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09.12.2016

Polen entwickelt eine Strategie für Elektromobilität

1 Mio. Elektroautos bis 2025 / Ausbau der Ladeinfrastruktur / Förderung für Produktion / Von Michal Wozniak

Warschau (GTAI) - Die polnische Regierung hat eine ambitionierte Strategie für Elektromobilität vorgelegt. Ziel ist die Förderung des heimischen Baus von elektrischen Fahrzeugen und entsprechender Teileproduktion für die zukunftsträchtige Sparte der Automobilindustrie. Zudem soll die Bevölkerung zum Umstieg auf umweltfreundliche Kfz motiviert werden. Die aktuelle Marktlage weist jedoch vor allem auf größere Absatzchancen bei Unternehmen und Institutionen hin.

Das polnische Energieministerium (http://www.me.gov.pl) legte Mitte September 2016 den sogenannten Entwicklungsplan für Elektromobilität in Polen (im Originallaut unter: http://bip.me.gov.pl/files/upload/26453/Plan%20Rozwoju%20Elektromobilnosci.pdf) zur öffentlichen Konsultation vor. "[Die Elektromobilität] ist ein Gebiet, auf dem wir die Chance nutzen und einen Sprung nach vorne machen wollen. Die angedachte Zusammenarbeit soll dazu führen, dass in Polen die nötige Infrastruktur und mit polnischer Ingenieurskunst entwickelte Elektrokleinwagen für die Stadt entstehen", unterstreicht Energieminister Krzysztof Tchorzewski.

Die Strategie ist in drei Etappen aufgeteilt und soll 2025 in einer Million Elektroautos auf polnischen Straßen münden. Bis dahin soll laut dem Energieministerium rund die Hälfte des Fuhrparks öffentlicher Einrichtungen mit Strom angetrieben werden - im öffentlichen Nahverkehr findet der Wandel bereits statt (mehr dazu hier).

Erste Etappe: Investitionen in Forschung

Das Ressort geht davon aus, dass in Polen angesiedelte Automobilwerke bis zu 30% der bis 2025 benötigten Elektrofahrzeuge herstellen können. In der ersten Strategieetappe bis 2018 soll deshalb vor allem in Forschung investiert werden (mehr dazu hier). Die ersten Prototypen sollten 2018 vorgestellt werden.

Zweite Etappe: Ladeinfrastruktur im Fokus

Zwei Jahre später, bis 2020 sollen die Prototypen die Marktreife erreichen und anschließend in Serienproduktion gehen. Noch wichtiger aber wird der Aufbau der Ladeinfrastruktur sein, der aus dem geplanten Fonds für den Niedrigemissionentransport mitfinanziert werden soll. In 32 polnischen Ballungsräumen sollen 6.000 Ladestationen mit Standardspannung und 400 Schnellladestationen entstehen. Entsprechende Anschlussvorrichtungen sollen an öffentlichen Bauten angebracht werden.

Dritte Etappe: Kaufanreize

Um nach 2020 einen entsprechenden Bedarf nach umweltfreundlichen Fahrzeugen sicherzustellen, sollen Kaufanreize die Nachfrage stimulieren. Zum einen sollen Elektroautos von der Akzisesteuer befreit werden. Zum anderen sollen Unternehmen die anfallende Mehrwertsteuer verrechnen können - bei Autos mit Verbrennungsmotoren sind es in den meisten Fällen 50%.

In Erwägung ist auch die gänzliche Befreiung des Elektroautokaufs von der Mehrwertsteuer. Allerdings setzt dies eine Sondergenehmigung der Europäischen Union voraus, da die Brüsseler Steuerrichtlinien eine solche Bevorzugung nicht vorsehen.

Wesentlich einfacher wäre die diskutierte Einführung einer Kaufprämie, wie sie dieses Jahr auch in Deutschland angeboten wurde. Zur möglichen Höhe der Zuzahlung gibt es bislang keine Informationen. Sicher scheint nur, dass diese höchstens für die ersten 100.000 verkauften Fahrzeuge ausgezahlt wird.

Kaufgewohnheiten polnischer Autofahrer müssen sich ändern

Laut dem Entwicklungsplan für Elektromobilität sollen bereits 2019 etwa 50.000 Elektroautos auf polnischen Straßen rollen, sechs Jahre später soll eine Million zugelassen sein. Somit müssten in der Zeit dazwischen etwa 160.000 umweltfreundliche Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden. Ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass polnische Autohäuser 2016 insgesamt voraussichtlich 400.000 Neuwagen absetzen werden. Der Anteil der Elektroautos ist dabei sehr gering: Laut dem Marktforschungsinstitut Samar (http://www.samar.pl) fanden in den ersten acht Monaten des Jahres nur 116 elektrisch angetriebene Fahrzeuge einen Käufer.

Die Nachfrage verringern vor allem Gebrauchtwagenimporte, die mehr als doppelt so hoch sind, wie Neuwagenzulassungen. Zu Lasten der Umwelt und der Straßenverkehrssicherheit kaufen Polen im Ausland sehr alte Fahrzeuge: Mehr als die Hälfte rollte vor über zehn Jahren vom Band. Diese Statistik könnte allerdings die geplante Novelle der Akzisesteuer grundlegend verändern. Bisher gibt es zwei Steuersätze abhängig vom Hubraum des Fahrzeugs: Bis 2 l Hubraum werden 3,1% zum Fahrzeugwert addiert, ab 2 l Hubraum fallen 18,6% an Steuern an.

Womöglich wird bereits zum 1.1.17 die Steuer in eine feste Abgabesumme umgewandelt. Regierungspläne sehen 32 unterschiedliche Klassen abhängig vom Produktionsjahr, Hubraum und Durchschnittsverbrauch vor.

Die Abgabehöhe läge nach dem Gesetzentwurf zwischen etwa 100 Euro und knapp 4.500 Euro. Damit könnte ein importierter, 20 Jahre alter Wagen der Oberklasse mit einem Schlag doppelt so teuer werden. Ein Neuwagen hingegen könnte damit um einen fünfstelligen Euro-Betrag günstiger werden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Straßenfahrzeuge, allgemein, Straßenverkehr, Elektromobilität

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