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06.08.2018

Russische Metropole Sankt Petersburg baut Smart City

Universität ITMO errichtet Innovations-Campus "High Park" / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Sankt Petersburg digitalisiert den innerstädtischen Transport, die Energieversorgung, das Bauwesen und die Verwaltung. Siemens spielt eine führende Rolle.

Die "nördliche Hauptstadt" möchte eines der fortschrittlichsten technologischen Zentren Russlands werden. Unter Federführung der Staatlichen Universität für hochtechnologische Lösungen zu Informationstechnologien, Mechanik und Optik (ITMO) setzt die Metropole an der Newa das Konzept "Umnij Gorod" (Smart City) um. Dabei sollen sowohl die städtischen Behörden, als auch die Energieversorgung und -verteilung sowie die Bau- und die kommunale Wohnungswirtschaft digitalisiert werden. Das Konzept wird zunächst in einer Pilotphase in Kronstadt getestet und nach erfolgreichem Verlauf auf weitere Stadtteile ausgeweitet.

Siemens arbeitet an den Lösungen mit

Eine führende Rolle bei der Realisierung des Smart-City-Konzepts spielt Siemens. Mit der Universität Sankt Petersburg schloss der Münchner Technologiekonzern Ende November 2017 ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft in der Grundlagen- und angewandten Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz ab. Die Lösungen sollen in der städtischen Infrastruktur und bei der Energieerzeugung (Smart Grids) zur Anwendung kommen. Daneben werden Ingenieure im Bereich der industriellen Automatisierung und Softwareentwicklung ausgebildet.

Die Voraussetzung zur Umsetzung der ehrgeizigen Pläne sind gut. Im Rating der russischen Vereinigung innovativer Regionen AIRR (http://i-regions.org) von 2017 nimmt Sankt Petersburg Platz 1 noch vor der Hauptstadt Moskau ein. Im internationalen Vergleich belegte die Newa-Metropole im Smart-City-Index von Easy Park (https://easyparkgroup.com/smart-cities-index) im Jahr 2017 Platz 88 von 100. Der Index bewertet Metropolen nach Kriterien wie Mobilität, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung der Verwaltung.

Basisdaten Sankt Petersburg
Indikator 2016*)
Einwohner (Mio., 01.03.18.) 5,36
Fläche (qkm) 1.403
BIP/Kopf (in US-Dollar) 10.626,6
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm) 3.814,6
Arbeitslosenquote (in %) 0,4
Monatseinkommen pro Kopf (Euro, Durchschnitt Januar bis April 2018) 534
Monatsausgaben pro Kopf(Euro, Durchschnitt Januar bis April 2018) 411
Anlageinvestitionen in der verarbeitenden Industrie (2017/16, Veränderung in %) -21,7
Anlageinvestitionen in Strom-,Gas und Dampfversorgung (2017/16, Veränderung in %) +4,7
Einzelhandelsumsatz (2017/16, Veränderung in %) +2,9
Umsatz im Gastgewerbe (2017/16, Veränderung in %) +3,3
Zahl der kostenlosen WiFi-Zugänge an öffentlichen Plätzen (2018) 803
Wohnungsbau (2017/16, Veränderung in %) +13,5
Anzahl der Zimmer pro Haushalt 1,93
Anteil der Haushalte mit Zugang zu Elektrizität(in %) 100
Elektrizitätsverbrauch pro Kopf (Sankt-Petersburg und Gebiet Leningrad, 2017 /kWh/Jahr) 1.113,4
Abfall pro Einwohner (nur im Wohnsektor, kg/Jahr) 280
Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (in %) 100
Wasserverbrauch pro Kopf (Liter/Tag, 2017) 180,4

*) Wenn nicht anders genannt

Quellen: Föderaler Statistikdienst Rosstat; Regierung von Sankt Peterburg

Smart Grids helfen beim Energiesparen

Ein Schwerpunkt der Smart-City-Strategie der Sankt Petersburger Regierung ist der Aufbau einer intelligenten Energieversorgung. Dazu sollen die Stromnetze modernisiert und ausgebaut werden. Smart Grids sollen dabei die Verteilung und Verwaltung des Stroms steuern, die Übertragungsverluste verringern sowie die Effizienz, Zuverlässigkeit und Sicherheit der Netzinfrastruktur erhöhen. Der Energiekonzern Lenenergo (gehört zu Rosseti) baut bis 2020 die Verteilernetze in Sankt Petersburg aus.

