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21.04.2016

Riesiges Bergbaupotenzial Tansanias steht schwierigen Rahmenbedingungen gegenüber

Aktuell Graphit und Kohle im Fokus / Bisher kaum Ausrüstung aus Deutschland / Von Martin Böll

Daressalam (GTAI) - Tansania ist gesegnet mit Bodenschätzen, die das Land zu einer führenden Bergbaunation Afrikas machen könnten. Ob und wie die Schätze gehoben und verkauft werden, hängt nicht zuletzt von den internationalen Rohstoffpreisen ab. Vorwärts geht es beim Abbau von Kohle, die auch lokal zur Erzeugung von Energie genutzt werden soll, und Graphit. Offen sind derweil Fragen nach dem Umgang mit den traditionellen Bergarbeitern, mit Umweltrisiken in stillgelegten Minen sowie mit Kinderarbeit.

In Tansania mag es an vielem fehlen, an Bodenschätzen nicht. Doch lediglich einem Zehntel der Vorkommen, so Schätzungen, wird zu Leibe gerückt, der Rest wartet auf Prospektoren und Investoren. Der industrielle Abbau beschränkt sich bislang auf Gold, Diamanten, Phosphat, Tansanit und Kohle. Hinzu kommen tausende kleiner und kleinster Bergbauaktivitäten. Die größten Investitionschancen gibt es nach Ansicht von Experten bei Gold, Kupfer, Nickel, Zink, Platinmetallen, Metallen der Seltenen Erden, Edelsteinen, Graphit, Kaolin und Salz.

Kohle künftig bevorzugter Energieträger

Obwohl das Land über riesige Gasvorkommen verfügt, die zu einer sauberen Stromerzeugung verwendet werden könnten, will Tansania künftig auf Kohle setzten und bis 2025 rund die Hälfte seines Strombedarfs mit Hilfe des schwarzen Energieträgers decken. Ambitioniertestes Projekt ist die Mchuchuma Kohlemine nebst 600-MW-Kraftwerk, das, so offizielle Verlautbarungen, 2019 den Betrieb aufnehmen soll. Die Investition wird auf 3 Mrd. US$ veranschlagt. Die Finanzierung aber ist bislang alles andere als gesichert. Nach Ansicht von Beobachtern muss sich die neue Regierung, die erst seit Oktober 2015 im Amt ist, erst in die Thematik einarbeiten. Kurzfristig realistischer ist dagegen das Coal-to-power-Vorhaben der in Johannesburg und London gelisteten Kibo Mining, die in Mbeya eine Kohlegrube nebst einem Kraftwerk einrichten will. Die Erzeugungskapazität wird mit 300 MW (2x150 MW) mit der Option einer späteren Verdoppelung angegeben. Das Kraftwerk soll je nach Konfiguration zwischen 640 Mio. und 760 Mio. $ kosten. Die ebenfalls in London gelistete Edenville Energy verfolgt ebenfalls Pläne für die Einrichtung einer Kohlegrube nebst 300-MW-Kraftwerk in Rukwa.

Großes Interesse bei Graphit

Aktuelles Interesse gibt es auch an den tansanischen Graphitvorkommen. Die australische Kibaran Resources verfolgt ein Projekt zur Förderung von 150.000 t Graphit im Jahr. Finanzielle Zusagen gibt es bereits von der deutschen KfW-Bank und der südafrikanischen Nedbank. Die australische Magnis Resources hat derweil kürzlich eine bankfähige Durchführbarkeitsstudie für das Nachu Graphite Project vorgestellt, in dessen Rahmen jährlich 220.000 t Graphitkonzentrat gefördert werden sollen. Noch in den Anfängen stecken unterdessen unterschiedliche Projekte der australischen Mozambi Resources und der australischen IMX Resources (zusammen mit chinesischen Partnern).

Herausforderungen für Investoren

An internationalem Interesse für die tansanischen Bodenschätze fehlt es nicht. Große und kleine Firmen, Staaten und Spekulanten sind vorstellig. Tansania ist aber kein Paradies für Investoren, eher das Gegenteil: Die administrativen Rahmenbedingungen sind prohibitiv. In den einschlägigen Rankings macht Tansania keine gute Figur: Ease of Doing Buiness: Platz 139 von 189; Economic Freedom Index: Platz 110 in der Gruppe "mostly unfree" von 178 Ländern; Global Competitiveness Index: Platz 120 von 140; Korruptionswahrnehmungsindex: Rang 117 von 167.

Neben den administrativen Hürden gibt es auch ganz praktische Probleme vor Ort: Die tansanische Infrastruktur ist miserabel; es gibt nur wenige gute Straßen, eine quantitativ und qualitativ ausreichende Stromversorgung ist Fehlanzeige. Wer Strom braucht, muss ihn selbst erzeugen. Ein anders großes Thema ist das der Sicherheit: Weil sich die unzähligen kleinen (legalen und illegalen) Arbeiter im Kleinbergbau in ihrer Existenz bedroht sehen, kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen. Hinzu kommt die in der Region übliche Kriminalität wie Diebstähle und Raub. Und selbst der Hafen von Daressalam gilt nicht als sicher, weil immer wieder Container spurlos verschwinden.

