Suche

13.03.2019

Polen erhöht Sicherheit im Straßenverkehr

Ein Projekt sieht Überwachungstechnik für knapp 38 Millionen Euro vor / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Moderne Kameras und Geschwindigkeitsmesser sollen Polens Straßen sicherer machen. Der Bedarf an entsprechenden Geräten bleibt auch künftig groß, zumal sich der Straßenbau belebt.

Der Glowny Inspektorat Transportu Drogowego (GITD, Hauptinspektor für Straßentransport) will automatische Überwachungsanlagen für Polens Straßen beschaffen. Geplant sind nicht nur Ausrüstungen zum Messen der Geschwindigkeit von Fahrzeugen, sondern auch Kameras, die das Überqueren bei Rot an Ampelkreuzungen, den Verkehr an Bahnübergängen und Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Streckenabschnitten (Streckenradar) festhalten. Die Europäische Union (EU) will das Projekt im Wert von 37,6 Millionen Euro zu 85 Prozent fördern.

Zunächst aber lässt der GITD die Situation im Straßenverkehr auf Gefährdungen hin analysieren. Er will die Gründe für Unfälle und Kollisionen an 150 Stellen kennen, die ihm das Verkehrsüberwachungssystem CANARD (Centrum Automatycznego Nadzoru nad Ruchem Drogowym) aufgezeigt hat. Geplant ist im Anschluss, an 140 Stellen Monitoring-Ausrüstungen zu montieren.

An 35 möglichen Standorten sollen punktuelle Geschwindigkeitsmesser installiert werden, an 50 Stellen Streckenradar, an 40 Standorten Ampelblitzer und an 15 Stellen Blitzer bei Bahnübergängen. Des Weiteren werden an 247 Stellen die bereits vorhandenen stationären Kameras überprüft und gegebenenfalls ersetzt.

Zu beschaffen sind 358 Verkehrsüberwachungsanlagen, darunter 111, die an neuen Standorten angebracht werden. Ein Teil der Kameras wird fest installiert, ein anderer Teil ist mobil und damit variabel einsetzbar. Bisher sind in Polen im Rahmen des Systems CANARD GITD 431 Kameras bei Straßen angebracht und damit deutlich weniger als in anderen europäischen Ländern. Hinzu kommen 30 Streckenradargeräte und 29 mobile Geschwindigkeitsmesser. An über 20 gefährlichen Ampelkreuzungen wird das Überqueren bei Rot festgehalten.

Vorhaben erhält EU-Förderung

Das Zentrum für EU-Transportprojekte will für das aktuelle Projekt 32 Millionen Euro aus dem Operationellen Programm der EU für Infrastruktur und Umwelt 2014 bis 2020 beisteuern. Im 3. Quartal 2020 wollen die polnischen Initiatoren damit beginnen, die modernen Ausrüstungen an den neuen Standorten anzubringen.

Der Austausch von bestehenden Geräten startet dagegen erst im 3. Quartal 2021. Die gesamten Maßnahmen sollen 2023 abgeschlossen werden. Sie sind erst ein Anfang und können den eigentlichen Bedarf nicht decken. Lokale Selbstverwaltungen sandten dem GITD über 2.000 Anträge für Verkehrsüberwachungstechnik.

Weitere 26 bereits bestehende Überwachungseinrichtungen, die sich überwiegend in Warschau befinden, integrierte der GITD in das CANARD. Die übrigen älteren Anlagen lokaler Selbstverwaltungen funktionieren unabhängig davon. Im Jahr 2015 hatte der GITD die Einrichtung des Verkehrsüberwachungssystems CANARD abgeschlossen, das 45,1 Millionen Euro kostete. Die EU hatte es mit 38,4 Millionen Euro bezuschusst. Der GITD verfügt seit 2011 über ein System zur automatischen Verkehrsüberwachung.

