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27.04.2018

Pkw-Verkäufe in Kasachstan steigen

Lokale Montagewerke gewinnen Marktanteile / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Kasachstans Neuwagenmarkt lässt die Krise hinter sich. Nachdem sich der Absatz 2016 in Folge niedriger Ölpreise, einer Abwertung der lokalen Währung und spürbarer Kaufkrafteinbußen halbiert hatte, zogen die Verkäufe im Jahr 2017 leicht an. Neben Import-Fahrzeugen, die das Bild bestimmen, finden Modelle aus lokaler Fertigung wieder zunehmend Käufer. Vorläufige Zahlen für das 1. Quartal zeigen auch für 2018 in eine positive Richtung. (Kontaktadressen)

Kasachstans Kfz-Händler können wieder aufatmen. Gemäß Daten des Automobilverbands KazAvtoProm stiegen die Verkäufe von Neuwagen zwischen Januar und März 2018 im Vorjahresvergleich um 49 Prozent auf fast 11.300 Pkw. Im Jahr 2017 konnten die in Kasachstan tätigen offiziellen Händler 46.377 Pkw absetzen, womit das Verkaufsergebnis von 2016 um 5,8 Prozent übertroffen wurde.

Ein weiterer Branchenverband, AKAB, gibt die Verkaufszahlen für neue Kfz im Jahr 2017 mit 49.052 an - nach Stückzahlen ein Plus von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu den erfolgreichsten Anbietern zählten 2017 erneut Toyota und Lada, die mit ihren Modellen zusammen etwa 40 Prozent des Marktes abdeckten. Dahinter vereinte der usbekische Autobauer GM Uzbekistan mit seiner Ravon-Modellreihe als drittwichtigster Anbieter ein Zehntel des Absatzes auf sich.

Die deutschen Produzenten VW, BMW und Mercedes-Benz, Audi und Porsche verkauften Angaben von KazAvtoProm zufolge 2017 insgesamt knapp 2.500 Neuwagen auf dem kasachischen Markt. Deutsche Fabrikate, die überwiegend aus Montagewerken in Russland stammten, vereinten somit einen Marktanteil von gut 5 Prozent auf sich.

Top-5 der Pkw-Verkäufe auf dem kasachischen Markt nach Marken (Anzahl in Stück)
Marke 2016 2017
Toyota 8.809 9.252
Lada 8.146 8.729
Ravon 396 4.621
Hyundai 3.535 3.624
Renault 3.742 2.468

Quelle: KazAvtoProm

SUV-Modelle stellen 40 Prozent der Verkäufe

Unter den zehn meistverkauften Modellen, vorwiegend mit Benzinantrieb, waren 2017 die drei auf dem kasachischen Automarkt tonangebenden Marken insgesamt neunmal vertreten - Toyota (Camry, RAV4, Prado, Land Cruiser), Lada (4x4, Granta, Largus) und Ravon (R3 und R4). In der AKAB-Erhebung kam VW mit dem in Russland in einer Limousinenversion gefertigten Polo auf Rang zehn, während bei KazAvtoProm auf dieser Position der ebenfalls aus russischer Fertigung stammende Renault Duster landete.

Großer Beliebtheit erfreuen sich weiterhin Modelle des SUV-Segments (Sport Utility Vehicle), zu denen 2017 etwa 40 Prozent aller Neuwagen gehörten. Demgegenüber blieben Pkw mit Elektromotor laut KazAvtoProm mit 36 Neuzulassungen eine Randerscheinung.

Importierte Pkw hatten 2017 mit einem Marktanteil von knapp zwei Drittel noch deutlich die Oberhand. Im Jahr 2018 könnte sich die Position von vor Ort montierten Autos spürbar stärken, wofür die Verkaufszahlen im 1. Quartal sprechen. Import-Pkw kamen nach Stückzahlen auf einen Anteil von gut 54 Prozent, lokal montierte auf annähernd 46 Prozent.

Die Vor-Ort-Fertigung von Pkw fördert der Staat durch zinsgünstige Kredite, die den Verkauf an Privatkunden ankurbeln sollen. Im Jahr 2018 sind Fördermittel in Höhe von umgerechnet rund 20 Millionen Euro verfügbar. Bisher entfaltete der seit Frühjahr 2015 greifende Fördermechanismus aber nur recht überschaubare Wirkung. Bis Mitte April 2018 wurden nach Angaben der federführenden staatlichen Entwicklungsbank Kasachstans knapp 11.500 dieser Autokredite vergeben.

Wieder bessere Auslastung in den zwei lokalen Montagewerken

Trotzdem zeigt die Produktion der beiden wichtigsten Montagewerke im Land wieder nach oben. Nachdem sich die lokale Fertigung 2016 gegenüber dem Vorjahr um nahezu ein Drittel verringert hatte, vermeldete KazAvtoProm ein Jahr später eine Verdoppelung des Ausstoßes auf annähernd 16.800 Pkw.

Davon gingen mit 11.400 Stück gut zwei Drittel auf das Konto des Unternehmens Azia Avto. In dem in Öskemen (Ust-Kamenogorsk, Nordostkasachstan) ansässigen Montagewerk laufen jeweils mehrere Modelle der vier Marken Chevrolet, KIA, Skoda und Lada vom Band. Die Erzeugnispalette des zweiten Herstellers, SaryarkaAvtoProm, umfasst verschiedene Ausführungen der Marken Chevrolet Niva, SsangYong, Hyundai, JAC, Peugeot und Ravon. Dessen Fabrik in Kostanai (Nordkasachstan) erzielte 2017 einen Ausstoß von knapp 5.400 Pkw.