Kleinbergbau chancenlos

Während große Bergbauunternehmen mit Hilfe tansanischer Politiker und Interessengruppen ihre Claims abstecken und mit Millionen-Dollar-Investitionen und noch größeren Exporten winken, droht der einheimische Bergbau in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Gegen einen kapitalintensiven Bergbau mit modernen Maschinen haben die traditionellen Heere junger tansanischer Bergarbeiter, die dem Gestein mit Hammer, Meißel und Taschenlampe zu Leibe rücken, keine Chance. Und auch die Hunderte von Frauen, die größere Gesteinsbrocken mit Hämmern zu kleineren Steinchen zerschlagen, können nicht im Ansatz mit einem maschinellen Stone Crusher konkurrieren.

Konflikte, auch gewaltsame, sind damit vorprogrammiert. Der moderne Bergbau, sagt das International Institute for Environment and Development, schafft keine Jobs, er zerstört sie. So kommt eine moderne Mine mit zehnmal weniger Personal aus als ein Kleinbergbau. Und wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden, dann in den Ländern, welche die Bergbaumaschinen bauen. Sehr problematisch sind auch drei andere Themen, denen Tansania kaum gewachsen zu sein scheint: Der Umgang mit stillgelegten, mitunter giftigen Minen, der Sicherheit der Bergarbeiter und der weit verbreiteten Kinderarbeit in (illegalen) Kleinstminen.

Fragile Exportpreise

Die tansanischen Exporte werden von Gold und metallurgischen Erzen dominiert, wobei der Ausfuhranteil wegen der fragilen internationalen Preisen hohen Schwankungen ausgesetzt ist. In den letzten Jahren lag der Exportanteil dieser Produkte bei 36% (2014), 44% (2013) und 49% (2012). Hauptabnehmer tansanischer Goldexporte sind Südafrika (2014: 647 Mio. $), Indien (512 Mio.) und die Schweiz (99 Mio.). Metallurgische Erze werden vornehmlich in die VR China (2014: 353 Mio. $), nach Deutschland (181 Mio.) und Japan (158 Mio.) geliefert. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland 2015 für 77 Mio. $ metallurgische Erze der SICT 28 aus Tansania, im Vergleich zu 111 Mio. $ im Jahr zuvor.

Tansanische Exporte von metallurgischen Erzen, Metallabfällen, Eisen und Stahl, NE-Metallen und Gold (in Mio. US$)
SITC-Nr. SITC-Position 2012 2013 2014
28 Metallurgische Erze und Metallabfälle 846,2 410,2 722,5
282 .Abfälle und Schrott 1,4 1,5 1,9
283 .Kupfererze und -konzentrate 324,3 90,9 145,7
287 .Erze von unedlen Metallen und ihre Konzentrate 86,9 7,3 1,1
288 .Abfälle und Schrott von unedlen Metallen 12,3 8,9 7,3
289 .Edelmetallerze und ihre Konzentrate 421,3 301,6 566,5
67 Eisen und Stahl 50,1 49,2 26,6
68 NE-Metalle 10,3 7,9 15,7
97 Gold 1.863,3 1.549,6 1.322,0

Quelle: Comtrade, Stand: 11.4.16

Deutschland kein nennenswertes Lieferland

Von den internationalen Preisen hängt dann auch die Bereitschaft der Bergbaubetreibe ab, in teure Ausrüstung zu investieren und auch marginale Vorkommen mit hohem Aufwand zu erschließen. Deutschland lieferte 2015 für 5,1 Mio. $ Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen (EGW849) nach Tansania im Vergleich zu 15,6 Mio. $ im Jahr zuvor. Hinzu kamen 2015 für 2,9 Mio. $ Lkw und Spezialfahrzeuge (EGW887) im Vergleich zu 6,3 Mio. $ im Jahr zuvor.

Tansanische Importe von Bergbauausrüstung und Lkw (in Mio. US$)
SITC-Nr. SITC-Position 2012 2013 2014
723 Maschinen, Apparate und Geräte für Erd- oder Steinbrucharbeiten, den Bergbau oder Tiefbohrungen, Hoch- und Tiefbau und dergleichen, Teile davon 350,0 178,0 188,7
.aus USA 37,9 27,4 29,0
.aus der VR China 28,3 15,8 28,0
.aus Kenia 35,5 2,5 25,3
7234 .Bau und Bergbaumaschinen 18,1 5,1 3,2
782 Lkw 279,1 286,3 257,6
.aus Japan 49,6 66,3 67,3
.aus Südafrika 59,3 58,5 57,3
.aus der VR China 25,1 35,6 39,0
.aus Indien 25,6 26,8 25,3

Quelle: Comtrade, Stand: 11.4.16

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tansania Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Export, Import, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Kohle, Mineralische Rohstoffe, Edelsteine, Erze, Nutzfahrzeuge (Nfz), Fördertechnik, Hebezeuge, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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