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07.03.2017

Russische Bahn kauft neue Lokomotiven

Importe werden substituiert / Westliche Technologieanbieter beteiligen sich an Produktion / Von Ullrich Umann

Moskau (GTAI) - Mit der Herstellung von Diesel- und Elektrolokomotiven lässt sich in Russland gutes Geld verdienen. Allein 2017 will die Eisenbahngesellschaft RZD 450 Lokomotiven beschaffen. Gefragt sind zunehmend Loks für Lang- und Hochgeschwindigkeitsstrecken. Neuerdings werden auch Loks mit Flüssiggas-Antrieb hergestellt. Allerdings fehlt es noch an der Infrastruktur zum Betanken und Warten.

Die russische Eisenbahngesellschaft RZD möchte 2017 rund 450 Lokomotiven beschaffen. Den Großteil wird RZD von inländischen Herstellern beziehen, nachdem die Politik zur Importsubstitution in den letzten zwei Jahren in diesem Bereich besonders wirkungsvoll war. Bereits 2015 fielen die Importe bei Elektroloks im Vergleich zum Vorjahr um etwa 95% und bei Diesellokomotiven um rund 84%. Im Jahr 2015 überstiegen die russischen Exporte von Elektroloks sogar wertmäßig die Einfuhren.

Russische Föderation: Ein- und Ausfuhr von Lokomotiven (in Mio. US$)
Einfuhr 2014 Einfuhr 2015 Ausfuhr 2014 Ausfuhr 2015
Elektrische Lokomotiven (HS-Code 8601) 29,3 1,2 1,3 1,9
Andere Lokomotiven (HS-Code 8602) 291,8 46,5 57,4 14,2

Quelle: UN Comtrade, 2017

Vom Hersteller Transmashholding (Internet: http://www.tmholding.ru) bezieht RZD dieses Jahr 284 Lokomotiven, sowohl für den Güter- als auch für den Passagiertransport. Eine entsprechende Liefervereinbarung haben RZD und die Transmashholding, an der Alstom Transport beteiligt ist, Anfang Februar 2017 unterschrieben.

Die restlichen Lokomotiven dürfte 2017 die Sinara-Gruppe (Internet: http://sinara-group.com) ausliefern. Siemens (Internet: http://www.siemens.com/businesses/ru/ru/mobility.htm) hat mit diesem Hersteller bereits vor Jahren ein Joint Venture, und zwar die Uralskije Lokomotiwi (Internet: http://ulkm.ru), gegründet. Seither bauen die Partner gemeinsam moderne Passagierzüge und Lokomotiven in der Nähe von Jekaterinburg.

Zahl westlicher Technologieanbieter steigt

Als neuer Anbieter könnte 2017 Bombardier den Markt für Elektroloks betreten. Dies hängt davon ab, ob das Lokomotivenwerk in Engels - das Joint Venture Perwaja Lokomotiwnaja Kompanija (PLK) - ab 2017 die Elektrolok Traxx von Bombardier in die Serienmontage überführen kann (Internet: http://ch.bombardier.com/de/media/newsList/details.bt-20160317-traxx-russia.switzerland.html).

Zu den wachstumsträchtigen Marktsegmenten in Russland gehören Zugmaschinen für den Güterverkehr auf elektrifizierten und nicht elektrifizierten Abschnitten der sibirischen und fernöstlichen Baikal-Amur-Magistrale (BAM) und Transsib. Auf diesen Strecken zeichnet sich ein starker Wettbewerb zwischen den beiden bislang wichtigsten Herstellern, der Sinara-Gruppe und Transmashholding, ab.

Rund 388 Lokomotiven für den Fernen Osten

Der stellvertretende Transportminister Sergej Aristow beziffert den Beschaffungsbedarf für Transsib und BAM in den kommenden Jahren mit 388 Lokomotiven. Durch den schrittweisen Übergang auf eine Last von 6.000 auf bis zu 7.100 t pro Zug dürfte das nach seinen Worten eine technische Herausforderung für die Lok-Hersteller darstellen. RZD wird laut Aristow alle Lokomotiven als Ergebnis von Ausschreibungen und gemäß Kaufverträgen in modifizierter Ausführung anschaffen.

