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01.02.2019

Polen erweitert LNG-Terminal

Weitere Gaslieferanten gesucht / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Polen will unabhängiger von russischen Gaslieferungen werden: Das LNG-Terminal in Swinoujscie soll ausgebaut werden.

Die polnische Gesellschaft Polskie LNG S.A. hat die Erweiterung des Terminals für Liquefied Natural Gas (LNG) in Swinoujscie (Swinemünde) ausgeschrieben. Geplant sind der Bau eines dritten großen Tanks sowie die Vergrößerung der Kapazitäten zur Regasifizierung und Verladung einschließlich eines Gleisanschlusses. Dank dieser Maßnahmen erhöht sich das Fassungsvermögen des LNG-Terminals von derzeit 5 Milliarden auf 7,5 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich. Zurzeit reicht die Kapazität des Terminals aus, um etwa ein Drittel des Inlandsbedarfs an Erdgas abzudecken.

Mit dem erweiterten Leistungsangebot sollen auch Kunden aus dem Ausland gewonnen werden. Swinoujscie kann sich nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden von Polskie LNG, Pawel Jakubowski, zu einem Verlade-Hub für Flüssiggas entwickeln. Der Brennstoff könne künftig nicht nur per Bahn, sondern auch per Schiff weiter transportiert werden. Bis Ende 2019 soll die Auswahl des Hauptauftragnehmers getroffen sein. Die Übergabe des Tanks und der Verladekapazitäten ist für das 2. Quartal 2023 vorgesehen.

Geplant ist ein zusätzlicher Kai im Hafen von Swinoujscie. Hier will man Gas verladen. Der Hafenkai wird in Kooperation mit der Verwaltung der Hafengruppe Szczecin-Swinoujscie (Stettin-Swinemünde) gebaut.

USA liefern LNG

Um die neuen Kapazitäten auslasten zu können, muss Polen weitere LNG-Lieferanten finden. Die Polskie Gornictwo Naftowe i Gazownictwo S.A. (PGNiG, Polnische Erdölförderung und Gaswirtschaft) bemüht sich um eine Diversifizierung der Gaslieferquellen. Im Dezember 2018 vereinbarte sie mit der Tochtergesellschaft der US-amerikanischen Sempra Energy, Port Arthur LNG, LLC, einen langfristigen Liefervertrag über 20 Jahre. Polen wird demnach LNG aus einer noch fertig zu stellenden Exportanlage in Jefferson County, Texas beziehen.

Schon zuvor hatte PGNiG einen über 24 Jahre laufenden Liefervertrag mit der Firma Cheniere Marketing International LLP über LNG-Importe aus den USA unterzeichnet. Dem Vertrag zufolge sollen von 2019 bis 2022 jährlich rund 0,7 Milliarden Kubikmeter (Menge nach Regasifizierung) Gas eingeführt werden. Ab 2023 bis 2042 soll die Menge auf 1,95 Milliarden Kubikmeter jährlich steigen. Das Gas wird in den USA voraussichtlich durch Fracking gewonnen und anschließend von Sabine Pass in Louisiana und Corpus Christi in Texas aus verfrachtet.

Noch im Oktober 2018 vereinbarte PGNiG LNG-Lieferungen mit den US-Firmen Venture Global Calcasieu Pass und Venture Global Plaquemines LNG. In beiden Fällen geht es um jährliche Lieferungen von je rund 1,35 MilIiarden Kubikmetern (Menge nach Regasifizierung) über 20 Jahre. Die ersten Lieferungen sollen 2022 und 2023 entgegengenommen werden, wenn die neuen Installationen am LNG-Terminal in Betrieb gehen.

Laut dem Vorsitzenden von PGNiG, Piotr Wozniak, bezieht seine Gesellschaft das US-Gas zu einem um 20 bis 30 Prozent günstigeren Preis als das russische. Analysten bezweifeln, ob bei dem Preisvergleich alle Kosten, die in Zusammenhang mit dem Kauf des LNG stehen, berücksichtigt wurden.

Im Jahr 2017 lag der Gasverbrauch in Polen bei insgesamt rund 17 Milliarden Kubikmetern. PGNiG versorgt über 6 Millionen private Haushalte mit diesem Brennstoff. Derzeit wird die Leitungsinfrastruktur ausgebaut. Ziel ist es, den Gasverbrauch zu erhöhen.

2.000 Kilometer Gasleitungen geplant

Polskie LNG gehört zu dem Betreiber von Gas-Pipelines, Gaz-System S.A. Dieser will von 2015 bis 2025 insgesamt über 2.000 Kilometer Gas-Pipelines in West-, Süd- und Ostpolen legen. Vorgesehen ist auch eine Anbindung an die Leitungen in Litauen, der Slowakei und Tschechischen Republik. Durch diese Maßnahmen erhöhen sich die Möglichkeiten zum Import von Erdgas.

Im Herbst 2018 erhielt Gaz-System die Genehmigung zum Bau von rund 100 Kilometern Gas-Pipeline in der Woiwodschaft Podlaskie (Podlachien) im Nordosten des Landes. Diese wird künftig die Leitungssysteme Polens und Litauens miteinander verknüpfen. Das gesamte Projekt umfasst die Schaffung einer Hochdruckgas-Pipeline samt notwendiger Infrastruktur in den Woiwodschaften Mazowieckie (Masowien), Podlaskie und Warminsko-Mazurskie (Ermland-Masuren).

Noch bis 2022 ist Polen an den Jamal-Vertrag mit dem russischen Gazprom-Konzern gebunden. Demnach kann das Land jährlich 10,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus der Russischen Föderation importieren. Das Land hat sich dabei verpflichtet, jährlich mindestens 85 Prozent dieser Menge einzuführen. Im Laufe von 2018 überstiegen die polnischen Importe diesen Anteil.

PGNiG fördert mehr Erdgas

Das polnische Gasunternehmen PGNiG kauft nicht nur Gas, sondern fördert es verstärkt auch selbst. In Norwegen erwarb PGNiG für umgerechnet gut 190 Millionen Euro 42,4 Prozent der Anteile an dem Vorkommen Tommeliten Alpha, das sich unter dem Meeresboden der Nordsee befindet. Dadurch kann die Gesellschaft ihre Förderung in Norwegen ab 2024 jährliche um 0,5 Milliarden Kubikmeter erhöhen, ab 2030 werden es zusätzlich 0,3 Milliarden Kubikmeter per anno sein. Im Herbst 2022 soll die Baltic Pipe fertig gestellt werden, über die Polen insgesamt rund 10 Milliarden Kubikmeter Erdgas per anno - hauptsächlich aus Norwegen - beziehen kann.

Auch in Pakistan fördert PGNiG Erdgas. In Polen wird derzeit nach weiteren Vorkommen gesucht: In der Woiwodschaft Podkarpackie (Karpatenvorland) werden bis 2022 insgesamt rund 120 Probebohrungen durchgeführt. In der Gegend von Kramarzowka hat PGNiG ein Erdgasvorkommen entdeckt, das auf 12 Milliarden Kubikmeter geschätzt wird. Die größten Vorkommen Polens befinden sich im Raum Przemysl, zum großen Teil sind diese bereits ausgebeutet.

Kontaktadresse

Operator Gazociagow Przesylowych Gaz-System S.A.

ul. Mszczonowska 4

02-337 Warszawa, Polen

T +48 22 220 18 00

F +48 22 220 16 06

kontakt@gaz-system.pl

http://www.gaz-system.pl

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

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Polen Wärme- und Gasversorgung, Öl, Gas, Schiffsverkehr / Häfen

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