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06.12.2017

Russische Druckereien erweitern ihr Produktportfolio

Inhalt

Industrieller Druck im Aufschwung / Sinkende Nachfrage bei Druckpublikationen / Von Hans-Jürgen Wittmann (September 2017)

Moskau (GTAI) - Der russische Printmarkt verändert sich rasant. Steigende Preise für Papier, die sinkende Nachfrage nach Publikationen und der Trend zu E-Books machen den Druckereien zu schaffen. Im 1. Halbjahr 2017 sank der Produktionswert von Printerzeugnissen um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Eine Diversifizierung des Produktportfolios soll Abhilfe schaffen. Der Druck von Etiketten, Folien und Verpackungen bietet gute Chancen.

Druckgewerbe

Die Aussichten für das russische Druckgewerbe bleiben verhalten. Im 1. Halbjahr 2017 wurden etwa 50 Milliarden Druckerzeugnisse im Wert von 78 Milliarden Rubel (etwa 1,1 Milliarden Euro; 1 Rubel = 0,015 Euro) in Russland hergestellt. Das entspricht einem Rückgang im Wert um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für 2017 erwarten Branchenexperten dennoch einen höheren Ausstoß. Zum einen wurden zum Jahresbeginn eine Reihe von Produkten aus anderen Bereichen der Druckindustrie eingegliedert und werden nun in der Statistik erfasst, darunter Briefmarken, Wappen, Scheckbücher, Prospekte, Plakate und Aufkleber.

Zum anderen modernisieren die Druckereien ihre Anlagen und erhöhen ihren Ausstoß, was Lieferchancen für deutsche Hersteller von Druckmaschinen eröffnet. Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stiegen die Exporte von Druck- und Papiertechnik nach Russland im 1. Halbjahr 2017 um 117,5 Prozent auf 99,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Produktion der russischen Verlags- und Druckindustrie
Warengruppen 2015 2016 Veränderung 2016/15 ( in Prozent)
Zeitungen (Milliarden Exemplare, 4 Seiten, DIN A2) 13,8 12,8 -7,2
Zeitschriften (Milliarden Blatt) 6,7 5,9 -11,9
Bücher (Milliarden Blatt) 5,2 4,8 -7,7
Technische Druckerzeugnisse (Milliarden Blatt) 11,4 12,1 6,1
Andere Druckerzeugnisse (Milliarden Blatt) 11,3 11,5 1,8

Quellen: Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat; Föderaler Statistikdienst Rosstat

Allgemeine Markttrends

Russische Druckereien nehmen die Herausforderungen der Digitalisierung an und beschaffen neue Anlagen. Nano-Druckverfahren, Web-to-Print sowie der Einsatz von UV-härtender Druckfarbe und Maschinen mit geringerem Verbrauch von Druckchemikalien sind im Kommen. In den nächsten Jahren werden veraltete Offset-Druckmaschinen durch Hochgeschwindigkeits-Walzmaschinen mit Tintenstrahldruck ersetzt. Neue Technologien wie Green Printing oder die Anwendung additiver Drucktechnologien sind in Russland hingegen noch wenig verbreitet.

Import von Druckmaschinen nach Russland
Jahr 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2015 2016
Stück 112 152 168 132 47 54 35 21 29

Quelle: Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat,

Die Moskauer Krasin Hochschule beschafft für ihre Labors zur Ausbildung von Spezialisten für die Druckproduktion insgesamt 14 neue Anlagen für 175 Millionen Rubel. Die Druckerei Gruppa M in Sankt Petersburg erwirbt in der 2. Jahreshälfte 2017 zwei neue Biege- und Falzmaschinen des Schweizer Herstellers Multigraf. Die Bautzener Firma Perfecta lieferte im Juli 2017 zwei Papierschneidemaschinen an die Druckerei Izdat Chernozemje in Woronesch.

Investitionen im russischen Druck- und Verlagswesen (in Milliarden Rubel)
Jahr 2011 2012 2013 2014 2015 2016
21,5 17,8 15,8 14,2 11,3 14,6

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Der Medienkonsum der russischen Bevölkerung beträgt im Schnitt acht Stunden und 36 Minuten pro Person und Tag. Die Zeit für das Lesen von Büchern beläuft sich dabei auf zwölf Minuten, von Zeitungen auf fünf Minuten und von Zeitschriften auf vier Minuten. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts VZIOM vom Dezember 2016 lesen mehr als drei Viertel der Bevölkerung regelmäßig Zeitungen oder Zeitschriften, davon 12 Prozent täglich und 31 Prozent zwei- bis dreimal pro Woche. Rund die Hälfte der Befragten bevorzugen dabei Artikel in Druckform.

