Suche

25.07.2019

Polens Gesundheitssektor soll digitaler werden

Auch künstliche Intelligenz ist im Gespräch / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Die Digitalisierung in Polens Gesundheitswesen schreitet voran. Potenzial bietet der Austausch von Patienteninformationen zwischen Ärzten. Digitale Krankenakten werden eingeführt.

"Polen ist eines der Länder, in denen der Fokus auf die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung deutlich sichtbar ist. Es gibt aber natürlich auch Bereiche, die noch entwickelt werden müssen", fasst die neueste Ausgabe des im Auftrag von Phillips erstellten Future Health Index (FHI) 2019 ihre Ergebnisse zusammen.

Im Rahmen der Studie wurden im Frühling 2019 rund 15.000 Patienten und 3.100 Angestellte im medizinischen Sektor aus 15 Ländern über die Zukunft des Gesundheitswesens befragt. Die Polen waren dabei besonders interessiert an elektronischen Patientenakten: Rund 82 Prozent der Befragten wünschen sich einen ständigen Zugang. Der 15-Länder-Durchschnitt war rund 20 Prozentpunkte niedriger.

Wie der FHI zeigt, nutzen bereits 77 Prozent der polnischen Ärzte mindestens eine Anwendung der digitalen Medizintechnologie oder Gesundheitsüberwachung. Damit liegt die Verbreitung im 15-Länder-Vergleich auf einem durchschnittlichen Niveau (78 Prozent).

Austausch zwischen den Einrichtungen noch zu gering

Entwicklungspotenzial sieht die Studie beim Datenaustausch zwischen verschiedenen Institutionen. Zwar tauschen sich die meisten Ärzte (64 Prozent) in medizinischen Einrichtungen mit mehr als 50 Mitarbeitern über den Gesundheitszustand ihrer Patienten mit ihren Kollegen aus. Nur jeder zehnte stellt diese Angaben allerdings auch anderen Organisationen zur Verfügung. Im Länderdurchschnitt waren es 80 Prozent der Ärzte innerhalb des eigenen Zentrums beziehungsweise 32 Prozent die sich auch mit anderen Einrichtungen austauschen. Die am häufigsten genannten Gründe für den schlechten Informationsaustausch zwischen Organisationen sind nicht vorhandene Datenübertragungssysteme, mangelnde Kompatibilität der einzelnen Systeme sowie Datenschutz und Sicherheitsbedenken.

Adrian Kowollik vom East Value Research Institut weist darauf hin, dass bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens noch viel Arbeit vor Polen liegt. Zugleich ergäbe sich erhebliches Potenzial zur Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen. "Die Digitalisierung kann die Gesundheitskosten um bis zu 30 Prozent senken, die Heilbarkeit von Krebs und anderen schweren Krankheiten erhöhen, die Belastung der Krankenhäuser verringern und den Personalmangel beheben", ist sich Jacek Gelba, Internist und Geschäftsführer des Medizindienstleisters MDT Medical sicher.

In allen anderen europäischen Ländern ist die Arztdichte höher als in Polen. Nach Angaben des Berichts Health at a Glance: Europe 2018 der OECD und der Europäischen Kommission kommen hier nur 2,4 Ärzte auf 1.000 Einwohner. Der Durchschnitt innerhalb der Europäischen Union (EU) liegt bei 3,8.

Rezepte und Krankschreibungen bereits digital

Auch der stellvertretende Gesundheitsminister Janusz Cieszynski sieht die Chancen zur Entlastung von Ärzten durch elektronische Dienste im Gesundheitswesen. Deshalb werden immer mehr Prozesse digitalisiert. Seit 2018 können Krankschreibungen elektronisch an Arbeitgeber und Sozialversicherung übermittelt werden. Ab Januar 2021 wird das die einzig gültige Krankschreibungsart sein.

Auch Papierrezepte gehören bald der Vergangenheit an. Sie werden durch die digitale Variante ersetzt. Das erste polnische E-Rezept wurde bereits Mitte 2018 ausgestellt. Alle Apotheken können seit Januar 2019 digitale Verschreibungen bearbeiten. Bis Juni 2019 wurden bereits 2,4 Millionen E-Rezepte ausgestellt. Ab dem Jahreswechsel 2019/20 wird es nur noch elektronische Verschreibungen geben. Seit Februar 2019 werden elektronische Überweisungen (beispielsweise zum Facharzt) eingeführt, die ab Januar 2021 verpflichtend werden.

Gesundheitsministerium will digitale Krankenakte einführen

Bereits jetzt können Patienten Informationen über elektronische Rezepte, Krankschreibungen und Überweisungen über das Portal http://www.Pacjent.gov.pl einsehen. In Zukunft soll dieses um digitale Krankenakten und Informationen über Arztbesuche erweitert werden. Zudem sollen auch Ärzte und medizinisches Personal sowie der private Gesundheitssektor Zugang erhalten. Die Entwicklung der Plattform zählt zum operationellen Programm Digitales Polen der EU und wird im Wesentlichen aus diesem Programm finanziert. Geplant ist, die zweite Phase des Projekts im Februar 2020 abzuschließen.

Gesundheitsminister Cieszynski begrüßt eine weitere Digitalisierung des Gesundheitssystems. Nach Abschluss der ersten Digitalisierungsphase Ende 2020 könnte er sich vorstellen, modernere Technologien wie beispielsweise Blockchain oder künstliche Intelligenz einzusetzen.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Gesundheitswesen allgemein, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Fabian Möpert

‎+49 30 200099209

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche