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22.02.2018

Russischer Markt für Verpackungsmaschinen auf Wachstumskurs

Neue Vorschriften zu Informationen auf Verpackungen und zum Recycling kurbeln Nachfrage an / Von Boris Alex (Januar 2018)

Berlin (GTAI) - Der Bedarf an Maschinen zum Verpacken und Abfüllen von Lebensmitteln wächst. Die Konsumausgaben steigen und der Einzelhandelsumsatz legt zu. Wichtige Abnehmerbranchen wie die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie expandieren - auch dank staatlicher Unterstützung. Der Import von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen entwickelt sich ebenfalls positiv. Allerdings fördert die russische Regierung die einheimischen Anbieter mit Subventionen und zinsgünstigen Investitionskrediten.

Der russische Verpackungsmarkt wird sich 2018 voraussichtlich positiv entwickeln. Damit wächst die Nachfrage nach Maschinen zum Verpacken und Abfüllen. Wachstumstreiber sind die wieder leicht steigenden verfügbaren Einkommen, die sich positiv auf den privaten Konsum auswirken. Dadurch wird der Einzelhandelsumsatz 2018 um etwa 3 Prozent zulegen. Die russische Regierung will im Rahmen ihrer Politik der Importsubstitution wichtige Abnehmerbranchen für Verpackungsmaschinen wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie und den Pharmasektor weiterhin finanziell unterstützen.

Allein der Landwirtschaftssektor wird 2018 mit umgerechnet 3,5 Milliarden Euro bezuschusst. Auch die Pharmaunternehmen kommen in den Genuss von Fördermitteln, um ihre Fertigungskapazitäten zu erweitern und auf GMP-Standard zu modernisieren. Der Anteil lokal produzierter und verpackter und abgefüllter Lebensmittel, Getränke und Arzneimittel wird sich also in den kommenden Jahren weiter erhöhen und die Nachfrage nach Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen positiv beeinflussen.

Entwicklung der Produktion ausgewählter Erzeugnisse (Veränderung in Prozent)
Warengruppe Veränderung 2016/2015 Veränderung 2017/16 *)
Nahrungsmittel 2,4 3,7
Getränke 1,1 -1,2
Pharmazeutika 3,7 11,2
Kosmetika und Haushaltschemie 7,4 k.A.

*) Januar bis Juni

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Daneben dürfte eine Reihe von Gesetzesinitiativen mit direkter Auswirkung auf den Verpackungsmarkt die Ausrüstungsinvestitionen in den Abnehmerbranchen ankurbeln. In der Nahrungsmittelindustrie werden die Anforderungen an die Produktinformationen auf den Verpackungen weiter verschärft. Beispielsweise sind die enthaltenen gentechnisch modifizierten Organismen anzugeben. Zudem sollen die Informationen auf mindestens 30 Prozent der Verpackungsfläche gut sichtbar angebracht werden.

Auch wird die Einführung einer Ampelkennzeichnung, mit deren Hilfe der Gehalt an gesundheitsrelevanten Nährstoffen signalisiert werden soll, diskutiert. Im Pharmasektor ist ab 2020 eine einheitliche Kennzeichnung von Arzneimitteln Pflicht, um die Patienten vor Fälschungen zu schützen. Zudem bereitet das russische Parlament einen Gesetzentwurf vor, dass künftig Informationen zum Medikament sowie zu dessen Einnahme in Blindenschrift auf die Verpackung gedruckt werden müssen.

Einen erheblichen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Verpackungsindustrie hat die Verschärfung der Abfall- und Recyclinggesetzgebung in Russland. Mit der Novelle des Gesetzes "Über Produktions- und Verbrauchsabfälle" müssen Produzenten und Importeure seit 1. Januar 2015 die eigenständige Entsorgung von Verpackungen sicherstellen. Für Kartonverpackungen wird die Recyclingquote 2018 auf 25 Prozent, 2019 auf 35 Prozent und 2020 auf 45 Prozent erhöht.

Falls die Unternehmen dieser Recyclingpflicht nicht nachkommen, wird eine Umweltabgabe erhoben. Für Papier, Wellpappe, Papier- und Kartonverpackungen werden beispielsweise umgerechnet 34,40 Euro und für Verpackungsmaterialien aus Kunststoffen 55,60 Euro pro Tonne fällig. Die Unternehmen haben also einen finanziellen Anreiz, ihr Verpackungsaufkommen durch moderne und effizientere Anlagen zu verringern.

