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06.08.2019

Polens Lagerlogistik wird digitaler

Hochtechnologie hält Einzug in Lagerhallen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die Ansprüche des Onlinehandels an die technische Ausstattung von Lagerflächen in Polen steigen. Darauf stellen sich die Bauentwickler ein.

Mit der wachsenden Bedeutung des Kurierversandes wird auch der gesamte Logistikprozess in Polen innovativer. So planen laut Zebra Technologies, einem Anbieter von Lösungen zur Datenverarbeitung, 61 Prozent der polnischen Lagerlogistikfirmen, Arbeitsvorgänge zu automatisieren oder den Arbeitskräften zumindest Technologien zur Verfügung zu stellen, die sie entlasten. Roboter werden künftig in noch stärkerem Umfang zum Einsatz kommen und auch künstliche Intelligenz wird eine größere Rolle spielen. Im Gespräch ist auch, Drohnen zum Transport einzelner Waren zu nutzen und mit Hilfe von 3D-Druckern Produkte gemäß individuellen Kundenwünschen herzustellen.

Bauentwickler müssen sich auf die steigenden Ansprüche der Logistikfirmen einstellen und die Lager- und Logistikobjekte mit modernen Telekommunikationsnetzen ausstatten. Große Logistikzentren, die von zahlreichen Lkw angefahren werden, benötigen laut Maciej Szczepanski von der Immobilienfirma Cushman & Wakefield (C&W) zudem ein Verkehrsleitsystem, um eine Kommunikation zwischen dem Einfahrtstorbereich, dem Büro der Lagerhalle und dem Lkw-Fahrer zu gewährleisten. Solche modernen Systeme stützen sich sowohl auf Bildschirmdarstellungen als auch auf Sprachmitteilungen.

Der Einsatz moderner Technologien soll auch dem Arbeitskräftemangel entgegen wirken. In Polen arbeiteten 2018 über 920.000 Personen im Bereich Transport und Lagerwirtschaft einschließlich Kurierdienste. Das waren gut 220.000 Beschäftigte mehr als noch 2010 zu Beginn des Onlinehandels. Während es sich dabei vielfach um Arbeitskräfte mit einer geringen Qualifikation handelt, dürften künftig verstärkt Ingenieure sowie Spezialisten für Informationstechnik und autonomes Fahren gefragt sein.

Ein Viertel der Lagerflächen dient dem Onlinehandel

Die für den Onlinehandel genutzte Lagerfläche belief sich in Polen im 1. Halbjahr 2019 laut einer Untersuchung von C&W auf rund 4 Millionen Quadratmeter. Dies entspricht fast einem Viertel der insgesamt in Polen vorhandenen modernen Lagerflächen (16,2 Millionen Quadratmeter, Stand Ende März 2019). Gut die Hälfte der gesamten Lagerfläche für den Onlinehandel (56 Prozent) befindet sich mit 2,2 Millionen Quadratmetern in drei Woiwodschaften (Verwaltungsbezirke). Das bedeutendste Logistikzentrum ist dabei Lodz (Lodsch) mit 0,9 Millionen Quadratmetern, gefolgt von Dolnoslaskie (Niederschlesien) mit 0,7 Millionen Quadratmetern und Slask (Oberschlesien) mit 0,6 Millionen Quadratmetern. Alle drei Woiwodschaften werden von Hauptverkehrsrouten und Transitachsen durchzogen.

Die dem Onlinehandel zugeordneten Mieter teilen Branchenkenner in vier Kategorien ein. Bei der ersten Kategorie handelt es sich um internationale Firmen, die ihre Produkte ausschließlich über das Internet vertreiben, wie zum Beispiel Zalando, Amazon oder Answer.com. Die zweite Gruppe umfasst Handelsketten mit stationären Geschäften, die ihre Waren zusätzlich online anbieten, beispielsweise die Handelskette Smyk (Kinderartikel), die Bekleidungsgruppen Vistula Retail Group und LPP, die Baumarktkette Leroy Merlin, Sportartikelhändler Decathlon oder die Holding Mediamarkt-Saturn (Verbraucherelektronik).

