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03.10.2019

Rumänien will Eisenbahnverkehr modernisieren

Beschaffung von Zügen und Investitionen in Schieneninfrastruktur / Von Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Rumäniens Eisenbahnnetz hat enormen Modernisierungs- und Investitionsbedarf bei Ausrüstungen und Infrastruktur. Die staatliche Eisenbahngesellschaft betreibt landesweit Projekte.

Rumänien könnte das erste Land in Südosteuropa sein, das einen wasserstoffbetriebenen emissionsfreien Passagierzug einsetzt. Fachleute diskutieren in den Medien den Erwerb von fünf Coradia iLint - Zügen des Herstellers Alstom, die vom Bukarester Nordbahnhof auf einer modernisierten Bahnlinie zum Flughafen Bukarest Otopeni betrieben werden sollen. Die Regierung plant bis spätestens Ende Mai 2020 diese Verbindung zu eröffnen. Es heißt, dass der Coradia iLint für Bukarest ideal sei, da sein Einsatz bei der künftigen Nutzung der vorhandenen Strecke keine Elektrifizierung erfordere.

Andere Beschaffungsvorhaben sind schon weiter: Bis Mitte Juli 2019 haben insgesamt 17 Unternehmen Ausschreibungsunterlagen für neue elektrische Triebwagen im Regionalverkehr erworben. Rumäniens für die Eisenbahnreform eigens gegründete Behörde (Autoritatea pentru Reforma Feroviara, Internet: http://arf.gov.ro) lancierte im April 2019 eine entsprechende Ausschreibung im rumänischen elektronischen Ausschreibungssystem (http://sicap-prod.e-licitatie.ro).

Eisenbahn schafft 40 neue Triebwagen an

Es sollen 40 Triebzüge im Rahmen eines geschätzten Auftragswertes von 1,77 Milliarden bis zu 4,56 Milliarden Lei (umgerechnet circa 957 Millionen Euro) angeschafft werden. Zudem wird die Option in Aussicht gestellt, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Beschaffung von weiteren 40 Zügen erfolgen soll. Im genannten Auftragswert sind die voraussichtlichen Kosten für Wartungs- und Reparaturarbeiten für 15 Jahre inbegriffen. Für den Erwerb dieser Züge stehen Finanzierung aus den EU-Finanzhilfen und aus dem rumänischen Staatshaushalt bereit.

Als Anbieter sind drei Unternehmensgruppen im Gespräch: Alstom Ferroviaria S.P.A, die chinesische CRRC Qingdao Sifang Co., Ltd. sowie Siemens Mobility. Als mögliche weitere Interessenten an dem Projekt wurden laut Medienberichten der spanische Hersteller Tatentes Talgo, das tschechische Unternehmen Skoda, das rumänische Unternehmen Astra Vagoane Calatori (als Partner der chinesischen CRRC) und die schweizerische Gesellschaft Stadler Rail Management genannt.

CFR Calatori ist die für die für den Personenverkehr zuständige Gesellschaft des staatlichen Eisenbahnbetreibers. Sie hat im Juni 2019 eine technische und wirtschaftliche Markterkundung angekündigt, um 50 Diesel-Triebzüge anzuschaffen. (http://sicap-prod.e-licitatie.ro )

Diese Züge sollen für die CFR-Depots in Bukarest, Timisoara, Sibiu, Cluj-Napoca und Iasi angeschafft werden. Zu den Anforderungen zählen eine Geschwindigkeitsleistung von mindestens 120 Kilometer pro Stunde die Kapazität von mindestens 150 Sitzplätzen, eine tägliche Mindestbetriebsdauer von 15 Stunden. Sowie eine jährliche Fahrleistung von mindestens 150.000 Kilometern ist gefordert. Eine Ausschreibung könnte im Herbst 2019 erfolgen.

Rumäniens privater Passierzugbetreiber Softrans hat im Juli 2019 auf der Strecke Craiova-Bukarest (Nordbahnhof) - Brasov / Kronstadt den dritten vom inländischen Hersteller Softronic gebauten elektrischen Triebwagen Hyperion eingesetzt. Der Triebwagen Hyperion eignet sich für Rumäniens Regio-, Interregio oder Intercityverbindungen.

