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23.10.2018

Polens Straßen erhalten Verkehrsleitsystem

Monitoring soll Staus verringern / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Auf Polens Straßen staut sich der Verkehr zunehmend. Ein modernes Verkehrsleitsystem soll Abhilfe schaffen. Die entsprechenden Anlagen werden bis 2023 installiert.

Über 4.000 Kilometer des polnischen Straßennetzes sollen in den kommenden Jahren nach und nach mit einem Verkehrsleitsystem ausgestattet werden. Kameras werden den Verkehrsfluss aufzeichnen, so dass Autofahrer unverzüglich über Staus informiert oder umgeleitet werden können. Auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote können je nach Verkehrslage angeordnet werden.

Lkw-Fahrer sollen in Zukunft zeitnah über den Andrang an Raststätten und Servicestationen, Wetterverhältnisse, geplante Baustellen, Wartezeiten an Grenzen usw. informiert werden. Rettungskräfte erhalten schnelle und präzise Hinweise auf Unfallorte oder durch Wettereinwirkungen blockierte Straßenabschnitte. Übermittelt werden die Informationen über elektronische Hinweistafeln an den Straßen, Navigationsgeräte in den Fahrzeugen beziehungsweise über eine App auf Tablets und Smartphones.

Die Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen (Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad, GDDKiA) will mit diesen Maßnahmen den Verkehrsfluss verbessern. Die Kapazität des Straßennetzes soll um 20 Prozent steigen. Zudem sieht die GDDKiA in diesen Maßnahmen auch einen ersten Schritt in Richtung des autonomen Fahrens.

Die Kosten für die Einführung des Krajowy System Zarzadzania Ruchem (KSZR, Landessystem für Verkehrsmanagement) veranschlagt die GDDKiA auf etwa 932 Millionen Euro. Sie bereitet entsprechende Ausschreibungen vor.

In einer ersten Ausbauphase sollen bis Ende 2020 rund 1.160 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen mit Hunderten von Messinstrumenten, elektronischen Anzeigetafeln über den Fahrbahnen, elektronischen Verkehrsschildern, Meldeausrüstungen und Kameras ausgestattet werden. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 163 Millionen Euro.

Nord-Süd-Verbindungen haben Priorität

Die geplanten Maßnahmen beziehen sich auf die S7 von Gdynia (Gdingen) nach Warschau, den Abschnitt der A2 von Warschau zum zentralen Autobahnkreuz Strykow bei Lodz (Lodsch), die A1 von Strykow nach Oberschlesien sowie eine Schnellstraßenverbindung von dort bis an die tschechische Grenze und die A4 von Katowice (Kattowitz) bis Wroclaw (Breslau).

Sämtliche Informationen, die das KSZR sammelt, gehen in Echtzeit beim Landeszentrum des Verkehrsmanagements (Krajowy Centrum Zarzadzania Ruchem, KCZR) in der Nähe von Warschau ein. Über die Verkehrslage in der Umgebung der betroffenen Straßenverbindungen werden regionale Zentren des Verkehrsmanagements CZR informiert, die zunächst in Gdansk (Danzig), Strykow, Konczyce und Widawa (Wroclaw) eingerichtet werden.

In einer zweiten Phase sollen unter anderem die Schnellstraßenverbindungen von Suwalki im Nordosten nach Rzeszow im Südosten und von Szczecin (Stettin) im Nordwesten nach Dolnyslask (Niederschlesien, S3) im Südwesten des Landes dem KSZR angeschlossen werden. Der Abschluss der zweiten Phase ist für Ende 2023 geplant.

Internationales Konsortium berät

Technischer Partner bei der Verwirklichung des KSZR-Projekts ist ein US-amerikanisch-britisches Konsortium bestehend aus der Halcrow Group und CH2M Hill Engineers. Das Konsortium berät nicht nur beim Aufbau des KSZR, sondern wird auch für den Betrieb und die Wartung verantwortlich sein.

Private Betreiber bestimmter Autobahnabschnitte installieren bereits jetzt einfachere Verkehrsleitsysteme. So informieren seit Herbst 2017 auf der A4 von Katowice nach Krakow an drei Stellen über der Fahrbahn angebrachte elektronische Tafeln über die Verkehrslage. Kameras zeichnen Störungen des Verkehrsflusses auf. Reisende können sich über Twitter auch schon vor ihrer Abfahrt darüber informieren.

Ausschreibungen für Straßenbau

Die GDDKiA plant auch weitere Ausschreibungen für den Straßenbau. Im 4. Quartal 2018 will sie neun Verfahren bekannt geben, die sich auf insgesamt 138 Kilometer im Wert von 764 Millionen Euro beziehen. Die Verträge sollen im 3. Quartal 2019 unterzeichnet werden.

Es geht um eine Umgehungsschnellstraße um Olesno (Rosenberg, S11), südöstlich von Wroclaw, eine rund 40 Kilometer lange Verbindung von Koszalin (Köslin) nach Bobolice (Bublitz, S11) sowie zwei Abschnitte der A18 im Raum Zary (Sorau) von insgesamt 22 Kilometern. Die übrigen Ausschreibungen beziehen sich auf verschiedene Landstraßen als Umgehungsstraßen.

Im 1. Halbjahr 2019 will die GDDKiA 13 Ausschreibungen bekannt geben. Dabei geht es um den Ausbau von knapp 300 Kilometer Straßen. Dazu gehören die S1 von Myslowice (Myslowitz) nach Bielsko-Biala (Bielitz Biala) in Oberschlesien und der rund 50 Kilometer lange Abschnitt der S10 von Bydgoszcz (Bromberg) nach Torun. Im 2. Halbjahr 2019 sollen weitere Ausschreibungen über gut 200 Kilometer folgen. Die 2019 zu tätigenden Ausschreibungen haben einen Gesamtwert von etwa 4,6 Milliarden Euro.

Das polnische Netz von Autobahnen (1.639 Kilometer) und Schnellstraßen (1.925 Kilometer) ist derzeit insgesamt 3.564 Kilometer lang. Allein 2018 sollen 368 Kilometer hinzukommen.

Kontaktadresse

Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA)

(Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen)

ul. Wronia 53

00-874 Warszawa, Polen

T +48 22 375 88 88

http://www.gddkia.gov.pl

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Elektronik, allgemein

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Fabian Moepert

‎+49 30 200099209

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