Eine dritte Kategorie bilden Speditions- und Logistikfirmen, die mit Onlinehändlern kooperieren, wie zum Beispiel Arvato Bertelsmann, Fiege, Rhenus Logistics, DHL Supply Chain oder Spedimex. Schließlich kommen viertens Kurierfirmen wie DHL, DPD, GLS, UPS oder FedEx hinzu. Dank der wachsenden Bedeutung des E-Commerce belegen sie eine drei Mal so große Lagerfläche wie herkömmliche Händler.

Ein Drittel der von C&W befragten Bauentwickler und 60 Prozent der Logistikoperateure führen aktuell Projekte für Firmen der E-Commerce-Branche durch. Etwa 82 Prozent der Bauentwickler geben an, dass Mieter aus dem Bereich des Onlinehandels in den vergangenen drei Jahren ihre gemieteten Flächen vergrößerten. Dieser Trend wird auch künftig anhalten.

Hohe Nachfrage lässt zusätzliche Lagerhallen entstehen

Die Leerstandsquote betrug in Lagerhallen in Polen Ende März 2019 laut C&W 5,7 Prozent, laut der Immobilienfirma Savills sogar nur 5,5 Prozent. Somit ist es kaum möglich, kurzfristig eine größere Fläche anzumieten. In Westpolen gibt es laut Savills so gut wie keine freien Lagerflächen mehr. In der Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia (Danzig-Zoppot-Gdingen) waren nur 2,7 Prozent der Flächen noch verfügbar.

Aufgrund der großen Nachfrage, insbesondere von Seiten westeuropäischer Firmen, ist die Bautätigkeit weiter rege. Ende März befanden sich 2,1 Millionen Quadratmeter Lagerfläche im Bau. Die wichtigsten Standorte sind Warschau, Zentralpolen (Raum Lodz) und Oberschlesien. Auch entlang von noch im Bau befindlichen Schnell- und Umgehungsstraßen sowie Autobahnabschnitten werden viele Lagen attraktiv, um Lagerhäuser zu errichten.

Aufgrund des Arbeitskräftemangels werden zudem Gegenden mit einer hohen Arbeitslosigkeit zunehmend interessanter für Logistikstandorte. So errichtete die Grupa Hillwood einen großen Lagerhallenkomplex für Zalando bei Olsztynek (Hohenstein) an der Schnellstraße S7. Bei Kielce entstand der ebenfalls an der S7 gelegene Kompleks 7R Park Kielce mit 71.000 Quadratmetern zu vermietender Fläche.

Westpolen wird wichtige Logistikregion

Im 1. Quartal 2019 kamen insgesamt 506.000 Quadratmeter Lagerfläche hinzu. Im Westen des Landes gelegene Standorte wie Boleslawiec (Bunzlau), Gorzow Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), Swiebodzin (Schwiebus), Slubice und Zielona Gora (Grünberg) rücken in den Fokus für entsprechende Bauprojekte. Weiter östlich gewinnen Bialystok, Olsztyn (Allenstein) und Rzeszow an Attraktivität, im Süden außerdem Czestochowa (Tschenstochau).

Durch den Onlinehandel werden auch immer mehr städtische Lagerflächen nachgefragt, die näher beim Endkunden liegen. Ende März 2019 befanden sich laut Savills 65.000 Quadratmeter solcher Flächen im Bau. Laut der geschäftsführenden Partnerin bei AXI IMMO, Renata Osiecka, fallen die individuellen Bedürfnisse der Mieter immer stärker ins Gewicht. Daher gebe es wieder mehr Objekte, die für einen speziellen Mieter (Built to Suit; BTS) beziehungsweise Eigentümer (Built to Own; BTO) errichtet werden.

Die effektiven Monatsmieten schwanken laut Savills bei großen Flächen zwischen 2 und 3,60 Euro pro Quadratmeter. In kleineren Einheiten in Warschau sind dagegen 4,80 Euro zu entrichten. Die Investitionen in die Lagerwirtschaft und Dienstleistungen für den Transportsektor expandierten laut dem Statistischen Hauptamt GUS 2018 auf 2.480 Millionen Euro (2017: 1.536 Millionen Euro). Im 1. Quartal 2019 stiegen sie auf Zloty-Basis gegenüber dem 1. Quartal 2018 um 27,8 Prozent auf 255 Millionen Euro.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen E-Commerce, Gewerbebau, Logistik / Speditionen

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