Ein Beispiel hierfür ist der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle, der allein 2016 das Verpackungsmaterial an seinen russischen Standorten um 20 Prozent gegenüber dem Jahr davor reduziert hat. Das Unternehmen will den Packmaterialverbrauch in den nächsten Jahren um 5 Prozent per annum reduzieren.

Von der steigenden Nachfrage nach Ausrüstung profitieren auch ausländische Anbieter. Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sind die Importe von Nahrungsmittelverarbeitungs- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland in den ersten neun Monaten 2017 um 2,2 Prozent auf 259,1 Millionen Euro gestiegen. Allerdings dürfte sich der Wettbewerb in diesem Segment in den kommenden Jahren verschärfen. Im Rahmen der Strategie zur Entwicklung des Nahrungs- und Verpackungsmaschinensektors soll sich der Anteil lokal gefertigter Ausrüstung bis 2030 auf 62 Prozent mehr als verdoppeln.

Laut Industrieministerium wurden in den ersten zehn Monaten 2017 Maschinen im Wert von 166 Millionen Euro gefertigt, eine Steigerung um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bis 2030 soll der Produktionswert verdreifacht werden, so die Pläne der Regierung. Das russische Industrieministerium hat ein Unternehmensverzeichnis zur Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenindustrie erstellt. Das Dokument ist abrufbar unter: http://minpromtorg.gov.ru/docs/#!katalog_rossiyskih_proizvoditeley_mashin_i_oborudovaniya_dlya_pishhevoy_i_pererabatyvayushhey_promyshlennosti.

Nahrungsmittel

Russland setzt seine Politik der Importsubstitution im Nahrungsmittelsektor unvermindert fort. Um das selbst gesteckte Ziel einer weitgehenden Unabhängigkeit von Lebensmittelimporten zu erreichen, fördert die russische Regierung die heimische Landwirtschaft 2018 mit 3,5 Milliarden Euro.

Die wachsende Agrarproduktion kurbelt auch die Nachfrage nach Maschinen zur Verarbeitung und zum Verpacken von Molkereierzeugnissen, Fleischwaren und anderen Nahrungsmitteln an. Außerdem verändert sich der Lebens- und Ernährungsstil der russischen Bevölkerung. Das bringt neue Anforderungen an die Verpackungen mit sich. Produzenten und Verarbeiter streben danach, die Qualität ihrer Produkte zu erhöhen und die Verpackungen modern zu gestalten.

Entwicklung der Produktion ausgewählter Nahrungs- und Genussmittel (Veränderung in Prozent)
Warengruppe Veränderung 2016/2015 Veränderung 2017/16 *)
Milch und Milchprodukte 1,1 2,8
Fleisch und Fleischprodukte 3,8 5,8
Produkte der Fischverarbeitung, Fisch- und Meeresfrüchtekonserven 2,8 10,2
Gemüse und Pilze, tiefgefroren 9,4 44,2
Backwaren mit kurzer Haltbarkeit -2,8 -1,5
Waren aus Mehl und Stärke -0,3 5,2
Süßwaren 2,2 3,1
Gemüse- und Obstsäfte (Dosen) -1,5 -26,3
Tierfutter 3,9 k. A.
Tabakwaren -0,8 -20,3

*) Januar bis Juni

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Molkereiprodukte

Die Produktion von Milch und Molkereierzeugnissen ist im 1. Halbjahr 2017 um 2,8 Prozent gestiegen. Für 90 Prozent der russischen Bevölkerung sind Milchprodukte fester Bestandteil des täglichen Speiseplans. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist allerdings seit Jahren rückläufig und sank 2017 abermals um 1,5 Prozent auf 233,4 Kilogramm.

Die Erzeugung von Rohmilch hat 2017 um knapp 1 Prozent auf etwa 31 Millionen Tonnen zugenommen (vorläufige Schätzung). Auch die Produktion von Molkereierzeugnissen entwickelte sich im Jahresverlauf 2017 positiv. Aktuellen Informationen des Föderalen Statistikdienstes Rosstat zufolge stieg die Produktion von Januar bis November um 7,6 Prozent auf 247.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Herstellung von Käse legte um 5,2 Prozent auf 424.000 Tonnen und die von Joghurt um 3,3 Prozent auf 727.000 Tonnen zu.

