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15.10.2018

Ruanda setzt auf kommerziellen Bergbau

Zweitwichtigster Devisenbringer / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Ein neues Gesetz bringt den ruandischen Bergbau zum Beben: Vorschriften sollen durchgesetzt, Zertifizierungen eingeführt und Steuern bezahlt werden - zulasten von Kleinbetrieben.

Ruanda will im Rahmen einer neuen Gesetzgebung artisanale Bergbaubetriebe (Kleinbergbau) aus dem Markt drängen und kommerziellen Unternehmen das Feld überlassen. Der Erlass wird Bergbaulizenzen künftig um das Zehnfache verteuern: auf circa acht Millionen US-Dollar (US$) für ein Abbaugebiet von maximal 49 Hektar, für einen Zeitraum von fünf Jahren. Weil sich Kleinbetriebe solche Gebühren schlichtweg nicht leisten können, sprechen Kritiker von einem De-Facto-Verbot des artisanalen Bergbaus.

Ende des Kleinbergbaus eingeläutet

Nach Angaben der Mining Association of Rwanda entfallen auf den Kleinbergbau etwa die Hälfte der vergebenen 523 Bergbaulizenzen. Das neue Gesetz würde tausende Minenarbeiter um ihre Existenz bringen. Das seitens der Regierung federführende Rwanda Mines Petroleum and Gas Board verteidigt derweil den Erlass: Man wolle Anreize für finanzkräftige Investoren schaffen, die mit modernen Abbaumethoden die Umwelt schonten (Stichwort: Abwasserentsorgung) und die Zahl von Unfällen reduzierten.

Der artisanale Bergbau gilt zudem als hoch ineffizient, weil viele wertvolle Bodenschätze auf Abraumhalden landen - bis zu 70 Prozent schätzen Kenner. Zudem sollen Gefängnisstrafen beziehungsweise Geldbußen von bis zu 35.000 US$ für Umweltverstöße und fahrlässig herbeigeführte Unfälle verhängt werden.

Schon vor Verabschiedung des Gesetzes hatte sich Ruanda mit dem Bergbausektor angelegt und verschiedene Lizenzen wegen angeblicher Verstöße gegen Auflagen aufgekündigt. Verfahren vor dem International Centre for Settlement of Investment Disputes der Weltbank sind anhängig. Hintergrund der Entwicklung ist eine Umstrukturierung des Sektors mit dem Ziel, dem Staat ein größeres Stück vom Erlöskuchen zu beschaffen und den Sektor kontrollierbarer zu machen.

Vorschriften sollen zunehmend durchgesetzt und Steuern und Abgaben auch tatsächlich bezahlt werden. Ein Zertifizierungssystem soll illegale Importe aus der Demokratischen Republik Kongo unmöglich machen und somit das Potenzial des Sektors besser ausschöpfen. Letztendlich sollen vor allem formale Arbeitsplätze geschaffen werden, so die Erwartung. Vergleichbare Bestrebungen gibt es auch in anderen ostafrikanischen Staaten, insbesondere in Tansania.

Bergbauerlöse verdoppelt

Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Die internationalen Preise für Wolfram und Coltan sind gestiegen, die Nachfrage nach Bergbaulizenzen ist hoch. Das Ruanda Development Board berichtet von mehr als verdoppelten Exporterlösen im Jahr 2017. Mit Ausfuhren in Höhe von 373 Millionen US$ zählt der Bergbausektor mittlerweile zum zweitwichtigsten Devisenbringer nach dem Tourismus.

Dank neuer Bergbaulizenzen und Investitionen in eine Weiterverarbeitung von Bodenschätzen will Ruanda die Erlöse in den nächsten Jahren weiter deutlich steigern. So wird das Land zwei Schmelzhütten errichten, um bei Zinn und Coltan einen höheren Mehrwert zu erzielen. (Ein Investor ist die mazedonische Power Resource Group mit einer 12-Millionen-US$-Zinnschmelze.)

Das ehrgeizige ruandische Exportziel für den Bergbau 2020 lautet: 800 Millionen US$ Erlöse und 2024 sogar 1,5 Milliarden US$. Ruanda ist der zweitgrößte Produzent von Tantal, einem aus Coltan extrahierten Mineral, das in Bauteilen für Smartphones verwendet wird. Ruanda ist nach Einschätzung der US Geological Survey der drittgrößte Zinnproduzent Afrikas.

Nach Einschätzung des Ruanda Development Board konnte der Bergbausektor 2017 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 267,3 Millionen US$ anziehen, insgesamt seien sogar 1,04 Milliarden US$ nach Ruanda geflossen. Solche Erfolgszahlen korrespondieren allerdings nicht mit den Erhebungen des World Investment Report 2018 der United Nations Conference on Trade and Development, welcher die ausländischen Direktinvestitionen Ruandas für 2017 auf insgesamt nur 366 Millionen US$ beziffert.

Positive Wirtschaftsentwicklung

Rwanda kann 2018 und 2019 mit einem auf 6,9 Prozent beziehungsweise 7,3 Prozent steigenden Bruttoinlandsprodukt rechnen, prognostiziert die britische Economist Intelligence Unit. Das ist deutlich mehr, als die Wachstumsfortschritte in anderen Staaten südlich der Sahara zeigen. Hintergrund dieser positiven Entwicklung sind: eine sich gut entwickelnde Landwirtschaft und eine Industrie, die sich über größere Infrastrukturprojekte wie den neuen Flughafen und Investitionen in die Stromversorgung freuen darf. Auch der Bergbau trägt zur positiven Wirtschaftsentwicklung bei - begünstigt von hohen Weltmarktpreisen, wird er angesichts einer breiten Palette neuer Bergbaulizenzen weiter auf Wachstumskurs bleiben.

Ruandische Importe von Maschinen, Apparaten und Geräten für Erd- oder Steinbrucharbeiten, den Bergbau oder Tiefbohrungen, Hoch- und Tiefbau und dergleichen sowie Teile davon (SICT 723; in Millionen US$)
Importe/Lieferländer 2014 2015 2016
Gesamt 18,99 36,54 41,93
..China 7,06 10,72 20,92
..USA 0,71 7,19 3,01
..Japan 3,76 3,51 3,00
..Deutschland 1,32 3,25 2,83
..Belgien 1,29 1,12 2,15

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ruanda können Sie unter http://www.gtai.de/ruanda abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ruanda Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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