Entwicklungsstrategie setzt Rahmendaten

Insgesamt hat das Land viel vor bei der Modernisierung seines Eisenbahnnetzes: Die Regierung will bis 2023 rund 12,8 Milliarden Euro investieren. Das Transportministerium veröffentlichte dazu bereits im April eine Strategie zur Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur 2019 bis 2023 (Internet: http://www.cfr.ro/index.php/ct-menu-item-3/ct-menu-item-55/strategia-de-dezvoltare-a-infrastructurii-feroviare).

Die Investitionen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Eisenbahntransports am inländischen Markt zu erhöhen und die rumänische Eisenbahninfrastruktur an das Netzwerk der europäischen Schienenverkehrswege anzuschließen.

Bahn muss wettbewerbsfähig werden

Zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit zählen unter anderem Maßnahmen wie die Erneuerung der Schienen-, Brücken- und Tunnelinfrastruktur landesweit und in insbesondere in den Regionen Bukarest, Brasov, Iasi, Timisoara, Cluj, Craiova und Galati.

Ferner braucht es eine Verbesserung bei Verkehrsmanagement und Bahnsignaltechnik, die weitere Automatisierung der Wartungsarbeiten, Erhöhung des Elektrifizierungsgrades, höhere Effizienz bei der Stromverteilung und die Verbindung mit weiteren Transportarten (Intermodalverkehr). Der Gesamtwert der hierfür benötigten Investitionen wird auf 3,6 Milliarden Euro beziffert. Für den Bau neuer Trassen oder Streckenarbeiten zur Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit der Züge sind keine Investitionsmittel vorgesehen.

Enormer Investitionsbedarf beim Schienennetz

Der Eisenbahnverkehr in Rumänien ist sehr langsam. In den letzten drei Jahren sind sowohl das Passagierverkehrsaufkommen, als auch der Umschlag im Warenverkehr um über 80 Prozent eingebrochen. Passagiere sowie Unternehmen bevorzugen andere Verkehrsarten, wegen niedrigerer Preise sowie aufgrund der unzureichenden Fahrgeschwindigkeit der Züge in Rumänien (im Durchschnitt 50 Kilometer pro Stunde). Der Verbesserungsbedarf der Infrastruktur ist so erheblich, dass der Einsatz von Hochgeschwindigkeitszügen auf Jahre hinaus nicht realisierbar erscheint.

Bei der Integration der rumänischen Eisenbahninfrastruktur in das Transeuropäische Netz (TEN-T) wären 9,23 Milliarden Euro benötigt. Hier geht es um Reparatur und Modernisierung der Schieneninfrastruktur entlang der Trassen am Rhein-Donau-Korridor (4,23 Milliarden Euro) des Orient / East-Med-Korridors (2,97 Milliarden), der Infrastruktur im Rahmen des zentralen TEN-T-Netzes (1,65 Milliarden) sowie im Rahmen des globalen TEN-T-Netzes (372,53 Millionen Euro).

Die Strategie der Regierung nennt unter anderem folgende Trassen im Rahmen des Rhein-Donau-Korridors in Rumänien: Kilometer 614 - Gurasada und Gurasada - Simeria (beide Teile der Grenzeisenbahntrasse Curtici - Simeria Richtung Westgrenze; Sanierung, Wert: 1,7 Milliarden Euro), Brasov - Apata und Cata - Sighisoara (Sanierung: 818 Millionen Euro), Apata - Cata (Sanierung, 717 Millionen Euro).

Entlang des Orient / East-Med-Korridors liegen zum Beispiel die zu sanierenden Strecken Arad - Caransebes (1,3 Milliarden Euro) und Caransebes - Craiova (eine Milliarde Euro). Im Rahmen des zentralen TEN-T-Netzes sind die Strecken Ploiesti - Pascani - Iasi (Sanierung, 439,30 Millionen Euro) und Cluj - Pascani (Sanierung, 915,59 Euro) bedeutend.

Geeignet zur Förderung durch Mittel der Europäischen Union (EU) wären Projekte im Wert von 9,76 Milliarden Euro, was bei weitem das Rumänien zugewiesene Fördermittelvolumen im Rahmen der Mehrjährigen Finanzrahmens 2014 bis 2020 überschreitet. Die EU stellt für die Entwicklung und Modernisierung der rumänischen Eisenbahninfrastruktur für den Zeitraum 2014 bis 2020 im Rahmen des Operationellen Programms Großinfrastruktur 1,93 Milliarden Euro zur Verfügung (http://www.fonduri-ue.ro/poim-2014#axe-finan%C8%9Bare).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge

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