Russland ist beim Konsum von Käse noch ein Entwicklungsland. Mit 5,5 Kilogramm im Jahr 2016 liegt der Pro-Kopf-Verbrauch weit unter dem europäischen Durchschnitt von 20 Kilogramm. Allerdings steigen die Umsätze. Mit höheren verfügbaren Einkommen dürfte auch die Nachfrage nach Käseprodukten weiter zunehmen. Dabei erfreuen sich verpackte Erzeugnisse wachsender Beliebtheit; ihr Anteil hat sich seit 2011 verdreifacht auf rund 15 Prozent.

Die russische Molkereibranche hat im Zuge der Importsubstitutionspolitik zahlreiche Investitionen aus dem In- und Ausland angelockt. Die Agrarholding Ekoniva des deutschen Landwirts Stefan Dürr hat nach dem Bau von vier neuen Milchfarmen und der Übernahme zweier landwirtschaftlicher Betriebe im Jahr 2017 ihre führende Marktposition weiter ausgebaut. Der Tierbestand zählt über 60.000 Milchkühe.

Das Unternehmen setzt seinen Expansionskurs fort und hat Anfang 2018 die Übernahme eines Milchkombinats des russischen Nahrungsmittelkonzerns Wimm-Bill-Dann im Bezirk Anninsky bekannt gegeben. Ekoniva will 2018 rund 145 Millionen Euro in den Bau von drei neuen Milchfarmen in Woronesch, Kaluga und Nowosibirsk mit jeweils 2.800 Kühen und einer Jahresproduktion von insgesamt 26.000 Tonnen Milch investieren. Bis Ende 2019 soll sich der tägliche Milchertrag auf insgesamt 2.000 Tonnen verdoppeln.

Derzeit befindet sich eine Reihe von Investitionsvorhaben in der Milchwirtschaft im Bau oder in der Planung. Die CP Group aus Thailand errichtet für rund 851 Millionen Euro eine Milchproduktion im Gebiet Rjasan. Die vietnamesische TH Group investiert bis 2019 etwa 240 Millionen Euro in eine Milchfarm mit einer Kapazität von bis zu 1 Million Liter pro Tag in der Region Kaluga. Daneben hat das Unternehmen im Moskauer Gebiet den Grundstein für eine Fabrik zur Weiterverarbeitung von Milch gelegt. Die KOMOS Group steckt 14,5 Millionen Euro in die Modernisierung ihres Milkom-Milchwerks in Kasan.

Daneben expandieren russische Fleischverarbeiter verstärkt in die Milchwirtschaft. Das Unternehmen Miratorg investiert umgerechnet 340 Millionen Euro in den Aufbau einer Milchfarm im Gebiet Tula. Der Wurst- und Fleischhersteller Dymow hat Pläne zum Bau einer Molkerei mit 3.000 Milchkühen und einem Ausstoß von 30 Tonnen pro Tag für 17 Millionen Euro bekannt gegeben.

Auch in der Milch verarbeitenden Industrie stehen zahlreiche Investitionsvorhaben an. Der deutsche Käsehersteller Hochland erweitert sein Werk im Gebiet Belgorod. Bis 2020 werden 15 bis 30 Millionen Euro investiert, um die Kapazitäten auf 38.000 Tonnen Feta- und Schmelzkäse pro Jahr zu erweitern. Das Deutsche Milchkontor will 2018 für knapp 2 Millionen Euro die Kapazität seiner Fabrik in Woronesch um 2.900 Tonnen auf 14.400 Tonnen pro Jahr erweitern. Das Branchenportal http://www.milknews.ru berichtet regelmäßig über aktuelle Investitionsprojekte in der russischen Molkereiindustrie.

