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18.09.2018

Polens Kohlebergwerke brauchen mehr Maschinen

Die Förderung soll wieder zunehmen und die Nutzung sauberer werden / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die polnischen Kohlegesellschaften investieren in neue Schächte. Hier haben auch ausländische Anbieter Zulieferchancen. Zudem wird die Kohlenutzung umweltfreundlicher gestaltet.

Polen setzt weiter auf die Kohle, die das Land wieder in stärkerem Maße fördern will. Es hat gleichzeitig dem Smog den Kampf angesagt und will eine sauberere und sparsamere Nutzung dieses Brennstoffes erreichen. Es entstehen neue effizientere Kraftwerksblöcke. Eine weitere Quelle der Luftverschmutzung sind alte Heizungsanlagen in Einfamilienhäusern. Die Regierung fördert daher deren Austausch.

Ab Anfang 2019 soll die Wärmedämmung von Wänden steuerlich absetzbar sein. Nach einem Gesetzesprojekt des Finanzministeriums werden dann 23 Prozent der Kosten, höchstens jedoch 12.296 Euro, bezuschusst. Voraussetzung ist, dass der Investor die Thermomodernisierungsmaßnahmen mit eigenen Mitteln finanziert. Er muss eine energetische Untersuchung seines Hauses durchführen lassen, auf deren Basis die Förderung gewährt wird.

Als Maßnahme gegen die Luftverschmutzung beschränkt eine Gesetzesnovelle ab Mitte September 2018 den Steinkohlehandel mit individuellen Kunden, die ihre Häuser selbst beheizen, und mit Nutzern kleiner Kesselhäuser. Vom Markt genommen werden demnach Brennstoffe besonders schlechter Qualität, das heißt Kohlenschlamme und Flotationskonzentrate. Ab Mitte 2020 darf solchen Kunden auch keine Braunkohle mehr verkauft werden.

Nur Qualitätskohle darf noch importiert werden

Der Energieminister will in einer Verordnung die erforderliche Steinkohlequalität für den Verkauf an Kleinabnehmer festlegen. Der zulässige Schwefelgehalt soll zum Beispiel reduziert werden. Es erscheint jedoch fraglich, ob das noch vor der Heizperiode zum Herbst 2018 erfolgen wird. Untersagt werden soll darüber hinaus der Import von unsortierter Kohle, die derzeit massenhaft vor allem aus Russland nach Polen gelangt. In den ersten fünf Monaten 2018 stammten gut zwei Drittel des polnischen Kohleimports (5,1 Millionen Tonnen) von dort. Insgesamt wurden 7,5 Millionen Tonnen importiert (+93 Prozent gegenüber Januar bis Mai 2017).

Polnische Kohleimporte nach Lieferländern von Januar bis Mai 2018 (Anteile in %)
Russische Föderation USA Kolumbien Australien Tschechische Republik Mosambik Übrige
68 10 8 6 2 2 4

Quelle: Eurostat

Im Jahr 2017 stiegen die Kohleimporte um 61 Prozent sprunghaft an, erreichten aber nicht das hohe Niveau von 2010 und 2011. Die Exporte blieben relativ gering.

Außenhandel mit Kohle (in Mio. t)
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Importe 14,1 15,0 10,2 10,5 10,3 8,2 8,3 13,4
Exporte 10,6 5,8 7,4 10,6 8,4 9,0 8,3 6,3

Quelle: Ministerstwo Energii (Energieministerium)

Polen förderte 2017 laut dem Statistischen Hauptamt GUS 66,0 Millionen Tonnen Steinkohle (-6,8 Prozent). In den ersten sieben Monaten 2018 erfolgte ein weiterer Rückgang um 2,5 Prozent gegenüber Januar bis Juli 2017 auf 37,1 Millionen Tonnen. Die großen Kohlegesellschaften wollen 2018 insgesamt 64,9 Millionen Tonnen Steinkohle fördern.