Im Gegensatz zur Stärkung der Position der beiden Montagewerke auf dem lokalen Markt läuft der Absatz im Ausland nur schleppend. Vorläufigen Angaben zufolge führte das Land 2017 knapp 1.300 Pkw für etwa 28 Millionen US-Dollar (US$) aus, die vor allem nach Kirgisistan und in die VR China gingen. Der von Azia Avto und SaryarkaAvtoProm eigentlich angestrebte Export ins benachbarte Russland, wofür nicht zuletzt auch die geografische Lage der beiden Werke nahe der kasachisch-russischen Grenze sprechen würde, tendierte weiterhin gegen Null.

Als Knackpunkt gelten die Regularien für den Binnenmarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), der unter anderem Russland und Kasachstan angehören. Demnach setzt eine von Einfuhrabgaben befreite Lieferung fabrikneuer kasachischer Pkw nach Russland voraus, dass bestimmte Anforderungen an den Local Content erfüllt werden. Musste laut einer Regelung des Hohen Eurasischen Wirtschaftsrats bisher mindestens 30 Prozent der für die Montage verwendeten Zulieferteile kasachischen Ursprungs sein, wird ab 1. Juli 2018 ein Lokalisierungsgrad in Höhe von mindestens 50 Prozent verpflichtend.

Diese Anforderungen erfüllt aber nur ein überschaubarer Teil der in Kasachstan vom Band laufenden Pkw. Die Eurasische Wirtschaftskommission führt hierzu ein Register, das mit Stand Ende April 2018 im Segment Pkw lediglich sechs Lada-Modelle von Azia Avto und zwei Ausführungen eines SsangYong-SUV von SaryarkaAvtoProm enthielt.

Russland ist führendes Herkunftsland

Für Kasachstan hat sich Russland in den vergangenen Jahren als wichtigstes Lieferland für Pkw etabliert. Mit knapp 48 Prozent an den gesamten Pkw-Einfuhren blieb der Anteil von Fabrikaten aus russischen Montagewerken und zahlreichen Gebrauchtwagen 2016 und 2017 konstant. Der Einfuhranteil Japans, dem zweitwichtigsten Lieferanten, gab im betrachteten Zeitraum von rund 34 auf etwa 30 Prozent leicht nach.

Nach Fahrzeugklassen betrachtet gab es in den letzten beiden Jahren kaum Veränderungen: Eingeführt wurden vor allem Benziner mit Hubräumen zwischen 1.500 und 3.000 Kubikzentimetern (63 Prozent des Einfuhrwerts) sowie über 3.000 Kubikzentimetern (27 Prozent).

Kasachstans Einfuhr von Pkw nach Ländern (Wert in Mio. US$)
2016 2017 Veränderung 2017/16 (in %)
Insgesamt, darunter: 416,3 551,2 32,4
.Russische Föderation 199,0 262,2 31,8
.Japan 142,4 164,4 15,4
.USA 17,2 40,8 137,2
.Deutschland 8,8 30,3 244,3
.Usbekistan 2,6 27,0 938,5

Quelle: UN Comtrade

Kasachstans Einfuhr von Pkw nach Hubraum (Wert in Mio. US$)
(Warennummer nach HS) 2016 2017 Veränderung 2017/16 (in %)
Insgesamt (8703), darunter: 416,3 551,2 32,4
.Motor mit Fremdzündung (Benzin; 8703.2) darunter: 391,6 527,6 34,7
..mehr als 1.500 bis 3.000 ccm (8703.23) 262,2 345,7 31,8
..mehr als 3.000 ccm (8703.24) 115,5 146,1 26,5
..mehr als 1.000 bis 1.500 ccm (8703.22) 11,9 31,1 161,3
.Motor mit Selbstzündung (Diesel; 8703.3) 10,2 6,3 -38,2

Quelle: UN Comtrade

Kontaktadressen

Azia Avto

ul. Bashowa, 101/1,

g. Öskemen (Ust-Kamenogorsk), 070002

T +7 7232 772 440

F +7 7232 522 005

zavod@aziaavto.kz

http://aziaavto.kz/ru

SaryarkaAvtoProm

ul. Promyschlennaja 41,

g. Kostanai, 110006

T +7 7142 579 240

akhmetova.ds@sap.amh.kz

http://sap.com.kz

Assoziazija kasachstanskowo awtobisnesa (AKAB)

Vereinigung des kasachischen Automobilbusiness

pr. Sujunbaja, 159a,

g. Almaty, 050056

T +7 727 300 70 45

info@akab.kz; k.smirnova@akab.kz

http://akab.kz

KazAvtoProm (Sojus predprijatii awtomobilnoi otrasli Kasachstana)

Verband der Unternehmen der kasachischen Automobilbranche

ul. Kunajewa, 8, blok B, etash 8, kab. 850,

g. Astana, 010017

T +7 7172 576 759

info@kazautoprom.kz

http://kazautoprom.kz

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Kasachstan Personenkraftwagen (Pkw)

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Verena Saurenbach

‎+49 228 24 993 283

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