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24.11.2017

Russische Republik Baschkortostan baut Öl- und Gasverarbeitung aus

Bau eines interregionalen Petrochemieclusters vereinbart / Zahlreiche Infrastrukturprojekte geplant / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Die Republik Baschkortostan beheimatet Russlands größtes Ölraffineriezentrum. Lokale Unternehmen verarbeiten bis zu 30 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Um Fertigungstiefe und Effizienz zu erhöhen, planen Baschkortostan und das Gebiet Omsk einen gemeinsamen Öl- und Gasverarbeitungscluster und investieren in neue Anlagen. Daneben bieten die Entwicklung von Monostädten und die Vorbereitungen zum 100-jährigen Jubiläum der Republik Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. (Kontaktadressen)

Baschkortostan ist die führende Region bei der Verarbeitung von Öl und Produktion von Ölprodukten in Russland. Die Erdölförderung sorgt für etwa 45 Prozent der Wirtschaftsleistung der Republik. Lokale Raffinerien verarbeiten 11,2 Prozent des Erdöls und produzieren 16,3 Prozent des Benzins sowie 13,5 Prozent des Dieselkraftstoffs Russlands.

Polymere wie Polyvinylchlorid, Polypropylen und Polyethylen, Kunststoffe und Kautschuk sind die Hauptexportgüter der Republik. Baschkortostan produzierte als erste russische Region Benzin nach Euro-5-Norm für den Export.

Das Aushängeschild der Republik, das Ölunternehmen Baschneft, wurde im Oktober 2016 von Russlands größtem Ölkonzern Rosneft feindlich übernommen. Der staatliche Ölkonzern verklagte zudem den Vorbesitzer, AFK Sistema Holding, illegal Vermögenswerte von Baschneft abgezogen zu haben. Da im Zuge der Gerichtsentscheidung 2,7 Milliarden Euro beschlagnahmt wurden, musste der Mischkonzern des Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow im Juli 2017 einen technischen Default anmelden. Dessen ungeachtet hat die Regierung von Baschkortostan große Pläne zum Ausbau der Öl- und Gasverarbeitung.

Interregionaler Petrochemiecluster geplant

Baschkortostan hat gemeinsam mit dem Gebiet Omsk die Gründung eines Petrochemieclusters beschlossen, um die Öl- und Gasverarbeitung beider Regionen weiterzuentwickeln und Importe von Polymeren zu ersetzen. Binnen eines Jahres sollen 2,9 Milliarden Euro in den ersten interregionalen Industriecluster Russlands investiert werden. Eine entsprechende Vereinbarung wurde unterzeichnet am Rande des 3. Forums für kleine und mittelständische Unternehmen aus den Mitgliedsländern der Shanghai Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und der BRICS-Staaten, das im September 2017 in Ufa stattfand. Der baschkirische Petrochemiecluster beheimatet zurzeit 188 Unternehmen, der Omsker Cluster 17 Unternehmen.

Einer der großen Ölverarbeiter, AO Polief (gehört zu Sibur), plant die Erweiterung der Produktion von Terephthalsäure im Werk Blagoweschtschensk. Zudem sollen die Filter erneuert und die Kühlanlagen modernisiert werden. Ein genauer Termin für den Projektstart ist noch nicht bekannt. Derzeit produziert Polief Polyethylenterephthalat (PET) zur Herstellung von Plastikflaschen und Terephthalsäure. Da die PET-Produktion viel Energie benötigt, plant Polief den Aufbau einer eigenen Stromversorgung.

Institut für Erdölverarbeitung bildet Kern des Clusters

Das Institut Neftechim Pererabotki in Ufa fungiert als staatliches Ausbildungs- und Forschungszentrum des regionalen Chemieclusters. An neun Lehrstühlen werden Spezialisten für Ölbohrung und -verarbeitung ausgebildet. Mit 600 angemeldeten Patenten ist das Institut ein wichtiger Lizenzgeber. Dabei erhalten Kunden keine Technologien, sondern komplexe Lösungen, die alle petrochemischen Prozesse abdecken.

Daneben schlägt das Institut Lieferanten vor und fungiert so als Multiplikator. Etwa 300 deutsche Firmen, darunter der Hersteller von Industriegasen Linde sowie Anbieter von Mess- und Fördertechnik, arbeiten mit dem Institut zusammen. Russische Partner sind die Branchengrößen Gazprom, Gazprom Pererabotka und Novatek.

Kapazitätsausbau in der Gasverarbeitung

Die Verarbeitung von Gas bietet sogar noch mehr Potenzial. Wichtige Erdgasleitungen durchqueren die Republik Baschkortostan. Pro Jahr werden bereits etwa 15 Milliarden Kubikmeter Gas verarbeitet. Die Kapazitäten könnten bis auf 25 Milliarden Kubikmeter steigen. Auf Basis des Werks GazpromNefteChim in Salawat soll eine neue Anlage zur Gastrennung errichtet werden. Die Investition beläuft sich auf mehrere Milliarden Dollar. Chinesische Investoren haben Interesse an dem Projekt bekundet.

Der Nutzfahrzeughersteller Nefaz, ein Tochterunternehmen von Kamaz, baut im Werk Neftekamsk gasbetriebene Stadtbusse. In Ufa stellen diese bereits 60 Prozent aller Nahverkehrsbusse. Weitere russische Städte rüsten ihre Busflotten auf Gasantrieb um.

