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26.08.2019

Polen investiert weiter in die Bahninfrastruktur

Tests einer eigenen Hochgeschwindigkeitstechnik stehen an / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Der Verkehr auf der Schiene in Polen wächst. Gleisanlagen werden erneuert, neue Streckenabschnitte gebaut. Für den Güterverkehr wird an einer Hyperloop-Lösung gearbeitet.

Nachdem die polnische Eisenbahn 2018 bereits 2,3 Milliarden Euro investiert hat, sollen die Investitionen in den Folgejahren noch steigen. Die Gleisinfrastruktur wird weiter ausgebaut und erneuert. Landesweit sollen mittelfristig rund 200 Bahnhöfe modernisiert oder wieder aufgebaut werden. Im Jahr 2018 wurden fast 1.300 Kilometer Bahnstrecken, 400 Bahnübergänge und rund 200 Bahnsteige modernisiert. Gebaut beziehungsweise umgebaut wurden außerdem 113 Eisenbahnbrücken.

Die Polnischen Staatsbahnen (Polskie Koleje Panstwowe; PKP) können sich angesichts guter Finanzergebnisse solche Investitionen leisten. Die PKP-Gruppe erzielte 2018 einen Nettogewinn von 110 Millionen Euro. Die Fernverkehrstochter PKP InterCity befördert immer mehr Passagiere. Ihr Nettogewinn betrug 41 Millionen Euro.

Im Güterverkehr erwirtschaftete die Logistiktochter PKP Cargo Einnahmen in Höhe von 1.230 Millionen Euro mit einem Nettogewinn von 43 Millionen Euro. Das Unternehmen transportierte 2018 laut dem Vorsitzenden der PKP Cargo, Czeslaw Warsewicz, mit fast 122 Millionen Tonnen die höchste Gütermenge in seiner Geschichte. Von Bedeutung ist dabei auch, dass die Infrastruktur für den Intermodalverkehr weiter ausgebaut wird. Die 35 existierenden intermodalen Terminals verluden 2018 um 10,6 Prozent mehr Güter als noch 2017.

Zu den derzeit im Bau befindlichen Bahnprojekten zählt die transeuropäische Verbindung Rail Baltica. Zu ihr gehört ein 341 Kilometer langer Streckenabschnitt von Warschau über Bialystok, Elk (Lyck) und Suwalki (Suwalken) bis zur polnisch-litauischen Grenze. Im 1. Quartal 2020 soll ein Vertrag mit dem Auftragnehmer unterzeichnet werden, der an der bereits bestehenden Strecke zwischen Czyzew und Bialystok Bahnübergänge durch Brücken ersetzt. Die Bauarbeiten sollen 2022 beendet werden, auf der Strecke soll eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde möglich werden.

Bisher wurde eine 66 Kilometer lange Teilstrecke der Rail Baltica von Warschau nach Sadowne fertig gestellt. Hierfür wird bald mit einer Zulassung für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde gerechnet. Die Arbeiten an der 35 Kilometer langen Strecke von Sadowne nach Czyzew, die bereits befahren werden kann, dauern an. Bezüglich der übrigen Teilstrecken schreiten die Planungsarbeiten voran.

Zur Verbesserung des Angebots der Bahn gehören auch Investitionen in das rollende Material. PKP InterCity will im 2. Halbjahr 2019 entsprechende Ausschreibungen tätigen, wozu die Beschaffung leichter Rangier- und Mehrsystemelektrolokomotiven gehört. Des Weiteren sind die Modernisierung von 90 Reisewaggons und 20 Lokomotiven sowie die Erneuerung von weiteren 40 Reisezugwagen vorgesehen.

Großflughafen erhält Schienenanbindung

Umfangreiche Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur gehen auch mit dem geplanten Bau des Großflughafens im Zentrum des Landes einher. Die mit der Verwirklichung dieses Zentralflughafens befasste Projektgesellschaft Centralny Port Komunikacyjny (CPK) will 2020 einen detaillierten Plan zum Investitionsbedarf erarbeiten und dann einen strategischen Investor suchen. Sollte dieser aus einem Drittstaat der Europäischen Union (EU) stammen, etwa aus China, wird dessen Anteil an der Gesellschaft CPK auf maximal 49 Prozent begrenzt.

