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19.04.2018

Polen bietet auch 2018 großzügige Innovationsförderung

Zentrale und regionale Mittel für Forschung und Entwicklung / Von Michal Wozniak

Berlin (GTAI) - Mit dem Operationellen Programm Intelligente Entwicklung der Europäischen Union stehen für polnische Unternehmen 8,6 Milliarden Euro bereit. Auf regionaler Ebene werden weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Zahlreiche neue Wettbewerbe bieten Zuschüsse für Innovationen. Unternehmen sollten diese Unterstützungsmöglichkeiten nutzen, denn Beobachter erwarten, dass in der nächsten Förderperiode 2021 bis 2028 weniger Gelder fließen.

Polnische Unternehmen haben die Brüsseler Fördertöpfe bisher nicht ausgeschöpft. In den ersten vier Jahren der Finanzperiode 2014 bis 2020 der Europäischen Union (EU) haben sie erst 16 Prozent der Mittel des Operationellen Programms Intelligente Entwicklung (Program Operacyjny Inteligentny Rozwoj; POIR) abgerufen. Ausgestattet mit 8,6 Milliarden Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung ist der POIR der größte direkt an Firmen gerichtete Fördertopf.

Aus dem POIR werden knapp 170 Millionen Euro im Rahmen von Branchenprogrammen vergeben. Bewilligt sind bereits Mittel für die Recycling-, Kfz-, Pharma- und Schiffsbaubranchen - weitere Wirtschaftszweige könnten im Jahresverlauf folgen. Im 2. Quartal 2018 sollen zudem Mittel für die Unterstützung des Auf- und Ausbaus von firmeneigenen Forschungszentren ausgeschrieben werden. Weitere Maßnahmen beinhalten die Unterstützung bei der Expansion in EU-Drittstaaten, Kredite für technologische Innovationen, Cluster-Bildung oder Start-ups. Im Rahmen des Operationellen Programms Ostpolen (Program Operacyjny Polska Wschodnia; POPW) stehen zudem etwa 120 Millionen Euro für Vorhaben im Bereich Industriedesign zur Verfügung.

Bereits im Mai 2018 werden die Verhandlungen über die neuen EU-Budgets für die Jahre nach 2020 beginnen. Beobachter erwarten, dass die Mittel für die regionale Entwicklung in Polen gekürzt werden. "Wir werden weniger Mittel für die allgemeine Firmenentwicklung, zum Beispiel für den Ausbau der Kapazitäten oder Gerätekäufe, zur Verfügung stellen", kündigt Jerzy Kwiecinski, Minister für Investitionen und Entwicklung Polens, an.

Wahrscheinlich ist, dass in der kommenden Förderperiode weniger nicht rückzahlungspflichtige Instrumente bereitgestellt werden. Im Gegenzug dürfte die EU verstärkt auf Kredite, Bürgschaften oder Garantien setzen. Diese werden wegen fehlender Gebühren und Provisionen günstiger als die Angebote privater Geldgeber sein.

Mehr Spielraum für Nachbesserungen

Da die Mittel aus den bereitstehenden EU-Töpfen nur schleppend abgerufen werden, versucht die Regierung die Vergabe der Gelder zu beschleunigen. Seit Januar 2018 werden noch vor dem offiziellen Beurteilungsprozess die Anträge auf Vollständigkeit geprüft, um Ablehnungen aufgrund formaler Fehler zu minimieren. Zudem können Unternehmen ihre Anträge in der Beurteilungsphase inhaltlich ergänzen. Ferner kontrolliert die Vergabestelle vor dem endgültigen Zuschlag die Antragsteller hinsichtlich ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Denn schließlich muss die Kofinanzierung sichergestellt sein.

Kleiner Fehler, großer Schaden

Für die schleppende Vergabe der Mittel sind die Unternehmen oft selbst verantwortlich, meinen EU-Experten. So würden zum Beispiel Anträge für Projekte gestellt, deren Ausführung bereits begonnen hat. Dabei schreibt ein Vergabekriterium vor, dass nur Vorhaben unterstützt werden dürfen, die ohne Förderung keine Chance auf Realisierung haben.

Der Fehler ist oft leicht zu beheben: Keine verbindlichen Verträge für die Ausführung des geplanten Projektes mit Auftragnehmern vor dem Zuschlag unterzeichnen! Sollte ein Arrangement aus Planungs- oder anderen Gründen unumgänglich sein, muss auf dessen Unverbindlichkeit geachtet werden. Experten raten eine Klausel einzubauen, die die Beauftragung für die Ausführung des Projektes vom Erhalt der EU-Mittel abhängig macht.

