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18.02.2019

Polens Seehäfen bauen ihre Kapazitäten aus

Fonds für Meeresprojekte geplant / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Die polnischen Meereshäfen rüsten sich für große Frachter. Im Jahr 2018 haben sie erstmals mehr als 100 Millionen Tonnen Güter verladen.

In Polen wird kräftig in die Meerhäfen investiert, auch weil der Güterumschlag jüngsten Prognosen zufolge zulegt. Allen voran wird der Hafen von Gdansk (Danzig) ausgebaut. Die Hafenverwaltung des größten Meerhafens im Land hat mit einem Firmenkonsortium unter Leitung der deutschen Strabag den Ausbau des Kais Oliwa vereinbart. Der Auftrag hat einen Wert von 42,7 Millionen Euro. Die Aufnahmekapazität des über 1 Kilometer langen Kais wird vergrößert, die Sicherheit bei Manövern und beim Festmachen der Schiffe wird erhöht.

Doch Danzig ist nicht ausgelastet: Am Deepwater Container Terminal (DCT) des Hafens können bis zu 3 Millionen Standard-Container per anno verladen werden, 2018 waren es nur 1,9 Millionen, nach 1,6 Millionen in 2017. Trotzdem wird im Nordhafen, in dem sich auch das DCT befindet, investiert. Hier sollen 37 Millionen Euro in die Erweiterung der Kapazitäten fließen, 85 Prozent der Mittel kommen von der Europäischen Union (EU).

Insgesamt wurden 2018 im Danziger Hafen 49 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, ein Rekord. Allein an Containern wurden fast 20 Millionen Tonnen verladen; das entspricht einem Zuwachs gegenüber 2017 von 21 Prozent. Der Güterumschlag an den polnischen Seehäfen insgesamt betrug 2018 laut dem polnischen Ministerium für Meereswirtschaft und Binnenschifffahrt (Ministerstwo Gospodarki Morskiej i Zeglugi Srodladowej; MGMiZS) 101,2 Millionen Tonnen (2017: 87 Millionen Tonnen).

Güterumschlag bei den drei größten Seehäfen (in Mio. t)
2016 2017 2018
Gdansk 37,3 40,6 49,0
Szczecin-Swinoujscie 24,1 25,4 28,6
Gdynia 19,5 21,2 23,5

Quelle: Hafenverwaltungen

Auch der benachbarte Hafen von Gdynia (Gdingen) investiert: Die Kaianlagen werden modernisiert, Wendeplatz für Schiffe wird umgebaut und das Becken des Innenhafen vergrößert. Mit diesen Maßnahmen soll erreicht werden, dass größere Schiffe den Hafen ansteuern können. Die Projekte werden vom Zentrum für EU-Transportprojekte (Centrum Unijnych Projektow Transportowych; CUPT) kofinanziert. Ende 2018 sind 63,7 Millionen Euro zugesagt worden.

Außerdem hatte die Hafenverwaltung in Gdynia im Dezember 2018 mit Strabag einen Vertrag zum Umbau des Italienischen Kais, Nabrzeze Wloskie, unterzeichnet. Das Angebot von Strabag hat einen Wert von 4,1 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen werden. Darüber hinaus plant die Verwaltung eine Verbreiterung des Zugangs zum Hafen und den Bau eines neuen Außenhafens.

Vertiefung der Hafenbecken in Stettin-Swinemünde

Die Hafengruppe Szczecin-Swinoujscie (Stettin-Swinemünde) will künftig ebenfalls noch größere Frachter abfertigen können. Zu diesem Zweck sollen Tiefwasserkais entstehen, und die technische Infrastruktur wird ausgebaut. Es ist vorgesehen, die Wasserstraße in Szczecin auf 12,5 Meter zu vertiefen. In Swinoujscie soll der Fähren-Terminal auch den Intermodalverkehr bedienen können. Im Außenhafen von Swinoujscie ist der Bau einer Anlegestelle für LNG-Frachter (Liquified natural gas) geplant. Im Jahr 2020 soll mit der Erweiterung des LNG-Terminals begonnen werden, nachdem die Auswahl eines Hauptauftragnehmers erfolgt ist (siehe https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=polen-erweitert-lngterminal,did=2216628.html).

Güterumschlag bei den polnischen Meereshäfen (in 1.000 t, Veränderung in %) *)
2017 2018 Veränderung
Massengüter, trocken 25.992 30.371 16,8
Massengüter, flüssig 21.354 23.807 11,5
Container 17.149 21.439 25,0
Ro-ro Cargo (roll on, roll off) 8.928 9.218 3,2
Übrige kleinere Ladungen 4.653 6.477 39,2
Insgesamt 78.076 91.312 17,0

*) Ungenauigkeit durch Rundung, ohne Schiffe mit einer Bruttoregisterzahl (Gross Tonnage) von unter 100

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Elblag soll Feederverkehr übernehmen

An Bedeutung gewinnen wird künftig auch der Hafen von Elblag (Elbing). Vorgesehen ist ein neuer Kanal, der vom Frischen Haff durch die Frische Nehrung in die Ostsee führt. Ende 2018 informierte das MGMiZS über den Beginn der Ausschreibung. Dem mittelgroßen Hafen von Elblag soll dank dieser Investition eine wichtige Rolle im Feederverkehr zukommen, das heißt bei Zubringerdiensten für Container. Experten schätzen, dass sich der derzeitige Güterumschlag in Elblag dadurch vervierfachen könnte.

Der geplante Kanal durch die Nehrung soll 1 Kilometer lang und 5 Meter tief werden. Nach dem Ausbau können Schiffe mit einem Tiefgang von 4 Metern, einer Länge von 100 Metern und einer Breite von 20 Metern den Hafen von Elblag anlaufen. Die Investitionskosten veranschlagt das MGMiZS auf rund 205 Millionen Euro. Der Kanal soll 2022 fertig gestellt werden. Experten weisen aber auf Umweltprobleme des Vorhabens hin, zumal das Terrain der Nehrung durch das Umweltprogramm der EU, Natura 2000, geschützt ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die EU-Kommission das Projekt blockiert, sagen Beobachter.

Um die Hafeninfrastrukturen noch besser und effizienter nutzen zu können, müssen die Möglichkeiten für den Intermodalverkehr verbessert werden. Bisher reichen die Schienenverbindungen zu den Häfen nicht aus, um das wachsende Güteraufkommen bewältigen zu können. Die geplanten Investitionen in die Bahninfrastruktur werden derzeit jedoch ausgebremst durch die steigenden Baukosten. Entsprechende Ausschreibungen führten im Fall von Gdansk und Gdynia zu keinem Ergebnis.

Fonds unterstützt Projekte der Meereswirtschaft

Das MGMiZS will Projekte der Meereswirtschaft im weiteren Sinne finanziell unterstützen. Die von einem geplanten Morski Fundusz Rozwoju (MFR, Meeresentwicklungsfonds) bereit gestellten Mittel richten sich an Werften, Reeder, Häfen und Logistikunternehmen. Auch den Bau von Fähren im Rahmen des Programms INNOship soll der MFR fördern.

Die anfängliche Kapitalausstattung des Fonds soll 47 Millionen Euro betragen. Die Mittel stammen von Branchenunternehmen, dem Polski Fundusz Rozwoju (PFR, Polnischer Entwicklungsfonds) sowie von institutionellen und individuellen Anlegern. Der MFR soll gemeinsame Projekte initiieren und sponsern. Die Regierung schätzt, dass der MFR innerhalb von fünf Jahren Investitionen von mindestens 465 Millionen Euro generiert.

Kontaktadresse

Ministerstwo Gospodarki Morskiej i Zeglugi Srodladowej (MGMiZS, Ministerium für Meereswirtschaft und Binnenschifffahrt)

http://www.gov.pl/web/gospodarkamorska

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wasser-, Hafenbau, Schiffsverkehr / Häfen

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