Zeitungen/Zeitschriften: Zeitungsauflagen rückläufig

Bei der russischen Aufsichtsbehörde für Massenmedien, Telekommunikation und Datenschutz Roskomnadzor waren Anfang 2017 etwa 80.000 Massenmedien gelistet, ein Rückgang um 3.500 im Vergleich zum Vorjahr. Davon waren 55.000 Zeitungen und Zeitschriften. Die Druckereien produzierten 2016 landesweit etwa 12,8 Milliarden Zeitungen, ein Minus von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Verkauf von Druckerzeugnissen in Russland (in Milliarden Rubel)
Warengruppe 2016 Veränderung 2016/15 (in Prozent)
Zeitungen und Zeitschriften 62,1 -0,8
Bücher 88,3 2,5
Schreibwaren 45,0 12,8

Quellen: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat

Die Rossijskaja Gazeta (RG) bringt seit 1. Januar 2017 nur noch eine digitale Version der fremdsprachigen Printbeilage Russia Beyond The Headlines (RBTH) heraus. Auch die bei Expatriates beliebte englischsprachige Wirtschaftszeitung Moscow Times stellte ihre Druckausgabe zum Juli 2017 ein und erscheint seitdem nur noch online. Andere Zeitungen publizieren nicht mehr im Tages-, sondern im Wochenrhythmus. Kleine regionale Zeitungen wie Samarskie Izwestija oder Tscheljabinskij Rabotschi mussten sogar ganz schließen.

Führende überregionale Zeitungen und Zeitschriften in Russland (Mai bis Oktober 2016)
Titel Anzahl Leser pro Ausgabe (in Millionen) Marktanteil (in Prozent)
Tageszeitungen
.Metro 1,8 2,9
.Rossijskaja Gazeta 0,8 1,3
.Moskowskij Komsomolez 0,7 1,1
.Sport Express 0,4 0,6
.RBK (Zeitung) 0,3 0,5
.Sowjetski Sport 0,3 0,5
.Wedomosti 0,1 0,2
Wochen- und Monatszeitungen
.Argumenty i fakty 5,2 8,5
.Teleprogramma 4,1 6,7
.Komsomolskaja Prawda 4,0 6,6
.777 2,9 4,7
.Orakul 1,4 2,3
.MK-Region 1,3 2,1
.Moja semja 1,3 2,0
.Moskowskij Komsomolez-MK 1,1 1,8
Wochenzeitschriften
.Antenna TeleSiem 7,9 13,0
.7 dnej 3,0 4,9
.Telenedelja 3,0 4,8
.Tjoschtschin jazyk 2,6 4,2
.Zjatiok 1,7 2,7
.Moja prekrasnaja datscha 1,7 2,7
Monatszeitschriften
.Sa ruljom 5,2 8,6
.Cosmopolitan 3,8 6,3
.Wokrug sweta 3,4 5,6
.Karawan istorij 3,1 5,1
.Skanwordy 2,6 4,3
.Ljublju gotowit! 2,4 3,9
.National Geographic Russia 2,2 3,6
.Burda 2,0 3,3
.Sdorowje 1,9 3,1
.Ljubimaja datscha 1,7 2,9

Quelle: Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat,

Die rückläufige Zahl von Verkaufsstellen erschwert die Distribution von Zeitungen. Im Jahr 2016 wurden 5.100 Kioske geschlossen, das entsprach 17,1 Prozent aller Objekte. Im September 2016 gab es russlandweit etwa 36.000 Kioske. In Moskau erwartet die zuständige Agentur Mosgorpechat für 2017 einen weiteren Rückgang bei den Kiosken auf 1.450. Als Folge der Schließungen fiel 2016 der Absatz periodisch erscheinender Druckerzeugnisse über diese Verkaufsstellen in der Hauptstadt um 30 bis 50 Prozent. Ein Kiosk versorgt durchschnittlich 6.325 Einwohner mit Presseerzeugnissen.

Die Herstellung von Zeitschriften sank 2016 um 11,9 Prozent auf knapp 6 Milliarden Blatt. Nach Angaben der Russischen Buch-Kammer wurden etwa 8.000 Titel herausgegeben, davon die meisten in kleinen Auflagen von wenigen Tausend Stück. Seit Dezember 2016 erscheint das Moskauer Journal Afischa nicht mehr in Druckform. Das Verlagshaus Expert stellte den Druck der Zeitschrift Russkij Reporter ein. Seit Januar 2017 gibt es keine Printversion des Magazins The New Times mehr. Die Bauer Mediagruppe bringt die Zeitschriften Joy und Prosto Vkusno ebenfalls nicht mehr in Druckform heraus. Am 9. Januar 2017 gab der Kommersant bekannt, dass er ab sofort keine Printausgabe der Magazine Dengi und Vlast mehr herausgeben wird.

Allerdings kamen 2016 auch neue Titel auf den Markt. Das Verlagshaus Press Kurier startete im vergangenen Jahr den Verkauf der Zeitschrift Joschik. Die Bauer Media Group legte die beiden Titel Dschingilki und Kross Vycherk, eines der beliebten Kreuzworträtselhefte, neu auf. Die Verlagshäuser Sobesednik und Bauer brachten zudem neue Kinderzeitschriften auf den Markt.

Bücher: Stabilisierung auf dem Buchmarkt

Im Jahr 2016 ging die Produktion von Büchern um 2,9 Prozent auf etwa 446 Millionen Exemplare zurück. Der wertmäßige Absatz sank um 1,9 Prozent auf 72,2 Milliarden Rubel. Vor allem Schulbücher waren Verkaufsschlager. Im Einzelhandel sank der Absatz von Büchern jedoch um 2 Prozent. Die Verkaufspreise stiegen auf durchschnittlich 257 Rubel pro Buch, ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2015. Das Sortiment an Büchern im niedrigen Preissegment (bis 300 Rubel) und mittleren Preissegment (bis 500 Rubel) schrumpfte, wohingegen die Zahl der Bücher im Hochpreissegment (ab 500 Rubel) um 12 Prozent stieg. Qualitätsbewusste Leser bleiben also dem bedruckten Papier treu.

Entwicklung des russischen Buchmarktes
2014 2015 2016
Umsatz (in Milliarden Rubel) 75,5 73,6 72,2
Anzahl der veröffentlichten Titel 112.126 112.647 117.076
Anzahl der verkauften Bücher (in Millionen Exemplaren) 485,5 459,4 446,3
Umsatz mit E-Books (in Milliarden Rubel) 1,5 2,3 2,7

Quelle: Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat

Die Bestellungen großer Druckkontingente gehen zurück, kleinere Auflagen liegen im Trend. Druckereien wie KEM in Moskau oder Laki Pak in Rostow ändern ihr Geschäftsmodell und drucken Bücher nur noch On-Demand. Damit verringern sie das Risiko, auf hohen Auflagebeständen sitzen zu bleiben. Zudem macht die Ausbreitung von E-Books traditionellen Büchern Konkurrenz. Die russische Regierung unterstützt den Buchhandel beispielsweise mit Lesewettbewerben und Literaturveranstaltungen. Im Jahr 2016 flossen 614 Millionen Rubel aus dem föderalen Budget in entsprechende Maßnahmen.

Verpackungsdruck und Etiketten: Verpackungsdruck mit guten Wachstumsraten

Der Druck von Papier- und Folienverpackungen bietet großes Wachstumspotenzial für die Zukunft. Derzeit reichen die inländischen Produktionskapazitäten nicht aus, so dass pro Jahr bis zu 30.000 Tonnen bedruckte Verpackungen aus dem Ausland eingeführt werden. Die Firma Heidelberger Druckmaschinen schloss auf der Fachmesse Printech in Moskau zahlreiche Verträge zur Lieferung von Maschinen zum Flexodruck von Etiketten und Verpackungen. Zudem lieferte das Unternehmen an die Druckerei ProfPress im Gebiet Rostow am Don eine Maschine des Typs Speedmaster XL für den Offset-Druck.

