Suche

13.02.2017

Pkw- und Nfz-Zulassungen in Belgien steigen wieder

Bedarf bleibt hoch / Audi bereitet für 2018 die Fertigung eines Elektroautos in Brüssel vor / Von Torsten Pauly

Brüssel (GTAI) - In Belgien sind 2016 etwa 7,7% mehr neue Pkw und 11,6% mehr neue Nutzfahrzeuge (Nfz) zum Verkehr zugelassen worden als 2015. Damit befand sich der Markt 2016 auf dem höchsten Stand seit 2011. Es gibt allerdings erhebliche regionale Unterschiede. Auch 2017 bleiben die Rahmenbedingungen für den Kfz-Markt in Belgien gut. Der inländische Sektor bildet trotz Produktionsrückgängen in den letzten Jahren weiterhin einen der führenden Zweige des verarbeitenden Gewerbes. (Kontaktanschriften)

In Belgien sind 2016 knapp 540.000 neue Pkw registriert worden (2015: 501.000 Autos), so der Branchenverband Febiac. Trotz der zuletzt guten Entwicklung gibt es aber weiter Nachholbedarf, denn 2012 waren die Zulassungen um 14,9% eingebrochen und 2012, 2013 sowie 2014 waren jeweils deutlich weniger als 500.000 Neuwagen registriert worden.

So ist auch das Durchschnittsalter der belgischen Pkw-Flotte in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2015 war ein Auto auf belgischen Straßen im Schnitt fast acht Jahre und neun Monate alt. Noch 2005 waren es sieben Jahre und elf Monate und 1995 sogar nur sechs Jahre und zehn Monate gewesen.

Das konjunkturelle Umfeld für Fahrzeuganschaffungen bleibt in Belgien gut. Preisbereinigt soll die Wirtschaft 2017 um 1,3% wachsen, hat die EU-Kommission Ende 2016 prognostiziert. Der Privatkonsum soll dabei ebenfalls um 1,3% und die Ausrüstungsinvestitionen gar um das Doppelte ansteigen (+2,6%). Zudem hat sich der Index zur Konsumentenstimmung, den die Zentralbank monatlich erstellt, von Oktober 2016 bis Januar 2017 kontinuierlich verbessert.

Renault konnte Pkw-Marktführerschaft leicht ausbauen

Traditionell dominieren auf dem belgischen Automarkt deutsche und französische Hersteller. Dabei hat Renault seine Marktführerschaft 2016 mit einem Anteil von 10,4% nochmals leicht ausgebaut. Diese Spitzenposition hatte VW bis 2014 jahrelang inne gehabt. Der weltweite Dieselskandal hat dem Wolfsburger Autobauer jedoch auch in Belgien stark geschadet. Im Jahr 2015 hatten 59,9% aller neuen Pkw in Belgien einen Diesel- und 37,8% einen Benzinmotor. Weitere 1,9% aller Neuwagen fuhren mit Hybridantrieb.

Im Jahr 2016 lag die Marke VW somit mit einem Anteil von 9,8% erneut auf Rang zwei, gefolgt von BMW (7,5%), Opel (7,1%), Peugeot (7,0%), Mercedes (6,2%) und Audi (6,2%). Unter den Autokonzernen ist Volkswagen mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat und Porsche 2016 mit einem Gesamtanteil von 21,4% (2015: 21,9%) allerdings der mit Abstand führende Pkw-Anbieter geblieben.

Pkw-Neuzulassungen in Belgien
Marke 2015 2016 Veränderung 2016/2015 (in %)
Insgesamt, darunter 501.066 539.519 7,7
.Renault 50.040 55.871 11,7
.VW 47.780 53.021 11,0
.BMW 37.238 40.227 8,0
.Opel 33.852 38.470 13,6
.Peugeot 37.044 37.593 1,5
.Mercedes 29.097 33.586 15,4
.Audi 32.364 33.225 2,7
.Ford 24.806 25.316 2,1
.Citroen 28.068 25.154 -10,4
.Hyundai 20.102 21.859 8,7

Quelle: Verband Febiac

Kleinere Nutzfahrzeuge sind gefragter als größere Lkw und Busse

Im Jahr 2016 sind in Belgien 77.600 neue Nfz zugelassen worden, das waren 11,6% mehr als 2015. Dabei haben sich die einzelnen Segmente aber unterschiedlich entwickelt. So gab es bei den kleinen Nfz mit bis zu 3,5 t, der bei weitem wichtigsten Sparte, einen Anstieg um 11,4%. Auch bei den Lkw ab 16 t gab es ein Plus von 17,7%. Dagegen haben die Zulassungen von neuen Fahrzeugen mit 3,5 t bis 16 t um 5,2% abgenommen und in der Bussparte sind die Registrierungen 2016 sogar um 22,6% eingebrochen.

