnik würde die Exporterlöse verbessern. In der Vergangenheit war zum Beispiel die niedrige Materialqualität der Dosen ein Hindernis, in entwickelte Märkte zu liefern. Abnehmer von Ausrüstung dürften vor allem die großen Betriebe sein.

Brancheninsider geben zu bedenken, dass das Know-how der Verarbeiter zum Teil nicht sehr hoch ist, weshalb Zeit in Schulung und Ausbildung investiert werden sollte, um bessere Absatzerfolge für Maschinen, teilweise auch für Vorprodukte und Zusätze zu erzielen. Dies betrifft auch Verpackungstechnologie. Die Einfuhren von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sind 2017 in keinem Staat der ASEAN so stark gestiegen wie in den Philippinen: Sie legten um 28,4 Prozent auf 226 Millionen US$ zu.

Ein neu aufgelegter Fonds soll lokale Reisbauern dabei unterstützen, ihre Produktion technisch aufzuwerten. Finanziert werden soll dieser durch neu einzuführende Zölle auf Reisimporte; bislang unterliegen diese einem Quotensystem. Insgesamt 190 Millionen US$ sollen so zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus wird erwogen, die hauptsächlich für die Reisvorräte zuständige National Food Administration zu einer National Agricultural Export Agency aufzuwerten, die den einheimischen Nahrungsmittelproduzenten bei der Erschließung von Exportmärkten behilflich sein soll.

Den Import von fertigen Lebensmitteln und Vorprodukten organisieren größere Nahrungsmittelverarbeiter zum Teil selbst. Der größte Teil des Handels läuft aber über Importfirmen und Distributoren, die in der Regel in Manila sitzen. Diese bieten auch den Zugang zu kleineren Kunden und Supermärkten. Eine wichtige Rolle spielt in dem Geschäft Hamburg Trading (http://www.hamburgtradingcorp.com). Die Firma mit deutschen Wurzeln importiert unter anderem Grundstoffe für die Nahrungsmittelproduktion.

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Philippine Food Processors and Exporters Organization (Philfoodex) http://www.philfoodex.org.ph Verband der Nahrungsmittelverarbeiter und -exporteure; rund 300 Branchenmitglieder; veranstaltet Messe "Philippine Food Expo" (http://www.philippinefoodexpo.com)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Pflanzenproduktion, Getränke, Nahrungsmittel

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