Im Verpackungsdruck halten Digitalisierung und neue Technologien Einzug. Zwar werden erst etwa 7 Prozent der Etiketten digital bedruckt, doch geht der Trend klar in diese Richtung. Neben Papier werden auch Folien, Wellpappe, Bleche und Glas, Keramik, Kunststoff und Holz bedruckt. Vor allem selbstklebende Etiketten sind im Kommen, insbesondere solche mit Polyurethan-Klebstoffen (PUR).

Marktstruktur/Wettbewerb/Rahmenbedingungen: Regierung fördert Medien und Druckereien

Die russische Regierung unterstützt TV-, Radio- und Printmedien im Jahr 2017 mit 80 Milliarden Rubel, das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Für das Jahr 2018 stehen sogar nur 68 Milliarden Rubel zur Verfügung. Damit soll unter anderem der Export von Druckerzeugnissen gefördert werden. Zugleich stellt die Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat im Rahmen des föderalen Zielprogramms für die russische Kultur bis 2018 etwa 356 Millionen Rubel zur Verfügung. Davon sollen etwa 84 Prozent an regionale Zeitungen gehen.

Auch die etwa 20.000 Druckereien, von denen rund 90 Prozent kleine und mittlere Betriebe sind, erhalten Vergünstigungen. Das Kommunikationsministerium senkte zum 31. Januar 2017 die Einfuhrzölle auf Papier auf 5 Prozent. Auch auf den Import von Druckplatten und -farbe gibt es Vergünstigungen. Im Rahmen der nationalen Strategie zur Informationssicherheit soll eine Versorgung mit Informationen in den Regionen sichergestellt werden. Der Staat lässt daher regionale Zeitungen, die für viele Bürger neben dem Fernsehen oft die einzige Nachrichtenquelle sind, von lokalen Betrieben drucken.

Verlagsgewerbe

Allgemeine Markttrends: Verlagshäuser suchen neue Vertriebskanäle

Der Pro-Kopf-Absatz von Büchern sank 2016 um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar stieg die Zahl der Titel von Wissenschaftsbüchern und Belletristik in Folge des Jahres der Literatur 2016 an, allerdings nahm auch hier die Gesamtauflage ab. Bei Kinderbüchern stieg die Zahl der neuen Titel um 3,1 Prozent auf 11.160 Stück. Deren Gesamtauflage sank aber ebenfalls um etwa 20 Prozent auf 81 Millionen Exemplare.

Den russischen Verlagshäusern machen starke Preissteigerungen zu schaffen. Die Kosten für hochwertiges Papier verursachen etwa 70 Prozent der Selbstkosten bei der Produktion. Nach Angaben des Verbandes der Distributoren von Druckerzeugnissen (ARPP) verteuerte sich Papier zum Jahresanfang 2017 um bis zu 15 Prozent und im Laufe des Jahres könnte der Preis nochmals um 20 Prozent zulegen. Zudem steigen die Distributionskosten, worunter vor allem die Zeitungen in den Regionen leiden.

Daneben machen rückläufige Einnahmen aus Buchverkäufen und die starke Konkurrenz durch Onlinepublikationen den Verlagen das Leben schwer. Hinzu kommen sinkende Werbeeinnahmen. Im Jahr 2016 meldeten 70 Prozent der Verlage Umsatzrückgänge. Um profitabel zu bleiben, müssen sie ihre Ausgaben senken. Etwa 39 Prozent der Verlage griffen 2016 verstärkt auf die Dienstleistungen russischer Druckereien zurück, für 2017 planen weitere 22 Prozent dies zu tun. Der russische Staat unterstützt das Verlagswesen im Rahmen der Strategie der staatlichen Kulturpolitik bis 2030 mit Literaturveranstaltungen und Lesewettbewerben.

Zur Distribution nutzen die Verlage neben Buchläden verstärkt große Einzelhändler wie Metro, Magnit oder Globus. Die Verkäufe über diesen Absatzkanal beliefen sich 2016 auf 5,4 Milliarden Rubel, was 9,6 Prozent des gesamten Umsatzes entsprach. Bis 2018 könnte dieser um weitere 12 Prozent steigen. Online-Buchhandlungen hatten 2016 einen Marktanteil von 17,2 Prozent. Auch Blogs und soziale Netzwerk wie VKontakte oder Facebook fungieren als Verkaufsplattformen. Kleinere Kioske verlieren hingegen an Bedeutung: über sie erfolgen nur noch 1,5 Prozent des Absatzes.