Nfz-Neuzulassungen in Belgien
Segment 2015 2016 Veränderung 2016/2015 (in %)
Nfz insgesamt, davon 69.535 77.621 11,6
.bis zu 3,5 t 61.208 68.165 11,4
.von 3,5 t bis zu 16 t 1.508 1.429 -5,2
.über 16 t 6.819 8.027 17,7
Busse 923 714 -22,6

Quelle: Verband Febiac

Jeder 15. Einwohner Brüssels hat 2015 einen Neuwagen angemeldet

Das Königreich Belgien gliedert sich in drei Regionen mit verschiedener Sprache, großer Autonomie und sehr unterschiedlicher Wirtschaftskraft. Diese sind das niederländischsprachige Flandern, das frankophone Wallonien und die bilinguale Hauptstadtregion Brüssel. Ferner existiert im Osten Walloniens eine deutschsprachige Gemeinschaft mit einem hohen Grad an Selbstverwaltung in vielen Angelegenheiten.

Im Jahr 2014 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Raum Brüssel um 75,1% über dem belgischen Durchschnitt. Auch in den übrigen Landesteilen ist ein starkes Gefälle zu beobachten, denn das Niveau war in Flandern um 39,1% höher als in Wallonien. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Kaufkraft und auf den Kfz-Markt: Im Jahr 2015 kam ein zugelassener neuer Pkw in Brüssel auf 14,6 Einwohner, in Flandern auf 22,9 Personen und in Wallonien auf 26,2 Menschen. Hilfe beim Markteinstieg in Belgien bietet unter anderem die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Industrie- und Handelskammer interessierten Unternehmen an.

Regionale belgische Kfz-Märkte in Zahlen
Indikator (Jahr) Flandern Wallonien Hauptstadtregion Brüssel
Einwohner (2016 in Mio.) 6,5 3,6 1,2
BIP/Kopf (2014 in Euro) 62.755 36.318 26.109
Zulassungen neuer Kfz (2015), darunter 365.438 171.754 95.136
.Pkw 281.517 137.759 81.790
.Nfz, davon 39.099 15.969 9.688
..bis zu 3,5 t 36.600 15.241 9.367
..über 3,5 t 2.499 728 321
.Busse 521 331 71

Quellen: Verband Febiac, Belgisches Statistikamt, Nationalbank

Audi will neues Elektroauto fertigen

Die Kfz-Industrie zählt trotz der in den letzten Jahren erfolgten Werksstillegungen von GM und Ford weiterhin zu den führenden Branchen im belgischen verarbeitenden Gewerbe. Zudem bleibt das Königreich ein wichtiger europäischer Fertigungsstandort. Im Jahr 2015 liefen in Belgien insgesamt 409.253 Neuwagen vom Band. Das waren zwar 20,8% weniger als 2014 und sogar 55,8% weniger Einheiten als 2005, doch trotz der Rückgänge lag Belgien 2014 in der EU mit dieser Stückzahl an neunter Stelle.

Im Jahr 2014 hat der belgische Kfz-Sektor im weiteren Sinne einen Gesamtumsatz von 111,3 Mrd. Euro erwirtschaftet, davon entfielen 69,1 Mrd. Euro auf den Handel mit Kfz und 17,6 Mrd. Euro auf den Vertrieb von Kfz-Teilen. Die Fertigung von Autos generierte einen Umsatz von 13,2 Mrd. Euro und die Herstellung von Karosserien, Teilen und dergleichen weitere 5,7 Mrd. Euro. Gleichzeitig hatte die Fahrzeugindustrie 2014 einen Anteil von 7,2% an der Wertschöpfung im belgischen verarbeitenden Gewerbe.

Die belgische Kfz-Produktion war zwar zwischen September und November 2016 kontinuierlich gesunken, doch das Niveau war damit zuletzt immer noch um 21,1% höher als im Schnitt des Jahres 2010. Sehr positiv für die Zukunft Belgiens ist die Entscheidung des Autobauers Audi, an seinem Standort in Brüssel ab 2018 ein neues SUV-Modell mit Elektroantrieb zu fertigen; derzeit läuft dort der A1 vom Band.

Kontaktanschriften

Direction Immatriculation Véhicules

(Direktion für Kfz-Zulassung)

Rue de Progrès 56; 1210 Brüssel

Tel.: 0032 2/277 31 11

E-Mail: info@mobilit.fgov.be; Internet: http://mobilit.belgium.be

Fédération Belge de l'automobile et du cycle - Febiac a.s.b.l

(Belgische Automobil- und Radvereinigung).

Boulevard de la Woluwe 46 bte 6; 1200 Brüssel

Tel.: 0032 2/778 64 00; Fax: -762 81 71

E-Mail: info@febiac.be; Internet: http://www.febiac.be

Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (Debelux)

21 Avenue de Boulevard; 1210 Brüssel

Tel.: 0032 2/203 50 40; Fax: -203 22 71

E-Mail: ahk@debelux.org; Internet: http://ahk.debelux.de

(P.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Belgien Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz), Elektromobilität

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche