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22.09.2016

Polen benötigt Verpackungen für Exporte in alle Welt

Tabakerzeugnisse als Exportschlager / Molkereien unter Konsolidierungsdruck / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die polnische Nahrungs- und Genussmittelindustrie schaut insgesamt optimistisch in die Zukunft. Ähnlich sieht es bei den Herstellern von Waschmitteln, Kosmetika und Arzneimitteln aus. Die Lieferungen nach Russland haben sich verringert, dafür werden neue Absatzmärkte weltweit erschlossen. Zahlreiche Unternehmen investieren weiter in die Vergrößerung und Modernisierung ihrer Kapazitäten. Die steigende Nachfrage wirkt sich auch auf den Bedarf an Verpackungen in Polen positiv aus.

Polen stellt in zunehmendem Maße Artikel des täglichen Bedarfs her und exportiert diese in immer mehr Länder weltweit, darunter nach Asien, in den arabischen Raum und nach Afrika. Dadurch steigt die Nachfrage nach entsprechenden Verpackungen. Zudem werden importierte Waren in Logistikzentren konfektioniert und verpackt. Teekanne Polska will 2017 eine eigens errichtete Produktions- und Lagerhalle im Logistikpark 7R Logistic Krakow-Kokotow bei Krakau beziehen.

Nahrungs- und Genussmittel

Etwa ein Drittel seiner Agrarerzeugnisse und Nahrungsmittel exportiert Polen. Das Institut für Land- und Nahrungsmittelwirtschaft (Instytut Ekonomiki Rolnictwa i Gospodarki Zywnosciowej, IERiGZ, http://www.ierigz.waw.pl) erwartet, dass diese Ausfuhren 2016 um über 4% auf 24,6 Mrd. Euro steigen. Zuwächse werden bei Fleisch, vor allem Geflügel, Milchprodukten, Fisch und Meeresfrüchten erzielt, während sich bei pflanzlichen Erzeugnissen Rückgänge ergeben. Die Ernte 2015 fiel aufgrund der Dürreperiode geringer aus als 2014.

Polnischer Export von Agrarerzeugnissen und Nahrungsmitteln (in Mrd. Euro)
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 *)
13,5 15,2 17,9 20,4 21,9 23,6 24,6

*) Prognose

Quellen: Landwirtschaftsministerium MRiRW, Institut IERiGZ

Einbußen verzeichnete Polen bei seinen Lieferungen in die Russische Föderation, die 2015 laut dem Landwirtschaftsministerium MRiRW nur noch 398,0 Mio. Euro betrugen (2014: 880,1 Mio. Euro; 2013: 1.252,2 Mio. Euro). Polen strebt inzwischen auf immer exotischere Absatzmärkte. Die wichtigsten Abnehmer bleiben aber EU-Länder, wobei Deutschland 2015 mit einem wertmäßigen Anteil von 22,5% klar führte vor dem Vereinigten Königreich (8,5%), Tschechien (6,8%) und Frankreich (6,3%).

Den Exporten von Agrarerzeugnissen und Nahrungsmitteln 2015 in Höhe von 23,6 Mrd. Euro standen Importe von 15,9 Mrd. Euro gegenüber. Der sich daraus ergebende Handelsbilanzüberschuss von 7,7 Mrd. Euro soll 2016 laut IERiGZ auf 8,2 Mrd. Euro anwachsen bei Importen von 16,4 Mrd. Euro. Im Inland stiegen die Einzelhandelsumsätze mit Nahrungsmitteln 2015 der Marktforschungsfirma PMR zufolge um nominal 2,1% auf 243 Mrd. Zloty (Zl; rund 58 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,1841 Zl; Durchschnittskurs 2015). Nach Rückgängen zogen die Nahrungsmittelpreise seit Ende 2015 wieder an.

Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie investiert weiter. Bei Nahrungsmitteln erreichten die Aufwendungen 2015 laut Statistischem Hauptamt GUS 6.756,6 Mio. Zl (2014: 6.510,1 Mio. Zl). Im 1. Quartal 2016 beschleunigten sie sich auf 1.254,2 Mio. Zl (real +13,2%). Die Geflügelzucht expandiert. Die Maspex-Gruppe wendet rund 200 Mio. Zl auf, um die von Agros Nova übernommene Obst- und Gemüseverarbeitungsfabrik in Lowicz zu erweitern. Mit dem Bau der Produktionshallen und des Logistikzentrums soll zum Jahreswechsel 2016/17 begonnen werden. Der Konzern Mars erweitert seine Kapazitäten für Haustierfutter bei Sochaczew. Er gibt fast 100 Mio. Zl für eine Produktionslinie für portioniertes feuchtes Futter aus.

Gegenläufig verlief die Entwicklung bei Getränken mit Investitionen 2015 (2014) in Höhe von 832,8 (1.085,6) Mio. Zl, die im 1. Quartal 2016 um 5,8% auf 209,4 Mio. Zl weiter sanken. Die Tabaksparte dagegen ist besonders aktiv. Sie wandte 2015 (2014) rund 921,7 (602,7) Mio. Zl auf; im 1. Quartal 2016 investierte sie 206,8 Mio. Zl (+62,1%).

Die Ausfuhren von Genussmitteln verdoppelten sich seit 2010 fast auf rund 3,9 Mrd. Euro 2015. Über die Hälfte entfiel auf Tabak und Produkte daraus (56,6%) mit einem Zuwachs gegenüber 2014 um 13%. Mit großem Abstand folgten Kaffee, Kakao, Tee und Gewürze mit einem Anteil 2015 von 24,1%, alkoholische Getränke (10,2%) sowie Wasser und alkoholfreie Getränke (9,1%).

Verkäufe von verpackten Öko-Nahrungsmitteln (in Mio. Zl)
2014 2015 2016 *) 2017 *)
216,9 230,7 243,6 256,0

*) Prognose

Quelle: Euromonitor International

Öko-Nahrungsmittel sind noch Nischenprodukte. Der führende Anbieter bei deren Konfektionierung und Vertrieb, Bio Planet S.A. (http://www.bioplanet.pl), erwartet hier jährliche Steigerungsraten von um die 20%. Die Nettoeinzelhandelsumsätze erreichten demnach 2015 rund 774 Mio. Zl. Zunehmend gefragt sind ebenfalls verpackte Öko-Produkte, die aber mangels Inlandsproduktion auch eingeführt werden müssen.

Produktion ausgewählter Nahrungsmittel (Menge in t, sofern nicht anders angegeben, Veränderung 2015 gegenüber 2014 in %)
2013 2014 2015 Veränd.
Wurstwaren (ohne Geflügel) 767.300 775.300 774.800 -0,1
Wurst aus Geflügelfleisch 203.200 196.100 182.700 -6,8
Tierische Speisefette, geschmolzen 89.935 95.147 112.166 17,9
Gefrorenes Gemüse 636.400 651.800 610.400 -6,4
Raffiniertes Speiseöl aus Raps und Rübsamen 447.879 463.549 508.326 9,7
Margarine / fettarme Mischungen (nicht flüssig) 432.400 421.400 404.600 -4,0
Butter 170.102 179.573 191.411 6,6
Käse und Quark 820.946 799.510 833.422 4,2
Joghurt, in 1.000 hl 4.337 4.200 4.125 -1,8
Haustierfutter 403.136 447.499 495.574 10,7

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS: Industrieproduktion

Fleisch

Polen ist mit einem Output von über 2 Mrd. t das größte Herstellerland von Geflügelfleisch in der EU. Für 2016 erwartet das IERiGZ einen Zuwachs um 10%. Wachstumsmotor ist der Export. Polen steigerte seine Ausfuhren in diesem Segment 2015 um 20% auf rund 1,94 Mrd. Euro.

Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch (in kg)
2015 2016 *)
Insgesamt, darunter vom 76,3 74,5
.Schwein 41,7 39,5
.Geflügel 28,3 28,8
.Rind 1,6 1,5

*) Prognose

Quelle: Institut für Land- und Nahrungsmittelwirtschaft IERiGZ

Die drei Großunternehmen SuperDrob S.A. (http://www.superdrob.pl), Indykpol S.A. (http://www.indykpol.pl) und Cedrob S.A. (http://www.cedrob.com.pl) führen große Projekte im Wert von je rund 200 Mio. Zl durch. SuperDrob will von August 2016 bis Ende 2017 einen Betrieb in Koluszki in der Sonderwirtschaftszone (SWZ) von Lodz bauen. Geplant sind eine Schlachterei für Hühner sowie Anlagen zur Zerlegung und Verpackung des Fleisches.

Die Geflügelgruppe Drosed S.A. (http://www.drosed.com.pl) investiert jährlich über 20 Mio. Zl in die Vergrößerung und Modernisierung ihrer Kapazitäten; 2016 werden zudem der Logistikbereich und die Lagerbasis ausgebaut. Der Vorsitzende des Unternehmens, Jacek Lewicki, sieht weitere Absatzchancen bei vorgefertigten Speisen "ready to cook" und bei der Belieferung der Gastronomie.

Trotz der Expansion in der Geflügelsparte erzielen weiterhin die drei großen Verarbeiter von rotem Fleisch, Animex, Sokolow und PKM Duda, deutlich höhere Einnahmen als diese. Sie mussten ihre Exporte nach Asien aufgrund einer Schweinegrippe stoppen, wollen sich aber im 2. Halbjahr 2016 um neue Exportgenehmigungen bemühen. Im 1. Quartal 2016 wurden die USA zum größten Abnehmer von Schweinefleisch. Polen exportierte 2015 im Wert von 697 Mio. Euro dorthin. Ins Ausland verkauft Polen hauptsächlich Rohstoffe und Halbfabrikate.

Im Inland soll die Nachfrage nach Wurstwaren mittelfristig um 2 bis 3% jährlich sinken. Gute Aussichten bestehen aber für hochwertige Erzeugnisse; 2020 soll der monatliche Pro-Kopf-Verbrauch in Privathaushalten laut BGZ BNP Paribas 0,75 kg betragen (+5,3% gegenüber 2014). Die jährlichen Ausgaben für Wurstwaren und Aufschnitt insgesamt liegen bei etwa 14 Mrd. Zl. Die Produktion schrumpfte laut GUS 2015 leicht um 0,7% auf 734.000 t, nahm aber in den ersten fünf Monaten 2016 um 9,4% gegenüber Januar bis Mai 2015 auf 328.000 t wieder zu.

Fisch

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten sank 2015 laut Schätzungen des IERiGZ auf 12,75 kg (2014: 13,45 kg). Solche Produkte sind recht teuer. Am beliebtesten sind Seelachs, Hering, Dorsch mit 1,25 (1,40) kg und Lachs mit 1,15 (1,33) kg. In Polen werden jährlich rund 150.000 t Lachs verarbeitet. Die deutsche Firma Lisner übernimmt das auf Hering spezialisierte polnische Fischverarbeitungsunternehmen Nordfish-Foodmark (http://www.nordfish.pl).

Milchprodukte

Die noch zersplitterte Molkereibranche leidet unter der Abschaffung der EU-Milchquoten zum 1.4.15. Hatte der Ankaufpreis für Milch im März 2015 laut IERiGZ noch bei 1,21 Zl/l gelegen, so sank er im Mai 2016 auf 1,00 Zl/l. Das erhöht den Konsolidierungsdruck. Die Einnahmen der annähernd 200 Milchverarbeitungsunternehmen schrumpften 2015 laut Branchenverband KZSM (http://www.mleczarstwopolskie.pl) um 3,5 Mrd. Zl auf 26,5 Mrd. Zl. Erzeugt wurden 2015 laut GUS knapp 30 Mio. hl Milch (+9,2%).

