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19.06.2017

Polnische Städte bauen ihr Straßenbahnnetz aus

Mehr als 1 Mrd. Euro Investitionen / 600 neue Fahrzeuge / Zahlreiche neue Strecken / Von Michal Wozniak

Warschau (GTAI) - Dank EU-Fördermitteln intensivieren polnische Städte ihre Investitionen in den Straßenbahnausbau. Mehr als 1 Mrd. Euro könnten bis 2023 dafür ausgegeben werden. Vorgesehen ist der Bau neuer und die Modernisierung bestehender Strecken sowie der Kauf von bis zu 600 neuen Straßenbahnen. Erste Ausschreibungen starteten bereits Ende 2016, die größten Aufträge warten aber noch auf Entscheidungen. Sowohl für Fahrzeughersteller als auch für Infrastrukturlieferanten eröffnet dies gute Absatzchancen.

Der größte polnische Abnehmer im Straßenbahnsektor bleibt unverändert die Hauptstadt Warszawa (Warschau). Mitte Mai 2017 hat der örtliche Straßenbahnbetrieb Tramwaje Warszawskie (tw.waw.pl) bekanntgegeben, dass fünf Unternehmen ein Angebot für die laufende Ausschreibung für bis zu 213 neue Straßenbahnfahrzeuge eingereicht haben. Mit etwa 520 Mio. Euro gab das Anfang 2017 gegründete Joint-Venture von Stadler und Solaris, Solaris Tram (http://www.solarisbus.com), das günstigste Angebot ab. Unterhalb des vom Straßenbahnbetrieb vorgelegten Budgets lag noch die Offerte des koreanischen Unternehmens Hyundai. Zwischen 2019 und April 2021 sollen vorerst 123 Fahrzeuge geliefert werden. Die restlichen 80 sind als Kaufoption festgehalten, die eventuell bis Mitte 2023 realisiert wird.

Die meisten der bestellten Straßenbahnen sollen neue Strecken bedienen, von denen die Hauptstadt bis 2022 mindestens 15 km plant. Ein 2,3 km langer Abschnitt im westlichen Stadtteil Wola soll in den Jahren 2019 bis 2020 entstehen. Etwa ein Jahr länger werden die Arbeiten an der rund 3 km langen und über 50 Mio. Euro teuren Strecke in den östlichen Stadtteilen Saska Kepa und Goclaw dauern. Ununterbrochen fortgeführt wird auch der Bau der neuen Verbindung ins nordöstliche Bialoleka, wo noch etwa 2 km Strecke fehlen. An ihrem Ende soll ein Umsteigekomplex für Busse und Straßenbahnen inklusive eines Park and Ride Parkplatzes entstehen.

Das ambitionierteste Projekt der Warschauer Straßenbahnbetriebe steht aber noch vor den öffentlichen Konsultationen. Eine bis zu 20 km lange Schnellstrecke soll vom südlich gelegenen Stadtviertel Wilanow am Rande der Innenstadt ins westliche Wola führen. Sollten die Warschauer grünes Licht geben, könnte das in vier Etappen geteilte Vorhaben im Jahr 2019 starten.

Viele kleinere Kunden

Die Stadt Gorzow Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) führt die Modernisierung der Schienenstrecke in der Walczaka-Straße fort. Bis zum 18.7.17 können Interessenten ihre Angebote für die nächste Etappe einreichen (http://bit.ly/2sY8Hi3). Einen Kostenpunkt für die etwa 1 km lange Strecke samt Begleitinfrastruktur legte die Stadt nicht fest.

Auf 3,4 bis 4,5 Mio. Euro beliefen sich die Angebote für die geplanten Modernisierungsarbeiten des Straßenbahndepots an der Wit-Stwosz-Straße in Gdansk (Danzig), die Anfang Juni 2017 geöffnet wurden. Nahezu zeitgleich gab der Danziger Bus- und Straßenbahnbetrieb GAIT (http://www.gait.pl) bekannt, dass im Ausschreibungsverfahren für den Kauf von 15 Niederflurstraßenbahnen eine Offerte abgegeben wurde. Der Bromberger Produzent Pesa (http://www.pesa.pl/?lang=de_de) reichte ein Angebot im Wert von knapp 33 Mio. Euro ein. Der Preis per Fahrzeug wurde auf 1,7 Mio. Euro beziffert.

GAIT hält sich die Option frei, im Rahmen des Vertrages weitere 15 Straßenbahnen nachzubestellen. Die Entscheidung dürfte vor allem mit den Fortschritten beim Ausbau des Schienennetzes zusammenhängen. Geplant sind drei neue Linien: Nowa Bulonska Polnocna, Nowa Warszawska und Gdansk Poludnie-Wrzeszcz.

Die Liste potenzieller polnischer Kunden für Straßenbahninfrastruktur ist wesentlich länger. So baut die Stadt Krakow (Krakau) neue Linien zu den Wohnvierteln Gorka Narodowa und Azory, Poznan (Posen) zum Stadtteil Naramowice. Auch Katowice (Kattowitz), Olsztyn (Allenstein) und Wroclaw (Breslau) planen Investitionen in den Ausbau ihres Straßenbahnnetzes.

Fuhrpark im Ausbau

Mit dem Bau neuer Strecken geht die Erweiterung der Fuhrparks einher. Bis 3.7.17 können Interessenten ihre Angebote für die Ausschreibung des Breslauer Kommunikationsbetriebes MPK Wroclaw (mpk.wroc.pl) für 40 Straßenbahnen abgeben (http://bit.ly/2rrvnoN). Der geschätzte Wert des Auftrages liegt bei über 45 Mio. Euro.

Nachdem die Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren, Olsztyn, im Herbst 2015 den Straßenbahnverkehr nach fast einem halben Jahrhundert wiederbelebt hat, will sie ihren Fuhrpark schnell aufstocken. Die Stadtverwaltung (http://www.olsztyn.bip.jur.pl) nimmt bis zum 11.7.17 Angebote für die Lieferung von bis zu 24 Fahrzeugen (http://bit.ly/2skjLIh) entgegen. Die Niederflurfahrzeuge sollen zwischen 28 und 30 m lang und 2,5 m breit sein sowie 200 Passagieren Platz bieten. Zu beachten ist allerdings, dass die Ausschreibung lediglich eine feste Bestellung für acht Fahrzeuge vorsieht, zwei Drittel sind als Kaufoption festgehalten. Würde die Stadt alle Fahrzeuge kaufen, könnte der Ausschreibungsgewinner mit bis zu 37,4 Mio. Euro rechnen.

Mittelfristig dürften auch andere Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ihren Straßenbahnfahrzeugpark erweitern. Das Branchenportal InfoTram (http://infotram.pl/) berichtet, dass die ÖPNV-Gesellschaften der Städte Szczecin (Stettin; http://www.ts.szczecin.pl) und Grudziadz (Graudenz; mzk.grudziadz.pl) ihre Fuhrparks um bis zu 70 beziehungsweise zwölf Fahrzeuge erweitern wollen. Der ÖPNV-Verwalter der Schlesischen Metropolregion Tramwaje Slaskie (http://www.tram-silesia.pl) plant, 45 neue Fahrzeuge zu beschaffen. Noch bis zum 24.7.17 läuft eine Ausschreibung für die Modernisierung von 1,3 km Straßenbahnstrecke in der Stadt Sosnowiec (http://bit.ly/2reBMoj).

(W.O.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Transport und Verkehr, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Schienenfahrzeuge, Schienenverkehr, Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV)

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