Geplante Förderung von Steinkohle 2018 durch die Bergwerksgesellschaften (in Mio. t)
PGG JSW Bogdanka Tauron Wydobycie Weglokoks Silesia
30,0 15,4 9,0 6,4 2,5 1,6

Quelle: Angaben der Gesellschaften gemäß Tageszeitung Rzeczpospolita

Ausbeutung weiterer Vorkommen

Die Heizkraftwerke hatten im Winter 2017/2018 Probleme, inländische Kohle zu erwerben, da einige unrentable Bergwerke geschlossen wurden. In die noch Verbleibenden muss vielfach investiert werden. Erst jetzt beginnen die Betreiber, neue Abbaufronten zu schaffen. Die Bergwerke profitieren von den steigenden Kohlepreisen, dank derer sie ihre wachsenden Kosten decken können.

In den ersten fünf Monaten 2018 investierten die Kohlegesellschaften laut der Agencja Rozwoju Przemyslu (ARP, Industrieentwicklungsagentur) in Katowice (Kattowitz) 210 Millionen Euro. Das war mehr als doppelt so viel wie von Januar bis Mai 2017. Die Ausgaben für Maschinen und Anlagen waren mit 115 Millionen Euro sogar mehr als drei Mal so hoch. Im Fokus standen Maschinen für die Zimmerung, Abbaumaschinen und Transportausrüstungen.

Im Jahr 2017 hatte der Bergbausektor 374 Millionen Euro investiert. Das waren auf Zloty-Basis nur knapp 3 Prozent mehr als in dem schwachen Jahr 2016. Diese Investitionen solIen 2018 laut dem Energieministerium (Ministerstwo Energii) auf 550 Millionen Euro ansteigen und 2019 rund 538 Millionen Euro betragen, um sich in den drei Folgejahren auf um die 464 Millionen Euro jährlich einzupendeln.

Export inländischer Investitionsgüter

In Polen selbst gibt es einige bedeutende Hersteller von Bergwerksmaschinen, die zunehmend auch auf Auslandsmärkte streben. Dennoch bleiben auch für ausländische Anbieter Zulieferchancen. Die börsennotierten inländischen Produzenten sind Famur, Kopex, Fasing, Bumech und Patentus. Marktführer ist die Famur S.A. aus Katowice, die 2017 umgerechnet 342,9 Millionen Euro (auf Zloty-Basis +41,7 Prozent gegenüber 2016) Umsatz erzielte. Sie erwirtschaftete laut der "Lista 500 2018" (Ranking der 500 größten Unternehmen) der Tageszeitung Rzeczpospolita 37,5 Prozent ihrer Einnahmen mit Exporten.

Ihre kleinere Konkurrentin Kopex S.A., ebenfalls aus Katowice, fusionierte 2018 mit Famur. Kopex erwirtschaftete 2017 rund 176,0 Millionen Euro (-3,6 Prozent). Der Exportanteil betrug dabei 39,1 Prozent. Kopex verkauft das zu ihr gehörende Przedsiebiorstwo Budowy Szybow (Unternehmen zum Bau von Schächten) der Kohlegesellschaft Jastrzebska Spolka Weglowa (JSW) für 47,6 Millionen Euro.

Das Unternehmen Famur sucht Partner, mit denen es gemeinsam neue Kunden gewinnen will. Laut dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Miroslaw Bendzera, ist es vor allem an Unternehmen interessiert, die am Markt gut etabliert sind und auch Serviceleistungen anbieten können. Speziell wolle Famur mit Partnern in Australien, USA und Kanada kooperieren. Außerdem blicke Famur nach Indien, Indonesien und China. Eine Kooperation strebt Famur auch mit Bumech an, um gemeinsam Aufträge im Ausland zu gewinnen. Fasing geht noch einen Schritt weiter und will mit Xuzhou Hangbao New Energy Science & Technology Ausrüstungen in China produzieren.

Vom 3. bis 14. Dezember 2018 findet der Klimagipfel der Vereinten Nationen in Katowice statt.

Informationen zu der Förderung der energetischen Sanierung von Häusern in Polen finden Sie unter:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=polen-will-die-umweltbilanz-von-einfamilienhaeusern-verbessern,did=1941590.html.

Mehr zu den Investitionen im polnischen Steinkohlebergbau finden Sie unter:

http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=polnischer-steinkohlebergbau-plant-grossinvestitionen,did=1868664.html.

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Energieeinsparung, Kohle, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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Fabian Möpert

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