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26.07.2018

Polen will mehr Erdwärme fördern

Mehrere Probebohrungen im Zentrum, Westen und Süden des Landes / Von Michal Wozniak

Berlin (GTAI) - Mit Mitteln der Europäischen Union (EU) wagt sich Polen an eine bisher im Land wenig populäre erneuerbare Energiequelle - die Geothermie. Nach ersten Projekten im Herbst 2017 wurden Anfang Juli 2018 Fördergelder für zwei weitere Projekte bewilligt.

Die polnische Stadt Tomaszow Mazowiecki erhielt 3,1 Millionen Euro vom Nationalen Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft (Narodowy Fundusz Ochrony Srodowiska i Gospodarki Wodnej; NFOSiGW) für eine 2.090 Meter tiefe Probebohrung. Noch einmal 100 Meter tiefer soll es in Turek gehen. Bis August 2019 wird dort für 3,3 Millionen Euro erforscht, ob sich das unterirdische Warmwasser für eine kommerzielle Nutzung eignet. Laut ersten Schätzungen könnte die Temperatur der Quelle etwa 70 Grad Celsius und die Fließrate bis zu 200 Kubikmeter pro Stunde erreichen.

Bereits im Herbst 2017 wurden ähnliche Projekte der Gemeinden Kolo, Ladek Zdroj, Sieradz, Sochaczew und Szaflary bewilligt. Die Bohrtiefe liegt zwischen 1.400 und 5.300 Metern. Die zugeteilten knapp 25 Millionen Euro sollen bis 2021 ausgegeben werden.

Abgabeschluss für Anträge ist Ende November

Alle Projekte werden aus dem Programm Geologie und Bergbau (Geologia i gornictwo; http://www.nfosigw.gov.pl/oferta-finansowania/srodki-krajowe/programy-priorytetowe/geologia-i-gornictwo) des NFOSiGW finanziert. Noch bis zum 30. November 2018 können Anträge gestellt werden. Für die Geothermie stehen etwa 46,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Für Selbstverwaltungsorgane ist eine Bezuschussung von 100 Prozent der Investitionskosten vorgesehen, für Unternehmen 50 bis 70 Prozent.

Ausbau der Gewinnung von Erdwärme

So erhielt unter anderem das Thermalbad Bania im März 2018 etwa 3,3 Millionen Euro Unterstützung für eine zusätzliche Tiefbohrung sowie den Ausbau ihres geothermischen Wärmewerks samt Verteilerinfrastruktur. Für ein ähnliches Unterfangen wurden dem Betreiber des Mercure Hotels Kasprowy Zakopane, der Firma Bachleda Hotel, knapp 2,7 Millionen Euro zuerkannt. Das Hotel nutzt bereits Erdwärme zum Beheizen der gesamten Anlage sowie für Warmwasser für das Outdoor-Schwimmbad.

Auch Selbstverwaltungseinheiten sind aktiv. Das Städtische Wärmeenergieunternehmen Konin (Miejskie Przedsiebiorstwo Energetyki Cieplnej - Konin) will für 5,2 Millionen Euro ein Geothermiewerk errichten. In 2.660 Meter Tiefe wurde Wasser mit für polnische Verhältnisse rekordverdächtigen 97,5 Grad Celsius entdeckt. Das Unternehmen verfügt bereits über alle nötigen Genehmigungen, verhandelt aber noch über die Finanzierung.

Vorbereitungen für den Bau eines Geothermie-Heizkraftwerkes laufen auch bei der Wärmelieferanten der Stadt Sochaczew (http://www.geotermia.com.pl). Nachdem sich die Firma im März 2018 etwa 400.000 Euro für die Planung gesichert hatte, wurden im Mai 2,5 Millionen Euro für Bohrungen bewilligt.

Beste Voraussetzungen im Westen des Landes

Laut dem Polnischen Geologieinstitut (Panstwowy Instytut Geologiczny) bietet der Westen des Landes die besten Bedingungen für Geothermie. Im Dreieck zwischen Szczecin (Stettin), Gorzow Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) und der deutsch-polnischen Grenze, dem Umland von Poznan (Posen) und Katowice (Kattowitz) sowie im Streifen zwischen Ostrow Wielkopolski (Ostrowo) und Sieradz kann in 2.000 Metern Tiefe Wasser mit mindestens 80 Grad Celsius gefördert werden.

Die Liste bestehender Heizkraftwerke, die in Polen auf Erdwärme setzen, ist überschaubar. Solche gibt es in Mszczonow (http://www.geotermia.com.pl), Poddebice (http://geotermia.poddebice.pl), Pyrzyce (http://geotermia.inet.pl), Uniejow (http://geotermia-uniejow.pl/) sowie Zakopane (http://geotermia.pl/).

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Strom-/Energieerzeugung, Geothermie

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