Fleischverarbeitung

Die Produktion von Fleisch und Fleischerzeugnissen wuchs im 1. Halbjahr 2017 um 5,8 Prozent. Diese positive Entwicklung setzte sich auch in der zweiten Jahreshälfte fort. Laut Rosstat erhöhte sich der Ausstoß von Geflügel in den ersten elf Monaten 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen. Die Erzeugung von Rind-, Schweine- und Lammfleisch legte um 6,9 Prozent auf 4,3 Millionen Tonnen zu. Fleischhalbfertigerzeugnisse verzeichneten im gleichen Zeitraum ein Plus von 7,3 Prozent auf 2,8 Millionen Tonnen. Die Produktion von Wurst stieg um 3,5 Prozent auf 2,1 Millionen Tonnen.

Der Fleischverbrauch hat mit 75 Kilogramm pro Kopf wieder sein Vorkrisenniveau erreicht. Die Kunden wandeln ihre Lebensgewohnheiten und bevorzugen gekühlte und gefrorene Halbfertigerzeugnisse, die schnell zubereitet werden können. Um ihre Margen zu erhöhen, gehen die Fleischerzeuger dazu über, das Fleisch selbst zu verarbeiten und zu verkaufen.

Auch Einzelhandelskonzerne wie Auchan aus Frankreich erweitern ihre Wertschöpfungsketten und bauen eigene Betriebe zur Fleischverarbeitung in Russland. Lokale kleinere Firmen konkurrieren dabei mit den großen Holdings. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie nicht nur ihre Produktionsanlagen modernisieren, sondern auch in ein ansprechendes Verpackungsdesign investieren.

Deshalb steht in der Fleisch verarbeitenden Industrie eine ganze Reihe von Investitionen an. Das derzeit größte Vorhaben wird von Russlands führendem Fleischproduzenten Miratorg vorangetrieben. Das Unternehmen investiert 2,4 Milliarden Euro in den Aufbau einer Schweinefarm und eines modernen Schlachtbetriebs im Gebiet Kursk.

Miratorg baut auch die Produktion von verpackten Fleischerzeugnissen in seinen bestehenden Werken weiter aus und investiert in neue Verpackungsmaschinen. In seiner Fabrik in Belgorod betreibt das Unternehmen 17 Verpackungslinien für rund 200 Produkte. Der Output von verpackten Fleischwaren legte 2017 um 3,4 Prozent auf knapp 60.000 Tonnen zu. Der zweitgrößte Hersteller von Schweinefleisch, RusAgro, erweitert seine Produktion in der Region Primorje (Wladiwostok) für 720 Millionen Euro.

Die Geflügelverarbeitung wächst ebenfalls. Prognosen der Branchenverbandes Rosptizesojus (http://www.rps.ru) zufolge wird die Produktion 2018 auf 4,9 Millionen Tonnen steigen. Auch hier sind eine Reihe von Neu- und Erweiterungsinvestitionen geplant. Die Nummer Zwei bei Geflügel, Tscherkisowo, plant für 43 Millionen Euro im Gebiet Moskau eine neue Geflügelfarm. Damate baut bis Ende 2018 seine Putenmastanlage im Gebiet Pensa aus. Das Branchenportal http://www.meatinfo.ru berichtet regelmäßig über aktuelle Investitionsprojekte in der Fleisch-verarbeitenden Industrie in Russland.

Backwaren

Brot ist das wichtigste Grundnahrungsmittel, doch sinkt der Brotkonsum der Russen seit Jahren auf zurzeit 49 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Produktionszahlen wider. In den ersten elf Monaten 2017 ging die Herstellung von industriell hergestellten Backwaren um 3,7 Prozent auf 5,4 Millionen Tonnen zurück. Hinzu kommen schätzungsweise 6 Millionen Tonnen an Backwaren, die in den rund 7.000 Kleinbäckereien - meist ohne jede staatliche Kontrolle - produziert werden.

Die geringere Nachfrage nach Backwaren hat in den vergangenen zehn Jahren für eine Konsolidierung in der Branche gesorgt. Die Zahl der Großbäckereien hat sich seit 2006 von 1.256 auf rund 750 im Jahr 2016 verringert. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, so die Einschätzung des Branchenportals Agroinvestor. Während vor allem kleinere und technisch veraltete Bäckereien vom Markt verschwinden werden, dürften andere in moderne Ausrüstung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies könnte auch Absatzchancen für Anbieter von Verpackungsmaschinen eröffnen.

