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25.07.2018

Polen investiert in Petrochemie-Projekte

PKN Orlen plant Großinvestitionen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Der polnische Erdölkonzern PKN Orlen startet im Bereich der Petrochemie die größten Investitionen seiner Geschichte. Er will mehr Vorprodukte für Kunststoffe herstellen, um von Importen unabhängig zu werden und sein Exportangebot zu erweitern. Außerdem will der Konzern Alleineigentümer der tschechischen Unipetrol werden und mit dem polnischen Konkurrenten Lotos fusionieren. (Kontaktadresse)

Das mit Abstand umsatzstärkste Unternehmen Polens, der Erdölkonzern PKN Orlen, will seinen Output von petrochemischen Produkten um 30 Prozent erhöhen. Alle damit zusammenhängenden Projekte im Gesamtwert von 1,9 Milliarden Euro sollen bis 2023 verwirklicht werden. Das teilte der Vorstandsvorsitzende der Firma, Daniel Obajtek, mit. Die jährlichen Gesamtinvestitionsausgaben des Konzerns belaufen sich im Schnitt auf über 1 Milliarde Euro.

Die Maßnahmen dienen einer stärkeren Integration der Raffinerie- und Petrochemie-Sparten sowie einer größeren Diversifizierung der Einnahmen. Der Erdölkonzern will seine Position auf dem europäischen Markt weiter festigen. Die Exporte von petrochemischen Produkten sollen langfristig auf über 230 Millionen Euro jährlich steigen.

Vier große Petrochemie-Vorhaben

Die Investitionen in die Petrochemie setzen sich laut Obajtek aus vier Einzelprojekten zusammen. Ein Komplex für Derivate von Aromaten soll in Wloclawek gebaut werden. Zu erweitern sind die Olefin- und Phenolkapazitäten am Firmensitz in Plock (Plozk). Außerdem ist dort ein Zentrum für Forschung und Entwicklung geplant. Details zum Wert der einzelnen Vorhaben sowie der Finanzierung sollen zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt werden.

Bislang muss Polen viele petrochemische Produkte importieren, etwa aus Deutschland, der Russischen Föderation und Ungarn. Diese Einfuhren betragen jährlich etwa 500 Millionen Euro.

Fortlaufende Diversifizierung

PKN Orlen baut auch andere Bereiche außerhalb seines Kerngeschäfts aus. Die Tochtergesellschaft Anwil erweitert ihr Produktionsvermögen für Kunstdünger um rund 40 Prozent. Bis 2020 werden am Standort Wloclawek Produktionslinien für etwa 162 Millionen Euro installiert. Ferner werden im Jahr 2018 Investitionen in die Fertigstellung einer Metathese-Installation in Plock und einer Polyäthylen-Anlage in der Tschechischen Republik fließen.

PKN Orlen wird auch zu einem immer wichtigeren Akteur im Energiebereich. In Wloclawek und Plock errichtete das Unternehmen zwei Gaskraftwerke. Außerdem erwägt es den Ersatz eines Kohlekessels im Kraftwerk der konzerneigenen Rafineria Trzebinia durch neue Gaskessel für etwa 18,5 Millionen Euro.

Bei den geplanten Offshore-Windparks in der Ostsee will sich PKN Orlen ebenfalls engagieren. Auf die Ausschreibung für ein vorläufiges technisches Konzept dafür haben sich über 20 Anbieter beworben. Angestrebt ist der Erhalt einer Offshore-Konzession bis 2022 und der Baubeginn nach 2023. Künftig will sich PKN Orlen verstärkt auch der Elektromobilität und alternativen Treibstoffen widmen.

Treibstoffnachfrage wächst

Bis das neue Elektroauto-Zeitalter anbricht, muss der Konzern aber eine steigende Nachfrage nach flüssigen Brennstoffen auf dem Heimatmarkt befriedigen. Ihr Verbrauch stieg 2017 laut Angaben des Finanzministeriums und der Polnischen Organisation der Erdölindustrie und -handels (Polska Organizacja Przemyslu i Handlu Naftowego; POPiHN) um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 32,4 Millionen Kubikmeter. Dabei dominierte mengenmäßig ganz klar Dieseltreibstoff.

