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31.01.2019

Pkw-Verkäufe legen in Kasachstan weiter zu

Modelle aus lokaler Montage verdrängen zunehmend Importe / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Die Nachfrage nach Neuwagen zieht in Kasachstan weiter an. Vor Ort montierte Fabrikate gewinnen Marktanteile. Ein chinesischer Investor übernimmt eines der beiden lokalen Montagewerke.

Kasachstans Kfz-Branche bleibt auf Erholungskurs. Der Automobilverband KasAwtoProm meldet im Segment Pkw und leichte Nutzfahrzeuge für 2018 ein Verkaufsplus von 24,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt setzten die in Kasachstan tätigen offiziellen Händler 57.919 neue Pkw für umgerechnet 1,4 Milliarden US-Dollar (US$) ab.

Die Verkaufszahlen hatten bereits 2017 um 5,8 Prozent zugelegt. Demgegenüber war der Pkw-Absatz im Jahr 2016 stückzahlmäßig um mehr als die Hälfte eingebrochen. Ausschlaggebend dafür war eine tiefe Wirtschaftskrise, in Folge derer die kasachische Währung Tenge (T) deutlich abgewertet werden musste und die Kaufkraft stark sank.

Der 2018 das zweite Jahr in Folge anhaltende Aufwärtstrend signalisiert, dass die gravierendsten Auswirkungen der Krise überstanden sind. Es dürfte aber noch einige Zeit vergehen, um beim Verkauf von Neuwagen auch nur in die Nähe des Absatzrekords aus dem Jahr 2014 von fast 164.000 Pkw zu kommen. Die Vereinigung des kasachischen Autobusiness, AKAB, hält 2019 den Verkauf von 73.000 bis 78.000 Einheiten für möglich.

Drei Hersteller dominieren den Markt

Zu den erfolgreichsten Anbietern 2018 zählten Lada, Toyota und Hyundai, die mit ihren Modellen aus lokaler und ausländischer Montage zusammen knapp 60 Prozent des Marktes abdeckten. Der Anteil deutscher Fabrikate im Neuwagensegment belief sich bei einer Stückzahl von insgesamt 2.449 Pkw auf gut 4 Prozent, berichtet KasAwtoProm.

Top-5 der Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Kasachstan nach Marken (Anzahl in Stück)
Marke 2016 2017 2018
Lada 8.146 8.729 13.413
Toyota 8.809 9.252 12.278
Hyundai 3.535 3.624 8.721
KIA 3.229 2.301 2.862
GAZ 2.247 2.611 2.650

Quelle: KasAwtoProm

Neuwagen waren mit Preisen zwischen 3 Millionen und 5 Millionen T (etwa 7.000 bis 11.700 Euro) am beliebtesten, so eine AKAB-Analyse. Ihr Anteil an den Gesamtverkäufen betrug 2018 knapp 26 Prozent. Es folgten Pkw der Preisspannen 5 Millionen bis 7 Millionen T (etwa 11.700 bis 16.300 Euro) sowie über 13 Millionen T (mehr als 30.300 Euro) mit gut 20 und 16 Prozent.

Pkw aus kasachischer Montage beliebter

In der Vorliebe der kasachischen Kundschaft für vergleichsweise preiswerte Autos schlägt sich deutlich die gestiegene Konkurrenzfähigkeit von vor Ort montierten Pkw nieder. Hatten importierte Pkw 2017 mit einem Marktanteil von knapp zwei Dritteln noch deutlich die Oberhand, zogen lokal gefertigte Modelle zuletzt nahezu gleich: 2018 stammten laut KasAwtoProm 51,1 Prozent (29.612 Pkw) aller über die offiziellen Händlernetze verkauften Fahrzeuge aus dem Import und 48,9 Prozent (28.307 Pkw) von den beiden kasachischen Montagewerke Asia Awto und SaryarkaAwtoProm.

Im laufenden Jahr könnte die Ära der Dominanz importierter Pkw in der Absatzstruktur auf dem kasachischen Markt endgültig zu Ende gehen. Laut AKAB wird der Anteil von Fahrzeugen aus kasachischer Endmontage 2019 bereits auf 53 Prozent steigen; bis 2021 auf etwa 57 Prozent.

