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22.02.2019

Ruanda kann Investitionen anlocken

Methangas-Projekt nimmt Fahrt auf / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Ein Blick auf die Investitionsvorhaben zeigt: Ruanda kann auf eine moderate industrielle Zukunft hoffen. Denn die Rahmenbedingungen wurden verbessert und scheinen sich auszuzahlen.

Die ruandische Entwicklungsbehörde, das Rwanda Development Board (RDB), hat im Jahr 2018 nach eigenen Angaben 173 Investitionsprojekte im Wert von 2.008 Millionen US-Dollar (US$) registrieren können. Zum Vergleich: 2017 lag der kumulierte Investitionswert bei 1.675 Millionen US$ und 2016 bei 1.160 Millionen US$.

Von den 2018 registrierten Vorhaben entfielen 26 Prozent auf exportorientierte Projekte. Unterschieden nach Branchen verteilten sich 57 Prozent auf die Bereiche Fertigung, Bergbau, Landwirtschaft und die Verarbeitung von Agrarerzeugnissen. Andere Bereiche waren Tourismus, Gesundheit, Business Services sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

In- und ausländische Investoren halten sich die Waage

Dem Wert nach kamen 49 Prozent der registrierten Vorhaben von inländischen und 47 Prozent von ausländischen Anlegern. Lediglich 4 Prozent entfielen auf in-/ausländische Joint Ventures. Im Vorjahr lag dieser Mix bei 28 Prozent, 62 Prozent und 10 Prozent. Laut Investitionsbehörde zählen zu den größten Investoren (plus 70 Millionen US$) Emerald Park Ltd, Millennial Construction Ltd, der Rwanda Innovation Fund (Beteiligung an klein- und mittelständischen Unternehmen, Ausbildung und Management), Jali Transport (zuvor: Rwanda Federation of Transport Cooperatives) sowie Mara Phones (Produktion von Smart-Phones für den afrikanischen Markt in Kooperation mit Google).

Hinzu kommen kleinere Investitionsprojekte von Andela Software Development (Pan African Hub), PRG (Mazedonien; Coltan/Tantal-Raffinerie), Bralirwa (Heineken-Bier), OCP (zuvor Office Chérifien des Phosphates; Marokko; Düngemittel-Mischanlage), Master Steel (Ruanda; Stahlwalzwerk), Vison Garments (Ruanda; Moskitonetze), Aarsal Steel (Indien), Luna Smelter (Ruanda; Mineral-Schmelze), Gems of Rwanda (Hotels am Kivu-See) sowie Volkswagen (mobility solutions development).

Kigali sieht sich als Hub für Afrika

Zur Ermittlung des Wertes der beabsichtigten Investitionen waren die Unternehmen gefragt worden, wie hoch sie den Finanzbedarf für die ersten fünf Jahre einschätzen (operating and capital investments). Laut RDB brauchen registrierte Vorhaben etwa drei Jahre bis sie betriebsbereit sind. Nach Angaben von Guy Baron, dem Chief Investment Officer des RDB, kletterten die Investitions-Registrierungen in den letzten acht Jahren von 398 Millionen auf nunmehr über 2 Milliarden US$, als Beweis dafür, dass Ruanda als großartiger Hub angesehen werde, von dem man Geschäfte in Afrika machen könne.

RDB betreibt ein One-Stop-Centre für Investoren, in dem Hilfestellungen bei allen administrativen Fragen wie Registrierung, Lizenzvergabe, Immigration, Landbeschaffung, Wasser und Strom, Umweltschutz sowie Steuern gegeben werden.