Straßenbau kommt wieder in Schwung

Nicht nur bestehende, sondern auch erst geplante, sich im Bau befindliche oder erneuerte Straßen benötigen automatische Verkehrsüberwachungssysteme. Allein 2019 will die Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA, Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen) Ausschreibungen für Straßenbauarbeiten im Wert von rund 4,6 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Davon betroffen sind 17 Abschnitte von insgesamt 435 Kilometern Länge, davon 14 von Schnellstraßen, zwei von Landstraßen und ein knapp 30 Kilometer langer Abschnitt der Autobahn A2 von Minsk Mazowiecki nach Siedlce.

Derzeit befinden sich 113 Abschnitte von Schnellstraßen und Autobahnen mit einer Gesamtlänge von 1.426 Kilometern im Planungs- beziehungsweise Baustadium. Die Kosten dafür veranschlagt die GDDKiA auf 13,5 Milliarden Euro. Auf sieben Abschnitten, über die bereits Verträge mit Baufirmen geschlossen wurden, beginnen die Arbeiten frühestens 2020.

Nach schwächeren Ergebnissen in den Vorjahren sollen 2019 mit schätzungsweise 500 Kilometern wieder mehr Schnellstraßen und Autobahnen übergeben werden. Den Bau davon fördert vielfach die EU, und Polen muss sich sputen, um die ihm im Rahmen des EU-Haushaltes 2014 bis 2020 zur Verfügung gestellten Mittel noch abzurufen.

Übergebene Landstraßen und Autobahnen in Polen (in km)
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 *)
660 384 332 84 137 356 321 circa 500

*) geplant

Quelle: Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA)

Der südliche Teil der A1 vom zentralen Autobahnkreuz Strykow bei Lodz (Lodsch) zum Flughafen von Katowice (Kattowitz) dürfte frühestens 2022 vollständig befahrbar sein. Mit dem Bau der noch fehlenden Abschnitte befassen sich Firmen wie Budimex zusammen mit Strabag, Intercor, Pol-Aqua, ein italienisches Konsortium der Gesellschaften Salini und Todini sowie das Przedsiebiorstwo Budowy Drog i Mostow (Bauunternehmen für Straßen und Brücken) Kobylarnia zusammen mit Mirbud.

Die GDDKiA nimmt weitere Straßenbauprojekte in Angriff. Sie beginnt 2019 zum Beispiel mit vorbereitenden Arbeiten zum Ausbau der Schnellstraße S74. Betroffen sind mehrere Abschnitte mit einer Gesamtlänge von über 100 Kilometern von der Grenze der Woiwodschaft Lodz nach Opatow in der Woiwodschaft Swietokrzyskie.

Nach der Winterpause werden ab Mitte März 2019 die Bauarbeiten an 70 Schnellstraßenabschnitten mit einer Gesamtlänge von 832 Kilometern wieder aufgenommen. Bis zum Ende des 1. Quartals sollen laut Informationen der Tageszeitung Rzeczpospolita weitere zehn Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 120 Kilometern eine Baugenehmigung erhalten, womit die Arbeiten - unter anderem an vier Abschnitten der S7 - starten können.

Die GDDKiA strebt für das 1. Halbjahr 2019 Genehmigungen für insgesamt 23 Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 316 Kilometern an. Bis zum Jahresende soll ihre Anzahl auf 36 über eine Gesamtlänge von rund 500 Kilometern steigen. Die Auftragsvergabe wird allerdings durch steigende Preise für Baumaterialien und Lohnerhöhungen erschwert, die die Vorhaben verteuern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Glowny Inspektorat Transportu Drogowego (GITD info@gitd.gov.pl, http://www.gitd.gov.pl, http://www.canard.gitd.gov.pl Hauptinspektor für Straßentransport
Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA) http://www.gddkia.gov.pl Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Mess- und Regeltechnik

Funktionen

Kontakt

Fabian Möpert

‎+49 30 200099209

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche