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09.05.2019

Polens Städte sollen smarter werden

Warschau ist Trendsetter / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Polen fördert Smart-City-Lösungen und setzt auf Öffentlich-Private-Partnerschaften. Eine neue Internetplattform schafft dabei mehr Transparenz.

Smarte Lösungen sollen den polnischen Einwohnern das Leben erleichtern, die Städte sicherer machen und zu mehr Effizienz führen. Etliche Bereiche sind davon betroffen: von Elektromobilität, Verkehrssicherheit und dem öffentlichen Nahverkehr über Telemedizin, Heizungssysteme, Gebäudetechnik, Energie- und Abfallwirtschaft sowie E-Verwaltung bis hin zum Stadtmarketing und vieles mehr. Neue Ideen sind gefragt, die auch deutsche Firmen liefern können.

Um den Informations- und Erfahrungsaustausch zu verbessern, richtet der Polski Fundusz Rozwoju (PFR, Polnischer Entwicklungsfonds) eine spezielle Plattform Smart City ein. Diese soll auch Öffentlich-Privaten-Partnerschaften (PPP) Auftrieb geben, um Smart-City-Projekte zu verwirklichen. Denn dort können Gemeinden laut dem Stellvertretenden Vorsitzenden des PFR, Bartlomiej Pawlak, ihre Pläne sowie ihren konkreten Bedarf bekannt geben und sich gleichzeitig über die Erwartungen der Unternehmen sowie anderer Institutionen im Umfeld informieren. Der PFR kann eine Co-Finanzierung für PPP-Projekte bereitstellen.

Fußgängerübergänge werden sicherer

Der inländische Energiekonzern Grupa Tauron engagiert sich nicht nur bei Elektromobilität und intelligenter Beleuchtung, sondern sorgt auch für mehr Sicherheit bei Fußgängerübergängen wie Zebrastreifen. Denn dort ereignen sich aufgrund schlechter Sicht die meisten Unfälle mit Fußgängern. Intelligente Kameras können den Verkehr vor solchen Übergängen aufzeichnen und dadurch gezielt und energiesparsam sich nähernden Autofahrern Lichtwarnsignale geben. Am Übergang selbst ertönen zudem belehrende Mitteilungen.

Diese Technologie ist noch ausbaufähig. So könnten die Lichtwarnsignale dank Geschwindigkeitsmessern entsprechend der Geschwindigkeit eines herannahenden Fahrzeuges ausgestrahlt werden. Weitere Kameras könnten die Übergänge selbst sowie ihre Umgebung aufzeichnen und dabei eine konkrete Kollisionsgefahr rechtzeitig erkennen und Warnungen auslösen. Im Bereich der Elektromobilität will Tauron sein Angebot ebenfalls erweitern und dabei einen Schwerpunkt auf das Carsharing von Elektrofahrzeugen legen.

Metropolen sind Vorreiter

Führend bei Lebensqualität und neuen Investitionen einschließlich Smart-City-Lösungen sind die Großstädte Warschau, Krakow (Krakau) und Wroclaw (Breslau). Das geht aus dem Ranking "Polish Cities of the Future" des Magazins fDi (Financial Times) hervor. Die einzelnen Städte haben unterschiedliche Bedürfnisse und setzen eigene Prioritäten bei der Einführung von smarten Lösungen.

Die Stadt Warschau will einen Rat für eine Intelligente Stadt einrichten, um die vielfältigen Aktivitäten auf diesem Gebiet zu koordinieren. Die Hauptstadt macht laut ihrem Stadtpräsidenten Rafal Trzaskowski einen digitalen Transformationsprozess durch. Zahlreiche neue Applikationen, die anhand von Angaben der Stadtverwaltung zu entwickeln sind, sollen die Stadt und ihr Angebot den Einwohnern näher bringen.

Die in den Bereichen Energie, Wasser und Abfall tätige französische Veolia Gruppe errichtete das nach eigenen Angaben größte intelligente Heizungsnetz der Europäischen Union (EU) in Warschau. Dieses kann dank eines integrierten Managements von drei Pumpstationen, 79 Heizungskammern und rund 2.500 Wärmeknoten aus der Ferne überwacht werden.

Die Stadt Poznan (Posen) entwickelte eine eigene Strategia 2020+, bei der einwohnerfreundliche Siedlungen, die Förderung von Gemeinschaften und ein gesellschaftlicher Dialog im Mittelpunkt stehen. Letzterer spielt bei der Auswahl geeigneter smarter Lösungen eine zentrale Rolle.

In kleineren Städten sind die Widerstände dagegen größer und die finanziellen Mittel begrenzter. Während eines Ende März 2019 in Warschau organisierten Smart-City-Forums wurden Lösungen gerade auch für kleinere Städte diskutiert. Dort kommt es vor allem auf die Eigeninitiative und die Durchsetzungskraft der Verantwortlichen an.

Mülltonnen erhalten Sensoren

So untersuchte die niederschlesische Stadt Walbrzych (Waldenburg) die Bedürfnisse ihrer Einwohner, um das Angebot der lokalen Selbstverwaltung zu verbessern. Dabei stand das Einsammeln der Siedlungsabfälle im Vordergrund. Im Rahmen eines zusammen mit Nokia entwickelten Pilotprojekts Waste Management werden intelligente und effiziente Lösungen eingeführt.

An 17 großen Mülltonnen auf dem kommunalen Friedhof wurden Sensoren angebracht, die anhand von Temperatur- und Geräuschmessungen den Grad ihrer Füllung registrieren. Wenn die Behälter zum Beispiel zu über 70 Prozent gefüllt sind, versenden sie ein Onlinesignal an den Stadtreinigungsbetrieb, damit dieser sie leert.

Bereits im Herbst 2018 hatte das südöstlich von Katowice (Kattowitz) gelegene oberschlesische Städtchen Myslowice eine ähnliche Lösung eingeführt. Dank der Technologie CAT-M1 von Orange sind hier die Müllbehälter mit dem Internet verbunden und senden eine Mitteilung an den Stadtreinigungsbetrieb, sobald sie weitgehend gefüllt sind. Schon zuvor hat die Stadtverwaltung von Myslowice ein intelligentes Monitoring und ein smartes Beleuchtungssystem geschaffen.

Für eine intelligente Beleuchtung sorgte auch die westpolnische Stadt Zielona Gora (Grünberg). Dank eines die Umgebung beobachtenden Systems wird die Lichtintensität den momentanen Verkehrsverhältnissen angepasst, was Einsparungen bewirkt. Das Pilotprojekt verwirklichte die LUG Light Factory Sp.z o.o. aus Zielona Gora.

Polen ist bei der Einführung von Smart-City-Lösungen auch an einer internationalen Kooperation interessiert. Das Land vereinbarte daher eine Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik, der Slowakei und mit Ungarn. Eine internationale Arbeitsgruppe soll laut dem polnischen Ministerium für Investitionen und Entwicklung (Ministerstwo Inwestycji i Rozwoju MIiR) den regelmäßigen Austausch zu diesem Thema gewährleisten.

Kontaktadressen

Polski Fundusz Rozwoju SA (PFR, Polnischer Entwicklungsfonds) https://pfr.pl
Smart City Forum http://smartcityforum.pl

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Digitalisierung, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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