Nach Ansicht von Beobachtern ist das gestiegene Interesse bei Investoren ein Riesenerfolg. Denn Ruanda hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Wirtschaftliche Erfolge werden durch ein zu hohes Bevölkerungswachstum wieder aufgezehrt. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2018 bei 728 US$, 2017 waren es 746 US$. Und das Bruttoinlandsprodukt betrug 2018 etwa 9,1 Milliarden US$. Aufgrund der Binnenlage müssen Seehäfen in Mombasa (Kenia) und Dar es Salaam (Tansania) angefahren werden. Der Transport dahin führt über schlechte Straßen und ist extrem teuer. Zudem nimmt die Verschuldung weiter zu und das Ausbildungsniveau ist schlecht.

Pragmatische Wirtschaftspolitik zeitigt Erfolge

Punkten kann Ruanda mit einer pragmatischen Wirtschaftspolitik und geringer Korruption. Im Ease of Doing Business Index (2019) der Weltbank rangiert Ruanda auf Platz 29, knapp hinter Deutschland (Platz 24). Besser ist in Afrika nur Mauritius auf Platz 20 (von 190 bewerteten Ländern). Und im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International hat es Ruanda immerhin auf Rang 52 geschafft und steht damit besser da als zum Beispiel Italien (von 183 Ländern). Hinzu kommen verbesserte Infrastrukturen wie eine leistungsfähigere Wasser- und Stromversorgung.

Ruanda hat es zudem verstanden, sich ein sauberes Image zu geben: Die Straßen in der Hauptstadt Kigali sind Müll frei und gepflegt wie sonst nirgendwo auf dem afrikanischen Festland. Zudem haben im Ausland lebende Ruander - gut 20 Jahre nach dem Genozid - wieder Vertrauen in ihr Heimatland gefunden. Sie unterstützen ihre Angehörigen nicht nur finanziell sondern investieren auch. Das es 2018 etwa gleich viele inländische wie ausländische Investitionsregistrierungen gab, dürfte vor allem den Investitionen von Auslandsruandern zu verdanken sein.

Guter Start 2019 für Methangas-Projekt

Wichtig für Ruanda ist nun, dass dieses Momentum anhält und sich die Registrierungen in tatsächliche Investitionen niederschlagen. Das Jahr 2019 begann vielversprechend: So konnte die ruandische Regierung Anfang Februar eine Vereinbarung mit Gasmeth Energy über die Nutzung von Methangas im Kivu-See unterzeichnen. Das Vorhaben wird auf 400 Millionen US$ veranschlagt. Gasmeth Energy will das Projekt finanzieren, bauen sowie das Gas extrahieren, verarbeiten und verflüssigen. Nach Einschätzung der ruandischen Regierung liegen am Grund des Kivu-Sees 55 Milliarden Kubikmeter Methangas, die durch das Wasser eingeschlossen sind. Mit Hilfe des Gases könnte ein Großteil des ruandischen Energiebedarfs der nächsten 70 Jahre abgedeckt werden, heißt es.

Wirtschaftliche Kennziffern Ruanda
2016 2017 2018 1)
BIP (in Mrd. US$) 8,5 9,1 9,1
BIP-Wachstum (real, in %) 6,0 6,1 7,0
Verbraucherinflation (real, in %) 7,2 8,3 -0,3
Bevölkerung (in Mio.) 11,9 12,2 12,5
Güterexporte (in Mio. US$, fob) 727 1.050 1.218
Güterimporte (in Mio. US$, fob) 2.036 1.922 2.119
Auslandsverschuldung (in Mio. US$) 2) 2,8 3,3 3,7
Deutsche Exporte nach Ruanda (in Mio. Euro) 39 40 k.A.

1) Schätzung; 2) Jahresende

Quellen: Economist Intelligence Unit; UNCTAD Investmentreport; Statistisches Bundesamt

Für deutsche Firmen ist Ruanda angesichts seiner Marktgröße kaum interessant. Die deutschen Exporte stagnierten 2017 bei 40 Millionen Euro. Selbst nach San Marino oder die Färöer-Inseln lieferte Deutschland 2017 mehr.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ruanda können Sie unter http://www.gtai.de/ruanda abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ruanda Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Öl, Gas

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Katrin Weiper

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