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10.01.2017

Regierungsantritt bringt neue Bewegung in Spaniens "Digitale Agenda"

Digitalisierung der Wirtschaft hat Priorität / Fördermittel für weiteren Netzausbau / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Spanien holt digital auf. Treibend wirken die Überwindung der Rezession seit 2014, die Digitale Agenda des Landes und EU-Fördermittel. In der EU wies der Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft dem iberischen Land 2016 Rang 15 zu. Er zeigte zugleich überdurchschnittliche Fortschritte an. Vorne mit spielt Spanien bei der digitalen Infrastruktur (E-Verwaltung, Glasfasernetzdichte); schwächer sieht es auf der Nachfrageseite aus (Internetnutzung, digitale Kompetenzen). (Internetadressen)

Durch einen neuen Zuschnitt der ministerialen Zuständigkeiten ist die Digitale Agenda in Spanien mit Amtsantritt der neuen Regierung optisch stärker in den Vordergrund getreten. Ministerium für Energie, Tourismus und Digitale Agenda lautet der Titel des von Minister Alvaro Nadal verantworteten Ressorts. Sechs Handlungsfelder hat der Anfang November 2016 ernannte Minister als prioritär herausgestellt: Ausweitung der Netze neuester Generation; Stärkung der digitalen Rechte der Bürger; digitale Transformation von Gütern und Dienstleistungen; Impulse für digitale Plattformen und Dienste; neue Modelle für digitale Geschäfte und Inhalte; Besteuerung.

Minister strebt "Digitale Verfassung" für Datenschutz und -sicherheit an

Über die Ausweitung der Netze soll jeder Bürger und jedes Unternehmen eine Verbindung zum Hochgeschwindigkeitsinternet erhalten. Dazu bedarf es regulatorischer Initiativen für die Einführung von mobilen Technologien der fünften Generation 5G. Eine weitere Herausforderung sieht Minister Nadal in der Garantie der digitalen Rechte der Bürger, wie der auf Privatheit und Datenkontrolle. Einen besonderen Akzent soll es beim Schutz von Minderjährigen und der Cybersicherheit geben. Nadal spricht von einer "Digitalen Verfassung". Auch will sein Ministerium darauf hinwirken, dass besonders KMU die Informations- und Kommunikationstechnologien in ihre produktiven Prozesse integrieren und Mitarbeiter entsprechend ausbilden. Neue Impulse wird es bei der elektronischen öffentlichen Verwaltung und den digitalen Dienstleistungen im Rechts-, Gesundheits- oder Bildungswesen geben. Aktiv möchte die Regierung durch Unterstützung der Nachfrage in einem Frühstadium dazu beitragen, dass produktive Firmen mit innovativem Technologieangebot entstehen. Auch sollen Synergien zwischen Tourismus und Digitaler Agenda genutzt sowie ein "Nationaler Plan für intelligente touristische Ziele" entwickelt werden.

Erste Maßnahmen der neuen Regierung

Der Ministerrat beschloss im Dezember 2016, die Vergabe von Hilfen zu beschleunigen, die Unternehmen im Rahmen der Handlungsstrategie für eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft angeboten werden. Es geht um ein Volumen von 11,5 Mio. Euro, das die Beteiligung spanischer IKT-Firmen, vor allem KMU, an internationalen Projekten mit hohem technologischen Gehalt unterstützt. Auch dem Start eines Programms, das Ausbildung und Einstellung junger Menschen in der digitalen Wirtschaft fördert, stimmte der Ministerrat zu. Die Initiative hat ein Budget von 20 Mio. Euro und wird von der öffentlichen Stelle Red.es in Gang gesetzt, das zum Ministerium für Energie, Tourismus und Digitale Agenda gehört. Es kommt der wachsenden Nachfrage nach Fachkräften entgegen, die mit der digitalen Transformation der Unternehmen einher geht. Die staatlichen Hilfen gehören zum Plan für digitale Inklusion und Beschäftigung innerhalb der Digitalen Agenda für Spanien. Kofinanziert werden sie durch den Europäischen Sozialfonds im Rahmen des operationellen Programms Empleo Juvenil.

Geplant ist, in der Periode 2017 bis 2020 die Mittel für das nationale Programm zur Ausweitung des Breitbandnetzes der neuen Generation zu erhöhen. Allein 160 Mio. Euro aus dem Europäischen Regionalentwicklungsfonds sollen dafür zur Verfügung stehen. Das Programm, das 2013 startete, hat im Verbund mit dem Telekommunikationsgesetz dazu geführt, dass Spanien beim Breitbandanschluss aufgeholt hat. Dennoch gibt es bei der Versorgung in ländlichen Gemeinden mit 1.000 Einwohnern und stadtfernen Gewerbegebieten noch einen Rückstand. Auf einer Senatsanhörung zeigte sich Minister Nadal zuversichtlich, bis 2020 das gesamte Land mit Breitbandverbindungen von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbps) versorgen zu können. Dieses erreichte laut dem Observatorium für Telekommunikation und Informationsgesellschaft Ontsi 2016 gut 81% der Haushalte. Mit Breitband über 100 Mbps waren demzufolge 66% der Bevölkerung abgedeckt. Den größten Fortschritt zeigt der Ausbau des Glasfasernetzes, das 56% der Bevölkerung erreicht (2013: 14%).