Die russischen Verlagshäuser versuchen über einen Mix aus Druck- und Digitalausgaben Leser an periodisch erscheinende Druckerzeugnisse zu binden. Einer der Vorreiter ist Hearst Shkulev Media, das unter anderem die Zeitschriften Maxim und Elle herausbringt. Für 2017 erwartet das Verlagshaus einen Anstieg bei den digitalen Verkäufen um 34 Prozent.

Im Jahr 2016 wurden 34,5 Prozent aller periodisch erscheinenden Druckerzeugnisse über Abonnements zugestellt. Nachdem 2014 die Finanzhilfen für das staatliche Postunternehmen Potschta Rossii für die Zustellung von Abonnements abgeschafft wurden, sank die Zahl der Abonnements um 42 Prozent. Inzwischen wird nur noch jedes dritte periodisch erscheinende Druckerzeugnis per Abo zugestellt. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, ist eine erneute Unterstützung der russischen Post im Gespräch.

Marktstruktur/Wettbewerb

Derzeit sind auf dem russischen Markt etwa 8.000 Verlagshäuser tätig, darunter Burda und die Bauer Media Group. Das russische Verlagswesen ist in und um die Hauptstadt Moskau konzentriert, wo etwa 80 Prozent aller Publikationen erscheinen. Die frei verfügbaren Einkommen der Bevölkerung gingen 2016 um 5,9 Prozent zurück. Jeder dritte Russe hatte weniger finanzielle Mittel für die Anschaffung von Büchern zur Verfügung. In der Folge meldeten 70 Prozent der Verlagshäuser Rückgänge bei der Abnahme von Literatur durch Buchläden.

Auflagenstärkste Buchverlage in Russland (in Millionen Exemplaren)
Verlag Auflage 2016 Veränderung 2016/15 (in Prozent) Veränderung 2016/08 (in Prozent)
Prosveshcheniye 60,8 -0,1 33,3
Eksmo 41,5 0,6 -58,4
Examen 16,9 3,0 5,3
Azbooka-Atticus Publishing Group 16,4 3,7 -4,6
Flamingo 14,3 -18,1 -52,2
Egmont Rossija 9,4 -46,6 -53,9
Mozaika-Sintez 9,2 -1,6 204,4
Rosman 8,8 -6,9 -24,6
Vaco 8,4 26,0 347,3
Zentrpoligraf 4,0 -5,4 -31,7

Quelle: Föderale Agentur für Presse und Massenmedien Rospetschat

Rahmenbedingungen: Druckereien müssen Umweltabgabe entrichten

Das föderale Gesetz FZ 305 vom 1. Februar 2016 begrenzt ausländische Kapitalbeteiligungen an russischen Massenmedien auf 20 Prozent. Verlage müssen sich bei der Aufsichtsbehörde Roskomnadzor registrieren oder dürfen nicht mehr als 999 Exemplare einer Auflage drucken. Am 15. Februar 2017 lief die Frist zur Registrierung aus. Dem Gesetz unterlag auch Russlands auflagenstärkste Zeitung Metro. Der schwedische Investor Kinnevik musste sich daraufhin zurückziehen. Der Springer-Verlag verließ bereits 2016 den russischen Markt. Burda fand einen kreativen Ausweg: der Verlag übertrug dem Hauptbuchhalter 90 Prozent der Anteile, nur 10 Prozent blieben bei der Holding.

Ein von den Initiatoren dieses Gesetzes ungewollter Nebeneffekt war, dass auch Werbekataloge ausländischer Unternehmen darunter fielen. Einzelhandelsketten wie Metro, Billa oder Ikea versuchten eine Ausnahmegenehmigung für den Druck ihrer auflagenstarken Prospekte zu erhalten. Doch der Föderale Antimonopoldienst und das Kommunikationsministerium wiesen das Anliegen ab und empfahlen, die Kataloge bei russischen Verlagen registrieren und drucken zu lassen.

Druckereien unterliegen seit Anfang 2017 dem Gesetz FZ 458 zur Entrichtung einer Umweltabgabe. Bedruckte Verpackungen, Zeitungen, Zeitschriften und anderen periodisch erscheinende Druckerzeugnisse sind davon betroffen, auch wenn sie nach ihrer Verwertung zu Makulatur für die Pappe- und Kartonproduktion verarbeitet werden. Die Gebühr für eine Tonne beträgt 2.378 Rubel. Die Abgabe muss bis zum 15. April des Folgejahres entrichtet werden.

