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16.04.2019

Rumänien strebt nach besserer Gesundheitsversorgung

Großprojekte der Regionalkrankenhäuser werden konkret / Von Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Rumäniens Gesundheitswesen braucht neue Krankenhäuser und moderne Ausrüstungen. Große regionale Klinik-Projekte, mit EU-Fördermitteln unterstützt, nähern sich der Realisierungsphase.

Die Modernisierung der staatlichen Gesundheitsinfrastruktur bleibt in Rumänien ein großes Thema. Die Regierung will seit Anfang 2017 den Bau von neun Großkrankenhäusern beauftragen. Nach verzögertem Durchführungsbeginn ist zu erwarten, dass Bewegung in mehrere Projekte kommt. Dies betrifft acht Regionalkrankenhäuser in den Städten Iasi, Cluj-Napoca, Craiova, Constanta, Brasov, Targu Mures, Timisoara, Braila-Galati und ein neuntes Projekt in der Hauptstadt Bukarest.

Einige dieser Vorhaben sind in fortgeschrittenem Planungsstadium, andere bestehen derzeit nur auf dem Papier. Außer diesen neun Großprojekten werden viele schon bestehende staatliche Kliniken ausgebaut oder teilweise modernisiert.

EU-Förderung für Krankenhäuser in Iasi, Cluj-Napoca und Craiova

Die Regional-Krankenhäuser in Iasi, Cluj-Napoca und Craiova sollen nach derzeitigem Stand mit Hilfe nicht-rückzahlbarer Fördermittel der Europäischen Kommission finanziert werden. Die Machbarkeitsstudie des Projektes in Iasi ist fertig und wird in Kürze nach Brüssel zur Überprüfung verschickt. Die Machbarkeitsstudien für Cluj-Napoca und Craiova sind fortgeschrittenen.

Dokumentation für die Projektvorbereitung und Finanzierungsanträge erfolgen im Rahmen eines Beratervertrages über 1,5 Millionen Euro mit der Europäischen Investitionsbank (EIB). Die Europäische Union (EU) stellte 2015 für die drei Projekte über das Operationelle Programm für Regionalentwicklung 2014-2020 insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Regierung erwägt zudem aufgrund mangelnder Finanzierung die Beantragung von Fördermitteln im Rahmen der künftigen EU-Förderperiode 2021-2027. Denn nach den neusten Schätzungen würden die Kosten für jedes Krankenhaus mit Ausnahme von Brasov jeweils mindestens 400 Millionen Euro betragen. Die EIB-Berater hoffen, dass die zwei Projekte in Cluj-Napoca und Craiova bis 2024 fertiggestellt sein könnten. Jedoch äußerte Rumäniens Gesundheitsministerin Sorina Pintea, dass diese Fristeinschätzung zu optimistisch sei.

Seit kurzem denkt die Regierung laut Medienberichten auch daran, die Krankenhäuser in Craiova und Constanta als NATO-Krankenhäuser mit türkischer Beteiligung bauen zu lassen. Dazu hat Finanzminister Teodorovici gesagt, dass Mittel aus dem Budget des Verteidigungsministeriums bereit stehen würden. Eine Entscheidung über eine solche Absicht wurde bislang nicht getroffen.

Regionalkrankenhaus in Craiova in fortgeschrittener Planung

Das Regionalkrankenhaus in Craiova im Süden des Landes befindet sich laut Angaben des Gesundheitsministeriums in fortgeschrittener Planung. Diese Klinik mit über 800 Betten wird ungefähr 500 Millionen Euro kosten.

Die vorgenannten Regionalkrankenhäuser sollen über alle medizinischen Fachrichtungen, jeweils 800 bis 900 Betten, spezialisierte Fachkliniken, zahlreiche OP-Säle, moderne Medizintechnik und Telemedizin verfügen. Außerdem sind Zentren für Bluttransfusion, Transplantationen, Hubschrauberlandeplatz, Forschungszentrum und Unterrichtsräume für Studenten, Wohnungen für Ärzte und weiteres Personal sowie Hotels für Angehörige und Begleiter von Patienten geplant.