Aktuelle Projekte in der Republik Baschkortostan
Projekt / Standort Investition (Mio. Euro)* Projektstand Unternehmen
Aufbau eines interregionalen Öl- und Gaschemieclusters / Republik Baschkortostan und Gebiet Omsk 2.900,0 Abkommen geschlossen, Bauzeit: 20 Jahre Titan Group, http://www.titan-omsk.ru
Bau von zwei Straßen: Sterlitamak-Kara-Magnitogorsk, Ortsausfahrt aus Ufa auf die Autobahn M-5 ("Ural") 158,4 und 406,8 Projekte von Rosavtodor bewilligt, Ausschreibung abgeschlossen Rosavtodor, Baschkirskaja konzessionnaja kompania (Tochter der VTB-Gruppe); als Public Private Partnership; http://www.rosavtodor.ru, http://www.vtb.com
Lokalisierung der Produktion von Arzneimitteln im Werk von Pharmstandard / Ufa 25,0 Geplanter Projektstart: 2018 Roche, http://www.roche.ru
Bau von Solarkraftwerken / Zauralje 15,2 Ab 2020: Kapazität 1 MW Hevel (gehört zu Renova und Rosnano); http://www.renova.ru, http://www.rusnano.ru
Umrüstung der Produktion von 2-, 3- und 5-Achs-Bearbeitungszentren mit CNC-Steuerung / Sterlitamak 12,2 k.A. NPO Stankostroenie (gehört zur STAN Holding), http://www.stankostroenie.com

*) Projektwerte umgerechnet mit EZB-Wechselkurs vom 7. November 2017: 1 Euro = 65,63 Rubel

Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

Gute Projektchancen für deutsche Unternehmen

In Baschkortostan sind auch deutsche Unternehmen erfolgreich am Markt aktiv. Der Hersteller von Metallschläuchen und Kompensatoren Witzenmann hat 3,4 Millionen Euro in die Erweiterung seiner Produktionsstätte in Ufa investiert. Dort werden künftig Kompensatoren für die Automobilbranche, die Öl- und Gasindustrie sowie zur Herstellung von medizinischen Geräten produziert. Der deutsche Maschinenbauer Amandus Kahl hat für 1,2 Millionen Euro eine Holzpelletieranlage an die Firma Selena nahe Belorezk verkauft. Pro Jahr können damit 14.000 Tonnen Holzpellets hergestellt werden.

Die Bashkirskaya elektrosetevaya kompaniya (BESK, gehört zu AFK Sistema) will in Ufa ein intelligentes Stromnetz aufbauen. Bis 2019 sollen der Stromverlust der Hauptstadt halbiert und sechs Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Ursprünglich sollte Siemens die Elektrotechnik und Schaltanlagen für das Projekt liefern. Doch BESK will Siemens durch die Sankt Petersburger Firma Eltechnika als Ausrüster ersetzen.

Monostädte werden entwickelt

In Baschkortostan sollen die sechs Monostädte Belebej, Kumertau, Neftekamsk, Belorezk, Utschaly und Blagoweschtschensk wirtschaftlich stärker diversifiziert werden. Im Rahmen des bis 2025 ausgelegten regionalen Programms "Umfassende Entwicklung der Monostädte" werden 2018 etwa 460 Millionen Euro investiert. Dabei sollen 9.000 neue Arbeitsplätze außerhalb der wirtschaftlich dominierenden Unternehmen entstehen.

Projekte zur Vorbereitung auf das 100-jährige Jubiläum der Republik

Zum 100-jährigen Jubiläum von Baschkortostan im Jahr 2019 putzt sich die Republik heraus. Bis dahin werden 30 Infrastrukturprojekte im Wert von etwa 380 Millionen Euro realisiert. Unter anderem sind der Bau einer Ostumfahrung um die Hauptstadt Ufa, einer Brücke über den gleichnamigen Fluss, sowie einer Teilstrecke der Autobahn von Sterlitamak nach Magnitogorsk geplant. Daneben werden Parks, Springbrunnen und Denkmäler gebaut. Auch die Bodenbelastung durch den Rohstoffabbau soll beseitigt werden. Für die Sanierung fehlen jedoch die nötigen Technologien.

Kontaktadressen

Entwicklungsgesellschaft der Republik Baschkortostan

Ansprechpartner: Oleg Golow, Generaldirektor

ul. Puschkina 110

450057 Ufa

T +7 (0)347 214 90 70

infokrrb@bashkortostan.ru

AO Polief (Sibur Holding)

Ansprechpartner: Dmitrij Wladimirowitsch Schurawljow, Leitender Ingenieur

ul. Sozialisticheskaja 71

453434 Blagoweschtschensk

T +7 (0)347 662 31 01

inbox@polief.sibur.ru

Institut Neftechim Pererabotki Ufa

Ansprechpartner: Elschad Teljaschew, Direktor

ul. Iniziativnaja 12

450057 Ufa

T +7 (0)347 242 25 11

inhp@inhp.ru

(HJW)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Öl, Gas, Petrochemie

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Edda Wolf

GUS/Südosteuropa

‎+49 228 24 993 214

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