Die Baukosten des Zentralflughafens CPK werden auf etwa 6,9 Milliarden Euro veranschlagt. Der Flughafen soll von allen Regionen Polens erreichbar sein, wofür insgesamt 1.600 Kilometer Bahntrassen zu errichten sind. Die Kosten dafür übernimmt der Staat, beziehungsweise es sollen EU-Mittel dafür verwendet werden. Längerfristig sind für die Schienenanbindung jährliche Ausgaben von etwa 689 Millionen bis 919 Millionen Euro notwendig.

Am 18. Juli 2019 hat die Gesellschaft CPK eine Finanzspritze von 69 Millionen Euro erhalten, um die Baupläne für den Flughafen und die Bahntrassen zu erstellen und deren Umweltverträglichkeit prüfen zu lassen. Die erste Schnellbahnstrecke, die vom CPK ausgehend gebaut werden soll, führt nach Warschau und Lodz (Lodsch) und ist rund 100 Kilometer lang. Mit den Bauarbeiten für die Strecke soll 2023 begonnen werden, sodass sie 2027 fertig wird, wenn der CPK seinen Betrieb aufnehmen soll.

Hyperloop als Zukunftsvision

Es wird erwogen, auf der Strecke von Lodz über den CPK nach Warschau auf ein Hyperloop-System zu setzen. Mit dieser Hochgeschwindigkeitstechnologie befasst sich in Polen das Start-up Hyper Poland, gegründet durch Studierende der Warschauer Polytechnischen Hochschule . Die Firma entwickelt Lösungen, um Magnetbahnen auf bestehenden Gleisen einzusetzen, die schnell und kostengünstig dafür angepasst werden können.

Dadurch kann auf den aufwändigen Bau eines Netzes von Vakuumröhren verzichtet werden, durch das bisher entwickelte Hyperloop-Kapseln fahren müssten. Die Anpassung konventioneller Schienen, um die herum Metallplatten angebracht werden müssten, würde schätzungsweise 6 Millionen bis 8 Millionen Euro pro Kilometer kosten. Die in Vakuumröhren mögliche Höchstgeschwindigkeit von annähernd 1.000 Kilometern pro Stunde reduziert sich auf den Schienen allerdings auf 300 Kilometer pro Stunde.

Die Hyperloop-Technologie soll deutlich kostengünstiger in der Anwendung sein als andere Hochgeschwindigkeitszüge. Hyper Poland will sie zunächst in der Gegend von Lodz testen. Das Start-up will noch weitere Kooperationspartner aus mit der Eisenbahn verbundenen Branchen gewinnen, wie sein Vorsitzender Przemyslaw Paczek gegenüber der Tageszeitung Rzeczpospolita sagte.

Er strebe die Gründung eines starken Konsortiums aus in- und ausländischen Unternehmen an, die zur Technologie von Hyper Poland komplementäre Dienstleistungen anbieten. Microsoft habe bereits eine finanzielle Unterstützung im Rahmen seines Förderprogramms für Start-ups zugesagt. Transfer Multisort Elektronik, ein Vertriebsunternehmen für elektronische Komponenten aus Lodz, kooperiere bereits mit Hyper Poland. Eine Zusammenarbeit bestehe auch im Rahmen eines europäischen Konsortiums, zu dem drei Firmen aus Kanada, den Niederlanden und Spanien gehören.

Die ersten Hyperloop-Strecken könnten etwa zwischen 2026 und 2029 in Polen in Betrieb gehen, dann zunächst für den Transport von Gütern. Dank der finanziellen Unterstützung durch das Landeszentrum für Forschung und Entwicklung (Narodowe Centrum Badan i Rozwoju; NCBiR) will Hyper Poland bis 2022 eine umfassende Testinfrastruktur nahe Wroclaw (Breslau) schaffen. Das eigentliche Pilotprojekt samt Zertifizierung würde dann bis etwa 2024 andauern. Anschließend wären die ersten Ausschreibungen zur Nutzung der Magnettechnologie möglich.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge, Schienenverkehr

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