Regionalkrankenhäuser mit hoher Bettenkapazität sind auch in Targu Mures, Timisoara, Braila-Galati und Brasov vorgesehen. Sie sollen als Public-private-Partnership (PPP) verwirklicht werden, so zumindest die Absichtsbekundungen der Regierung Ende 2018. Die Kosten für die Fertigstellung dieser Kliniken liegen in der Größenordnung von 250 Millionen bis 400 Millionen Euro. Das Konzept orientiert sich voraussichtlich an den bereits geplanten Projekten. Experten sind jedoch skeptisch, was die administrative Fähigkeit betrifft, die angekündigten Projekte über PPP umzusetzen.

Das Krankenhaus in Brasov soll mit Mitteln der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWR in London) entstehen. Dem Projekt liegt ein Abkommen zwischen der Entwicklungsbank, dem Gesundheitsministerium und den Stadtbehörden Brasov zugrunde. Die Investition beträgt laut derzeitiger Schätzung 250 Millionen Euro. Das Vorhaben entsteht auf einer Fläche von 120.000 Quadratmetern. Geplant sind dort eine Bettenkapazität von 800 und zwölf Operationssäle. Die Vormachbarkeitsstudie wurde bereits in Auftrag gegeben.

Das Großprojekt "republikanisches Krankenhaus" in Bukarest soll auf mindestens 3.000 Betten ausgelegt sein. Jüngsten Angaben zufolge sind 37 OP-Säle, Forschungszentren, ein großer Campus mit Schule, Kindergärten, Geschäften sowie ein Hotel mit etwa 2.000 Betten geplant. Die geschätzte Investitionssumme wird auf 1,1 Milliarden Euro beziffert.

Im Regierungsprogramm sind ferner die Modernisierung, Sanierung und Erweiterung von 15 Kreiskrankenhäusern, 150 Ambulanz-Facheinrichtungen, 25 Notfallaufnahmen sowie die Ausstattung von Kreiskrankenhäusern u.a. mit Bilddiagnostik- und Labortechnik vorgesehen.

Hoher Bedarf an Technik für Bildgebung, Bestrahlung und Notaufnahmestationen

Bei weiterhin gravierenden Mängeln wird das staatliche Netzwerk von Krankenhäusern und Klinken nach und nach saniert und modernisiert. Bedarf besteht besonders an hochmoderner Technik für Bildgebungsdiagnose und Bestrahlungstherapie sowie für die Unfall- und Notaufnahmestationen der Großkrankenhäuser.

Ausgewählte Projekte im staatlichen Gesundheitssystem (Werte in Millionen Euro)
Projekt / Kreis Wert Stand Anmerkung /Kontakt
Neubau einer Gynäkologie- und Geburtshilfeklinik in Timisoara (Kreis Timis) 10,7 Machbarkeitsstudie fertiggestellt; Finanzierung über EU-Fördermittelprogramm Interreg V-A Rumänien -Ungarn; Internet: http://www.cjtimis.ro
Erweiterung der Notabteilung des Kreiskrankenhauses Oradea (Kreis Bihor) 5,5 Projektstart: März 2019; Projektende: Juni 2020 Finanzierung: Gesundheitsministerium, Stadt Oradea (Projekt wird von der Weltbank koordiniert Internet: http://spitaljudetean-oradea.ro/web/
Erweiterung der Notabteilung und der Ambulanz des Kreiskrankenhauses Targoviste (Kreis Dambovita) 3,8 Finanzierungsvertrag mit dem Ministerium für EU-Fördermittel wurde im März 2019 unterzeichnet. Finanzierung mit EU-Fördermittel im Rahmen des OP Regionalentwicklung 2014-2020 Internet: http://www.spitaldb.ro
Erweiterung der Notfallabteilung des Kreiskrankenhauses Brasov (Kreis Brasov) 2,2 Vertragsunterzeichnung für Bauarbeiten im April 2019 geplant Finanzierung: Gesundheitsministerium, Stadt Brasov (Projekt wird von der Weltbank koordiniert) Internet: http://www.hospbv.ro

Quellen: Rumänisches Gesundheitsministerium; Medienberichte

Die Digitalisierung des Gesundheitssystems macht Fortschritte. Die E-Plattformen im staatlichen Gesundheitssystem, die von der Staatskrankenkasse entwickelt wurden funktionieren bereits, in der Praxis jedoch häufig mit Systemstörungen.

Weitere Informationen zu Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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