Für 40 Prozent der Kunden ist die Verpackung des Brotes ein entscheidendes Kaufargument. Neben der Frische ist ein ästhetisch ansprechendes Äußeres relevant. Etwa 70 Prozent der Kunden wählen abgepacktes Brot mit Klipps zum mehrmaligen Öffnen und Schließen. Eine hochwertige Verpackung wird als hygienisch rein angesehen und soll das Brot vor Hitze, Feuchtigkeit oder Verschmutzung schützen.

Süßwaren

Die Nachfrage nach Süßwaren hat sich nach zwei Krisenjahren wieder erholt. Das Branchenportal CIKR (http://www.cikr.ru) erwartet für das Gesamtjahr 2017 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 24,5 Kilogramm. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Dauerbackwaren mit 9,5 Kilogramm, gefolgt von Zuckerwaren mit 6,8 Kilogramm und Schokolade mit knapp 5 Kilogramm pro Person.

Die Produktion von Süßwaren verzeichnete in den ersten elf Monaten 2017 ein Plus von 2,3 Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen. Diese positive Entwicklung wird sich 2018 fortsetzen, so die Prognose von CIKR. Wachstumstreiber sind die gestiegene Kauflust der russischen Konsumenten und die lebhaftere Nachfrage aus dem Ausland. Die Exporte von Süßwaren legten im 1. Halbjahr 2017 um 2,5 Prozent auf 211.000 Tonnen zu.

Anteil der verpackten Süßwaren am Süßwarenmarkt (2016, mengenmäßig)
Warengruppe Anteil (in %)
Gebäck 34
Schokopralinen 31
Schokotafeln und -riegel 15
Bonbons 7
Waffeln, traditionell 7
Marshmallows 4
Waffeln, mit Schokolade bedeckt 2

Quelle: Marktforschungsinstitut Nielsen

Der Anteil verpackter Erzeugnisse am gesamten Süßwarenmarkt ist laut einer Studie des Marktforschers Nielsen im internationalen Vergleich noch gering. Angesichts der sich wandelnden Ansprüche der russischen Verbraucher an Hygiene und Produktdesign sowie der zunehmenden Ausrichtung der lokalen Hersteller auf den Export ihrer Waren, wird dieser Anteil aber in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Wie bei den Backwaren konsolidiert sich auch die Süßwarenbranche weiter. Im 1. Halbjahr 2017 hat die KDW-Group, einer der größten Süßwarenhersteller in Russland, für rund 36 Millionen Euro den Gebäckproduzenten Gran übernommen. Das Unternehmen will seine Kapazitäten für Dauerbackwaren und Zuckerwaren erweitern und hat hierzu zusätzlich 60.000 Hektar Ackerfläche im Gebiet Orjol für 23 Millionen Euro erworben. Dort sollen Zuckerrüben und Hartweizen angebaut werden. Der Südkoreanische Süßwarenkonzern Orion will für 68 Millionen Euro eine Fabrik im Gebiet Twer bauen. Dort sollen auf sieben Fertigungslinien verschiedene Süßwaren produziert werden.

Snacks

Salzige Snacks wie Nüsse, Kartoffel- und Gemüsechips, Salzgebäck, aber auch getrocknete Früchte und Fische sowie Fleisch- und Wurstsnacks, sind eines der Hauptsegmente bei den verpackten Nahrungsmitteln. Im Jahr 2016 wurden Snacks im Wert von 267 Milliarden Rubel (3,6 Milliarden Euro) in Russland verkauft. Für 2017 erwartet der Marktforscher Euromonitor ein Wachstum auf 286 Milliarden Rubel. Bis 2022 soll der Umsatz weiter auf 358 Milliarden Rubel zulegen.

Da immer mehr Kunden weniger Salz und künstliche Zusatzstoffe zu sich nehmen möchten, entscheiden sie sich zunehmend für gesündere salzige Snacks. Im Jahr 2016 hatten noch Kartoffelchips mit 23 Prozent den größten Anteil. Süßwaren in Riegelform spielen mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Rubel im Jahr 2016 eine geringere Rolle im Snack-Segment. Allerdings wird sich die Nachfrage nach diesen Produkten laut Euromonitor bis 2022 auf 10 Milliarden Rubel mehr als verdoppeln. Müsliriegel dominieren hier mit einem Umsatzanteil von 58 Prozent. Energieriegel dürften in den nächsten Jahren aber am stärksten wachsen, so die Einschätzung des Marktforschers.

