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27.09.2018

Polen trinken mehr edle Tropfen

Bei Bier ist Geschmacksvielfalt gefragt / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die Polen werden beim Konsum alkoholischer Getränke immer anspruchsvoller. Viele Minibrauereien benötigen Ausrüstungen.

Bei dem beliebtesten alkoholischen Getränk in Polen, dem Bier, geht der Trend zu alkoholfreien Sorten und Radler. Diese werden vor allem von den großen, im Land tätigen, internationalen Konzernen angeboten. Gleichzeitig erfreut sich regional und lokal gebrautes Bier mit verschiedenen Geschmacksrichtungen wachsender Beliebtheit. Zunehmend gefragt sind hochwertige alkoholische Getränke, darunter Weine und Spirituosen.

Alkoholische Getränke mit den höchsten Verkaufszuwächsen im 1. Halbjahr 2018 (in %) *)
Alkoholfreies Bier Whisky in Flaschen mit 200 ml Prosecco Wodka in Flaschen mit 100 ml
63,1 50,0 40,0 8,3

*) gegenüber dem 1. Halbjahr 2017

Quelle: Nielsen

Im Juni 2018 entfielen nach eigener Aussage fast die Hälfte der Ausgaben für alkoholfreie Biere und Radler auf die Grupa Zywiec (Heineken, Niederlande). Die Gruppe hatte zuvor 2,6 Millionen Euro in eine Anlage für alkoholfreies Bier investiert. Die Ausgaben der Konsumenten für Bier insgesamt stiegen laut der Marktforschungsfirma Nielsen im 1. Halbjahr 2018 um 6 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2017.

Regionale Hersteller und lokale Handwerksbrauereien meldeten dabei zweistellige Zuwächse. Sie bieten eine große Geschmacksvielfalt, bringen ständig Neuheiten auf den Markt, brauen mitunter nach traditionellen Rezepten und punkten mit dem inländischen beziehungsweise regionalen Charakter ihrer Produkte. Sie eröffnen auch verstärkt eigene Gaststätten, um noch mehr Kunden zu erreichen.

Die Handwerksbrauerei Pinta aus Zywiec schafft sogar eine Kette von Gaststätten auf Franchising-Basis. Das erste Lokal eröffnete sie kürzlich in Wroclaw (Breslau). Weitere sollen in allen polnischen Großstädten folgen. Schon seit langem besteht im Breslauer Rathaus die Minibrauerei Spiz. Inzwischen gibt es in dieser Stadt auch ein Lokal der Minibrauerei Stu Mostow (100 Brücken) mit der Biersorte Oatmeal Hoptart.

Neue Minibrauereien entstehen

Gegenüber der Tageszeitung Rzeczpospolita sagte der Stellvertretende Vorsitzende der Polnischen Vereinigung der Häuslichen Brauer PSPD (Polskie Stowarzyszenie Piwowarow Domowych), Mateusz Puslecki, dass monatlich mehrere kleine Brauereien und Handwerksinitiativen entstünden. In jüngster Zeit steige jedoch die Anzahl der Konsumenten der neuen Biersorten nicht proportional zu der der Anbieter.

Daher suchen die Brauereien weitere Vertriebskanäle. Da die Kooperation mit Handelsketten für sie schwierig sei, versuchten sie, nahe gelegene gastronomische Einrichtungen und Geschäfte zu beliefern. Seit 2018 fällt für Bier aus kleinen Brauereien nur noch die halbe Verbrauchsteuer an.

Die über 200 Brauereibetriebe decken die Inlandsnachfrage weitgehend ab und beliefern zusätzlich das Ausland. In den ersten sieben Monaten 2018 brauten Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten laut dem Statistischen Hauptamt GUS 25,1 Millionen Hektoliter (+3,2 Prozent gegenüber Januar bis Juli 2017). Im Inland wird weniger von den preisgünstigsten Bieren konsumiert. Beim Bier insgesamt kehrte sich der rückläufige Trend bei den Verkäufen 2017 jedoch wieder um.

Konsumenten schmähen Cider

Während sich Biersorten mit verschiedenen Geschmacksrichtungen und Biermischgetränke, darunter auch dem Cider ähnliche, weiter durchsetzen, verliert Cider selbst an Bedeutung. Apfelwein der Kompania Piwowarska (Asahi, Japan) verschwand wieder vom Markt. Die Grupa Zywiec verzichtete auf den Vertrieb des Ciders von Heineken Strongbow. Die Verkäufe von Apfelwein sanken laut Nielsen im 1. Halbjahr 2018 um 7 Prozent. Die jährlichen Ausgaben der Polen für Cider in Geschäften betrugen demnach etwa 19 Millionen Euro; abgesetzt wurden rund 8 Millionen Liter. Die Herstellung von Fruchtweinen sank laut GUS in den ersten sieben Monaten 2018 um 7,8 Prozent auf 367.000 Hektoliter.

Trend zu teuren Produkten

Verkäufe von alkoholischen Getränken (in Mrd. Euro)
2015 2016 2017
7,4 7,4 7,7

Quelle: Nielsen

Die Verkäufe von alkoholischen Getränken in Polen bleiben mengenmäßig unverändert, wertmäßig aber weisen sie einen steigenden Trend auf. Es sind also zunehmend teurere Produkte gefragt. Dieser Trend soll auch 2018 anhalten. Laut Nielsen entfiel 2017 auf Premiumprodukte ein Anteil von 18,4 Prozent an den wertmäßigen Verkäufen von alkoholischen Getränken gegenüber nur 16,7 Prozent bei den preisgünstigen Getränken. Produkte des mittleren Segments dominierten mit 64,9 Prozent.

Den größten Anteil an den wertmäßigen Verkäufen hatten 2017 Bier, Cider und andere Drinks mit 49 Prozent, gefolgt von Spirituosen (42 Prozent) sowie Weinen und Likören (9 Prozent). Unter den Spirituosen waren Whisky und Gin, darunter besonders Premiumsorten, sowie Rum verstärkt gefragt. Zunehmend beliebter werden verschiedenfarbige Wodka-Sorten in kleinen Flaschen, von denen 46 neue Sorten 2017 hinzu kamen.

Gaben die Polen 2017 für Wodka insgesamt 2,7 Milliarden Euro aus, so entfiel davon auf verschiedenfarbige Sorten ein Betrag von 0,7 Milliarden Euro. Die höchsten Ausgaben für alkoholische Getränke tätigen die Polen in mittelgroßen Lebensmittelgeschäften. Wegen des Handelsverbots im Einzelhandel an mehreren Sonntagen gewannen Tankstellen an Bedeutung.

Wertmäßige Veränderungen der Verkäufe von alkoholischen Getränken 2017 (in %)
Whisky Gin Edel-bier Schaum-wein Rum Tafel-wein Brandy Wodka Bier ins-gesamt Cider
14,2 11,9 10,2 9,3 7,7 6,4 2,8 1,9 -1,2 -13,1

Quelle: Nielsen

Wertmäßige Veränderung der Verkäufe von Spirituosen im 1. Halbjahr 2018 (in %) *)
Rum Whisky Gin Wodka
10,7 10,5 8,2 -0,5

*) gegenüber dem 1. Halbjahr 2017

Quelle: Nielsen

Kontaktadresse

Polskie Stowarzyszenie Piwowarow Domowych (PSPD)

(Polnische Vereinigung der Häuslichen Brauer)

ul. Czerniakowska 126 A lok. 4

00-454 Warszawa, Polen

T +48 533 33 34 76

zarzad@pspd.org.pl

https://pspd.org.pl

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

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