Die Sinara-Gruppe hat speziell für den Einsatz im Fernen Osten in ihrem Diesellokwerk Ljudinowsk (Internet: http://ludtz-ru.1gb.ru) einen Prototyp der zweigliedrigen Lokomotive GT1h-002 entwickelt, die mit Flüssiggas (LNG) angetrieben wird. Eine entsprechende Vereinbarung zur Entwicklung dieser Technologie hatten Sinara und RZD 2012 unterzeichnet. Damals stellte die RZD die Beschaffung von bis zu 40 LNG-Loks in Aussicht. Eingesetzt werden diese unter anderem durch die RZD-Regionaltochter "Swerdlowsker Eisenbahn".

Flüssiggas hält Einzug in Zugantrieben

Die ersten Testfahrten sind erfolgreich verlaufen und das Werk Ljudinowsk hat grünes Licht zum Bau von 24 Loks erhalten. Zudem haben sich das Vorgängermodell GT1h-001 sowie die LNG-Rangierlok TEM19 bei der RZD-Regionaltochter "Nördliche Eisenbahn" bewährt.

Allerdings muss RZD für den Dauereinsatz von flüssiggasgetriebenen Loks in Sibirien und im russischen Fernen Osten noch die notwendige Infrastruktur zum Betanken und zur Wartung der Loks entlang der Gesamtstrecken einrichten. Das könnte umfangreiche Projektierungs- und Planungsaufgaben, und im Anschluss Beschaffungen entsprechender Anlagen, erfordern.

Langstrecke braucht Diesel- und E-Loks

Die Transmashholding liefert 2017 aus ihrer Lokomotiven-Serie ERMAK (Typen E5K, 2ES5K, 3ES5K, 4ES5K) 51 zweigliedrige (2ES5K) und 45 dreigliedrige Zugmaschinen (3ES5K) an RZD aus. Zusätzlich werden fünf viergliedrige Hochleistungslokomotiven des Typs 4ES5K gebaut, die exklusiv auf den Strecken des Fernen Ostens eingesetzt werden. Die Serie ERMAK wurde ausschließlich für den Einsatz im Güterverkehr konzipiert. Hergestellt wird diese im Transmashholding-Werk für Elektrolokomotiven in Nowotscherkassk (NEWZ, Internet: http://www.nevz.com).

Die Transmashholding liefert für die Langstrecke aber nicht nur elektro- sondern auch dieselbetriebene Lokomotiven. So wird im Maschinenbauwerk Brjansk (BMZ, Internet: http://www.ukbmz.ru) ab 2017 eine komplett neu entwickelte dreigliedrige Diesellokomotive, ZTE25K2M, für den Testeinsatz auf der fernöstlichen Strecke der BAM vorbereitet. Diese soll in der Lage sein, auf nicht elektrifizierten Streckenabschnitten, darunter Taksimo-Sowjetskaja Gawan (2.800 km), eine Last von 7.100 t zu ziehen.

Loks auch im europäischen Teil gebraucht

Der Bedarf der RZD nach Loks für den Einsatz im europäischen Landesteil ist ebenfalls nicht gestillt. So verkauft die Sinara-Gruppe 2017 rund 9 Rangierloks der Serie TEM14 an die RZD-Regionaltochter "Nördliche Eisenbahn". Gebaut werden sie im Diesellokwerk Ljudinowsk.

Des Weiteren schafft die "Nördliche Eisenbahn" 11 Dieselloks der Serie ТEP70BS aus dem Werk Kolomenski (Internet: http://www.kolomnadiesel.com) an. Dieses Werk gehört zur Transmashholding. Die Serie ТEP70BS ist für den Passagierverkehr konzipiert. Nach eigenen Angaben hat das Werk Kolomenski auch schon Aufträge zur Modernisierung von Dieselloks der Deutschen Bahn AG ausgeführt.

Vorhaben im Bereich Schienenfahrzeuge in Russland finden Sie hier.

(U.U.)

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