Getränke

Der Absatz von nicht-alkoholischen Getränken belief sich nach Informationen des Marktforschers Nielsen im Jahr 2016 auf etwa 11 Millionen Liter. Mineralwässer sind mit einem Anteil von 43 Prozent führend. Die Produktgruppe verzeichnet durchschnittliche Zuwächse von 3 Prozent pro Jahr. Andere nicht-alkoholische kohlensäurehaltige Getränke machen etwa 27 Prozent des Marktes aus. Diese Sparte musste aufgrund gestiegener Preise 2016 einen Absatzrückgang um 4 Prozent verkraften. Inzwischen hat sich die Nachfrage aber wieder erholt, denn in den ersten neun Monaten 2017 legte der Umsatz mit nicht-alkoholischen Getränken um 5,6 Prozent zu.

Der Absatz von Mineralwasser wird sich laut Nielsen in den kommenden Jahren positiv entwickeln. Schätzungsweise 94 Prozent des Marktvolumens entfallen dabei auf in PET-Flaschen abgefüllte Produkte. Derzeit halten sich die kohlensäurehaltigen und stillen Sorten noch in etwa die Waage. Allerdings wird sich das Absatzvolumen der stillen Mineralwässer bis 2025 voraussichtlich auf 4,5 Milliarden Liter erhöhen und der Marktanteil auf über 60 Prozent steigen.

Der Trend zu gesunder Ernährung lässt die Nachfrage nach alkoholischen Getränken sinken. Die seit Jahren anhaltende Talfahrt auf dem Biermarkt hat sich 2017 fortgesetzt. In den ersten neun Monaten ging die Produktion um 4,6 Prozent auf 5,8 Milliarden Liter zurück. Zuwächse verzeichnet hingegen die Craft-Bier-Sparte. Inzwischen gibt es rund 1.000 Brauereien in Russland. Daneben erweitern die Großbrauereien ihre Produktportfolios um diese Sorten. Beispielsweise verkaufte der russische Marktführer SunInbev 2016 rund 50.000 Hektorliter Craft-Biere.

Da Russland den Alkoholkonsum stärker begrenzen will, müssen sich die Produzenten auf weitere Reglementierungen einstellen. Diese haben häufig auch Auswirkungen auf die Verpackung ihrer Getränke. Im vergangenen Jahr 2017 wurde bereits die Abfüllung von Bier in Plastikflaschen mit 1,5 oder mehr Litern Volumen gesetzlich verboten.

Ende 2017 hat das russische Parlament zudem ein Gesetz auf den Weg gebracht, das die verpflichtende Kennzeichnung von Glasflaschen für Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr 28 Prozent vorsieht. Weitere Informationen sind in russischer Sprache abrufbar unter: http://docs.cntd.ru/document/556175638 und http://docs.cntd.ru/document/556175638.

Deutlich besser stellt sich die Situation auf dem Weinmarkt dar. Im Jahr 2017 wurden in Russland 950 Millionen Liter Wein konsumiert. Die Branche erwartet bis 2026 eine Verdopplung des Absatzes. Gerade im Hochpreissegment dominieren allerdings nach wie vor Weine aus dem Ausland (Italien, Frankreich). Die russische Regierung will daher die lokale Weinherstellung stärker fördern. Beispielsweise wurden die Kosten für die Lizenz zur Weinherstellung von 800.000 auf 65.000 Rubel gesenkt. Russlands größter Weinkellerei Ariant will bis 2019 etwa 65 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion investieren.

Arzneimittel

Im 1. Halbjahr 2017 stellten Pharmaunternehmen in Russland 11,2 Prozent mehr Arzneimittel her als im Vorjahreszeitraum (2016: +15,5 Prozent gegenüber Vorjahr). Insgesamt wurden 4,3 Millionen Packungen pharmazeutische Präparate im Wert von 17,5 Milliarden Euro erzeugt. Einheimische Präparate hatten dabei einen Anteil an der Produktionsmenge von 72,8 Prozent.