Werbung

Russische Unternehmen geben nach der Krise wieder mehr Geld für Marketing aus. Im Jahr 2016 stiegen die Ausgaben für Werbung um 11 Prozent auf 360 Milliarden Rubel. Im 1. Halbjahr 2017 wurden bereits 190 Milliarden Rubel für Werbung aufgewendet, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Löwenanteil floss in TV- und Onlinewerbung. In Zeitschriften wurden allerdings 3 Prozent, in Zeitungen sogar 5 Prozent weniger Anzeigen geschaltet als im Vorjahreszeitraum. In den Regionen war der Rückgang mit 45 Prozent deutlich, in der Hauptstadt Moskau betrug er 6 Prozent.

Etwa 70 Prozent der Anzeigen wurden in den auflagenstarken und landesweit verbreiteten Titeln der führenden Medienholdings geschaltet. Bordmagazine sowie Wissens- und Frauenzeitschriften verzeichneten ein Plus bei den Anzeigen. Kleine regionale Verlage gingen hingegen oft leer aus. Für 2017 erwartet die Werbeagentur Zenith Optimedia bei Printmedien einen weiteren Umsatzrückgang um 7 Prozent auf 18,9 Milliarden Rubel.

Werbeausgaben in Russland (in Milliarden Rubel)
Werbeträger 2016 *) Veränderung 2016/15 (in Prozent) Marktanteil (in Prozent)
Fernsehen 150,8 10 41,9
Print 19,7 -16 5,5
.Zeitungen 5,4 -16 1,5
.Zeitschriften 10,7 -8 3,0
.Werbebulletins 3,6 -32 1,0
Out-of-Home 38,3 6 10,6
.Außenwerbung 31,4 8 8,7
.Verkehrsmittelwerbung 3,6 -11 1,0
.Indoor-Werbung 2,3 5 0,6
.Kinowerbung 1,0 11 0,3
Internet 136,0 21 37,8
Rundfunk 15,1 6 4,2
Insgesamt 359,9 11

*) ohne Mehrwertsteuer

Quelle: Verband der Werbeagenturen Russlands (AKAR)

Der Staat unterstützt die Werbebranche. Mit dem Gesetz FZ-413 vom Dezember 2016 erlaubt das russische Parlament seit dem 1. Januar 2017 mehr Werbefläche in Publikationen. Statt auf 40 Prozent können nun auf 45 Prozent der Seiten Anzeigen gedruckt werden. Werbeagenturen müssen zudem nur einen vergünstigten Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent entrichten. Die Bewerbung von Tabakprodukten ist jedoch verboten, Anzeigen für Alkohol unterliegen starken Beschränkungen.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Rospetschat http://www.fapmc.ru Föderale Agentur für Presse und Massenmedien
Associacija Rasprostranitelej petschatnoj produkcii http://www.arpp.ru Verband der Distributoren von Druckerzeugnissen
Nacionalnaja Associacija Polygrafistow http://www.nrap.ru Verband nationaler Druckunternehmen
Printdaily http://www.printdaily.ru Branchenportal
Petschatnik http://www.pechatnick.com Branchenportal
Printforum http://www.print-forum.ru Branchenportal
Ruprint http://www.ruprint.ru Branchenportal
Printmix http://www.printmix.ru Branchenportal
Planeta SMI http://www.planetasmi.ru Branchenportal
Nacionalnaja Konfederacija Upakowschtschikow http://www.ncpack.ru Nationaler Verband der Verpackungshersteller
Unipack http://www.unipack.ru Portal für Verpackungen
Upakowano http://www.upakovano.ru Portal für Verpackungsmaterialien und -maschinen
Printech http://www.printech-expo.ru Messe für Drucktechnik und Anlagen für Druck und Werbung, 26.06. bis 29.06.17, Moskau
Associacija kommunikacionnych Agentstw Rossii http://www.akarussia.ru Verband der Werbeagenturen Russlands
Mediascope http://www.mediascope.net Marktforschungsunternehmen für die Medienbranche

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Druck-, Verlagserzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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