Um die Ziele der europäischen Digitalen Agenda zu erreichen, hat sich Spanien 2013 eine eigene Digitale Agenda gegeben. Diese steckt den Weg ab für den IKT-Sektor, den Ausbau der Breitbanddienste und der elektronischen Verwaltung, die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit und eine Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft durch die effiziente Nutzung der Technologien durch Bürger, Unternehmen und Verwaltungen. Elf Pläne zu spezifischen Themen sind nachfolgend verabschiedet worden, davon zuletzt 2015 der Nationale Plan für intelligente Städte und der Anstoßplan für Sprachtechnologien.

Wo steht Spanien aktuell?

Spanien ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der EU. Im Ranking des Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) der EU-28, nahm das iberische Land 2016 Platz 15 ein. Damit konnte es sich gegenüber 2015 um zwei Positionen verbessern. Der EU-Indikator wurde 2014 eingeführt und bewertet fünf Aspekte: Konnektivität, Humankapital, Internetnutzung, Integration digitaler Technologien und digitale öffentliche Dienste. Spanien liegt in der von 0 bis 1 reichenden Skala mit einem Wert von 0,52 (2014: 0,44) praktisch im Durchschnitt. Es kommt vor Frankreich und nach Portugal und zählt zur Gruppe der Aufholer.

In allen gemessenen Bereichen gab es Fortschritte, mit Ausnahme der Internetnutzung, wo es nur langsam vorwärts geht. Heraus ragt das Land bei der elektronischen Verwaltung. Der IKT-Plan der Zentralverwaltung 2015 bis 2020 will diese Position noch ausbauen. Obwohl noch keine Strategie zu einem elektronischen Gesundheitswesen verabschiedet wurde, gilt Spanien beim Austausch ärztlicher Daten und bei der Ausstellung elektronischer Rezepte als fortgeschritten.

Die größte Verbesserung gab es beim Humankapital, doch gilt der Handlungsbedarf noch als groß. Erst 54% der Bürger zwischen 16 und 74 Jahren verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen. Dafür liegt Spanien bei der Integration der digitalen Technologien etwas über dem EU-Durchschnitt, wozu Initiativen wie Industrie 4.0 beitragen. Auch dass seit 2015 die elektronische Rechnungserstellung ab 5.000 Euro für alle Firmen Pflicht ist, die öffentliche Verwaltungen beliefern, lässt mehr KMU elektronisch fakturieren. Positiv entwickeln sich die Nutzung der Social Media und der Cloud-Dienste.

Führend in der EU beim Internet-Surfen per Smartphone

Hervorgehoben wird, dass Spanien in der EU den größten Zuwachs beim Ausbau des Glasfasernetzes (Fiber to the Home, FTTH) verzeichnet (17,7 Prozentpunkte gegenüber 2014). Gut ist auch der Stand beim mobilen Breitbandzugang, was angesichts der mobilen Durchdringung nicht verwundert. Im Jahr 2016 verzeichnete Spanien laut Eurostat den höchsten Anteil (93%) von Nutzern, die über Handy oder Smartphone auf das Internet zugriffen. Vor allem in urbanen Zentren herrscht ein reger Wettbewerb beim Hochgeschwindigkeitsinternet. Sehr verbreitet ist es, Dienste im Paket zu abonnieren. Der alleinige Einkauf eines festen Internetzugangs lohnt nicht, da er fast so teuer kommt, wie im Paket mit einem Festnetzanschluss.

Entwicklung digitaler Indikatoren in Spanien (Angaben in %)
2013 2016 EU-28-Schnitt 2016
Privathaushalte mit Breitbandzugang 1) 69 81 83
Unternehmen mit Breitbandzugang 3) 95 97 94
Internetzugang von Personen 2) 72 81 82
Bürger, die für den Internetzugang unterwegs mobile Endgeräte benutzen 2) 62 72 59
Bürger, die regelmäßig Internet nutzen 2) 66 77 79
Bürger, die das Internet noch nie genutzt haben 2) 24 17 14
Online-Einkäufer 2) 32 44 55
Bürger, die in anderen EU-Staaten online eingekauft haben 2) 12 21 18
Unternehmen, die Beschäftigten tragbare Geräte mit mobilem Breitbandinternetzugang zur Verfügung stellen 3) 53 76 69
Unternehmen die Online-Einkäufe getätigt haben 3) 25 28 24
Unternehmen, die Online-Bestellungen erhalten haben 3) 12 19 18
Anteil des elektronischen Geschäftsverkehrs am Gesamtumsatz 3) 14 16 16
Bürger, die Behördengänge online erledigen 2) 44 50 48
Bürger, die ausgefüllte Formulare elektronisch bei Behörden einreichen 2) 24 32

1) Privathaushalte mit mindestens einem Mitglied im Alter zwischen 16 und 74 Jahren; 2) Personen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren; 3) Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten.

Quelle: Eurostat

Internetadressen

Ministerio de Energía, Turismo y Agenda Digital

Internet: http://www.minetad.gob.es/es-ES/Paginas/index.aspx

Website zur Digitalen Agenda Spaniens

Internet: http://www.agendadigital.gob.es/Paginas/index.aspx

Nationales Observatorium der Telekomdienste und Informationsgesellschaft

Internet: http://www.ontsi.red.es/ontsi/

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Software / EDV-Dienstleistungen, Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Digitalisierung

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