Export der Molkereibranche (in Mrd. Euro)
2012 2013 2014 2015 *)
1,45 1,72 1,91 1,53

*) Schätzung des Branchenverbandes KZSM

Getreide, Nudeln, Trockenfrüchte

Laut Prognose des IERiGZ soll die Getreideernte 2016 etwa 30 Mio. t erreichen und damit um 8% höher ausfallen als 2015. Zu den Abnehmern zählen die Nudelproduzenten, die ihr Sortiment um neue, vor allem dunkle Sorten erweitern. Der zur Maspex-Gruppe gehörende Hersteller von Nudeln, Frühstücksflocken und Zwischenmahlzeiten auf Getreidebasis, Lubella aus Lublin, erweitert für insgesamt 87 Mio. Zl seine Produktionsstätte und automatisiert seinen Lagerbereich.

Auf Nüsse, Kerne, Trockenfrüchte, Frühstücksflocken und Getreideriegel spezialisiert ist die Firma Bakalland (http://www.bakalland.pl). Sie führt laut ihrem Vorsitzenden Marek Moczulski besser zu handhabende Verpackungen ein. Trotz Preissteigerungen für Nüsse und andere steigt der Absatz solcher Erzeugnisse um ein paar Prozent pro Jahr; die jährlichen Verkäufe davon nähern sich dem Wert von 1 Mrd. Zl an. Zu den Konkurrenten bei Müsli, Trockenfrüchten und ähnlichem zählen Nestle, Helio (http://www.helio.pl) und Sante (http://www.sante.pl).

Zucker, Süßwaren

Die Erzeugung von Zucker sank in der Saison 2015/16 auf rund 1,460 Mio. t und überschritt damit etwas die EU-Quote von 1,405 Mio. t. Für 2016/17 rechnet der Branchenverband KZPBC (http://kzpbc.com.pl) mit 1,8 Mio. bis 2,0 Mio. t. Die EU will die Quoten zum Oktober 2017 abschaffen. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker lag 2015 bei schätzungsweise 43,3 kg. Mittelfristig dürften die Nahrungsmittelverarbeiter ihre Nachfrage danach erhöhen, die Privathaushalte dagegen senken.

Im Jahr 2015 summierten sich die Verkäufe von Süßwaren auf 13,2 Mrd. Zl, darunter die von Schokoladenprodukten auf etwa 6 Mrd. Zl. Der zur Grupa Otmuchow (http://www.grupaotmuchow.pl) gehörende Produzent von Süßwaren, salzigen Snacks und Frühstücksprodukten, ZPC Otmuchow, will von 2016 bis 2018 rund 40 Mio. bis 60 Mio. Zl investieren, darunter über 20 Mio. Zl bereits 2016 in die Aufstockung der Herstellung von Frühstücksprodukten.

Alkoholische Getränke

Der Konsum von Bier dürfte sich 2016 nur wenig ändern, er lag 2015 bei 98 l pro Kopf. Die Geschmacksvielfalt nimmt aber zu. Als Alternative ist Cider im Kommen, vom dem 2016 bereits 15 Mio. bis 16 Mio. l abgesetzt werden sollen (2015: 12 Mio. l). Der Trend geht zu alkoholischen Getränken von höherer Qualität.

Absatz von alkoholischen Getränken (in Mio. l; Veränderung in %)
2015 2016 1) Veränderung 2016/15
Bier 3.531 3.439 -2,6
Wodka 222,89 213,53 -4,2
Wein aus Trauben 2) 102,60 196,74 91,8
Whisky 22,41 25,47 13,7

1) Prognose; 2) ohne Schaumweine

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Der Marktführer bei Spirituosen CEDC (http://www.cedc.com) investiert 2016 und 2017 über 52 Mio. Zl in seine Fabriken in Bialystok und Oborniki. Er stellt eine wachsende Nachfrage nach Produkten in kleinen Verpackungen fest. Die Gesellschaft Marie Brizard Wine&Spirits (MBW&S) wendet von 2015 bis 2018 über 40 Mio. Euro auf, darunter 20 Mio. Euro zur Installierung einer Destillationsanlage in Lancut.

