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01.05.2019

Polen baut den Intermodalverkehr aus

Transportunternehmen mieten häufig rollendes Material / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Mehr Intermodalkapazitäten sollen den zunehmenden Straßentransport in Polen eindämmen und auf die Schiene verlagern. Umfangreiche Projekte stehen an; Schienenfahrzeuge sind gefragt.

Polen will mehr als 582 Millionen Euro in den Ausbau des Intermodalverkehrs investieren. Ziel der Investitionen ist es, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, um die Umwelt zu schonen. Von den 582 Millionen Euro stellt das Centrum Unijnych Projektow Transportowych (CUPT, Zentrum für Transportprojekte der Europäischen Union) gut 300 Millionen Euro für gut 30 Projekte bereit, den Rest bringen Unternehmen auf.

Der Intermodalverkehr in Polen nimmt zu, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Allen voran braucht der Ausbau der Container-Kapazitäten bei den Meereshäfen Gdansk (Danzig), Gdynia (Gdingen) und Szczecin-Swinoujscie (Stettin-Swinemünde) ein besseres, moderneres Transportwesen im Hinterland.

Intermodalverkehr in Polen (in Anzahl der transportierten Container)
2015 2016 2017 2018
900 1.100 1.400 1.600

Quelle: Urzad Transportu Kolejowego (UTK, Bahnverkehrsamt)

Die Beförderungsleistung der Güterbahn summierte sich 2017 auf rund 55 Milliarden Tonnenkilometer, intermodal wurden davon nur 5,4 Milliarden Tonnenkilometer befördert. Doch der Anteil des Intermodalverkehrs steigt, berichtet Urzad Transportu Kolejowego (UTK, Bahnverkehrsamt). Der Vorsitzende der Güterbahn der Polnischen Staatlichen Eisenbahnen PKP Cargo, Czeslaw Warsewicz, erwartet künftig jährliche Steigerungsraten beim Intermodalverkehr von über 10 Prozent.

Es sind allen voran die neue Seidenstraße und das erhöhte Verkehrsaufkommen im Trimarium, die dafür für sorgen, dass Transport von Containern zulegt. Die wirtschaftliche und politische Drei-Meeres-Initiative Trimarium haben 12 an der Ostsee, an der Adria und am Schwarzen Meer gelegene mitteleuropäische Länder, darunter auch Polen, gegründet.

PKP Cargo ist Marktführer

PKP Cargo ist das mit Abstand bedeutendste Unternehmen des Intermodalverkehrs in Polen. PKP Cargo profitiert 2019 davon, dass das für die Bahninfrastruktur zuständige Unternehmen PKP PLK die nominalen Nutzungsgebühren für PKP Cargo 2019 um rund 3 Prozent senkt. Zudem hat sich PKP Cargo den Zuschuss von Mitteln der Europäischen Union (EU) in Höhe von 70 Millionen Euro für neue Schienenfahrzeuge und den Ausbau des Terminals Malaszewicze an der weißrussischen Grenze gesichert.

Dank der EU-Förderung kann auch OT Logistics seinen Ro-Ro-Terminal beim Hafen von Gdynia erweitern. PCC Intermodal, eines der führenden Kombiverkehrsunternehmen Polens, verfolgt fünf Projekte, vor allem den Ausbau der Terminals in Kutno, Brzeg Dolny (Dyhernfurth) und Gliwice (Gleiwitz). Die zur inländischen Speditionsgruppe Pekaes gehörende Spedcont baut den Terminal Lodz-Olechow bei Lodsch um. Viele weitere Unternehmen planen Investitionen in den Intermodalverkehr, zu ihnen gehören Clip Intermodal, Erontrans, Ciech Cargo (Chemie), Pol-Miedz Trans (Kupfer), Balticon, Cedrob Cargo (Geflügel).