Weitere Probleme ergeben sich daraus, dass Unternehmen, die EU-Mittel für Projekte beantragen, nachweisen müssen, dass sie ausreichende finanzielle, personelle und technische Kapazitäten haben, um die Projekte auch durchzuführen. Eine weitere Bedingung, um an den POIR-Topf heranzukommen, ist der Nachweis, dass das geplante Projekt innovativ ist. Dieser Nachweis fällt vielen Bewerbern schwer. Auch beim Thema Kostenrechnung erfüllten viele Anträge die Anforderungen nicht: Hier müssen die Firmen Einzelkosten den entsprechenden Etappen der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zuzuordnen.

Die Qual der richtigen Programmwahl

Gemessen an den bereitstehenden Mitteln lohnt sich eine intensive Befassung mit dem Thema. Für 2018 wurden bereits zahlreiche Wettbewerbe angekündigt. Im Rahmen des "schnellen Pfades" will das Nationale Zentrum für Forschung und Entwicklung (Narodowe Centrum Badan i Rozwoju; NCBiR) fast 700 Millionen Euro vergeben. Unterstützt werden vor allem Projekte, die innovativ sind und die Konkurrenzfähigkeit der polnischen Wirtschaft auf internationalen Märkten steigern. Zusätzlich prämiert wird die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen.

Auswahl laufender Ausschreibungsrunden für EU-Förderung für Unternehmen
Maßnahme Operationelles Programm Bewerbungsfrist Vergebende Institution Budget (in Mio. Euro) Förderfähige Ausgaben
Kredit für innovative Technologien OP Intelligente Entwicklung (POIR) 24.5.18 Bank Gospodarstwa Krajowego 130,3 Kauf und/oder Implementierung neuer Technologien im Unternehmen
FuE-Infrastruktur in Unternehmen Regionales OP Lodz 28.5.18 Centrum Obslugi Przedsiebiorcy 19,9 Schaffung und Ausbau der FuE-Infrastruktur im Unternehmen
Vermarktung des Unternehmens/Steigerung der Investitionsattraktivität der Woiwodschaft Regionales OP Podlachien 30.5.18 Zarzad Wojewodztwa Podlaskiego 1,9 Vermarktung ausgewählter Branchen auf internationalen Märkten und Messen
Industrieforschung und Entwicklungsarbeiten (für KMU) POIR 30.5.18 Narodowe Centrum Badan i Rozwoju 165,8 FuE-Arbeiten im Unternehmen
Innovative Unternehmen/FuE-Tätigkeit der Unternehmen Regionales OP Ermland-Masuren 29.6.18 Warminsko-Mazurska Agencja Rozwoju Regionalnego S.A w Olsztynie 3,0 Schaffung von FuE-Infrastruktur; FuE-Arbeiten im Unternehmen
Innovative Unternehmen/Zusammenarbeit mit der Wissenschaft Regionales OP Ermland-Masuren 29.6.18 Warminsko-Mazurska Agencja Rozwoju Regionalnego S.A w Olsztynie 17,8 Kauf von FuE-Dienstleistungen; Nutzung von FuE-Ergebnissen im Unternehmen
Industrieforschung und Entwicklungsarbeiten (für Großunternehmen und Konsortien) POIR 29.6.18 Narodowe Centrum Badan i Rozwoju 165,8 FuE-Arbeiten im Unternehmen
FuE-Projekte von Unternehmen Regionales OP Kleinpolen 25.9.18 Malopolskie Centrum Przedsiebiorczosci 16,0 Kauf von FuE-Dienstleistungen; FuE-Arbeiten im Unternehmen
Innovationsgutscheine für KMU POIR 22.11.18 Polska Agencja Rozwoju Przedsiebiorczosci 16,4 Kauf von FuE-Dienstleistungen
Schutz industriellen Eigentums POIR 29.11.18 Polska Agencja Rozwoju Przedsiebiorczosci 11,8 Erlangen von Patentschutz
Forschung für die Marktreife (für alle Unternehmen) POIR 05.12.18 Polska Agencja Rozwoju Przedsiebiorczosci 177,7 Implementierung von FuE-Ergebnissen
Forschung für die Marktreife (für Unternehmen aus mittelgroßen Städten) POIR 05.12.18 Polska Agencja Rozwoju Przedsiebiorczosci 118,4 Implementierung von FuE-Ergebnissen
FuE-Tätigkeit der Unternehmen/Innovationsgutscheine Regionales OP Masowien Fortlaufend bis zur Ausnutzung des Budgets Mazowiecka Jednostka Wdrazania Programow Unijnych 5,0 Kauf von FuE-Dienstleistungen

Quelle: Eigenrecherchen der Germany Trade & Invest

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen

(W.O.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Finanzierung, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Ausschreibungswesen

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