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03.05.2019

Privater Konsum lässt Chinas Wirtschaft weiter wachsen

Regierung kurbelt den Verbrauch mit Steuernachlässen zusätzlich an / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Chinas private Verbraucher sind die wichtigste Stütze des chinesischen Wirtschaftswachstums. Damit das so bleibt, schafft der Staat Steuernachlässe und reduziert Einfuhrzölle.

Das sechste Jahr in Folge bildeten private Konsumausgaben 2018 mit einem Anteil von 76 Prozent die Hauptstütze der chinesischen Wirtschaftsdynamik. Auch im 1. Quartal 2019 waren sie 65 Prozent die treibende Kraft. Zwar war etwa der Verkauf von Automobilen erneut rückläufig. Dagegen legten zum Beispiel mit Immobilien "verwandte" Bereiche wie Möbel oder Elektronikprodukte für die Wohnung kräftig zu. Infolge wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Plus von 6,4 Prozent in den ersten drei Monaten um 0,1 Prozentpunkte stärker als etwa vom nationalen Statistikamt NBS (National Bureau of Statistics) erwartet worden war.

Anteil des privaten Konsums am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP; in %)
2010 2015 2016 2017 2018
Zuwachs des BIP 10,6 6,9 6,7 6,9 6,6
.Anteil des Privatkonsums 44,9 59,7 66,5 58,8 76,2

Quelle: National Bureau of Statistics (NBS)

Die Entwicklung ist politisch gewollt. Seit etwa zehn Jahren, vor allem aber seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Xi Jinping 2013, betreibt die Regierung gezielt die Transformation des Landes von einer export- und investitionsgetriebenen Ökonomie hin zu einer auf dem Binnenkonsum fußenden Wirtschaft. Daher ist beispielsweise die Exportquote von 2010 mit 26 Prozent auf zuletzt 18 Prozent 2018 gesunken.

MKT201905028001.14

Damit der Konsum trotz der sich abflachenden Wirtschaftsentwicklung seine wichtige Rolle auch in Zukunft weiterspielt, hat die Regierung zum 1. Januar 2019 verschiedene Einkommensteuerkürzungen vorgenommen. So sind erstmals die Betreuungskosten für Kinder und Senioren abschreibungsfähig.

Darüber hinaus wurden zum 1. April die Mehrwertsteuersätze gesenkt: im produzierenden Gewerbe von 16 auf 13 Prozent, im Verkehrs-/Transport-/Baubereich von 10 auf 9 Prozent. Weitere Informationen hierzu unter "VR China - China kündigt Mehrwertsteuersatzsenkungen an" (http://www.gtai.dehttps://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Recht-Zoll/Wirtschafts-und-steuerrecht/recht-aktuell,t=vr-china--china-kuendigt-mehrwertsteuersatzsenkungen-an,did=2244510.html)

Weitere Steuerreduktionen sind angekündigt, was letztlich zu sinkenden Konsumentenpreisen führen sollte. Hinzu kommen bestimmte Kaufanreize etwa zum Kauf von Elektrofahrzeugen.

Verbrauchervertrauen soll gestärkt werden

Ferner wurden die Zollsätze für individuelle Bestellungen aus dem Ausland im April 2019 von 15 auf 13 Prozent verringert (darunter Bücher, Computer, Nahrungsmittel, Möbel, Medikamente), und die dem Staatsrat zugeordnete Customs Tariff Commission kündigte eine Senkung der Sätze für Textilien und Elektrogeräte von 25 auf 20 Prozent an. Ziel sei es, so die stellvertretende chinesische Finanzministerin Zou Jiayi gegenüber der China Daily, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie tatsächlich etwas von den ergriffenen Maßnahmen hätten.

Zwar gingen die Umsatzzuwächse im Einzelhandel, einem wichtigen Indikator für den privaten Konsum, 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 10,2 auf 9,0 Prozent zurück. Doch schnellten die Zuwächse für bestimmte hochpreisige Artikel massiv in die Höhe. Beispielsweise berichtete das National Household Appliance Industry Information Center von einem Umsatzzuwachs bei smarten Waschmaschinen von 39,8 Prozent.

Grundsätzlich ist eine Verlagerung der Verkaufsdynamik von den Städten der ersten Reihe (1st-Tier Cities), zu denen etwa Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen gezählt werden, in die Städte der zweiten, dritten und vierten Reihe zu beobachten (in China werden Städte gemäß ihrer Größe und ihres Entwicklungsstands in Reihen eingeteilt). Dort dürften neue Shopping Malls, Verkaufsmessen und andere Veranstaltungen die Menschen zum Kauf insbesondere hochpreisiger Produkte anregen - zumal die Märkte dort bei Weitem noch nicht so gesättigt sind wie in den Metropolen der Ostküste.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Wirtschaftsstruktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten

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