Produktion alkoholischer Getränke (in 1.000 hl, Veränderung in %)
2014 2015 Veränderung 2015/14
Wodka *) 881 961 9,1
Obstwein 1.383 1.241 -10,3
Bier 40.075 40.890 2,0

*) umgerechnet in 100% Alkohol

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Tabakprodukte

Angesichts der regen Nachfrage aus dem Ausland zeigt sich die polnische Tabakindustrie optimistisch. Der legale Output an Zigaretten stieg 2015 laut GUS um 10,0% auf 171,3 Mrd. Stück (2014: 156,1 Mrd. Stück; +3,5%). Im 1. Halbjahr 2016 beschleunigte sich das Wachstum auf 17,0% gegenüber dem 1. Halbjahr 2015; produziert wurden 94,1 Mrd. Zigaretten. Davon werden über 70% vor allem in andere EU-Länder exportiert.

Die vier großen in Polen tätigen internationalen Tabakkonzerne, British American Tobacco (BAT), Imperial Tobacco, JTI und Philip Morris, investieren nicht nur kräftig in ihre Kapazitäten, sondern sie müssen auch die Anforderungen der neuen EU-Tabakrichtlinie, 2014/40/EU, erfüllen. Diese betrifft unter anderem neue Verpackungsvorschriften für Zigaretten. Polen setzt diese Richtlinie jedoch verspätet um; im Sommer 2016 arbeitete das Parlament (Sejm) noch daran.

Illegale Tabakverkäufe und Zigarettenbetriebe sowie Schmuggelwaren verzerren den Inlandsmarkt; schätzungsweise fast 3 Mrd. Zigaretten wurden 2015 in Polen illegal hergestellt. Der Inlandsabsatz legal erworbener Zigaretten geht seit Jahren zurück und fiel 2015 auf 41 Mrd. Stück (Einkäufe des Großhandels). Etwa 11% der Raucher greifen regelmäßig zu E-Zigaretten, wofür Polen weltweit der drittgrößte Markt ist.

Arzneimittel

Die Großhandelsverkäufe von Arzneimitteln an Apotheken und Krankenhäuser sollen 2016 laut IMS Health um 3,5 bis 5,0% steigen. Im 1. Quartal wurden 6,34 Mrd. Zl (+3,1% gegenüber dem 1. Quartal 2015) erzielt. Die Umsätze der Apotheken werden laut PMR von 2016 bis 2021 jährlich um durchschnittlich 4,8% wachsen mit abflachender Tendenz; 2016 sollen sie 31,4 Mrd. Zl betragen (+5,2%). Auftrieb erhält die Nachfrage durch ein Programm für über 75 Jahre alte Senioren, die ab dem 4. Quartal 2016 bestimmte Medikamente kostenfrei erhalten sollen.

Laut Marktforschungsfirma PharmaExpert (http://www.pharmaexpert.pl) betrugen die Apothekenumsätze im 1. Halbjahr 2016 rund 15,767 Mrd. Zl (+5,45%), darunter mit frei verkäuflichen Mitteln 6,331 Mrd. Zl (+7,42%). PharmaExpert rechnet für 2016 mit rund 31,1 Mrd. Zl (+3,9%). Die inländische Pharmaindustrie stellt in zunehmendem Maße eigene innovative Präparate her. Ihr Umsatz stieg 2015 laut GUS real um 4,8% auf 13,24 Mrd. Zl und im 1. Halbjahr 2016 um 5,3% auf 6,77 Mrd. Zl.

Wasch- und Reinigungsmittel

Waschmittel sind in Polen wieder stärker gefragt; die Verkäufe davon stiegen 2015 laut Marktforschungsfirma Euromonitor International auf 1,95 Mrd. Zl (+3,2%). Der Großteil (1,34 Mrd. Zl) entfiel auf Detergenzien enthaltende Mittel. Nachdem zunächst flüssige Waschmittel dem herkömmlichen Pulver Konkurrenz gemacht hatten, befinden sich nun die 2012 auf den polnischem Markt gebrachten Kapseln auf dem Vormarsch, die die Portionierung erleichtern. Die Umsätze damit expandierten 2015 um 43%.