Siemens modernisiert für Lenenergo die Stromnetze und errichtet Smart Grids sowie neue Umspannwerke. Dazu werden in den kommenden drei Jahren etwa 820 Millionen Euro investiert.

Lenenergo plant zudem den Einsatz von Technologien des Mobilfunkanbieters Megafon, um das ungesetzliche Abzweigen von Strom durch Privathaushalte erkennen zu können. Mit dieser intelligenten Lösung sollen die Verluste der Stromgesellschaft um etwa 20 Prozent gesenkt werden, erklären Analysten von AC&M Consulting. Zusätzlich will der Energiekonzern künftig Blockchain-Lösungen anwenden, um Manipulationen an Stromzählern zu verhindern und so Einnahmeausfälle minimieren zu können.

Stadtverwaltung will mit neuem Stadtviertel Start-ups anziehen

Die Stadtverwaltung von Sankt Peterburg plant nahe der Vororte Puschkin, Gatschina und Pawlowsk den Bau der Smart City "Juschni". Bis 2035 sollen auf einer Fläche von 4,3 Millionen Quadratmetern moderner Wohnraum für 130.000 Menschen, sowie ein Technopark und Produktionsflächen für Start-ups entstehen. Kostenpunkt des Großprojekts: etwa 3 Milliarden Euro, die zum Großteil der türkische Investor Renaissance Construction und der Russische Fonds für Direktinvestitionen (FRPI) erbringen.

Mit Elektrobussen sollen die Bewohner künftig innerhalb von 30 Minuten den Prachtboulevard Newski Prospekt erreichen können. Dieses Projekt ist einer der Eckpfeiler der Entwicklungsstrategie der Metropole bis 2030.

Auf dem Territorium der Smart City "Juschni" soll auf 400.000 Quadratmetern der Innovations-Campus "High Park" der Universität ITMO entstehen. Er soll einen Business-Inkubator sowie Forschungslabore beheimaten. Die Schwerpunkte der Arbeit der etwa 3.600 Studenten sollen auf Informationstechnologien (IT), Quantentechnologien, Robotertechnik, Photonik, Biomedizin und Smart Materials liegen. "High Park" wird nach der IT-Schmiede Skolkowo bei Moskau und der Innopolis in Tatarstan der dritte russische Innovations-Campus in Russland werden. Die Kosten für den Bau des Projekts betragen etwa 560 Millionen Euro. Bauherr ist die Firma Start Development.

Städtische Verwaltung wird digital

Russlands zweitgrößte Stadt will in die Fußstapfen Moskaus treten und seine Verwaltung digitalisieren. Mit der Initiative "Smart Sankt Petersburg" möchte die Millionenmetropole an der Newa fit für das 21. Jahrhundert werden. Um den Dokumentenaustausch digitalisieren zu können, fließen Investitionen in den Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur. Moderne mobile Lösungen für Verwaltung, das Gesundheitswesen und die Bildung will die Kommune mit Hilfe von Technologien des Elektronikkonzerns Samsung und des Mobilfunkanbieters MTS einführen. MTS plant dazu, in den kommenden Jahren größere Investitionen. Als IT-Partner stehen die Suchmaschine Yandex und der Mobilfunkanbieter Megafon bereit.

Mit der geplanten Citizen-Card können die Sankt Petersburger künftig eine Vielzahl von öffentlichen Dienstleistungen aus den Bereichen Transport, Gesundheit und Soziales in Anspruch nehmen. Über das Portal "Nasch Sankt Peterburg" (Unser Sankt Petersburg) können sich die Bewohner der Newa-Metropole mit Anfragen an städtische Stellen wenden.

Sicherheitstechnik wird smart

Unter dem Motto "Sicheres Sankt Peterburg" baut die Stadt derzeit eine zentralisierte digitale Sicherheitsarchitektur auf, die sämtliche Rettungsdienste, öffentliche Einrichtungen, kommunale Versorger und Verkehrsbetreiber koordiniert. Durch die Installation und Vernetzung von zusätzlichen Überwachungskameras - zurzeit sind etwa 19.000 im Einsatz - sollen der Autoverkehr effizient gesteuert und die Sicherheit auf den Straßen erhöht werden. Um dieses Datenvolumen bewältigen zu können, werden in den nächsten Jahren rund 2.000 Kilometer Glasfaserleitung neu verlegt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Russischen Föderation sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Stromübertragung und -verteilung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Verwaltung, Administration, Digitalisierung, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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