Auch deutsche Pharmaunternehmen wie Bayer, Merck, Boehringer Ingelheim, Berlin-Chemie (Menarini) oder Stada produzieren im größten Flächenland der Welt. Im Rahmen der "Strategie zur Entwicklung der Pharmaindustrie bis 2020" plant die russische Regierung unabhängiger von Importen zu werden und den Marktanteil inländischer Präparate auf 50 Prozent zu steigern, bei lebensnotwendigen Medikamenten sogar bis 2019 auf 90 Prozent.

Zwar hat die russische Regierung Ende 2017 die Einführung einer einheitlichen Kennzeichnung von Arzneimitteln um ein Jahr auf den 1. Januar 2020 verschoben. Dennoch müssen die Pharmaunternehmen ihre Verpackungsdesigns in den nächsten zwei Jahren den gesetzlichen Vorgaben anpassen. So müssen die Hersteller künftig QR-Codes auf den Packungen anbringen. Hinzu kommt, dass auf die Verpackungen auch Informationen zum Arzneimittel sowie zu dessen Einnahme in Blindenschrift gedruckt werden müssen. Diese beiden Gesetzesinitiativen dürften bei den meisten Pharmaunternehmen zusätzliche Investitionen in Verpackungsmaschinen auslösen.

Daneben lokalisieren immer mehr ausländische Unternehmen ihre Produktion, um weiterhin ihre Medikamente an die staatlichen Abnehmer liefern zu dürfen. Aktuell befinden sich knapp zwanzig Neu- und Erweiterungsprojekte im Bau oder in der Planung. Das deutsche Pharmaunternehmen Bionorica baut eine Produktion in Woronesch auf. Ab 2018 sollen etwa 120 Millionen Tabletten das Werk verlassen.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche will ab 2018 Arzneimittel beim russischen Hersteller Pharmstandard in Ufa produzieren lassen und investiert hierfür etwa 25 Millionen Euro. American Amgen will ebenfalls auf den Fertigungslinien von Pharmstandard 50.000 Flaschen seines Präparats Blincyto herstellen.

Kosmetika und Haushaltschemie

Russische Konsumenten geben wieder mehr Geld für Hautpflegecremes und Parfüms aus. Der Umsatz mit Kosmetika ist 2017 laut RBC Research um rund 7 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro gestiegen. Andere Quellen sehen das Absatzvolumen sogar bei rund 9 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach Haushaltchemie hat sich allerdings noch nicht wieder von der Krise erholt. Der Marktforscher Euromonitor schätzt, dass der Umsatz 2017 um 2,6 Prozent auf knapp 3 Milliarden Euro zurückgegangen ist.

Die Konzentration im Drogerie-Einzelhandel setzt sich fort. Die Nummer zwei auf dem russischen Markt, Ulybka Radugi, hat im September 2017 die Übernahme des Konkurrenten Alpari bekannt gegeben und wird dessen 260 Geschäfte übernehmen. Ulybka Radugi will in den kommenden drei Jahren 22 Millionen Euro in den Ausbau des Filialnetzes investieren. Derzeit verfügt die Drogeriekette über rund 500 Niederlassungen und will weitere 540 Geschäfte und 1.000 neue Verkaufspunkte eröffnen.

Die russischen Hersteller von Haushaltschemie und Kosmetika wollen ihre Produkte verstärkt im Ausland absetzen. Der Export von Kosmetika und Parfüms legte im 1. Halbjahr 2017 um 46 Prozent auf 295 Millionen US-Dollar zu. Hauptabnehmer sind vor allem die übrigen GUS-Staaten, aber die Erzeugnisse finden inzwischen auch in anderen Ländern Kunden. Russlands größter Hersteller von Haushaltschemie und Kosmetika, Nefis, hat im 1. Halbjahr 2017 Waren mit einem Volumen von 8,5 Tonnen in die VR China exportiert.

Setzt sich dieser Trend fort, dürften die russischen Anbieter ihre Produktionskapazitäten erweitern. Der US-amerikanische Haushaltschemie- und Verbrauchsgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) beabsichtigt, in die Erweiterung und Modernisierung seiner Produktionsanlagen im Gebiet Tula 72 Millionen Euro zu investieren.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in der Russischen Föderation sind unter http://www.gtai.de/russland abrufbar.

(B.A.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Körperpflegemittel und Kosmetika

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