Zur Absicherung der Rohstoffversorgung investiert PKN Orlen deswegen in die Erforschung und Förderung von Erdöl- und Erdgasvorkommen. Auf diesem Feld war der Konzern bisher neben Polen, auch in Kanada tätig. Im nördlichsten Land Amerikas ist er mit seiner Gesellschaft Orlen Upstream Canada präsent.

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Ferner werden Raffineriekapazitäten weiter ausgebaut. Dabei steht nicht nur das Stammwerk auf der Agenda. Die litauische Tochtergesellschaft Orlen Lietuva soll ebenfalls vermehrt Diesel nach Polen liefern. Dazu ist ein Ausbau des dortigen Standorts Mozejki vorgesehen.

Übernahme von Branchenunternehmen

Mehr flüssige Brennstoffe nach Polen liefern soll ebenfalls die tschechische Unipetrol. PKN Orlen hat bereits Anfang 2018 seine dortige Beteiligung von bisher 63 auf nun 94 Prozent aufgestockt. Nun will der Konzern auch die restlichen Anteile von Unipetrol aufkaufen und die Firma von der Prager Börse zurückziehen.

Außerdem strebt PKN Orlen die Übernahme seines kleineren inländischen Konkurrenten, der in Gdansk (Danzig) beheimateten Grupa Lotos, an. Laut Obajtek soll die Fusion im 2. Halbjahr 2019 abgeschlossen werden. Allerdings muss die Europäische Kommission dies noch bewilligen, da PKN Orlen dadurch seine dominierende Marktposition noch ausbauen wird. Die jährliche Verarbeitungskapazität der Raffinerie in Gdansk beträgt 10,5 Millionen Tonnen Erdöl. Die Einnahmen von Lotos machten 2017 mit 5,7 Milliarden Euro (auf Zloty-Basis ein Zuwachs um 15,6 Prozent gegenüber 2016) nur etwa ein Viertel derer von PKN Orlen aus. Der Nettogewinn von Lotos lag bei 393 Millionen Euro.

Der Zusammenschluss soll positive Synergieeffekte bewirken und zu Einsparungen sowie einer höheren Effizienz führen. Zu optimieren sind laut Obajtek die Bereiche Produktion, Logistik, Beschaffungen und Investitionen, wie er gegenüber der Tageszeitung Rzeczpospolita sagte. Vorgesehen sei, dass Lotos zu einer von PKN Orlen abhängigen Gesellschaft werde, dabei aber eine eigene juristische Person bleibe.

An Lotos ist der Staat zu 53,2 Prozent beteiligt, an PKN Orlen dagegen nur noch zu 27,5 Prozent. Anfang 2018 hatte PKN Orlen mit dem Energieminister eine Absichtserklärung über den Kauf von mindestens 53,2 Prozent der Aktien von Lotos unterzeichnet.

Rekordergebnis 2017

Die Finanzierung sollte keine Hürde sein. PKN Orlen erwirtschaftete 2017 abermals ein gutes Ergebnis. Die Einnahmen des Konzerns stiegen auf Zloty-Basis um 20 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Der Nettogewinn betrug 1,7 Milliarden Euro. Die Verarbeitung von Erdöl stieg 2017 auf 33,2 Millionen Tonnen, womit die Kapazitäten (35,2 Millionen Tonnen) fast ausgelastet sind.

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Kontaktadresse

PKN Orlen S.A.

ul. Chemikow 7

09-411 Plock, Polen

T +48 (0)24 256 00 00

F +48 (0)24 367 70 00

ir@orlen.pl

http://www.orlen.pl

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

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Fabian Moepert

‎+49 30 200099209

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