Die größten Transportunternehmen im Intermodalverkehr in Polen in den ersten drei Quartalen 2018 (in % der Beförderungsleistung)
PKP Cargo Captrain Polska DB Cargo Polska PCC Intermodal LTE Polska
51,9 12,4 9,9 7,8 5,2

Quelle: Urzad Transportu Kolejowego (UTK, Bahnverkehrsamt)

Der Transport über die Straße hatte 2018 nach Angaben des Statistischen Hauptamtes GUS mit 48,0 Prozent einen größeren Anteil am gesamten Güteraufkommen als der über die Schiene mit 41,3 Prozent. Insgesamt wurden 604 Millionen Tonnen Güter befördert (ohne Kleinbetriebe). Im Jahr 2017 erreichte der Gütertransport insgesamt 1.410 Millionen Tonnen (einschließlich Kleinbetriebe). In den beiden ersten Monaten 2019 blieb das gesamte Aufkommen (ohne Kleinbetriebe) stabil, bei der Bahn ging es etwas zurück.

Gütertransport gemäß Verkehrsweg (in 1.000 t, Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung
Insgesamt 548.925 604.028 10,0
.Schiene 239.501 249.258 4,1
.Straße 245.431 290.008 18,2
.Pipelines 52.393 55.434 5,8
.Meer 7.813 8.100 3,7

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Bedarf an Schienenfahrzeugen steigt

Das CUPT will die Anschaffung von 3.409 Waggons für den Container-Transport co-finanzieren. Solche mit einer Ladeplattform versehenen Schienenfahrzeuge stellt zum Beispiel Greenbrier Europe Polska in Swidnica (Schweidnitz) her. Allein PKP Cargo beabsichtigt, 1.150 solcher Waggons sowie fünf Mehrsystemlokomotiven für den internationalen Transport zu kaufen. Ein weiterer Käufer ist der Danziger Erdölkonzern Lotos, dem alleine aus EU-Mitteln 17 Millionen Euro für den Erwerb von Schienenfahrzeugen für den Container-Transport zufließen.

PCC Intermodal will bis 2023 rund 72,2 Millionen Euro aufwenden, um Lokomotiven sowie Waggons und für den Ausbau der Verlade-Terminals zu erwerben. Fast die Hälfte des Betrages übernimmt die EU. Captrain Polska will seinen Fahrzeugpark sowohl durch Zukäufe als auch Anmietungen vergrößern. In Waggons will das Unternehmen nicht investieren, da diese prinzipiell von den Intermodaloperateuren geliefert werden.

Anmietungen sind für die Hersteller des rollenden Materials von großer Bedeutung. Während in Zeiten guter Konjunktur etwa die Hälfte seiner Kunden wie VTG, Ermewa oder Wascosa Waggons mieteten, liegt dieser Anteil in schwierigeren Zeiten sogar bei 70 bis 80 Prozent, sagt Dariusz Czerniak, Verkaufsdirektor bei Greenbrier Europe Polska, gemäß der Tageszeitung Rzeczpospolita. Das Anmieten biete eine größere Flexibilität, zumal Verträge zum Intermodalverkehr nur für zwei oder drei Jahre geschlossen würden. Weitere bedeutende Anbieter von Waggons dafür sind die slowakischen Hersteller Tatravagonka Poprad und ZOS Trnava sowie der tschechische Legios Loco.

Künftig sind auch Tankwagen und Lokomotiven stärker gefragt. Die zum inländischen Erdölkonzern PKN Orlen gehörenden Bahntransportgesellschaften Orlen KolTrans und die tschechische Unipetrol Doprava wollen bis 2024 den Transport ihrer Güter über die Schiene auf 11,2 Millionen Tonnen jährlich erhöhen, vor allem in Polen und in der Tschechischen Republik.

Die beiden Gesellschaften haben im März 2019 die Beschaffung von mehreren Dutzend Lokomotiven ausgeschrieben. Orlen KolTrans beförderte 2018 für den Mutterkonzern rund 6 Millionen Tonnen Brennstoffe sowie Petrochemikalien, Unipetrol dagegen lediglich 3 Millionen Tonnen.

Das CUPT organisiert am 22. und 23. Mai 2019 in der Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia die internationale Konferenz zum Intermodalverkehr, Intermodal-Cargo-Innowacje (http://www.cupt.gov.pl).

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge

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