Wertmäßige Verkäufe von Waschmitteln 2015 nach Art (in %)
Flüssig Pulver Andere, darunter Bleichmittel Spülungen * ) Kapseln/Tabs
31,0 23,5 19,8 17,7 8,0

*) Spülungen wie zum Beispiel Weichspüler oder Hygienespülungen

Quelle: Europäische Branchenvereinigung AISE (https://www.aise.eu)

Marktführer war 2015 Henkel mit einem Anteil von 33,4%, gefolgt von Procter & Gamble (29,2%) und Reckitt Benckiser (12,0%). Unilever versucht ein Comeback. Die inländische Lakma Strefa Sp. z o.o. führte 2014 eine spezielle Art, als Perlen bezeichnete Waschmittelkapseln "Perlux" ein, die sowohl ein Gel als auch Pulver enthalten.

Die Invalidengenossenschaft Swit, die auch im Auftrag in- und ausländischer Unternehmen produziert, erwarb im April 2016 eine Fabrik von Colgate-Palmolive in Halinow bei Warschau. Die Kapazität soll sich bis 2018 auf jährlich 110 Mio. Stück vervielfachen, wodurch Swit zu einem der größten Produzenten von Gels, Flüssigseife, Shampoos, Geschirrspülmittel, flüssigem Waschmittel, Wäschespülungen und flüssigen Mundpflegemitteln in Polen wird. Hinzukommen sollen noch Wasch- und Reinigungsmittel in Pulverform; 2017 will Swit mit der Produktion von Zahnpasta beginnen. Der Konzern Colgate-Palmolive verlagerte seine Produktionstätigkeit in Polen in seine ausgebaute Fabrik in Swidnica (Schweidnitz).

Der Output an Seife und als Seife verwendeten organischen Tensiden stieg 2015 laut GUS um 10,5% auf 166.756 t, der an Wasch- und Reinigungsmitteln, auch Seife enthaltend, verpackt für den Einzelhandel sank um 4,8% auf 743.217 t. Im Jahr 2014 exportierte Polen Wasch- und Reinigungsmittel sowie organische grenzflächenaktive Stoffe (ohne Seife, Zolltarifposition 3402) laut GUS im Wert von knapp 3 Mrd. Zl.

Der Hersteller von Hygieneprodukten aus Papier, Velvet Care, baut seinen Betrieb in Klucze für 160 Mio. Zl auf dem Gebiet der Sonderwirtschaftszone (SWZ) von Krakow (Krakau) aus. Die Fabrik gehörte früher zum US-Konzern Kimberly-Clark und wurde 2013 von Managern mit Hilfe eines Investment-Fonds übernommen.

Körperpflegemittel und Kosmetika

In- und ausländische Unternehmen erweitern ihre Produktionskapazitäten für Körperpflegemittel und Kosmetika. So konnte Polen seine Exporte davon 2015 auf rund 10 Mrd. Zl steigern; ausgeführt wurden 215.500 t solche Produkte. Wertmäßig entfiel ein Anteil von 43,0% auf Hautpflegeprodukte und dekorative Kosmetik, gefolgt von Haarpräparaten (14,0%), Mundpflegeprodukten (13,8%), Rasierbedarf und Deodorants (14,8%) sowie Parfums und Eaux de Toilette(14,4%).

Export von Körperpflegemitteln und Kosmetika (in Mrd. Zl)
2013 2014 2015
8,95 9,25 9,89

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Der Wachstumstrend hält an; der größte Exporteur des Landes L'Oreal investiert noch weiter. Der Output an Haarpflegeprodukten stieg 2015 laut GUS um 4,4% auf 158.478 Stück. Beiersdorf Manufacturing Poznan exportierte 2015 rund 137 Mio. Stück Kosmetika und will seine Produktion 2016 noch um 12% aufstocken.

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Körperpflegemittel und Kosmetika, Getränke, Nahrungsmittel

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