Diese Prognose basiert nicht zuletzt darauf, dass die beiden Montagewerke des Landes auch 2019 ihre Fertigung weiter hochfahren werden. Nachdem die lokale Produktion 2016 gegenüber dem Vorjahr krisenbedingt um nahezu ein Drittel eingebrochen war, konnte der Ausstoß ein Jahr später wieder auf annähernd 16.800 Pkw verdoppelt werden. Auch 2018 ging es laut KasAwtoProm mit insgesamt 30.016 lokal montierten Pkw recht temporeich aufwärts.

Davon wurden 18.250 Stück im Werk von Asia Awto in Öskemen (Ust-Kamenogorsk, Nordostkasachstan) produziert. Dort laufen mehrere Modelle der Marken Chevrolet, KIA, Skoda, Lada und UAZ vom Band. Hinzu kamen 11.766 Pkw, die 2018 die Hallen von SaryarkaAwtoProm im nordkasachischen Kostanai verließen. Dabei handelte es sich um verschiedene Ausführungen der Pkw-Marken Chevrolet Niva, Hyundai, JAC, Peugeot und Ravon.

Lokaler Produzent unter chinesischer Kontrolle

Nach dem Einstieg eines chinesischen Unternehmens bei SaryarkaAwtoProm wird sich die Produktpalette dieses Herstellers bald wandeln. Eine Investitionsvereinbarung, die Mitte Dezember 2018 in der Hauptstadt Astana geschlossen wurde, sieht vor, dass die China National Machinery Import & Export Corporation (CMC) zukünftig mit 51 Prozent eine Mehrheitsbeteiligung an dem kasachischen Autobauer hält.

Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich in dem Werk in Nordkasachstan über kurz oder lang die Fertigung auf chinesische Fabrikate fokussiert. Zusätzlich zu den dort bereits montierten Modellen der chinesischen Hersteller JAC (Pkw) und Ankai (Stadt- und Reisebusse) erweitert SaryarkaAwtoProm derzeit sein Sortiment um Fahrzeuge der chinesischen Marken Hanteng (Pkw) und Howo (Lkw).

CMC ist Teil der staatlichen Technologieholding China General Technology (Genertec). Diese wird in den kommenden Jahren 1,1 Milliarden US$ in die kasachische Kfz-Industrie investieren, berichtet die Presse. Der jährliche Ausstoß von Fahrzeugen aller Art soll in Kostanai mittelfristig auf rund 100.000 Einheiten steigen. Zudem sieht das bilaterale Investitionsabkommen bis 2020 das Erreichen eines lokalen Wertschöpfungsanteils von 50 Prozent für die von SaryarkaAwtoProm gefertigten Pkw, Busse und Lkw vor.

Staat setzt seine Förderung fort

Beim Absatz ihrer Pkw in Kasachstan profitieren die beiden lokalen Montagewerke nach wie vor von einem Programm, bei dem der Staat Finanzmittel für vergünstigte Autokredite bereitstellt. Die Förderung greift ausschließlich bei Fabrikaten aus lokaler Fertigung, die nicht teurer als 15 Millionen T (knapp 35.000 Euro) sind. Aus den Werken in Öskemen und Kostanai kommen dafür 32 Modelle verschiedener Marken in Frage, ergab eine Aufstellung des Fachportals kolesa.kz.

Das Programm war vor allem während der Wirtschaftskrise ein wichtiger Faktor, um den Absatz und die lokale Fertigung zu stabilisieren. Nach Angaben der staatlichen Entwicklungsbank Kasachstans wurden seit dem Startschuss für das Programm im Frühjahr 2015 bis Mitte Januar 2017 insgesamt 8.379 zinsgünstige Autokredite abgerufen. In den folgenden knapp zwei Jahren bis Mitte Dezember 2018 zählte die Bank weitere 4.658 Kreditverträge.

Der finanzielle Grundstock des Förderprogramms von ursprünglich 20 Milliarden T wurde im Laufe der Zeit mehrfach durch Staatsmittel erhöht; für 2019 galt eine Aufstockung um bis zu 10 Milliarden T als wahrscheinlich. Zusätzlich gespeist wird das verfügbare Budget durch die Geldrückflüsse aus der Tilgung der laufenden Autokredite.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asia Awto http://aziaavto.kz Hersteller
SaryarkaAwtoProm http://sap.com.kz Hersteller
KasAwtoProm http://kazautoprom.kz Verband
AKAB - Assoziazija kasachstanskowo awtobisnesa http://akab.kz Verband
Kolesa.kz https://kolesa.kz Fachportal
Bank raswitija Kasachstana http://www.kdb.kz Förderbank

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Personenkraftwagen (Pkw)

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Verena Saurenbach

‎+49 228 24 993 283

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